26. Juni 2012

[Rezension] Markus Stromiedel - Die Kuppel


Markus Stromiedel
Die Kuppel
Verlag: Droemer
Seiten: 400 Seiten
Ausgabe: Klappenbroschur HC
Erscheinungstermin: 02.05.2012
ISBN: 978-3-426-19827-8
Preis: € 14,99
Leseprobe



Ein alter Mann wurde erfroren am Militärzaun einer streng bewachten Militäranlage gefunden.

Der junge unerfahrene Unteroffizier Vincent Höfler wird im Winter des Jahres 2035 von der europäischen Regierung in Brüssel in die Nähe vom Rostock geschickt, um die dortige Polizei bei den Ermittlungen zu unterstützen. Doch es gibt eine Reihe von Indizien, die ihn schließlich auf eigene Faust ermitteln lassen. Gemeinsam mit der Ärztin Anna Robaski entdeckt er an der Leiche des Mannes eine Seltsame Einstichstelle am Rücken. Ein Hinweis darauf, dass er ermordet wurde? Und vor allem was wollte ein Mann auf einem Militärgelände, das vor allem nackt, und auf dem Weg zum Kuppelbau des „First Resort“, eine Art Paradies in dem Senioren ihren luxuriösen Lebensabend verbringen können?
Als Vincent weitere Nachforschungen anstellen will, verschwindet nicht nur die Leiche, vielmehr wird auch er nach Brüssel zurückkommandiert und eine höhere Regierungsstelle schaltet sich plötzlich ein. Mit einem Ziel: Genauere Ermittlungen sind unerwünscht. Als sich jedoch herausstellt, dass der tote alte Mann ein ehemaliger enger Freund seines Vaters war, landet er selbst im Kreuzfeuer des Staates. Um nun endgültig herauszufinden was das Geheimnis des „First Resort“ ist, stattet er diesem heimlich und inoffiziell einen weiteren Besuch ab. Nichts ahnend was ihn dort erwartet…


„Die Kuppel“ ist ein wunderbarer Science-Fiction Thriller, der es schafft, sich von den anderen Büchern dieses Genres abzuheben.
Hierfür hat der Autor Markus Stromiedel eine dystopische Welt erschaffen, die 23 Jahre in der Zukunft, also im Jahr 2035, spielt. Es gibt keine langatmigen wissenschaftlichen Erklärungsversuche zu den politischen und technischen Situationen. Der Leser erfährt durch den Ich-Erzähler Vincent dass Deutschland und Europa sich sehr stark durch den Klimawandel, aber auch durch Umweltkatastrophen verändert haben. Wüsten breiten sich aus, eine Ölkatastrophe hat die ehemals blühende Küste Deutschlands verunreinigt, und die Länder Europas haben eine Allianz gebildet, deren Regierungssitz in Brüssel ist. Ein jedoch größeres Problem für die Menschheit ist, dass es einen sozialen Verfall der Städte gibt. Nicht nur die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer, sondern auch die Lebenserwartung der Menschen. Mit diesem Aspekt einer fast unausweichlichen Überalterung der Gesellschaft wirft der Autor einen bedrückenden Blick in unsere Zukunft. Wie die Zukunft definitiv aussehen soll weiß keiner. Jedoch wird hier die Entwicklung der Alterspyramide zu Grunde gelegt und daraus ein wunderbares Basic für eine Geschichte geschaffen, die zusätzlich auch das Entstehen eines autoritären Überwachungssystems im vereinten Europa mit sich zieht. Dieses System ist überall dabei, da jeder Mensch einen „Tagger“, also eine ID mit seinen Daten am Handgelenk trägt. Es dient zur Identifikation der Person, zur Telefonie und als Bezahlmittel. Im Allgemeinen gibt es sehr viele dieser Art von Begriffen in der Geschichte. Da ist von Taggern, Mamristonen, Chips, UMS und W-Net die Rede. Als Leser kommt man da aber schnell rein und fühlt sich durch diese Begriffe nicht gestört.

Doch wohin mit den alten Leuten, die Pflege bedürfen und deren Zahl immer mehr werden? Hier hat sich die Regierung etwas einfallen lassen: Das „First Resort“. Eine Wohnanlage für alte Leute, die unter einer riesigen Kuppel ist, und in der es eine künstlichen Atmosphäre gibt, die absolut keimfrei ist. Hierdurch sollen die alten Leute von Viren, Bakterien und sonstigem geschützt werden, so dass sie nicht krank werden und der Regierung auf der Tasche liegen. Klar, dass die Lebenserwartung in diesem Resort höher ist, als außerhalb. Doch so makellos wie sich das „First Resort“ präsentiert ist es bei weitem nicht.

