26. Juni 2012

[Rezension] Markus Stromiedel - Die Kuppel


Markus Stromiedel
Die Kuppel
Verlag: Droemer
Seiten: 400 Seiten
Ausgabe: Klappenbroschur HC
Erscheinungstermin: 02.05.2012
ISBN: 978-3-426-19827-8
Preis: € 14,99
Leseprobe



Ein alter Mann wurde erfroren am Militärzaun einer streng bewachten Militäranlage gefunden.

Der junge unerfahrene Unteroffizier Vincent Höfler wird im Winter des Jahres 2035 von der europäischen Regierung in Brüssel in die Nähe vom Rostock geschickt, um die dortige Polizei bei den Ermittlungen zu unterstützen. Doch es gibt eine Reihe von Indizien, die ihn schließlich auf eigene Faust ermitteln lassen. Gemeinsam mit der Ärztin Anna Robaski entdeckt er an der Leiche des Mannes eine Seltsame Einstichstelle am Rücken. Ein Hinweis darauf, dass er ermordet wurde? Und vor allem was wollte ein Mann auf einem Militärgelände, das vor allem nackt, und auf dem Weg zum Kuppelbau des „First Resort“, eine Art Paradies in dem Senioren ihren luxuriösen Lebensabend verbringen können?
Als Vincent weitere Nachforschungen anstellen will, verschwindet nicht nur die Leiche, vielmehr wird auch er nach Brüssel zurückkommandiert und eine höhere Regierungsstelle schaltet sich plötzlich ein. Mit einem Ziel: Genauere Ermittlungen sind unerwünscht. Als sich jedoch herausstellt, dass der tote alte Mann ein ehemaliger enger Freund seines Vaters war, landet er selbst im Kreuzfeuer des Staates. Um nun endgültig herauszufinden was das Geheimnis des „First Resort“ ist, stattet er diesem heimlich und inoffiziell einen weiteren Besuch ab. Nichts ahnend was ihn dort erwartet…


„Die Kuppel“ ist ein wunderbarer Science-Fiction Thriller, der es schafft, sich von den anderen Büchern dieses Genres abzuheben.
Hierfür hat der Autor Markus Stromiedel eine dystopische Welt erschaffen, die 23 Jahre in der Zukunft, also im Jahr 2035, spielt. Es gibt keine langatmigen wissenschaftlichen Erklärungsversuche zu den politischen und technischen Situationen. Der Leser erfährt durch den Ich-Erzähler Vincent dass Deutschland und Europa sich sehr stark durch den Klimawandel, aber auch durch Umweltkatastrophen verändert haben. Wüsten breiten sich aus, eine Ölkatastrophe hat die ehemals blühende Küste Deutschlands verunreinigt, und die Länder Europas haben eine Allianz gebildet, deren Regierungssitz in Brüssel ist. Ein jedoch größeres Problem für die Menschheit ist, dass es einen sozialen Verfall der Städte gibt. Nicht nur die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer, sondern auch die Lebenserwartung der Menschen. Mit diesem Aspekt einer fast unausweichlichen Überalterung der Gesellschaft wirft der Autor einen bedrückenden Blick in unsere Zukunft. Wie die Zukunft definitiv aussehen soll weiß keiner. Jedoch wird hier die Entwicklung der Alterspyramide zu Grunde gelegt und daraus ein wunderbares Basic für eine Geschichte geschaffen, die zusätzlich auch das Entstehen eines autoritären Überwachungssystems im vereinten Europa mit sich zieht. Dieses System ist überall dabei, da jeder Mensch einen „Tagger“, also eine ID mit seinen Daten am Handgelenk trägt. Es dient zur Identifikation der Person, zur Telefonie und als Bezahlmittel. Im Allgemeinen gibt es sehr viele dieser Art von Begriffen in der Geschichte. Da ist von Taggern, Mamristonen, Chips, UMS und W-Net die Rede. Als Leser kommt man da aber schnell rein und fühlt sich durch diese Begriffe nicht gestört.

Doch wohin mit den alten Leuten, die Pflege bedürfen und deren Zahl immer mehr werden? Hier hat sich die Regierung etwas einfallen lassen: Das „First Resort“. Eine Wohnanlage für alte Leute, die unter einer riesigen Kuppel ist, und in der es eine künstlichen Atmosphäre gibt, die absolut keimfrei ist. Hierdurch sollen die alten Leute von Viren, Bakterien und sonstigem geschützt werden, so dass sie nicht krank werden und der Regierung auf der Tasche liegen. Klar, dass die Lebenserwartung in diesem Resort höher ist, als außerhalb. Doch so makellos wie sich das „First Resort“ präsentiert ist es bei weitem nicht.

