28. Juli 2012

[Rezension] Jenny Downham - Ich gegen dich

Jenny Downham
Ich gegen dich
Originaltitel: You against me
Verlag: carl´s books
Seiten: 384 Seiten
Ausgabe: Paperback, Klappenbroschur
Erscheinungstermin: 29. August 2011
ISBN: 97978-3-570-58503-0
Preis: € 14,99
Leseprobe


Mikey McKenzie ist 18 Jahre alt und lebt mit seinen beiden jüngeren Schwestern und einer trinkenden Mutter in einer Sozialsiedlung. Obwohl seine Mutter viel Alkohol trinkt, öfters einfach so verschwindet und Mickey sich um seine jüngere Schwester Holly, sowie einen gefüllten Kühlschrank kümmern muss, hat er klare Zukunftsvorstellungen und Ziele. So möchte er ein Koch werden und irgendwann in London sein eigenes Restaurant eröffnen.
Doch dann wird Mikeys Schwester Karyn vergewaltigt. Mikey ist unfassbar wütend und hat nur noch eines im Sinn: Rache. So verspricht er Karyn sich den reichen Bastard Tom Parker vorzuknöpfen.
Schließlich lernt er auf Toms Freilassungsparty dessen jüngere Schwester Ellie kennen. An sie will er sich ranschmeißen, um ihr Informationen über ihren Bruder zu entlocken und um ihn fertig zu machen. Doch er hat seine Rechnung ohne das Schicksal gemacht, denn zum ersten Mal in seinem Leben verliebt er sich richtig. Die gleichen Gefühle bringt ihm auch Ellie entgegen. Doch der Spalt zwischen den beiden Jugendlichen scheint unüberwindbar, da sie aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten kommen und sie sich entscheiden müssen, auf welcher Seite der beiden Familien sie stehen. Verrät Mikey seine vergewaltigte Schwester, wenn er mit der Schwester des Täters zusammen ist? Oder wird Ellie aufhören ihren Bruder zu decken?



Jenny Downhams Roman „Ich gegen dich“ erzählt eine Geschichte, deren Thema der Vorwurf einer Vergewaltigung ist. Wie kein anderer vermittelt die Autorin den Konflikt zwischen arm und reich und lässt diese Welten aufeinander prallen. Der sozial schwächere Mikey, der in einer Sozialsiedlung lebt, in der Gewalt und Gossensprache an der Tagesordnung ist, trifft auf Ellie, die aus einer konservativen und recht gut verdienenden Familie kommt. Beide Welten prallen aufeinander, als Mikey Vergeltung für seine vergewaltigte Schwester sucht. Doch was er findet beschreibt die Jenny Downham als eine sich ganz sachte entfaltende Liebesgeschichte, die dem ganzen einen neuen Charakterzug verleiht. Dem Leser wird schnell klar, wie verfahren die ganze Situation der beiden ist. Kommen sie nicht nur aus unterschiedlichen Gesellschaften, sondern befinden sich auch in ihrer Beziehung an einem Scheideweg, denn niemand will die eigene Familie hintergehen.
Besonders schön beschreibt die Autorin hier jene Momente, in denen Ellie und Mikey voll Mut in die Zukunft schauen. Beide sind sich sicher: Sie werden es gemeinsam schaffen. Zweifelsohne findet man gewisse Parallelen zu Shakespears „Romeo und Julia“, in dessen Geschichte es, wie in dem vorliegenden Buch, um verfeindete Familien geht, deren Kinder sich voneinander angezogen fühlen und trotz allen Widrigkeiten versuchen, ihrer Liebe eine Chance zu geben.



Der Schreibstil von Jenny Downham ist sehr berührend. Zwar dauert es etwas, bis man in die Geschichte hineinfindet. Doch sobald die Protagonisten vorgestellt sind und man einen Zugang zu ihren Gefühlen erhalten hat, fasziniert einen der clevere Aufbau der Geschichte, denn man weiß lange nicht weiß, wer die Wahrheit sagt und welche Partei schuldig ist. Mit viel Gefühl wird die Geschichte so vorangetrieben, dass sie schlüssig und spannend ist. Die Autorin passt ihren Schreibstil den jeweiligen, erzählenden Charakteren (Ellie und Mikey) an, so dass die verschiedenen inneren Konflikte gut dargestellt sind, die sie, jeder mit sich selbst, ausmachen müssen.


Der Roman „Ich gegen dich“ nimmt sich viel Zeit die Charaktere vorzustellen. Was auch sehr gut ist, da man einen guten Einblick in die Gefühlswelt der beiden Hauptprotagonisten erhält. Mikey ist ein sehr selbstbewusster junger Mann, der das Herz am rechten Fleck hat. Er ist der große Bruder zweier jüngerer Schwestern, und kümmert sich aufopferungsvoll um die Familie, wenn die Mutter nach Alkoholexzessen nicht ansprechbar ist, oder gar ganz von der Bildfläche verschwunden ist. Vergessen kann er seine schwierigen familiären Verhältnisse nur, wenn Ellie bei ihm ist. Sie ist ein braves Mädchen aus einem guten und reichen Elternhaus – aber unglücklich, denn alles dreht sich im Moment um ihren Bruder Tom. Der Vater bittet Ellie alles zu tun um ihn vor der Gefängnisstrafe zu bewahren. Sie liebt ihre Familie und will nur das Beste für sie. Leider erfordert das Opfer, bei dem eine Liebe und das Leben zweier Familien dazwischen steht.

Fazit:
Mit "Ich gegen dich" hat die Autorin Jenny Downham eine wunderbare Geschichte über zwei Jugendliche geschrieben, die, trotz einer schweren Bürde, zueinander finden. Obwohl das Thema alles andere als Heiter ist, beschreibt die Autorin einen wichtigen Lernprozess zum Erwachsenwerden: Man muss Mut zur Wahrheit beweisen, denn gerade aus einem schlimmen Moment kann etwas Kostbares in einem selber wachsen.
Der Roman berührt den Leser und überzeugt als faszinierendes Werk. „Ich gegen dich“ ist ein Jugendbuch, dass unbedingt gelesen werden muss, da es eine wichtige Botschaft vermittelt, die zum nachdenken anregt.

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