Durch die Nachforschungen des Hauptprotagonisten Vincent, kommt der Leser sehr schnell auf die Schliche, dass es vielmehr eine Täuschung des perfekten Paradieses ist. Doch was wird mit den alten Leuten gemacht, die tatsächlich einmal erkranken? Werden sie nach Hause geschickt? Und was ist es für eine seltsame Krankenstation, die Vincent besichtigt? Ich muss wirklich sagen, dass Vincents erster Besuch in der Kuppel total abgefahren ist. Beim reingehen in die Kuppel verschwindet ein Riss in der Hose und beim rausgehen verschwindet ein Kopfhörer. Was genau passiert in dem Augenblick, als seine Vitalfunktionen gemessen werden und er ohnmächtig wird?

Allerdings gibt es eine Sache, die etwas unklar ist. Warum wiedersetzt sich Vincent dem Befehl, spätestens in 48 Stunden nach seinem Abzugsbefehl wieder zurück in Brüssel zu sein? Klar, er ist neugierig , hat genügend Zeit und versucht in Rostock ein paar Hinweisen nachzugehen. Aber wieso meldet sich von seinen Chefs keiner um sicherzustellen, dass er dem Abzugsbefehl auch folgt? Denn eins ist klar: Sie wollen was vertuschen und da wollen sie doch bestimmt, dass er nicht weiter „nachbohrt“.

Das Ende des Buchs ist absolut stimmig und lässt einen mit offenen Mund zurück. Das Buch, das sich nach Vincents Fahrt nach Rostock zum Pageturner entwickelt hat, lässt einen mit wirren Gedanken und nachdenklich zurück. Natürlich nur im positiven Sinne. Der Schluss lässt Platz für eigene Interpretationen und macht daher das abschließende Highlight des Buchs aus.

Das Buch wird in der Ich-Perspektive von Vincent erzählt. Man wird Anfangs in die Geschichte und deren neue Welt hineingeworfen, versteht zwar nicht alles, liest aber gespannt weiter während dann nach und nach alles zu einem einheitlichen Bild wird. Die Geschichte entwickelt sich und die Spannungskurve steigt ab Mitte des Buchs kontinuierlich an. Man hat als Leser ab und zu schon ein mulmiges Gefühl. *Spoiler Anfang: Vor allem bei den Menschenköpfe, die in Formaldehyd eingelegt sind. Spoiler Ende* Obwohl der Autor leider genügend Hinweise auf die Fortlaufende Geschichte gibt, so dass manches Voraussehbar und leider keine Überraschung mehr ist, animiert er den Leser zum mit fiebern, ob dessen Ahnung stimmt oder nicht.

Mit Vincent als Hauptprotagonist braucht man etwas um mit ihm warm zu werden. Vincent war in seinem Leben bisher der Durchmogler. Nur nicht auffallen und sich dumm stellen, um nicht in den Krieg ziehen zu müssen. So lief er im Minimalpriinzip durch sein Leben bis gerade er als unscheinbarer Unteroffizier einen wichtigen Auftrag erhält, der ihn zum „First Resort“ führt. Hier fängt er an zu wachsen und will für seinen Vater und dessen toten Freund kämpfen. Somit gerät er schnell in eine Allein-gegen-alle-Situation, bei der er jedoch von Anna unterstützt wird. Daraus sind die Thriller gemacht: Ein Held kämpft für Gerechtigkeit und wird von einer wunderschönen Frau unterstützt. Jedoch ging die Annäherung zwischen den beiden einfach zu schnell. Als zum Beispiel bei ihr im Haus eingebrochen wurde, wendet sie sich direkt an Vincent, und das obwohl sie ihn praktisch noch gar nicht kennt. Warum? Normalerweise ruft man die Polizei oder Freunde. Und warum muss er, wenn doch eine so tiefe Verbindung zwischen den beiden besteht, seine Anspannung bei einer Hure abbauen? Das verstehe ich nicht und passt auch nicht zu dem Bild, das er vermittelt.