Durch die Nachforschungen des Hauptprotagonisten Vincent, kommt der Leser sehr schnell auf die Schliche, dass es vielmehr eine Täuschung des perfekten Paradieses ist. Doch was wird mit den alten Leuten gemacht, die tatsächlich einmal erkranken? Werden sie nach Hause geschickt? Und was ist es für eine seltsame Krankenstation, die Vincent besichtigt? Ich muss wirklich sagen, dass Vincents erster Besuch in der Kuppel total abgefahren ist. Beim reingehen in die Kuppel verschwindet ein Riss in der Hose und beim rausgehen verschwindet ein Kopfhörer. Was genau passiert in dem Augenblick, als seine Vitalfunktionen gemessen werden und er ohnmächtig wird?

Allerdings gibt es eine Sache, die etwas unklar ist. Warum wiedersetzt sich Vincent dem Befehl, spätestens in 48 Stunden nach seinem Abzugsbefehl wieder zurück in Brüssel zu sein? Klar, er ist neugierig , hat genügend Zeit und versucht in Rostock ein paar Hinweisen nachzugehen. Aber wieso meldet sich von seinen Chefs keiner um sicherzustellen, dass er dem Abzugsbefehl auch folgt? Denn eins ist klar: Sie wollen was vertuschen und da wollen sie doch bestimmt, dass er nicht weiter „nachbohrt“.

Das Ende des Buchs ist absolut stimmig und lässt einen mit offenen Mund zurück. Das Buch, das sich nach Vincents Fahrt nach Rostock zum Pageturner entwickelt hat, lässt einen mit wirren Gedanken und nachdenklich zurück. Natürlich nur im positiven Sinne. Der Schluss lässt Platz für eigene Interpretationen und macht daher das abschließende Highlight des Buchs aus.

Das Buch wird in der Ich-Perspektive von Vincent erzählt. Man wird Anfangs in die Geschichte und deren neue Welt hineingeworfen, versteht zwar nicht alles, liest aber gespannt weiter während dann nach und nach alles zu einem einheitlichen Bild wird. Die Geschichte entwickelt sich und die Spannungskurve steigt ab Mitte des Buchs kontinuierlich an. Man hat als Leser ab und zu schon ein mulmiges Gefühl. *Spoiler Anfang: Vor allem bei den Menschenköpfe, die in Formaldehyd eingelegt sind. Spoiler Ende* Obwohl der Autor leider genügend Hinweise auf die Fortlaufende Geschichte gibt, so dass manches Voraussehbar und leider keine Überraschung mehr ist, animiert er den Leser zum mit fiebern, ob dessen Ahnung stimmt oder nicht.

Mit Vincent als Hauptprotagonist braucht man etwas um mit ihm warm zu werden. Vincent war in seinem Leben bisher der Durchmogler. Nur nicht auffallen und sich dumm stellen, um nicht in den Krieg ziehen zu müssen. So lief er im Minimalpriinzip durch sein Leben bis gerade er als unscheinbarer Unteroffizier einen wichtigen Auftrag erhält, der ihn zum „First Resort“ führt. Hier fängt er an zu wachsen und will für seinen Vater und dessen toten Freund kämpfen. Somit gerät er schnell in eine Allein-gegen-alle-Situation, bei der er jedoch von Anna unterstützt wird. Daraus sind die Thriller gemacht: Ein Held kämpft für Gerechtigkeit und wird von einer wunderschönen Frau unterstützt. Jedoch ging die Annäherung zwischen den beiden einfach zu schnell. Als zum Beispiel bei ihr im Haus eingebrochen wurde, wendet sie sich direkt an Vincent, und das obwohl sie ihn praktisch noch gar nicht kennt. Warum? Normalerweise ruft man die Polizei oder Freunde. Und warum muss er, wenn doch eine so tiefe Verbindung zwischen den beiden besteht, seine Anspannung bei einer Hure abbauen? Das verstehe ich nicht und passt auch nicht zu dem Bild, das er vermittelt.


Mein Fazit:
In „Die Kuppel“ beschreibt der Autor Markus Stromiedel einen Dystopischen Thriller, der sich mit fortlaufender Handlung zum wahren Pageturner entwickelt. Die Geschichte ist spannend, temporeich, spannend und überzeugend dargestellt und gibt Einblicke in eine total überwachte Gesellschaft. Die Charaktere sind realistisch und ihre Panik und Machtlosigkeit gegenüber dem Staat spürbar. Ein Roman mit Nachdenkpotenzial und einem durchaus düsteren Ausblick in die Zukunft. Absolut lesenswert!

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