8. Juli 2012

[Rezension] Mathias Malzieu - Die Mechanik des Herzens



Mathias Malzieu
Die Mechanik des Herzens
Originaltitel: La Mécanique du Coeur
Verlag: carl´s books
Seiten: 192 Seiten
Ausgabe: Paperback, Klappenbroschur,
Erscheinungstermin: 08. Juni 2012
ISBN: 978-3-570-58508-5
Preis: € 12,99
Leseprobe


Jack, der Sohn einer jungen Prostituierten, wird in der kältesten Nacht des Jahres in Edinburgh geboren. Während Passanten in der kalten Nacht zu Eissäulen erfrieren und Vögel vom Himmel fallen, kommt er mit einem gefrorenen Herzen zur Welt. Da es nicht von alleine schlagen kann setzt ihm die Hebamme, Doktor Madeleine, eine Kuckucksuhr in seine Brust ein und verbindet die Zahnräder mit seinen Arterien. Die Uhr muss von nun an jeden Tag neu aufgezogen werden um ihn am Leben zu erhalten.
Als seine Mutter schließlich kurz nach der Geburt verschwindet, bleibt Jack bei Dr. Madeleine, die ihn von nun an liebevoll aufzieht. Obwohl sich Jack wie ein ganz normaler Junge fühlt, funktioniert die Uhr in seiner Brust nicht unter jeder Bedingung einwandfrei. Nicht nur, dass seine Brust anders aussieht als bei anderen Jungen und tickende Geräusche von sich gibt, darf sie nie zu schnell schlagen, da sie sonst auseinander springt. So untersagt ihm Dr. Madeleine zu starke Gefühle wie Hass oder Liebe zu empfinden. Um ihm jegliche Enttäuschung und Schmerzen zu ersparen schottet sie ihn von der Außenwelt ab. Doch Jack ist immer noch ein Mensch und wie jeder Mensch kann auch er sich der übermenschlichen Kraft der Liebe nicht entziehen.
So kommt es, dass er eines Tages auf der Straße der kleinen wunderschönen, aber auch tollpatschigen Tänzerin, Miss Acacia begegnet. Er verliebt sich Hals über Kopf in sie - als auch schon seine Kuckucksuhr anfängt verrückt zu spielen. Doch das hält ihn nicht auf Miss Arcacia wieder zu sehen.
Er folgt ihrem Weg ins ferne Andalusien, wo er George Méliès kennenlernt, der fortan sein Mentor und seine Stütze wird. Doch an Lady Acacias Seite bekommt er es auch mit der Angst zu tun. Was, wenn er ihr die ganze Wahrheit erzählt und sie ihn dann von sich weist?


Mathias Malzieu hat mit „Die Mechanik des Herzens“ ein wunderbares Märchen für Erwachsene geschrieben, das mit jeder Zeile berührt und eine tiefe Botschaft vermittelt. Die Idee ist sehr innovativ und originell – die Geschichte skurril, liebevoll, voller Magie und faszinierender Charaktere. Tim Burton hätte das nicht besser machen können. So kommt es auch, dass sich Lue Besson die Filmrechte gesichert hat und er ab Oktober 2012 an einer animierten 3D-Kinoadaption arbeiten wird.

Das Buch ist mit seinen 192 Seiten sehr dünn und jedem dürfte klar sein, dass man darin keine richtig komplexe Geschichte erwarten kann. Dennoch weiß der Roman zu fesseln was an den Gedanken in und hinter der Geschichte liegen mag. Es gibt Szenen der Leidenschaft und der unverwüstlichen Macht der Liebe – aber auch Szenen, die düster sind und deren Gefühle eine zerstörerische Wirkung mit sich bringen. So verliert zum Beispiel Jack im Fortlauf der Geschichte sein Ziel vor Augen mit Miss Arcacia eine Familie zu gründen und glücklich zu sein. Jack kämpft mit allen Mitteln um Miss Acacia und langsam arbeitet Mathias Malzieu auf ein Ende hin, das überraschend aber auch irgendwie absehbar ist. Der Epilog stimmt den Leser eher nachdenklich und lässt ihn mit melancholischen Gedanken zurück.

Aber nicht nur die Idee des Buchs ist lobenswert, sondern auch deren Umsetzung. Neben der melancholischen, düsteren, poetischen Sprache und bildgewaltigen Metaphern, enthält das Buch sehr viele überraschende Wendungen. Man weiß als Leser nie so recht, was einen als nächstes erwartet. Gerade das lässt das Buch zu einem wahren Pageturner werden.

Auf den vorhanden 190 Seiten hat der Autor zwar nicht besonders tiefgängige, aber dennoch einzigartige skurrile und liebevolle Charaktere erschaffen. So ist Jack ein sehr gefühlvoller Held, der eigentlich in sich ausgeglichen scheint, aber auch Angst um sein Herz, eine Kuckucksuhr hat. Denn: Lieben darf er nicht. Trotzdem ist Miss Arcacia seine große Liebe, um die er kämpfen will. Und das tut er auch… auf seine Weise. Miss Acacia hingegen war mir nicht unbedingt sympathisch. Sie ist eitel und erscheint ab und zu sehr lieblos. Deswegen ist es auch echt schwer deren beiden Liebesgeschichte nachzuvollziehen. Wie kann ein so gefühlvoller Kerl wie Jack gegenüber einer so harten und gefühllosen Person etwas empfinden?
Ganz toll ist auch, dass in der Geschichte noch Raum für gut beschriebene Nebencharaktere ist. Sehr sympathisch war der Magier und Uhrmacher Méliès, der Jack als Mentor und Freund dient. Genau wie Jack wird er von seiner großen Liebe vorangetrieben. So treibt ihn sein Wunsch, der Liebsten einen Flug zum Mond zu schenken, in unermüdliche Bastelei. Aber auch Joe, der Gegenspieler und Nebenbuhler von Jack, nimmt eine wichtige Rolle in der Geschichte ein. Er ist verbittert und Gewalttätig. Auch er liebt Miss Acacia, wird jedoch in ihrer Nähe ein guter Mensch. Sofern das eben für einen Anthroganisten geht. Ansonsten darf sich der Leser auch auf das Auftauchen einiger historischer Figuren freuen.


Fazit:
"Die Mechanik des Herzens" überzeugt als melancholisches Märchen mit zahlreichen Facetten. Liebenswürdige Figuren á la Tim Burton wurden in eine traurig schöne Geschichte versetzt, die einen regelrecht verzaubert. Der bildhafte Schreibstil und die vielen Metaphern sind dabei sehr gut gewählt. Das Buch geht regelrecht zu Herzen und sollte man sich nicht entgehen lassen.
Ich hoffe in nächster Zeit mehr von Mathias Malzieu lesen zu können. Mich hat das Buch bedingungslos beeindruckt.
 


Da mir das deutsche Cover so gefallen hat, möchte ich euch auch noch andere Cover zeigen. Welches gefällt euch am besten???








































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