Mein Fazit:
In „Die Kuppel“ beschreibt der Autor Markus Stromiedel einen Dystopischen Thriller, der sich mit fortlaufender Handlung zum wahren Pageturner entwickelt. Die Geschichte ist spannend, temporeich, spannend und überzeugend dargestellt und gibt Einblicke in eine total überwachte Gesellschaft. Die Charaktere sind realistisch und ihre Panik und Machtlosigkeit gegenüber dem Staat spürbar. Ein Roman mit Nachdenkpotenzial und einem durchaus düsteren Ausblick in die Zukunft. Absolut lesenswert!

22. Juni 2012

[Rezension] Celine Kiernan - Königspfade


Celine Kiernan
Königspfade, Morkawk-Trilogie, Teil 3
Originaltitel: The Rebel Prince - (Vol. 3 The Moorehawke Trilogy)
Verlag: Heyne
Seiten: 496 Seiten
Ausgabe: Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
Erschienen am: 21. Mai 2012
ISBN: 978-3-453-26635-3
Preis: € 18,99
Leseprobe


Endlich haben Wynter, Christopher und Razi das Lager des abtrünnigen Prinzen Alberon erreicht. Jedoch wird das freudige Wiedersehen zwischen den Brüdern Alberon und Razi von den Jahren des Kriegs überschattet. Schnell merken sie, dass sie unterschiedlicher Meinungen sind. So ist Alberon entschlossen, anstelle von Diplomatie, wie es sein Vater König Jonathan bisher gepflegt hat, das Reich durch Stärke zu schütze. Dafür setzt er auf eine geheimnisvolle, aber auch umstrittene Waffe: Die Lorcan Moorhawke Blutmaschine. Doch Razi befürchtet, dass diese Maschine all das Gute, welches sein Vater während seiner Regierungszeit im Königreich erreicht hat, zunichte macht…


Endlich ist sie da! Der letzte Teil der Moorhawke-Trilogie von Celine Kiernan. „Königspfade“ reiht sich von der Covergestaltung zu den Vorgängerbänden ein, womit ein großer Wiedererkennungswert der Trilogie gegeben ist und sie sich im Bücherregal sehr schick ansehen lässt. Auf dem Cover ist das Gesicht einer Katze zu sehen, das vermutlich Coriolanus, die sprechende Katze von Wynter, darstellen soll. Im Innern des Buchs findet man wie in den Vorgängerbänden eine Landkarte des alternativen Europas sowie ein paar Worte der Autoren. Im hinteren Bereich des Buchs gibt es ein Merronisch-Glossar, welches als Übersetzung der gälischen Worte dient. Mir persönlich hat eine Personenübersicht gefehlt, da in dem vorliegenden Buch sehr viele Namen vorkommen, und es echt schwierig ist, ihre Herkunft und Funktionen im Kopf zu behalten.

Im nun dritten Buch dieser Trilogie treffen wir nun schließlich auf den angeblichen Verräter, Prinz Alberon. Und der ist gar nicht so, wie man ihn erwartet hatte. Bisher hat man ihn nur durch die Augen von Razi und Wynter gesehen, die dem Leser ihre Kindheitserinnerungen mitgeteilt haben. Durch ihre Kinderaugen war er stets nett und mit Güte im Herzen. Dem nun erwachsenen Alberon merkt man zwar seine königliche Herkunft noch an, dennoch ist er verwöhnt, ungestüm und sogar ein Choleriker. Obwohl es zwischen den Halbbrüdern Razi und Alberon immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten und Missverständnissen kommt, weiß Alberon, dass er Razi braucht um zwischen ihm und dem König zu vermitteln. Denn Alberon hat sich in den Kopf gesetzt, alle Königreiche im nördlichen Europa neu zu ordnen.

Doch kommen wir zu den Kritikpunkten an diesem Buch.
Da zwischen der Veröffentlichung von Band 2 und 3 ein gutes Jahr ins Land gezogen ist, kann man nicht alle Geschehnisse der Vorgängerbände im Kopf parat haben. Soll heißen, die Autorin hätte gut getan vor der eigentlichen Geschichte von „Königspfade“ eine kleine Zusammenfassung über die bisherigen Ergebnisse zu geben. Ohne Rückblende fällt es echt schwer in bestimmte Geschehnisse wieder hinein zu finden. So zum Beispiel: Was genau ist geschehen, dass Prinz Alberon abtrünnig wurde? Und was hatte es mit den Loup-Garous auf sich? Und warum haben die Wynter, Razi und vor allem Christopher einen Hass auf sie? Zugegeben, ein paar Punkte werden im Fortlauf der Geschichte geklärt, aber in den Passagen, wo dem Leser die Fragen aufkommen, hätte man auch gerne gleich eine Antwort gehabt.

