19. Juni 2012

[Rezension] Jay Asher & Carolyn Mackler - Wir beide, irgendwann

Jay Asher & Carolyn Mackler
Wir beide, irgendwann
Originaltitel: The Future of Us
Verlag: cbt
Seiten: 400 Seiten
Ausgabe: Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
Erschienen am: 27. August 2012
ISBN: 978-3-570-16151-7
Preis: € 17,99



Die 16-jährige Emma lebt zusammen mit ihrer Mutter und deren neuem Mann Martin im kleinen amerikanischen Ort Lake Forest. Ihre Eltern haben sich scheiden lassen und nun lebt Emmas Vater zusammen mit seiner neuern Freundin und dem gemeinsamen Baby weit weg. Als Entschädigung schenkt Emmas Vater ihr einen neuen Computer. Ihr bester Freund Josh gibt ihr eine AOL-CD, mit deren Hilfe sie sich via Internet plötzlich auf einer Seite namens „Facebook“ wiederfindet. Jedoch ist das Netzwerk 1996 noch nicht erfunden und dürfte es zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch gar nicht geben. Als sie sich einloggt findet sie sich auf ihrem Facebook-Profil wieder – in 15 Jahren!
Geschockt stellt sie fest, dass sie mit 31 Jahren arbeitslos und mit einem gewissen Jordan James Junior unglücklich verheiratet sein soll. Josh hingegen wird das beliebteste Mädchen der ganzen Schule, Sydney Mills, heiraten und wohnt mit ihr in einem luxuriösen Haus am See. Während sein Profil glücklich erscheint, sieht Emmas Zukunft düster und hoffnungslos aus.
Anfänglich halten Emma und Josh diese Seite für einen üblen Scherz. Nach und nach begreifen sie aber, dass ihre Handlungen Einfluss auf die Facebook-Seite haben und dass darauf Bilder existieren, die bisher noch nicht einmal entwickelt wurden. Den beiden wird schließlich bewusst, dass Facebook tatsächlich ihre Zukunft wiederspiegelt und dass sie diese Beeinflussen können.
Da Emma nicht hin nebehmen will, dass sie in der Zukunft unglücklich ist, beginnt sie schließlich bewusst Änderungen in der Gegenwart herbeizuführen. Was schlimmeFolgen mit sich bringt, denn nicht nur dass sie dadurch fatale Kettenreaktionen in Gang setzt, vielmehr lebt sie fortan nur noch für die Zukunft und vergisst dabei ihre Freundschaft zu Josh…






"Wir beide, irgendwann" ist der erste Roman, den beiden bekannten amerikanischen Autoren Autoren Jay Asher ("Tote Mädchen lügen nicht") und Carolyn Mackler ("Viermal Paradies und zurück") gemeinsam geschrieben haben.
Die Idee, die hinter diesem Buch steckt ist mal etwas komplett anderes, als man bisher gelesen hat. Es spielt im Jahr 1996, als nur wenige Haushalte bereits einen Computer hatten und der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg gerade mal 12 Jahre war. Es sollten eigentlich noch Jahre vergehen, bis da Portal von Facebook erfunden wird, doch durch irgendeinen Zufall gelangt die Protagonistin Emma auf das Profil ihres 31-jährigen Ichs in der Zukunft.

Dies ist ein sehr interessanter Ansatz und Ausgangspunkt des Romans. Unwillkürlich stellt man sich als Leser selbst die Frage, was wäre, wenn man selber in Emmas Situation kommen würde? Ist man selber mit der eigenen Zukunftsaussicht zufrieden? Oder versucht man ähnlich wie Emma, die von ihrem späteren Leben geschockt ist, die Zukunft in der Gegenwart so zu beeinflussen, dass man später glücklich ist?

In der folgender Handlung erkennt man aber ganz schnell, dass eigene Beeinflussungen auf das Raum-Zeit-Kontinuum gar nicht so prickelnd sind. So verliert sie immer mehr die Kontrolle über ihre herbeigerufenen Änderungen. Schnell lernt sie nur noch für die Zukunft zu leben oder sogar ihre Freundschaft mit Josh aufs Spiel zu setzen. Und das alles nur, um zu erkennen, dass ihre Zukunft dennoch irgendwie nie rosig aussehen wird.

Das Buch vermittelt somit auch eine Kritik an unserer heutigen Internetgesellschaft. Durch das ständige updaten des eigenen Facebook Profils und Status, gibt es keine richtige Privatsphäre mehr, da jeder weiß was der andere gerade macht, denkt oder fühlt.

Neben der ganzen Thematik mit dem interessanten Zukunftsansatz um Facebook, gibt es auch dem typische Teenager-Geschichten mit Familienprobleme, Schulaltag, Freundschaft, Beziehungen und Liebe. All dies spielt eine wichtige Rolle in dem Leben eines jeden Menschen und der Roman vermittelt gerade hier, dass es allein an einem selber liegt, Dinge in der Gegenwart zu beeinflussen. Was in der Zukunft passiert, das steht alleine in den Sternen. Ein weißer Spruch sagt: „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“.

