29. Juli 2012

[Rezension] Aprilynne Pike - Elfenbann

Aprilynne Pike
Elfenbann
Originaltitel: Wings # 3
Verlag: cbj
Seiten: 416
Ausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-570-13886-1
Preis: 16,96 €
Erscheinungstermin: 17.04.2012
Leseprobe


Laurel hat der Elfenwelt und ihrem Verehrer, dem Elfen Tamani, den Rücken gekehrt, und sich für ein Leben mit ihrem Mitschüler David in der Menschenwelt entschieden.
An ihrem ersten Schultag nach den Sommerferien taucht dann überraschend doch Tamani auf, der wie ein richtiger Mensch aussieht. Mit kurzen, leicht zurück gegeelten schwarzen Haaren, einem normalen Oberteil und einer Jeanshose. Er wird den Schülern als schottischer Austauschschüler vorgestellt. Für Laurel bedeutet das Wiedersehen jedoch, dass ihre Gefühle für ihn erneut ins Wanken geraten. Aber nicht nur ihre. Auch Davids Gefühle werden von nun an durch Eifersucht geprägt sein.
Laurel erfährt von Tamani, dass er sie aus nächster Nähe beschützen muss, da wieder Orks in der Gegend sein sollen, bei denen jedoch die Elfenmagie nicht zu wirken scheint. Zudem taucht auch noch eine weitere neue Austauschschülern auf, welche die Jägerin Klea ihr mit dem Namen Yuki vorstellt. Da Klea Laurel bereits zweimal das Leben gerettete hat, schuldet Laurel ihr eine Gefälligkeit, die so aussieht, dass Laurel sich mit Yuki anfreunden soll. Doch Laurel merkt sofort, dass Yuki ein Geheimnis verbirgt.
Obwohl sie und ihre Freunde von nun an ein Auge auf die seltsame Neue haben, blockt Yuki sämtliche Freundlichkeiten ihnen gegenüber ab. Erst als Tamani ins Spiel kommt und sich mit ihr anfreundet, wird sie in Laurels Freundesgruppe integriert.
Auf der Heimfahrt des Sadie-Hawkins-Abends, einer Tanzveranstaltung, wird die Gruppe von Orks angegriffen. Dabei werden Ryan und Yuki verletzt. Doch wie es scheint, haben es nicht nur diese hässlichen und heimtückischen Wesen auf Lauren abgesehen. Wer ist Yuki nun eigentlich? Und was hat Klea Lauren und den anderen verschwiegen?


Im ersten Band „Elfenkuss“ haben wir Lauren kennengelernt, die herausfindet, dass sie eine Elfe ist, die in der Menschenwelt lebt. Ebenso hat sie in der Geschichte auch ihre große Liebe David kennen gelernt. Im zweiten Teil „Elfenliebe“ kehrt Laurel zum ersten Mal in die Elfenwelt „Avalon“ nach Hause, um zu erfahren, dass sie eine mächtige Herbstelfe ist. Fortan ist sie mit Studien beschäftigt und lernt den Elf Tamani näher kennen, der sie liebt und sie am liebsten ganz für sich einnehmen will. In dem nun vorliegenden dritten Teil „Elfenbann“ vermischt sich die Menschen- und die Elfenwelt, wobei der größte Teil der Handlung in der Menschenwelt spielt und Avalon nur mal am Rande besucht wird. Dafür kommen aber Wächter aus Avalon in die Menschenwelt um Laurel zu beschützen. Sehr lustig ist zu lesen, wie Tamani sich den Menschen in Sachen Kleidung anpasst, nur um sie daraufhin im Wald von sich zu reisen. Auch eine lustige Passage ist, dass Tamani als Naturliebender Elfe ein fortschrittliches und technisches iPhone benutzt. Dabei kann nicht jeder Elf so gut mit den Geräten umgehen wie er.
Das Hauptaugenmerk der Geschichte liegt jedoch eindeutig wieder auf dem Beziehungsdreieck von Laurel, Tamani und David. Wie im zweiten Teil kann sich Lauren nicht richtig zwischen David und Tamani entscheiden. Sie sagt zwar immer dass sie David liebt, in meinen Augen verhält sie sich dann aber falsch gegenüber Tamani. Ich denke, sie könnte sich wirklich mal entscheiden, da diese Dreiecksbeziehung zu viel Raum in der Geschichte einnimmt und dadurch ein ganz anderer und spannender Handlungsstrang leider nur nebenbei läuft: Der von Yuki und Klea. Ohne die beiden würde der Leser nicht sehr viel Neues zu lesen bekommen und so bin ich glücklich, dass die beiden gegen Ende doch noch mehr in die Geschichte eingebaut werden und der Spannungsbogen nun auch endlich greift und sich zuspitzt. Das Buch endet sehr abrupt, mit vielen offenen Fragen und weist somit darauf hin, dass es nun noch einen letzten, und wie ich auf der Autoren-Homepage erfahren habe, einen finalen Teil gibt.