Der größte Kritikpunkt an dem Buch ist jedoch, dass in der Geschichte sehr viel über Politik geredet wird, die man kaum nachvollziehen kann. Sie ist sehr komplex und die vielen Charaktere, Stämme und Nationen, die noch darin mitmischen, machen das Ganze nicht leichter. Im Kopf entsteht ein großes Wirrwarr und irgendwann liest man nur noch (leider) darüber, um die Geschichte voran zu treiben.

Des Weiteren fällt bei dem Buch auf, dass die Autorin irgendwie nicht auf den Punkt kommt und alles irgendwie schön umschrieben wird. Aber eben nicht genau, so dass sich der Leser die Hintergründe selber zusammenreinem muss. Was eben bei einer so komplexen Geschichte, wie bereits erwähnt, nicht einfach ist und man sehr schnell auf dem Holzweg landet oder eben den Sinn nicht versteht.
Das beste Beispiel sind wichtige Zusammenhänge oder die geheimnisvolle Blutmaschine, die König Jonathan und Wynters Vater mit aller Macht verbergen wollten. Aber warum? Es ist immer nur die Rede, dass die beiden sie versuchen zu verheimlichen und dass irgendwelche Pläne existieren. Warum? Was hat es mit ihr auf sich? Warum war sie, wie Wynter vermutet hat, bereits im Einsatz? Ich hätte sehr gerne mehr Details gehabt: Wie man auf die Idee kommt sie zu entwickeln, wie sie hergestellt wurde, wie sie aussieht und was sie genau macht. Zwar wird sie im Finale eingesetzt, aber meine Fragen sind nur zum Teil beantwortet worden. Schade, denn da hätte man bestimmt noch mehr herausholen können.


Mein Fazit:
„Könisgpfade“ hätte ein so spannender Abschluss der mittelalterlichen Moorhawke -Trilogie werden können. An fesselnden Abenteuern und Romantik fehlt es nicht, ebenso wenig wie an wunderbaren Charakteren. Einzig und alleine das viel politische Gerede und die kaum verständlichen Hintergründe lassen das Buch sehr mühsam werden. Zwar sollte man Rückblickend alle drei Bücher als ein Ganzes betrachten, aber gerade das fällt mir schwer. Der erste Teil hat mir sehr gut gefallen - der zweite hat etwas geschwächelt und vom dritten Teil bin ich irgendwie enttäuscht.
Dennoch muss ich sagen, dass die Geschichte von Wynter, Christopher und Razi sehr schöne und spannende Momente beinhaltet und aus einem Fantasyregal nicht wegzudenken ist.

19. Juni 2012

[Rezension] Jay Asher & Carolyn Mackler - Wir beide, irgendwann

Jay Asher & Carolyn Mackler
Wir beide, irgendwann
Originaltitel: The Future of Us
Verlag: cbt
Seiten: 400 Seiten
Ausgabe: Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
Erschienen am: 27. August 2012
ISBN: 978-3-570-16151-7
Preis: € 17,99



Die 16-jährige Emma lebt zusammen mit ihrer Mutter und deren neuem Mann Martin im kleinen amerikanischen Ort Lake Forest. Ihre Eltern haben sich scheiden lassen und nun lebt Emmas Vater zusammen mit seiner neuern Freundin und dem gemeinsamen Baby weit weg. Als Entschädigung schenkt Emmas Vater ihr einen neuen Computer. Ihr bester Freund Josh gibt ihr eine AOL-CD, mit deren Hilfe sie sich via Internet plötzlich auf einer Seite namens „Facebook“ wiederfindet. Jedoch ist das Netzwerk 1996 noch nicht erfunden und dürfte es zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch gar nicht geben. Als sie sich einloggt findet sie sich auf ihrem Facebook-Profil wieder – in 15 Jahren!
Geschockt stellt sie fest, dass sie mit 31 Jahren arbeitslos und mit einem gewissen Jordan James Junior unglücklich verheiratet sein soll. Josh hingegen wird das beliebteste Mädchen der ganzen Schule, Sydney Mills, heiraten und wohnt mit ihr in einem luxuriösen Haus am See. Während sein Profil glücklich erscheint, sieht Emmas Zukunft düster und hoffnungslos aus.
Anfänglich halten Emma und Josh diese Seite für einen üblen Scherz. Nach und nach begreifen sie aber, dass ihre Handlungen Einfluss auf die Facebook-Seite haben und dass darauf Bilder existieren, die bisher noch nicht einmal entwickelt wurden. Den beiden wird schließlich bewusst, dass Facebook tatsächlich ihre Zukunft wiederspiegelt und dass sie diese Beeinflussen können.
Da Emma nicht hin nebehmen will, dass sie in der Zukunft unglücklich ist, beginnt sie schließlich bewusst Änderungen in der Gegenwart herbeizuführen. Was schlimmeFolgen mit sich bringt, denn nicht nur dass sie dadurch fatale Kettenreaktionen in Gang setzt, vielmehr lebt sie fortan nur noch für die Zukunft und vergisst dabei ihre Freundschaft zu Josh…






