11. Juni 2012

[Rezension] Markus Heitz - Oneiros - Tödlicher Fluch

Markus Heitz
Oneiros - Tödlicher Fluch
Verlag: Knaur TB
Seiten: 624 Seiten
Ausgabe: Klappbroschur
Erschienen am: 02.05.2012
ISBN: 978-3-426-50590-8
Preis: € 14,99
Leseprobe



Im Charles-de-Gaulle Flughafen in Paris landet ein A380 – und noch keiner ahnt, welche Katastrophe er mit sich bringt. Die Maschine rast unkontrolliert über das Rollfeld und in ein Terminal hinein. Es gibt hunderte von Toten. Doch war es ein Terroranschlag oder ein ganz normales Unglück? Der einzige Überlebende der Unglücksmaschine, ein Italiener, erzählt, dass er zum Zeitpunkt des Unglücks zwar auf der Toilette war, aber anschließend gesehen hat, dass die anderen Insassen der Maschine sowie das Flugpersonal weder erstochen noch vergiftet wurden, sondern lediglich friedlich eingeschlafen sind.

Der Leipziger Bestattungsunternehmer und weltbekannte Thanatologe Konstantin Korff wird von einem alten Freund vom englischen Geheimdienst gebeten, bei den Ermittlungen zu helfen. Schnell ahnt er, was hinter dem Unglück steckt: Ein Fluch, den er ebenfalls zu tragen hat. Konstantin ist ein Todesschläfer. Immer wenn er einschläft, sterben die Menschen in seiner Umgebung, da er für den Schnitter unsichtbar ist und er deshalb in seinem Umfeld wütet.

Aus Liebe zu einer Frau begibt er sich auf die Suche nach den sogenannten Schnittersteinenen. Sie sind für ihn die einzige Rettung, um mit Iva ein gemeinsames und glückliches Leben zu führen.
Doch all seinen Nachforschungen werden von einer skrupellosen Wissenschaftlerin beschattet, die grausame Experimente an Todesschläfern anstellt.


"Oneiros - Tödlicher Fluch" ist der neue Roman von dem bekannten Fantasyautoren Markus Heitz. Und eins ist sicher: Bei Markus Heitz' Romanen weiß man nie genau worauf man sich einlässt.

So befasst sich der Roman dieses Mal nicht mit Fantasywesen, wie Werwölfe und Vampire, sondern mit Märchen und Legenden rund um den Tod. Dabei beschönigt der Autor den Tod und die vorkommende Unsterblichkeit keinesfalls. Der Tod ist in seinem Buch allgegenwärtig. Es sterben sehr oft Menschen und es sind sehr viele Seiten, die durch den Tod getränkt sind. Auch beschreibt der Autor ausführlich und genüsslich die thanatologische Untersuchungen, die Konstantin an Leichen vornimmt. So kommt es, dass die Stimmung oft sehr düster und gedrückt ist.

Dies alles ist die Grundlage für Markus Heitz' sogenannte "Todesschläfer". Menschen, die zwar unsterblich sind, aber immer weiter altern. Sie können sich verletzten und krank werden – aber eben nicht sterben. Sie sind für den Schnitter somit unsichtbar. Was ihn wiederrum so verärgert, dass er, sobald der Todesschläfer einschläft, um ihn herum wütet und jedes Lebewesen in einem bestimmten Umkreis um ihn herum tötet.

Diese Todesschläfer werden in der vorliegenden Geschichte von einer skrupellosen Wissenschaftlerin verfolgt, die an ihnen neurochirurgische Experimente macht. Näher möchte ich auf dieses Thema nicht eingehen, da ich den Gruselfaktor nicht vorweg nehmen will. Allerdings nimmt Prof. Dr. Joachim Oertel, Direktor der Klinik für Neurochirurgie in Homburg, am Ende des Buchs zu diesem Thema Stellung, dass solche Experimente in der seriösen Forschung auf keinen Fall durchgeführt würden. Dennoch lotet Markus Heitz diese Möglichkeiten in seinem Buch aus und beschriebt Szenarien allá: Was wäre wenn.
Obwohl die Geschichte in sich abgeschlossen ist, hat es sich Markus Heitz trotzdem offen gelassen, irgendwann zu der Thematik zurückzukehren.

Der Schreib- und Erzählstil von Markus Heitz ist bei diesem Roman mehr oder weniger gut gelungen. Man merkt, dass er sehr gut zu dem Thema der Thanatologie recherchiert hat. Er verarbeitet diese Eindrücke in eine realitätsnahe Geschichte und spickt sie mit leichten fantastischen Elementen. Sehr schnell wird da die Verknüpfung von Wirklichkeit und Aberglaube zu einem Gedankenspiel, das zwar interessant ist, aber einen auch berühren muss. Denn obwohl der Roman flüssig erscheint, wirken die aufeinandertreffen der Protagonisten oft gestellt, bzw. die Verfolgungsjagt in Idar-Oberstein künstlich dargestellt. Markus Heitz benutzt zudem sehr viele Handlungsstränge, die im Perspektivenwechsel zwischen verschiedenen Ländern hin und her springen, und irgendwie den Roman nur oberflächlich wirken lassen, so dass es schwer fällt einen tieferen Zugang zu der Geschichte zu bekommen. Auch ist damit nicht jede Handlung der Protagonisten für den Leser auf den ersten Blick nachvollziehbar. Man rätselt, grübelt und entschließt sich dann, alles auf sich zukommen zu lassen, um evtl. enttäuscht zu werden.

Die Protagonisten werden in dem Roman nach und nach mit ihren Geheimnissen vorgestellt. So Konstantin Korff, welcher der Hauptprotagonist und die Schlüsselfigur in diesem Roman ist. Er ist, trotz seinem Beruf als Bestatter und Thanatologe ein bodenständiger und netter Kerl – wenn er nur nicht den Fluch eines Todesschläfers hätte. Die Angst, Menschen im Schlaf zu töten, ist ständig präsent und verlässt ihn nie.
Sehr gut gefallen hat mir, dass Markus Heitz auf Schwarz/Weiß Malerei bei dem Charakter der Wissenschaftlerin Kristin von Windau verzichtet hat. Sie ist nicht einfach nur der eiskalte Bösewicht in der Geschichte, sondern besitzt auch eine andere, sehr tragische und verletzliche Seite, die einen auch nicht unbedingt kalt lässt. So leidet sie unter Insomnie. Das heißt: Sie kann nicht schlafen. Und genau dieser Zustand droht sie über kurz oder lang umzubringen. Da diese Krankheit vererbbar ist, forscht sie an einem Heilmittel und geht, um die Liebe ihre Sohnes und Vaters willen, über Leichen.


Fazit:
Für mich ist "Oneiros - Tödlicher Fluch" sehr schwer zu beurteilen. Die grundlegende Thematik der Todesschläfer ist eine sehr gute Idee und besitzt sehr viel Potential. Dennoch habe ich nicht wirklich einen Zugang zu dem Buch gefunden. Ja, es war an einigen Stellen actionreich und spannend. Aber das Gesamtpaket bestand einfach aus zu komplexen und verschiedenen Handlungssträngen und ekligen thanatologischen Passagen. Man sollte sich dessen beim Lesen in jedem Fall bewusst sein, denn garantiert ist dies für den einen oder anderen Leser ein wenig zu viel Tod. Ein weiteres Manko waren die unzähligen Rechtschreibfehler, die eigentlich bei einem so guten und angesehenem Verlag nicht passieren sollten.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen