23. November 2012

[Rezension] Wulf Dorn - Mein böses Herz

Wulf Dorn
Mein böses Herz
Verlag: cbt
Seiten: 416 Seiten
Ausgabe: Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
Erschienen am: 27. Februar 2012
ISBN: 978-3-570-16095-4
Preis: € 16,99
Leseprobe

 
Seitdem die 16-jährige Doro eines Morgens ihren kleinen Bruder Kai tot in seinem Bett vorgefunden hat, leidet sie unter Alpträumen und Halluzinationen. Obwohl die Ärzte versichern, dass er an einer Hirnblutung gestorben ist, weiß Doro insgeheim, dass mehr dahinter stecken muss, denn seit jenem Tag sind ihre Erinnerungen lückenhaft und sie kann Realität und Fiktion nicht mehr voneinander unterscheiden. Immer wieder sieht sie ihren toten Bruder vor sich und so bleibt ihr gar nichts anderes übrig, als eine Psychotherapie zu machen.
Die Eltern trennen sich schließlich nach dem schweren Schicksalsschlag und Doro zieht zusammen mit ihrer Mutter in ein kleines Haus nach Ulfingen, auf der Schwäbischen Alb. Hier wird Doro weiterhin bei Herrn Forster zur Therapie gehen, der im Haus gegenüber wohnt, und dessen Sohn Julian ziemlich süß ist…
Doro wird eines Nachts von einer klappernden Gartentür geweckt. Als sie nachschaut, findet sie in dem kleinen Gartenhaus einen halbtoten Jungen, der ihr erzählt, dass er verfolgt wird und der Teufel höchst persönlich hinter ihm her wäre. Als Julian erscheint, nutzt Doro die Möglichkeit, die Polizei zu rufen. Doch als diese eintrifft, ist der Junge spurlos verschwunden. Zuerst glaubt Doro wieder an eine Halluzination. Doch sie hatte ihn berührt und er war echt!
Leider glaubt ihr niemand die Geschichte mit dem seltsamen Jungen und auch weitre Ereignisse entfremden sie immer weiter von ihrer Mutter. Doch Doro ist fest von sich überzeugt und versucht, zusammen mit ihrem Kumpel David, herauszufinden, was da in Ulfingen (oder ihrem Kopf?) vor sich geht…


„Mein böses Herz" ist der erste Jugendthriller von Wulf Dorn, der aber den anderen erwachsenen-Thrillern des Autors in nichts nachsteht. Das Buch ist nicht nur für Jugendliche, sondern begeistert auch die erwachsenen Leser.

Als Schauplatz des Romans dient der fiktive Ort Ulfingen, an den es die Mutter zusammen mit unserer Hauptprotagonistin zieht. Doro ist eine interessante Persönlichkeit und von ihrem Wesenszug sehr gut für einen Thriller geeignet, denn sie ist Synästhetikerin. Heißt: Sie hat die Gabe, dass sie in ihrer Wahrnehmung viel sensibler ist als ihre Mitmischen. So kann sie zum Beispiel Menschen in verschiedenen Farben sehen und dadurch den Charakter des Menschen erkennen. Doch dieses Gleichgewicht ist irgendwie gestört worden, seit dem Tag an dem ihr Bruder starb. Seitdem gaukeln ihr ihre Sinnesreize Dinge vor, die nicht real sind und weshalb sie unter Halluzinationen leidet.

Durch diese Sinnestäuschungen ist sie sehr schwer einzuschätzen, was den Leser nur dazu veranlasst rumzuknobeln, denn man weiß nicht immer so recht was real und was fiktiv ist. Doros Verzweiflung, als ihr keiner mehr glaubt und sie selber nicht mehr weiß, was sie noch machen soll, überträgt sich schleichend auf den Leser. Man merkt sofort, dass an der ganzen Geschichte irgendwas nicht stimmen kann und beginnt zu spekulieren. Doch was ist wahr und was ist erfunden?

Gerade bei diesem Buch merkt man, dass Wulf Dorn jahrelang als Psychiater gearbeitet hat und heute immer noch arbeitet. Unweigerlich stellt man sich die Frage, ob in jedem von uns ein böses Herz schlummert und wie dies aussieht. Der Autor bringt in diesem Roman viele Abgründe der menschlichen Seele mit ein, die gut und gerne selber beim Lesen Paranoia auslösen können.

Als Ich-Erzählerin schildert Doro die unglaublichen Geschehnisse aus ihrem Blickwinkel mit ihren Emotionen und Gefühlen. Schon der Prolog katapultiert den Leser in das Buch, das durchweg spannend und flüssig geschrieben ist. Thriller folgen ja oft dem Schema, den Leser (des Öfteren) in die Irre zu führen, und ihn gezielt an einer bestimmten Stelle haben zu wollen, um ihn zu verwirren. Schon bei Beginn des Lesens von „Mein Böses Herz" ist zwar mehr oder weniger klar, dass Doro irgendwas mit dem Tod ihres Bruders zu tun haben muss, aber all die mysteriösen Geschehnisse in Ulfingen brauchen doch länger um durchschaut zu werden, nur um dann noch eine größere Überraschung zu erleben.


Mein Fazit:
Wulf Dorn ist mit „Mein böses Herz" ein Thriller der Extraklasse gelungen. Er weiß dank einer spannenden Handlung, sympathischen Charakteren und einem flüssigen Schreibstil den Leser zu fesseln und zum nachdenken anzuregen. Gekonnt gaukelt er dem Leser verschiedene Wirklichkeiten vor, womit nervenaufreibende Lesestunden zum absoluter Genuss werden. Einzig und allein das Ende hat mich etwas gestört, da es zu dramatisch und unbefriedigend war. Um nicht zu viel zu verraten: Ich denke für denjenigen hätte es eine andere Lösung gegeben…
Trotzdem ein Muss für jeden Thriller und Wulf Dorn Fan!
 
 
Wer möchte, kann sich gerne den Buchtrailer anschauen. Ich finde er ist sehr passend und stimmend gewählt, auch wenn ich mir Doro etwas anders vom Aussehen vorgestellt habe...
 
 

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