"Wir beide, irgendwann" ist der erste Roman, den beiden bekannten amerikanischen Autoren Autoren Jay Asher ("Tote Mädchen lügen nicht") und Carolyn Mackler ("Viermal Paradies und zurück") gemeinsam geschrieben haben.
Die Idee, die hinter diesem Buch steckt ist mal etwas komplett anderes, als man bisher gelesen hat. Es spielt im Jahr 1996, als nur wenige Haushalte bereits einen Computer hatten und der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg gerade mal 12 Jahre war. Es sollten eigentlich noch Jahre vergehen, bis da Portal von Facebook erfunden wird, doch durch irgendeinen Zufall gelangt die Protagonistin Emma auf das Profil ihres 31-jährigen Ichs in der Zukunft.

Dies ist ein sehr interessanter Ansatz und Ausgangspunkt des Romans. Unwillkürlich stellt man sich als Leser selbst die Frage, was wäre, wenn man selber in Emmas Situation kommen würde? Ist man selber mit der eigenen Zukunftsaussicht zufrieden? Oder versucht man ähnlich wie Emma, die von ihrem späteren Leben geschockt ist, die Zukunft in der Gegenwart so zu beeinflussen, dass man später glücklich ist?

In der folgender Handlung erkennt man aber ganz schnell, dass eigene Beeinflussungen auf das Raum-Zeit-Kontinuum gar nicht so prickelnd sind. So verliert sie immer mehr die Kontrolle über ihre herbeigerufenen Änderungen. Schnell lernt sie nur noch für die Zukunft zu leben oder sogar ihre Freundschaft mit Josh aufs Spiel zu setzen. Und das alles nur, um zu erkennen, dass ihre Zukunft dennoch irgendwie nie rosig aussehen wird.

Das Buch vermittelt somit auch eine Kritik an unserer heutigen Internetgesellschaft. Durch das ständige updaten des eigenen Facebook Profils und Status, gibt es keine richtige Privatsphäre mehr, da jeder weiß was der andere gerade macht, denkt oder fühlt.

Neben der ganzen Thematik mit dem interessanten Zukunftsansatz um Facebook, gibt es auch dem typische Teenager-Geschichten mit Familienprobleme, Schulaltag, Freundschaft, Beziehungen und Liebe. All dies spielt eine wichtige Rolle in dem Leben eines jeden Menschen und der Roman vermittelt gerade hier, dass es allein an einem selber liegt, Dinge in der Gegenwart zu beeinflussen. Was in der Zukunft passiert, das steht alleine in den Sternen. Ein weißer Spruch sagt: „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“.

Die Geschichte wird abwechselnd pro Kapitel aus der Sicht Emmas und Joshs erzählt. Somit wird dem Leser das Gefühlsleben der beider Protagonisten nahegebracht. Man fühlt und leidet mit jedem der beiden mit. Was natürlich für Spannung sorgt, denn was wird herauskommen, wenn zwei Teenager versuchen an ihrer Zukunft zu feilschen? Natürlich darf hierfür auch der Hauch einer wunderbaren Komik nicht fehlen, die bestimmt und genau richtig dosiert in die Geschichte eingebettet wurde. Dies sind auch die Gründe, weshalb man als Leser sofort mittendrin in dieser turbulenten Geschichte ist. Gemeinsam mit den beiden Hauptprotagonisten geht man auf eine außergewöhnliche Reise mit vielen Höhen und Tiefen, und mit jeder Seite verliebt man sich mehr in das Buch.