Die Geschichte wird abwechselnd pro Kapitel aus der Sicht Emmas und Joshs erzählt. Somit wird dem Leser das Gefühlsleben der beider Protagonisten nahegebracht. Man fühlt und leidet mit jedem der beiden mit. Was natürlich für Spannung sorgt, denn was wird herauskommen, wenn zwei Teenager versuchen an ihrer Zukunft zu feilschen? Natürlich darf hierfür auch der Hauch einer wunderbaren Komik nicht fehlen, die bestimmt und genau richtig dosiert in die Geschichte eingebettet wurde. Dies sind auch die Gründe, weshalb man als Leser sofort mittendrin in dieser turbulenten Geschichte ist. Gemeinsam mit den beiden Hauptprotagonisten geht man auf eine außergewöhnliche Reise mit vielen Höhen und Tiefen, und mit jeder Seite verliebt man sich mehr in das Buch.

Beide Charaktere waren mir absolut sympathisch und ich fand sehr interessant, welche Wandlungen Josh und Emma durch das Wissen um ihre Zukunft durchleben. Emma ist ein ganz normales Mädchen und mit ihrer natürlichen Art einfach nur sympathisch. Wie jedes andere Mädchen in diesem Alter beschäftigen sie irgendwelche Jungengeschichten, die sie am liebsten mit ihrer besten Freundin Kellan bespricht. Josh war einmal der besten Freund von Emma. Bis er sich in sie verliebt hat und es ihr gestanden hat. Seitdem ist die Situation der beiden etwas angespannt. Auch das zukünftige Facebook Profil hilft nicht dabei, ein besseres Verhältnis zu Josh zu bekommen. Im Gegenteil. Während seine Zukunft rosig aussieht, wird Emma arbeitslos und unglücklich verheiratet sein. Da Emma das nicht hinnehmen will, wird Facebook fortan zum Mittelpunkt ihres Lebens. Oft handelt sie deswegen unüberlegt und impulsiv. Sie muss ihren Willen durchsetzen und rennt dadurch mit dem Kopf an die Wand.

Josh ist genau das Gegenteil von ihr: Der nette Typ von nebenan, bei dem man allerdings etwas braucht um mit ihm warm zu werden, da er anfänglich in der Geschichte tief in sich gekehrt, schüchtern und zurückhaltend wirkt und erst nach und nach aus sich heraus kommt. Er behandelt alle Menschen um sich herum mit Respekt und ist immer für seine Freunde da, wenn sie Probleme haben. Naja, Probleme hat er auch, nämlich in Form von Emma. Er hat sich über beide Ohren in sie verliebt und ihre Abfuhr hat ihn schwer getroffen. Keiner weiß, wie er mit dem anderen umgehen soll. Im Gegensatz zu Emma gefällt ihm seine zukünftige Aussicht auf Facebook und versucht diese nicht zu ändern, sondern herbeizuführen.

Aber auch den Nebenfiguren, wie Emmas bester Freundin Kellan, schenkt das Autorenduo die nötige Aufmerksamkeit um sie in ihrer Geschichte richtig Leben zu lassen.


Mein Fazit:
„Wir beide irgendwann“ ist eine originelle und wunderschöne Geschichte. Sie bietet eine perfekte Balance aus Nervenkitzel und Herzklopfen. Die beiden Autoren harmonisieren wunderbar zusammen, was sich auf die sympathischen Charaktere und deren Drama um Liebe und Humor wiederspiegelt. Es lässt keine Wünsche offen und die Seiten blättern sich wie von selbst um.
Ich habe mich zudem sehr mit der Geschichte verbunden gefühlt, da ich in den 90-er Jahren in dem gleichen Alter war wie Emma und dadurch einiges an Nostalgiegefühl erfahren habe. Sei es der Beeper, eine VHS-Kasette oder bestimmte Lieder der Gruppe „Green Day“. All das hat mir ein Grinsen beschert, da ich diese Zeit miterlebt habe, und ich während des Lebens zurück in meine Jugend versetzt wurde.
Ein wunderbares Buch und ein absolutes Highlight! Nicht nur für Jugendliche…


Kommentare:

  1. Hallo Yvonne
    Ach, das Buch möchte ich unbedingt auch bald lesen.
    Ich gehöre auch nicht mehr zu den ganz jungen Semestern, ich bin sogar noch ein bisschen älter als du, und habe sogar noch auf der Schreibmaschine das Zehnfingersystem gelernt.

    lG Favola

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  2. Hallo Favola,

    ich kann das Buch wirklich nur empfehlen. Es hat richtig Spaß gemacht auf eine Art Zeitreise in die eigene Kindheit/Jugend zu gehen.

    Liebe Grüße

    Yvonne

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