Aprilynne Pike schafft es wieder erneut den Leser mit der ersten Seite an das Buch zu fesseln. Der Erzählstil ist wieder flüssig und leicht zu lesen und sie schafft es die Gefühle ihrer Charaktere emotionsreich darzustellen um ihre Gefühle zu verdeutlichen.




Obwohl die Charaktere allesamt sympathisch sind, ist mir Laurel dieses Mal nicht ganz so gelegen. Was vielleicht daran lag, dass die Dreiecksgeschichte von der Autorin so hoch gepusht wird und man wirklich nur noch denkt: „Entscheide dich Mädchen, und behandle deinen Freund David nicht so schlecht!“ oder „Tamani, nervt nicht so rum und such dir eine andere“.
Mit der Protagonistin Yuki ist ein neuer Charakter auf die Bildfläche getreten. Sie ist zu Beginn der Geschichte ein schüchternes Mädchen und blockt immer ab, wenn Laurel sich mit ihr unterhalten möchte. Obwohl sie mit dem Fortlauf der Geschichte auftaut, weiß man als Leser instinktiv, dass mit ihr etwas nicht stimmt und kann auch bis zum Ende hin eine Ahnung entwickeln, was sie genau ist und welche Aufgabe sie hat.

Mein Fazit:
Trotz kleinerer Kritikpunkte ist „Elfenbann“ für mich das bisher stärkste Buch der Serie, das mich am meisten „gepackt“ hat. Dies lag vermutlich daran, dass Yuki und Klea einen gewissen Pepp eingebracht haben und dadurch der Roman neben der Dreieckgeschichte interessant wurde. Die Protagonisten sind für ein romantisches Jugendbuch liebevoll ausgearbeitet und die Erzählweise sehr verständlich. Zum Schluss hin wird es richtig spannend und ich freue mich schon riesig auf den vierten und letzten Band.

28. Juli 2012

[Rezension] Jenny Downham - Ich gegen dich

Jenny Downham
Ich gegen dich
Originaltitel: You against me
Verlag: carl´s books
Seiten: 384 Seiten
Ausgabe: Paperback, Klappenbroschur
Erscheinungstermin: 29. August 2011
ISBN: 97978-3-570-58503-0
Preis: € 14,99
Leseprobe


Mikey McKenzie ist 18 Jahre alt und lebt mit seinen beiden jüngeren Schwestern und einer trinkenden Mutter in einer Sozialsiedlung. Obwohl seine Mutter viel Alkohol trinkt, öfters einfach so verschwindet und Mickey sich um seine jüngere Schwester Holly, sowie einen gefüllten Kühlschrank kümmern muss, hat er klare Zukunftsvorstellungen und Ziele. So möchte er ein Koch werden und irgendwann in London sein eigenes Restaurant eröffnen.
Doch dann wird Mikeys Schwester Karyn vergewaltigt. Mikey ist unfassbar wütend und hat nur noch eines im Sinn: Rache. So verspricht er Karyn sich den reichen Bastard Tom Parker vorzuknöpfen.
Schließlich lernt er auf Toms Freilassungsparty dessen jüngere Schwester Ellie kennen. An sie will er sich ranschmeißen, um ihr Informationen über ihren Bruder zu entlocken und um ihn fertig zu machen. Doch er hat seine Rechnung ohne das Schicksal gemacht, denn zum ersten Mal in seinem Leben verliebt er sich richtig. Die gleichen Gefühle bringt ihm auch Ellie entgegen. Doch der Spalt zwischen den beiden Jugendlichen scheint unüberwindbar, da sie aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten kommen und sie sich entscheiden müssen, auf welcher Seite der beiden Familien sie stehen. Verrät Mikey seine vergewaltigte Schwester, wenn er mit der Schwester des Täters zusammen ist? Oder wird Ellie aufhören ihren Bruder zu decken?



Jenny Downhams Roman „Ich gegen dich“ erzählt eine Geschichte, deren Thema der Vorwurf einer Vergewaltigung ist. Wie kein anderer vermittelt die Autorin den Konflikt zwischen arm und reich und lässt diese Welten aufeinander prallen. Der sozial schwächere Mikey, der in einer Sozialsiedlung lebt, in der Gewalt und Gossensprache an der Tagesordnung ist, trifft auf Ellie, die aus einer konservativen und recht gut verdienenden Familie kommt. Beide Welten prallen aufeinander, als Mikey Vergeltung für seine vergewaltigte Schwester sucht. Doch was er findet beschreibt die Jenny Downham als eine sich ganz sachte entfaltende Liebesgeschichte, die dem ganzen einen neuen Charakterzug verleiht. Dem Leser wird schnell klar, wie verfahren die ganze Situation der beiden ist. Kommen sie nicht nur aus unterschiedlichen Gesellschaften, sondern befinden sich auch in ihrer Beziehung an einem Scheideweg, denn niemand will die eigene Familie hintergehen.
Besonders schön beschreibt die Autorin hier jene Momente, in denen Ellie und Mikey voll Mut in die Zukunft schauen. Beide sind sich sicher: Sie werden es gemeinsam schaffen. Zweifelsohne findet man gewisse Parallelen zu Shakespears „Romeo und Julia“, in dessen Geschichte es, wie in dem vorliegenden Buch, um verfeindete Familien geht, deren Kinder sich voneinander angezogen fühlen und trotz allen Widrigkeiten versuchen, ihrer Liebe eine Chance zu geben.



Der Schreibstil von Jenny Downham ist sehr berührend. Zwar dauert es etwas, bis man in die Geschichte hineinfindet. Doch sobald die Protagonisten vorgestellt sind und man einen Zugang zu ihren Gefühlen erhalten hat, fasziniert einen der clevere Aufbau der Geschichte, denn man weiß lange nicht weiß, wer die Wahrheit sagt und welche Partei schuldig ist. Mit viel Gefühl wird die Geschichte so vorangetrieben, dass sie schlüssig und spannend ist. Die Autorin passt ihren Schreibstil den jeweiligen, erzählenden Charakteren (Ellie und Mikey) an, so dass die verschiedenen inneren Konflikte gut dargestellt sind, die sie, jeder mit sich selbst, ausmachen müssen.


Der Roman „Ich gegen dich“ nimmt sich viel Zeit die Charaktere vorzustellen. Was auch sehr gut ist, da man einen guten Einblick in die Gefühlswelt der beiden Hauptprotagonisten erhält. Mikey ist ein sehr selbstbewusster junger Mann, der das Herz am rechten Fleck hat. Er ist der große Bruder zweier jüngerer Schwestern, und kümmert sich aufopferungsvoll um die Familie, wenn die Mutter nach Alkoholexzessen nicht ansprechbar ist, oder gar ganz von der Bildfläche verschwunden ist. Vergessen kann er seine schwierigen familiären Verhältnisse nur, wenn Ellie bei ihm ist. Sie ist ein braves Mädchen aus einem guten und reichen Elternhaus – aber unglücklich, denn alles dreht sich im Moment um ihren Bruder Tom. Der Vater bittet Ellie alles zu tun um ihn vor der Gefängnisstrafe zu bewahren. Sie liebt ihre Familie und will nur das Beste für sie. Leider erfordert das Opfer, bei dem eine Liebe und das Leben zweier Familien dazwischen steht.

Fazit:
Mit "Ich gegen dich" hat die Autorin Jenny Downham eine wunderbare Geschichte über zwei Jugendliche geschrieben, die, trotz einer schweren Bürde, zueinander finden. Obwohl das Thema alles andere als Heiter ist, beschreibt die Autorin einen wichtigen Lernprozess zum Erwachsenwerden: Man muss Mut zur Wahrheit beweisen, denn gerade aus einem schlimmen Moment kann etwas Kostbares in einem selber wachsen.
Der Roman berührt den Leser und überzeugt als faszinierendes Werk. „Ich gegen dich“ ist ein Jugendbuch, dass unbedingt gelesen werden muss, da es eine wichtige Botschaft vermittelt, die zum nachdenken anregt.

22. Juli 2012

[Rezension] Christopher W. Gortner - Die Tudor-Verschwörung

Christopher W. Gortner
Die Tudor-Verschwörung
Originaltitel: The Tudor Secret
Verlag: Goldmann
Seiten: 416 Seiten
Ausgabe: Taschenbuch
Erscheinungstermin: 18.06.2012
ISBN: 978-3-442-47734-0
Preis: € 8,99
Leseprobe