Beide Charaktere waren mir absolut sympathisch und ich fand sehr interessant, welche Wandlungen Josh und Emma durch das Wissen um ihre Zukunft durchleben. Emma ist ein ganz normales Mädchen und mit ihrer natürlichen Art einfach nur sympathisch. Wie jedes andere Mädchen in diesem Alter beschäftigen sie irgendwelche Jungengeschichten, die sie am liebsten mit ihrer besten Freundin Kellan bespricht. Josh war einmal der besten Freund von Emma. Bis er sich in sie verliebt hat und es ihr gestanden hat. Seitdem ist die Situation der beiden etwas angespannt. Auch das zukünftige Facebook Profil hilft nicht dabei, ein besseres Verhältnis zu Josh zu bekommen. Im Gegenteil. Während seine Zukunft rosig aussieht, wird Emma arbeitslos und unglücklich verheiratet sein. Da Emma das nicht hinnehmen will, wird Facebook fortan zum Mittelpunkt ihres Lebens. Oft handelt sie deswegen unüberlegt und impulsiv. Sie muss ihren Willen durchsetzen und rennt dadurch mit dem Kopf an die Wand.

Josh ist genau das Gegenteil von ihr: Der nette Typ von nebenan, bei dem man allerdings etwas braucht um mit ihm warm zu werden, da er anfänglich in der Geschichte tief in sich gekehrt, schüchtern und zurückhaltend wirkt und erst nach und nach aus sich heraus kommt. Er behandelt alle Menschen um sich herum mit Respekt und ist immer für seine Freunde da, wenn sie Probleme haben. Naja, Probleme hat er auch, nämlich in Form von Emma. Er hat sich über beide Ohren in sie verliebt und ihre Abfuhr hat ihn schwer getroffen. Keiner weiß, wie er mit dem anderen umgehen soll. Im Gegensatz zu Emma gefällt ihm seine zukünftige Aussicht auf Facebook und versucht diese nicht zu ändern, sondern herbeizuführen.

Aber auch den Nebenfiguren, wie Emmas bester Freundin Kellan, schenkt das Autorenduo die nötige Aufmerksamkeit um sie in ihrer Geschichte richtig Leben zu lassen.


Mein Fazit:
„Wir beide irgendwann“ ist eine originelle und wunderschöne Geschichte. Sie bietet eine perfekte Balance aus Nervenkitzel und Herzklopfen. Die beiden Autoren harmonisieren wunderbar zusammen, was sich auf die sympathischen Charaktere und deren Drama um Liebe und Humor wiederspiegelt. Es lässt keine Wünsche offen und die Seiten blättern sich wie von selbst um.
Ich habe mich zudem sehr mit der Geschichte verbunden gefühlt, da ich in den 90-er Jahren in dem gleichen Alter war wie Emma und dadurch einiges an Nostalgiegefühl erfahren habe. Sei es der Beeper, eine VHS-Kasette oder bestimmte Lieder der Gruppe „Green Day“. All das hat mir ein Grinsen beschert, da ich diese Zeit miterlebt habe, und ich während des Lebens zurück in meine Jugend versetzt wurde.
Ein wunderbares Buch und ein absolutes Highlight! Nicht nur für Jugendliche…


15. Juni 2012

[Rezension] George Mann - Osiris Rirual

George Mann
Osiris Ritual
Originaltitel: The Osiris Ritual. A Newbury & Hobbes Investigation
Verlag: Piper
Seiten: 400 Seiten
Ausgabe: Klappbroschur
Erschienen am: 27.02.2012
ISBN: 978-3-492-70259-1
Preis: € 16,99
Leseprobe


Sir Maurice Newburry erhält von der Krone den Auftrag, den Agenten William Ashford am Londoner Bahnhof zu empfangen. Doch dort gibt es kein Anzeichen von ihm und zudem riecht es in seinem Zugabteil eigenartigerweise stark nach Verwesung. Bei eigenen Ermittlungen erfährt Newburry, dass Ashford vor fünf Jahren bei der Festnahme seines ehemaligen Kollegen Dr. Knox getötet wurde. Mit Hilfe von Dr. Fabian bekam er ein zweites Leben und floh daraufhin nach Russland. Nun ist er gegen den Willen der Königin nach England zurückgekehrt...

