30. August 2012

[Rezension] Mechthild Gläser - Stadt aus Trug und Schatten

Mechthild Gläser
Stadt aus Trug und Schatten (Band 1)
Verlag: Loewe
Seiten: 416
Ausgabe: Hardcover
ISBN: 978-3-7855-7402-7
Preis: 17,95 €
Erscheinungstermin: 2012
Leseprobe


Flora lebt mit ihrem Vater und der Haushälterin in Essen und führt ein recht gewöhnliches Leben.
Eines Nachts hat Flora einen seltsamen Traum, in dem sie auf einer Liege in einer Art Labor erwacht. Aber, warum erscheint ihr der Traum so real? Auch in der nächsten Nacht kehrt sie an diesen sonderbaren Ort zurück, der sich „Eisenheim“ nennt. Sie erfährt, dass die Seelen aller schlafenden Menschen in der Nacht in die graue Stadt Eisenheim kommen. Die einen, genannt die „Schlafenden“ leben hier in Sklaverei und können sich nach dem erwachen an nichts erinnern. Die anderen, die „Wandernden“ führen ein Leben in Eisenheim als auch in der realen Welt und „pendeln“ mehr oder weniger zwischen den Welten umher.
Und Flora gehört zu ihnen.
Warum sie zu einer Wandernden wurde, weiß aber keiner in Eisenheim. Nicht einmal sie, da sie keine Erinnerungen mehr an ihr vorheriges Leben als Schlafende hat. Sie weiß nur, dass sie etwas mit dem Diebstahl des sogenannten „Weißen Löwen“, einem wertvollen Edelstein, zu tun haben muss, der eine ungeheure Macht in sich birgt. Gerade deshalb ist er offenbar bei Vielen ein Objekt der Begierde. Doch auch Floras Erinnerungen, wo sie den Stein versteckt hat, sind verschwunden.
Flora bemüht sich ihre Erinnerungen zurückzubekommen. Auch deshalb, weil sie endlich herausfinden will, wem sie in Eisenheim und in der realen Welt trauen kann…


"Stadt aus Trug und Schatten" ist der erste Roman einer Trilogie und gleichzeitig der Debütroman der Autorin Mechthild Gläser.
 
Auf den ersten Blick fällt die schlichte Aufmachung des Buchs nicht gerade direkt ins Auge und auch der Klappentext reist einen nicht direkt vom Hocker. Doch man muss dem Buch mit dem schlichtweißen Cover mit pinkner Schrift und pinkner Facette einer Stadt eine Chance geben. Denn es beinhaltet eine wunderbar neue Mischung der Fantasy, die sich von der Thematik her auf jeden Fall von anderen Büchern hervorhebt.
 
So finde ich die Grundidee von "Stadt aus Trug und Schatten" sehr interessant und ich wurde mitgenommen auf eine Reise in eine Fantasiewelt, die mir wirklich gut gefallen hat. So reisen alle Menschen nachts in eine farblose Welt, in der die Schlafende arbeitet, um den Wandernden ein angenehmes Zweitleben zu ermöglichen. Dies ist eine interessante Theorie, die zum nachdenken anregt. Nicht nur wenn man ins Bett geht. Wer frägt sich nicht, was mit der Seele passiert, wenn man schläft? Ich finde Mechthild Gläser hat ihre Vorstellung einer Traumwelt sehr gut verpackt und bringt sie sehr überzeugend rüber.
 
Ebenso versteht sie es die Stadt Eisenheim vor dem geistigen Auge des Lesers auferstehen zu lassen. Bildhaft und detailliert beschreibt sie diese düstere Stadt, die eine Mischung aus Mittelalter, Geisterstadt und modernem ist. Es gibt aber auch einige (wenn man es denn so bezeichnen will) Steampunk-Elementen wie fliegenden Luftschiffen und Gaslaternen.

Hauptprotagonistin ist Flora. Sie ist ein willensstarkes Mädchen, die immer versucht das Richtige zu tun um ihren Weg zu finden. Was nicht so ganz einfach ist, denn vor ihrem Erwachen in Eisenheim hat sie dort einiges getan, an das sie sich nicht mehr erinnern kann. Das macht ihr schwer zu schaffen und da ist es auch nicht hilfreich, dass die Erinnerungen nur ganz, ganz langsam zurück kommen. Sie gerät zwischen die Fronten zweier Parteien und sie frägt sich, wem sie überhaupt noch trauen kann. Dem Großmeister des Ordens, zu dem Flora vor ihrem Erwachen angehört hat? Dem geheimnisvollen Kanzler, der irgendwie mysteriös schizophren auf sie wirkt und im Hintergrund die Fäden zieht? Ihrem Vater, der ganz Eisenheim in seiner „Hand hält“ und den sie doch eigentlich kennen und der ihr Vertrauen sollte? Oder Marian, mit dem sie angeblich vor ihrem Erwachen ein Verhältnis hatte? Immerhin verwirren sie auch zusätzlich ihre eigenen Gefühle für ihn, da er ja eine Beziehung mit ihrem schlafenden ich hatte und sie nicht sicher ist, ob seine Gefühle nun der neuen Flora gelten oder der alten.

Aber auch Marian tut sich mit seinen Gefühlen gegenüber Flora schwer, denn ihr altes und Ich neues selbst unterscheiden sich sehr voneinander, weshalb er oft das Gefühl hat sie gar nicht zu kennen. Auf den Leser wirkt er zwar sympathisch, jedoch ist er ab und zu nicht ganz einfach zu verstehen und man frägt sich, was er zu verbergen versucht. Oder ist er vielleicht doch einer von den Bösen?

Das Buch ist richtig schön geschrieben und mit einfachen Wörtern und Sätzen einfach zu lesen und zu verstehen. Zwei kleine Kritikpunkte habe ich leider trotzdem. Erstens wird Flora an manchen Stellen mit einer kindlichen und fast naiven Art dargestellt, dass sie einfach nicht in diese reife Geschichte passt. Zweitens ist die „Beziehung“ zwischen Flora und Marian eine sehr sprunghafte Beziehung, die, für meinen Geschmack, einfach zu oft vorbei ist und dann wieder geführt wird.
 
 
Mein Fazit:
"Stadt aus Trug und Schatten" ist einfach genial – eine wundervolle, märchenhafte Geschichte, die mich völlig in ihren Bann gezogen hat. Sie überzeugt mit wundervollen bildhaften Beschreibungen, sympathischen und überzeugenden Protagonisten und einer außergewöhnlichen, neuartigen Geschichte. Mechthild Gläser weiß wie sie den Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesseln kann und den Leser (auch Erwachsene) dazu zwingt, das Buch nicht mehr aus der Hand zu legen. Für mich der beste Debütroman dieses Jahres!!
 
 

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