Brendan Prescott weiß nichts über seine Vergangenheit, als dass er als Baby von dem Dienstmädchen Alice großgezogen wurde, die bei der reichen Familie Dudley im Haushalt arbeitete. Als Bastard, ohne Familie und familiären Hintergrund, weiß er nur zu gut, wo sein Platz im Haushalt der Dudleys und in der Gesellschaft ist.
Eines Tages wird er von Lady Dudley dazu berufen, ihrem ältesten Sohn Robert als Knappe zu dienen. Viel lieber würde er jedoch in den Ställen bei den Pferden arbeiten, da Robert noch nie ein gutes Haar an ihm gelassen hat. Und so kommt es, dass Brendan sich sehr schnell in der Rolle des Laufburschen wiederfindet. So soll er der Prinzessin Elisabeth eine Nachricht überbringen, in der Robert sie zu einem Treffpunkt bezüglich ihrer geheimen Liaison bittet. Brendan schafft es auch zu der Prinzessin vorzudringen und ihr die Nachricht zu übermitteln, doch wie es so kommt, stolpert er schon in die nächste Gefahr und wird in einen Spionagering hineingezogen. Brendan wird von seinem neuen Meister Cecil in Dinge eingeweiht, die er sich nie zu träumen gewagt hat und endet als Doppelagent, der nicht nur für Robert Dudley, sondern auch für Prinzessin Elisabeth arbeitet, da ihre Schwester Mary Königin werden will…

„Die Tudor-Verschwörung“ ist der neueste Roman von Christopher W. Gortner, der bereits zwei historische Romane „Die florentinische Prinzessin“ und „Die Tränen der Königin“ geschrieben hat.

Die meisten Fans kennen die Geschichte der Tudor-Familie: Die Monarchie ging von Edward, auf Lady Jane und anschließend auf Queen Mary I (Maria) über und wechselte dann zu Elisabeth. In der vorliegenden Geschichte will Herr Gortner den Leser aber nicht mit der Wiederholung der Geschichte langweilen sondern nutzt für diese historische Geschichte die zu Grunde liegenden Themen Freundschaft, Loyalität. Der Romantik und die Tiefen der Romantik.



Der Autor bringt uns zurück ins schicksalhafte Jahr 1553, in dem erst mal herausgefunden werden muss, wer die „Guten“ und die „Bösen“ sind. Zu dieser Zeit hat sich König Edward zurückgezogen und man munkelt am Hofe, dass er evtl. von einer dritten Person in seiner Handlung kontrolliert und gezwungen wird. Welche Macht hat dabei Lady Dudley über die Familie von Lady Jane Grey?



Die Hauptfigur in diesem verwinkelten Rätsel ist der 20-jährige Brendan Prescott. Ihm folgt der Leser als er an den Hof von Edward VI reist, um Robert Dudley, fortan zu dienen. Doch je länger er an Hofe bleibt desto mehr wird er von Verschwörung und Verrat umgeben. So kommt es, dass er bald als Doppelagent fungiert, um neben Cecil und Francis Walsingham auch der rätselhaften Elizabeth Tudor zu dienen, die um die Gesundheit ihres Halbbruders, Edward VI, besorgt an den Hof gekommen ist. Dies macht sein Leben aber nicht einfacher. Wer genau ist Brendan Prescott? Und wem kann Brendan wirklich vertrauen?



Brendan wird mit vielen Gefahren konfrontiert, die Gortner in lebendiger Beschreibung das Buch zu einem Pageturner werden lassen. Seine Sprache ist lebendig und er hat ein erstaunliches Talent Intrigen, Spionage Gefahren und den Hof der Tudors interessant zu machen.

Mein Fazit:
Der Roman „Die Tudor-Verschwörung“ ist voller Spannung und rasanter Abenteuer, weshalb man schon sagen kann, dass er nicht nur ein historischer Roman ist, sondern auch in Richtung rasanter Thriller geht. Die Charaktere sind dunstig geschrieben, was sie sehr interessant macht. Lediglich der Plot kam mir an einigen Stellen zu komplex vor, da nicht jeder so tief in den Tudor-Verwirrungen drin steckt, um die ganzen Verwandtschafts-Eskapaden zu wissen. Dennoch muss ich sagen, dass der Unterhaltungswert sehr hoch war, da es viele überraschende Wendungen und skandalöse Geheimnisse gibt. Bleibt mir nur eines zu sagen: Herzlichen Glückwunsch, Christopher W. Gortner, für diesen ausgezeichneten Roman!

21. Juli 2012

[Rezension] Gayle Forman - Wenn ich bleibe

Gayle Forman
Wenn ich bleibe
Originaltitel: If I stay
Verlag: blanvalet
Seiten: 304 Seiten
Ausgabe: Taschenbuch
Erscheinungstermin: 18. April 2011
ISBN: 978-3-442-37727-5
Preis: € 8,99
Leseprobe




