6. September 2012

[Rezension] Bernd Perplies - Flammen über Arcadion


Bernd Perplies
Flammen über Arcadion (Band 1)
Verlag: Egmont-LYX
Seiten: 528
Ausgabe: Gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-8025-8637-8
Preis: 19,99 €
Erscheinungstermin: 13.09.2012
Leseprobe


Die 16-jährige Carya lebt mit ihren Eltern in der Stadt Arcadion, das aus den Ruinen des einstigen Roms entstanden ist. In dieser Stadt herrscht der religiös-totalitäre Orden des Lux Dei, der sich wenig um Gesetze und Gerechtigkeit schert, sondern nur seiner „fanatischen Linie“ folgt.
Eines Tages erfährt Carya etwas trauriges von ihrer besten Freundin Rajael: Ihr Freund Tobyn ist von den Inquisitoren des Lux Dei festgenommen worden, weil er und Rajael sich ein Kind gewünscht hatten und er deshalb verbotenerweise mit einem Brutlabor für Invitros Kontakt aufgenommen hatte. Nun soll er in einem Prozess von der Inquisition verhört und gefoltert werden.
Am Tag des Prozesses schleichen sich Carya und Rajael heimlich in den Tribunalpalast. Was Carya aber nicht ahnt: Rajael hat ihrem Freund ein Versprechen gegeben, dass er nicht unter der Folter der Inquisation leiden muss. So hat Rajael heimlich eine Pistole in die Richtkammer reingeschmuggelt, kann sie aber im entscheidenden Moment nicht benutzen. Weil Carya die Hilflosigkeit ihrer Freundin erkennt, beschließt sie es selbst zu tun und trifft neben Tobyn auch den Großinquisitor Aidalon. Von nun an geht alles ganz schnell. Die beiden müssen schleunigst aus dem Tribunalpalast verschwinden und flüchten in Großinquisitor Aidalons Wagen.
Carya, die zuvor noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, gibt ihrer Freundin Rajael die Schuld an den Geschehnissen des Tages und fragt sich, wie sie aus dem Schlamassel wieder herauskommen soll. Nach dem Streit mit Rajael sucht Carya Trost bei ihren Eltern. Wohlwissend, dass bald der Orden des Lux Dei bei Ihnen auftauchen wird, vertraut ihre Mutter ihr ein Geheimnis über ihre Herkunft an.
Und dann überschlagen sich die Ereignisse: Kurze Zeit später nach dem Gespräch mit ihrer Mutter findet Cayra ihre beste Freundin tot in ihrer Wohnung auf. Sie hat Selbstmord begangen, um Carya aus den Geschehnissen in der Richtkammer herauszuhalten. Aber auch Caryas Eltern werden von den Ereignissen des Tages nicht verschont und vom Orden festgenommen.
So ist Carya nun fortan auf der Flucht vor dem Lux Dei. Ihre einzige Hoffnung ist der junge Templersoldat Jonan, der sein Leben für sie aufs Spiel setzt und mit dem sie gemeinsam versucht herauszufinden, wer sie eigentlich ist und woher sie kommt…

„Flammen über Arcadion“ ist der Auftakt einer neuen Trilogie von Bernd Perplies, der bereits mit seinen Trilogien „Tarean“ und „Magierdämmerung“ überzeugen konnte.
Mit dem vorliegenden Buch entführt uns der Autor in eine dystopische Welt, die nach dem sogenannten „Sternenfall“ entstanden ist. Was der „Sternenfall“ genau ist, wird nicht explizit erklärt. Jedoch wird darauf hingedeutet, dass es einen Weltkrieg gab, in dem Atomwaffen-Raketen zum Einsatz kamen. Diese Katastrophe hat den Wendepunkt der Menschheitsgeschichte eingeläutet, in der sich auch das Gesicht der Welt verändert hat. Bernd Perplies´ Geschichte ist etwa 40 bis 50 Jahre nach dieser globalen Katastrophe angesiedelt und spielt in Arcadion, in den Ruinen des einstigen Roms.
Hier ist der fanatische Orden des Lux Dei an der Macht. Er entstand in den sogenannten „dunklen Jahren“ nach dem Sternenfall aus dem früheren Vatikan. Dieser Orden hat für die Menschen in Rom eine Art Arche Noah gebaut, um ihnen eine Zufluchtstätte zu bieten. Die Menschen müssen sich mehr oder weniger dem Orden unterwerfen. Wer dies nicht tut ist in den Augen des Ordens ein Ungläubiger und Widerständler. Aber auch Invitros und Mutanten werden vom militärischen Arm des Ordens, den Templern, abgeführt und/oder getötet.