Mia ist 17 Jahre alt und eine begabte Cellistin. Kein Wunder, liegt die Musik doch in ihrem Blut. So war ihr Vater früher Punkmusiker, bevor er sich dazu entschloss Lehrer zu werden. Auch Mias Mutter liebt Rockmusik, ist aber eine eher unkonventionelle Frau.
Alles scheint in dieser Familie perfekt zu sein, bis an einem verschneiten Februartag Mia und ihre Familie an einem freien Tag zu Freunden fahren, ein LKW von der Straße abkommt und ungebremst in ihr Auto prallt. Mias Eltern sind sofort tot, und ob ihr Bruder Teddy überlebt hat kann Mia nicht sagen, da sie kurz darauf selber ins Koma fällt. Ihr Geist hat sich dabei jedoch von ihrem Körper getrennt und verfolgt die Bemühungen der Ärzte wie sie versorgt wird und schließlich wegen den starken Verletzungen mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen wird. Mia betrachtet alles von „außen“ und hat mit ihrem jetzigen Zustand zwischen Leben und Tod zu kämpfen. Mit verknüpft ist natürlich die Frage, ob sie ihren Eltern ins Jenseits folgen soll oder lieber im Diesseits bleibt..
Sie erhält in der Zeit auf der Intensivstation Besuch von ihren Großeltern, ihrer treuen Freundin Kim, aber auch von ihrem Freund Adam, der durch Gespräche versucht Mias Lebenswillen zu stärken. Diese bewegenden Momente führen Rückblenden herbei, in denen sich Mia an ihr bisheriges Leben erinnert. So denkt sie zurück als die erwachende Leidenschaft für Musik eine große Rolle in ihrem Leben gespielt hat, an die Geburt ihres kleinen Bruders, an ihre Freundin Kim und ihren Freund Adam. Wird sie genug Kraft finden um in ihr richtiges Leben zurückzukehren?




Gayle Formans Roman „Wenn ich bleibe“ ist ein sehr gefühlvolles Buch, das einen so schnell nicht mehr loslässt. Es beschäftigt sich mit einem sehr ernsten Thema, das unter die Haut geht. Mit viel Gefühl erzählt die Autorin die Geschichte von Mias Schicksal, das sehr traurig ist und zeigt, wie vergänglich das Leben sein kann und wie schnell man alles verlieren kann, was einem etwas bedeutet. Ohne dass man Einfluss darauf hätte.




Nachdem Mias Familienleben kurz am Anfang des Buchs beschrieben wird, kommt der verheerende Autounfall um die Seite 20 des Buchs. Von da an ist der zeitliche Rahmen der Geschichte vorgegeben, denn sie endet am darauf folgenden Tag um genau 7:16 mit Mias Entscheidung in dem Krankenhaus. Ab da gibt es zwei Handlungsebenen. Zum einen berichtet Mia davon, was im Krankenhaus mit ihr geschieht und zum anderen erfährt der Leser Rückblenden aus den Höhepunkten ihres Lebens.
Obwohl diese Abschnitte kreuz und quer durch das Buch verteilt sind und immer wieder von einem anderen Thema handeln, unabhängig ihrer tatsächlichen Ereignisses, verleihen sie diesem Buch eine ungewohnte Tiefe. Es geht um Mias Gefühle, ihr nahezu perfektes Leben, ihrer Liebe zur Musik und ihrer Beziehung zu ihrem Freund Adam, die nicht ganz einfach ist. Dabei geht es aber weniger um Kitsch, sondern um berührende und wunderbar erzählte Familien und Freundschafts-Geschichten.




Eine Fortsetzung zu diesem Roman gibt es auch schon und ist unter dem Titel „Lovesong“ ebenfalls beim Verlag Blanvalet erschienen.




Gayle Forman hat ihre Figuren sehr individuell gestaltet, genau gezeichnet und genau das macht sie allesamt sehr sympathisch. Man merkt der Autorin an, dass sie bei der Ausarbeitung sehr viel Spaß hatte, denn das Trio Mia, Adam und Kim hätte von den Charakterzügen einzeln gesehen nicht unterschiedlicher sein können. Zusammen aber ergeben sie ein völlig gegensätzliches Trio, dass, zwischen den Zeilen gelesen, eine sehr tiefe Freundschaft verbindet.



Mein Fazit:
„Wenn ich bleibe“ ist ein Buch, das zum nachdenken anregt. Die Idee, dass Mia außerhalb ihres Körpers alles um sich herum mitbekommt, während sie im Koma liegt, hat mir sehr gut gefallen. Und wer kann denn schon sagen, dass es bei so vielen Komapatienten auf der ganzen Welt nicht tatsächlich auch bei dem einen oder anderen so sein könnte? Welche Gefühle gehen mit diesen Personen einher? Das ist Gänsehautfeeling pur. Nur eine Kleinigkeit hat nicht ganz zu dem Buch gepasst: Einige Rückblenden waren etwas „lahm“ und haben die Geschichte in die Länge gezogen und man musste aufpassen, dass man die Leselust nicht verliert. Ansonsten freue ich mich auf ein Wiedersehen mit Mia und Adam im Nachfolgeroman „Lovesong“.

14. Juli 2012

[Rezension] Cindy Spencer Pape - Steam & Magic. Feuerspiel

Cindy Spencer Pape
Steam & Magic. Feuerspiel
Originaltitel: Steam & Sorcery - Gaslight Chronicles
Verlag: Heyne
Seiten: 352 Seiten
Ausgabe: Taschenbuch
Erscheintermin: 09.05.2012
ISBN: 978-3-453-52990-8
Preis: € 8,99
Leseprobe

London, Mitte des 19. Jahrhunderts: Sir Merrick Hadrian verfügt über besondere magische Fähigkeiten, die er der Krone zur Verfügung gestellt hat und bekämpft neben normalen auch übernatürliche Gefahren. Wie zum Beispiel Vampire, die ihn auch eines Nachts in die Enge treiben. Während er sich mit allen Kräften gegen die Angreifer wehrt kommen ihm plötzlich unverhofft fünf Straßenkinder zur Hilfe. Aus Dankbarkeit, und weil er spürt, dass deren Anführer wie er selber besondere Gaben hat, nimmt er die Jugendlichen in seinem Haus auf. Merrick ist von nun an fest entschlossen den Jungen Tommy zum Ritter auszubilden und macht die fünf Kinder kurzerhand zu seinen Mündel. Doch damit sie in der hohen Gesellschaft bestehen können benötigen sie Umgangsformen, die sie bisher nicht gekannt haben. Aus diesem Grund schreiben Merrick und seine Tante, die ebenfalls in dem Haus wohnt, eine Stelle als Gouvernante aus.
Caroline Bristol erklärt sich schließlich bereit, sich den Kindern anzunehmen. Nicht dass sie die Kinder gut im Griff hat und diese ihre neue Gouvernante sehr lieben, entwickelt auch Sir Merrick Gefühle für die bodenständige und resolute Caroline. Es stellt sich bald heraus, dass sie ebenfalls über magische Gaben verfügt und Merrick im Kampf gegen die dunklen Wesen unterstützen kann. Was auch gut ist, denn schon bald geraten Merrick, Caroline und die Kinder in große Gefahr…

„Steam & Magic – Feuerspiel“ ist der erste Band einer Reihe von Cindy Spencer Pape. Da es sich hierbei um einen Steampunkroman handelt, erfährt der Leser etwas über die Zeit des viktorianischen Londons und Steampunkelementen wie mechanische Tiere und andere Geräte. Aber auch Fantasy-Elemente sind in dem Buch vorhanden. So gibt es Magier und Fantasywesen wie zu, Beispiel Vampire und Werwölfe. In den USA gibt es bereits zwei weitere Romane zu dieser Reihe, wobei jeder Band einen neuen Protagonisten hat. Weitere Bände sind in Vorbereitung.

Das vorliegende Buch liest sich am Anfang wie ein echter Steampunk-Fantasy-Roman und bietet alles was dazu gehört: Das viktorianische Setting, die Stimmung der feinen Gesellschaft und viele magische und mystische Elemente. Alles ist sehr abenteuerlich und verspricht ein gutes Buch zu werden. Doch leider widmet sich die Autorin gerade im ersten Drittel des Buches zu lange mit der Einführung der Kinder in Merricks Haus sowie deren Erziehung durch die Gouvernante Caroline. Zeitweise hat man das Gefühl „Mary Poppins“ zu lesen, was mir ziemlich schwer gefallen ist. Immerhin hätte die Autorin mehr Energie in die Ermittlungen von Dir Merrick stecken können, denn die kam mir zu kurz vor. Auch liegt der Fokus in einzelnen Textabschnitten sehr auf der Liebesgeschichte zwischen Caroline und Sir Merrick, wo auch hier die Autorin einen Fehler begeht. Sie beginnt schon auf den ersten wenigen Seiten zu beschreiben wie Sir Merrick sich von Caroline angezogen fühlt. Verfolgt man diesen Faden durch das Buch hindurch, bis zu jenen erotischen Szenen der beiden, stellt man auch hier erneut fest, dass sie Autorin ihr Augenmerk sehr auf die Gefühlswelt der beiden gelegt hat, und den Handlungsstrang verliert, den das Buch eigentlich ausmacht. Schade, denn die Grundidee des Ordens und der Vielzahl der verschiedener Wesen birgt ein enormes Potential, das in meinen Augen verschenkt wird.
Ansonsten ist die Idee der Geschichte, wie bereits erwähnt, wirklich sehr gut und vor allem sehr schön, wie die Autorin die britischen Mythen und Legenden zurückgegriffen hat, indem sie auf die Sage von Artus und die Ritter der Tafelrunde zurückgreift.