Sehr schön hat Bernd Perplies in dieses zerstörte Land und dem fanatischen Glauben des Lux Dei auch eben diese ethnische Minderheiten in den Roman eingebracht hat. Denn gerade die Abschnitte und Passagen über die Invitros und Mutanten bewegen den Leser sehr. So stellen die Invitros in den Augen der Lux Dei durch ihre bloße Existenz ein Vergehen gegen den Willen Gottes dar. Sie wurden vor dem Sternenfall in Laboren, in Tanks, nach verschiedenen Wünschen und Motiven gezüchtet um dann als Sklaven gehalten zu werden. Dabei wurde ihnen auch die Fähigkeit genommen sich fortpflanzen zu können. Aber auch sie haben Gefühle und den Wunsch nach eigener Familie, wie man zum Beispiel an Rajael und ihrem Tobyn in der Geschichte erkennen kann. Aber auch die Mutanten sind aufgrund des Atomwaffeneinsatzes beim Sternenfall die Leidtragenden. Wenn ihre Gesichter und Körper nicht allein durch Krankheiten verzerrt sind, haben sie verwachsene Körper, aufgeblähte Schädel, schuppige Haut und verkrümmte Gliedmaße. Jedoch sind sie entgegen der Geschichten der Lux Dei keine blutrünstigen Barbaren, sondern ganz normale Menschen, die sich in den Schutz der Wüste zurückgezogen haben.

Bernd Perplies bedient sich einem wunderbaren Schreibstil, der einen vollkommen in die Geschichte hineinzieht. Die Sätze sind einfach und gut zu verstehen und er schafft es immer wieder durch seine bildreiche Sprache genau die richtige Stimmung aufzubauen und wundervolle Bilder im Kopf des Lesers hervorzurufen. Außerdem nimmt er kein Blatt vor den Mund und bedient sich auch gerne mal Panzern, Waffen, Armeehubschraubern und flechtet sie gekonnt in seine packende, dystopische Geschichte ein, die natürlich auch etwas Romantik parat hält. Gekonnt findet er die perfekte Balance aus Überraschungsmomenten, Nervenkitzel und Herzklopfen, was ihn zu einem talentierten Autor und wunderbaren Erzähler macht. Er lässt keine Wünsche offen, so dass sich die Seiten einfach nur wie von selbst umblättern.

Die beiden Hauptcharaktere Carya und Jonan ergänzen sich wunderbar in dem Roman und sind von Anfang an sympathisch. Sie sind von ihren Wesenszügen sehr gut ausgearbeitet und werden sehr real und glaubhaft beschrieben.
So ist Carya ein ganz normales Mädchen, das wohl behütet in ihrer Familie aufgewachsen ist, zur Schule geht und sich danach am liebsten mit ihrer besten Freundin Rajael trifft um von Jungs zu schwärmen. Die Dinge nehmen erst ihren tragischen Lauf als Carya eines Tages mit dem Gesetz des Lux Dei in Konflikt kommt und ihre Mutter ihr darauf hin ein bisher gut gehütetes Geheimnis über ihre Herkunft verrät. Sie überreicht ihr dazu einen seltsamen Anhänger, der der Schlüssel zu ihrer eigentlichen Herkunft ist. Dazu macht sie sich auf den Weg in die Wüste, um ein seltsames Flugobjekt zu finden. hat sie etwas mit dem berühmten Sternenfall zu tun?
Jonan hingegen ist ebenso behütet wie Carya in seiner Familie aufgewachsen, dennoch hat sein Vater, Stadtrat Estarto, immer darauf geachtet, dass er nichts anstellt oder ihn in Verlegenheit bringt, nur um nicht ins Schußfeld der Lux Dei zu geraten. Schon länger ist Jonan jedoch das fanatische Verhalten der Lux Dei negativ aufgefallen und schlägt sich ohne zu Zögern auf Caryas Seite um ihr vor der Flucht vor den Gardisten des Tribunalpalasts beizustehen und sie auf ihrer Suche durch die Wüste zu begleiten.
Auf ihrer Flucht treffen sie auf viele verschiedene Personen und Organisationen, die ebenso wunderbar dargestellt sind wie die beiden Hauptcharaktere selbst. Sei es der Straßenjunge Pitlit, der durch seinen kecken, aber leider auch vorschnellen Charakter zu überzeugen weiss, oder die Mitglieder der Ascherose, einer Gruppe von Gelehrten, Künstlern und Freidenkern, die die Taten der Lux Dei nicht gut heißen und sie aus dem Untergrund heraus versuchen zu bekämpfen.

Aber auch die Aufmachung des Buchs muss gelobt werden. Das Coverbild zeigt den Schauplatz der Geschichte, Rom,  und wirkt daher sehr stimmig. Auf dem Schutzumschlag wurde der Buchtitel geprägt und einzelne Tropfen der Blüte in Reliefsiebdruck gehalten. Auch ein Hingucker ist die tolle Illustration im Innern des Kartoneinbands,  welche die Engelsburg in Rom, allerdings zu einer anderen Zeit, darstellt.
Mein Fazit:
„Flammen über Arcadion“ ist ein gelungener und faszinierender Auftakt einer Dystopischen-Trilogie, die von Anfang an begeistert und süchtig nach mehr macht. Die Atmosphäre in dem Buch beschreibt der Autor düster-spannend und die Charaktere sind sympathisch, real und tiefgängig. Der Roman ist wunderbar geschrieben, und hebt sich von allen anderen Dystopien, die ich bisher gelesen habe, ab. Ganz ehrlich ist „Flammen über Arcadion“ die beste Dystopie, die gerade auf dem Markt ist, da sie nicht wie die anderen kitschig und naiv geschrieben, sondern bodenständig und real ist.
Rundum packend und DAS absolute Highlight!

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