Cindy Spencer Pape schreibt sehr flüssig und leicht verständlich. Dennoch hat die Spannung in der Rahmenstory gefehlt. Wenn man die Actionszenen mit den Liebeszenen vergleicht kann man sagen, dass die Liebeszenen das Doppelte an Seitenanzahl einnimmt als die Actionszenen. Hier merkt man sehr, dass sie eigentlich eine Autorin ist, die viele Frauen- und Liebesromane geschrieben hat. Deswegen fällt auch leider auf, dass die vorhandenen Fantasy- und Steampunkelemente keine fließende Verbindung zum Rest der Geschichte aufweisen.

Die Hauptcharaktere Sir Merrick und Caroline sind mehr sofort ans Herz gewachsen, da sie vielschichtig und lebendig dargestellt sind. Sir Merrick ist stets korrekt und vornehm, was er auch sein muss, da er ein Ritter im Orden der Tafelrunde, einem Geheimbund der auf die uralten Sagen von König Artus, ist. Er verliebt sich Hals über Kopf in die neue Gouvernante seiner Mündel, Miss Caroline. Sie steht jedoch mit den dampfbetriebenen Maschinen im Haus von Sir Merrick auf Kriegsfuß und ist nicht sonderlich angetan von den dunklen Ecken, in denen er sich zwecks Nachforschungen aufhalten muss. Auch sie empfindet bald mehr für Merrick und weicht ihm bei seinen Nachforschungen nicht mehr von der Seite. Was sie jedoch für eine Gabe hat und was sie genau ist, werde ich hier nicht verraten, sondern kann im Buch nachgelesen werden…

Fazit:
Das Buch ist für ein Steampunk-, Fantasy- und Romantik-Buch klassisch gestrickt und bietet eine eigentlich vorhersehbare Story. Der Mix aus Fantasywesen aller Art ergänzt sich wunderbar zu den Hauptcharakteren. Einziges Manko ist der Schwerpunkt der Familienzusammenführung mit den fünf Straßenkindern und das der Steampunkanteil im Lauf der Geschichte geringer wird. Trotzdem sorgt das Buch für unterhaltsame Stunden und macht dem Leser Lust auf die folgende Teile der Reihe.

8. Juli 2012

[Rezension] Mathias Malzieu - Die Mechanik des Herzens



Mathias Malzieu
Die Mechanik des Herzens
Originaltitel: La Mécanique du Coeur
Verlag: carl´s books
Seiten: 192 Seiten
Ausgabe: Paperback, Klappenbroschur,
Erscheinungstermin: 08. Juni 2012
ISBN: 978-3-570-58508-5
Preis: € 12,99
Leseprobe


Jack, der Sohn einer jungen Prostituierten, wird in der kältesten Nacht des Jahres in Edinburgh geboren. Während Passanten in der kalten Nacht zu Eissäulen erfrieren und Vögel vom Himmel fallen, kommt er mit einem gefrorenen Herzen zur Welt. Da es nicht von alleine schlagen kann setzt ihm die Hebamme, Doktor Madeleine, eine Kuckucksuhr in seine Brust ein und verbindet die Zahnräder mit seinen Arterien. Die Uhr muss von nun an jeden Tag neu aufgezogen werden um ihn am Leben zu erhalten.
Als seine Mutter schließlich kurz nach der Geburt verschwindet, bleibt Jack bei Dr. Madeleine, die ihn von nun an liebevoll aufzieht. Obwohl sich Jack wie ein ganz normaler Junge fühlt, funktioniert die Uhr in seiner Brust nicht unter jeder Bedingung einwandfrei. Nicht nur, dass seine Brust anders aussieht als bei anderen Jungen und tickende Geräusche von sich gibt, darf sie nie zu schnell schlagen, da sie sonst auseinander springt. So untersagt ihm Dr. Madeleine zu starke Gefühle wie Hass oder Liebe zu empfinden. Um ihm jegliche Enttäuschung und Schmerzen zu ersparen schottet sie ihn von der Außenwelt ab. Doch Jack ist immer noch ein Mensch und wie jeder Mensch kann auch er sich der übermenschlichen Kraft der Liebe nicht entziehen.
So kommt es, dass er eines Tages auf der Straße der kleinen wunderschönen, aber auch tollpatschigen Tänzerin, Miss Acacia begegnet. Er verliebt sich Hals über Kopf in sie - als auch schon seine Kuckucksuhr anfängt verrückt zu spielen. Doch das hält ihn nicht auf Miss Arcacia wieder zu sehen.
Er folgt ihrem Weg ins ferne Andalusien, wo er George Méliès kennenlernt, der fortan sein Mentor und seine Stütze wird. Doch an Lady Acacias Seite bekommt er es auch mit der Angst zu tun. Was, wenn er ihr die ganze Wahrheit erzählt und sie ihn dann von sich weist?


Mathias Malzieu hat mit „Die Mechanik des Herzens“ ein wunderbares Märchen für Erwachsene geschrieben, das mit jeder Zeile berührt und eine tiefe Botschaft vermittelt. Die Idee ist sehr innovativ und originell – die Geschichte skurril, liebevoll, voller Magie und faszinierender Charaktere. Tim Burton hätte das nicht besser machen können. So kommt es auch, dass sich Lue Besson die Filmrechte gesichert hat und er ab Oktober 2012 an einer animierten 3D-Kinoadaption arbeiten wird.

Das Buch ist mit seinen 192 Seiten sehr dünn und jedem dürfte klar sein, dass man darin keine richtig komplexe Geschichte erwarten kann. Dennoch weiß der Roman zu fesseln was an den Gedanken in und hinter der Geschichte liegen mag. Es gibt Szenen der Leidenschaft und der unverwüstlichen Macht der Liebe – aber auch Szenen, die düster sind und deren Gefühle eine zerstörerische Wirkung mit sich bringen. So verliert zum Beispiel Jack im Fortlauf der Geschichte sein Ziel vor Augen mit Miss Arcacia eine Familie zu gründen und glücklich zu sein. Jack kämpft mit allen Mitteln um Miss Acacia und langsam arbeitet Mathias Malzieu auf ein Ende hin, das überraschend aber auch irgendwie absehbar ist. Der Epilog stimmt den Leser eher nachdenklich und lässt ihn mit melancholischen Gedanken zurück.

Aber nicht nur die Idee des Buchs ist lobenswert, sondern auch deren Umsetzung. Neben der melancholischen, düsteren, poetischen Sprache und bildgewaltigen Metaphern, enthält das Buch sehr viele überraschende Wendungen. Man weiß als Leser nie so recht, was einen als nächstes erwartet. Gerade das lässt das Buch zu einem wahren Pageturner werden.

Auf den vorhanden 190 Seiten hat der Autor zwar nicht besonders tiefgängige, aber dennoch einzigartige skurrile und liebevolle Charaktere erschaffen. So ist Jack ein sehr gefühlvoller Held, der eigentlich in sich ausgeglichen scheint, aber auch Angst um sein Herz, eine Kuckucksuhr hat. Denn: Lieben darf er nicht. Trotzdem ist Miss Arcacia seine große Liebe, um die er kämpfen will. Und das tut er auch… auf seine Weise. Miss Acacia hingegen war mir nicht unbedingt sympathisch. Sie ist eitel und erscheint ab und zu sehr lieblos. Deswegen ist es auch echt schwer deren beiden Liebesgeschichte nachzuvollziehen. Wie kann ein so gefühlvoller Kerl wie Jack gegenüber einer so harten und gefühllosen Person etwas empfinden?
Ganz toll ist auch, dass in der Geschichte noch Raum für gut beschriebene Nebencharaktere ist. Sehr sympathisch war der Magier und Uhrmacher Méliès, der Jack als Mentor und Freund dient. Genau wie Jack wird er von seiner großen Liebe vorangetrieben. So treibt ihn sein Wunsch, der Liebsten einen Flug zum Mond zu schenken, in unermüdliche Bastelei. Aber auch Joe, der Gegenspieler und Nebenbuhler von Jack, nimmt eine wichtige Rolle in der Geschichte ein. Er ist verbittert und Gewalttätig. Auch er liebt Miss Acacia, wird jedoch in ihrer Nähe ein guter Mensch. Sofern das eben für einen Anthroganisten geht. Ansonsten darf sich der Leser auch auf das Auftauchen einiger historischer Figuren freuen.


Fazit:
"Die Mechanik des Herzens" überzeugt als melancholisches Märchen mit zahlreichen Facetten. Liebenswürdige Figuren á la Tim Burton wurden in eine traurig schöne Geschichte versetzt, die einen regelrecht verzaubert. Der bildhafte Schreibstil und die vielen Metaphern sind dabei sehr gut gewählt. Das Buch geht regelrecht zu Herzen und sollte man sich nicht entgehen lassen.
Ich hoffe in nächster Zeit mehr von Mathias Malzieu lesen zu können. Mich hat das Buch bedingungslos beeindruckt.
 


Da mir das deutsche Cover so gefallen hat, möchte ich euch auch noch andere Cover zeigen. Welches gefällt euch am besten???