Ein paar Tage später wird Newburry von seinem Freund Inspektor Sir Charles Bainbridge, der bei Scotland Yard arbeitet, um Hilfe gebeten. Der angesehener adliger Wissenschaftler Lord Henry Winthrop ist von einer Ägyptenexpedition zurückgekehrt und öffnet bei einer öffentlichen Zurschaustellung den Sarg einer altägyptischen Mumie. Schnell stellt sich heraus, dass der darin liegende Mensch bei lebendigem Leibe mumifiziert und somit ermordet wurde. Und nicht nur er. Der Lord wird am nächsten Tag mit aufgeschlitzter Kehle vorgefunden. Ein weiterer Grund dem „Fluch der schreienden Mumie“ nachzugehen...

Währenddessen verschwinden in London dutzende Frauen – ein Grund für Ms. Veronica Hobbes eigene Nachforschungen anzustellen. Da ein Teil der Frauen die Magiershow von Alfonso besucht haben und danach tot aufgefunden wurden, begibt sie sich freiwillig in seine Hände, um ihn auf frischer Tat zu überführen und gerät in tödliche Gefahr…

Noch ahnt das erfolgreiche Ermittlerduo der Krone nicht, dass alle drei Fälle irgendwie zusammenhängen...


„Osiris Ritual“ ist bereits der zweite Roman von George Mann, der sich um die beiden britischen Agenten der Krone Sir Maurice Newburry und seine Assistentin Miss Veronica Hobbes dreht. Bereits im Vorgängerband „Affinity Bridge“ hat der Autor gekonnt eine wunderbare Grundlage für die bisher geplante sechsteilige Geschichte in die Wege geleitet und ich bin mir sicher, dass wir in dieser mehrteiligen Buchreihe noch so einiges erleben werden. Denn seine Stärke ist ganz klar eine gelungene Detektivgeschichte, die in einer Retro-Steampunk-Kulisse zu Beginn der 1900er Jahre spielt. In dieser Zeit des viktorianischen Londons, gibt es technischen Veränderungen und Entwicklungen, die vor allem dem Hauptprotagonist Newburry in Form von dampfbetriebenen Fortbewegungsmitteln sehr gefallen, aber auch den Leser faszinieren können. Mit dabei ist aber auch wieder Königin Viktoria, die durch Pumpen, Schläuche und technisches Geschick am Leben gehalten wird. Jedoch muss man ganz klar sagen: Haben in „Affinity Bridge“ Luftfahrtschiffe, Dampffahrzeuge und mechanische Diener die Geschichte dominiert, tauchen sie in „Osiris Ritual“ nur als schickes Beiwerk auf.

In dem vorliegenden Buch mischt Georg Mann also sein viktorianisches London mit dem Geheimnis der altägyptischen Mythen. Dreh- und Angelpunkt hierfür ist die Sucht nach dem ewigen Leben, ohne Rücksicht auf groteske Experimente und Ergebnisse. So ist der Höhepunkt ein Lebewesen, halb Mensch, halb Maschine, das eine sehr tragische Rolle in der Geschichte einnimmt.

Der Roman ist sehr flüssig zu lesen und sehr spannend geschrieben. Zudem kommt, dass Georg Manns Welt im victorianischen Zeitalter ein sehr interessantes Flair vermittelt und es für den Leser greifbar machen. Die Handlung ist aufgrund der drei Handlungsstränge vielschichtig und man knobelt als Leser automatisch mit, wie die drei zusammenhängen und was die Hintergründe dafür sein könnten.

Die Charaktere in der Geschichte entwickeln sich weiter und zeigen auf, dass auch sie ernsthafte Probleme haben und nicht in einer Welt leben, in der alles eitel Sonnenschein ist. So entdeckt Newburry zufällig, dass seine Assistentin ebenfalls eine Agentin der Krone ist. Weshalb er selbstverständlich nicht mehr weiß ob und in wie weit er ihr noch vertrauen kann. Und das obwohl er noch immer in sie verliebt ist. Aber auch Miss Veronica Hobbes ist die ganze Situation zunehmend unangenehm. So muss sie einerseits „nur“ die Assistentin von Sir Newburry geben, um ihren Auftrag der Krone zu erfüllen. Sie wurde von Königin Victoria nämlich höchstpersönlich dazu abkommandiert aufzupassen, dass Newburry sich nicht, wie sein Vorgänger Aubrey Knox, vom Okkulten hingezogen fühlt und negativ verändert wird. Nur leider hat er schon eine Schwäche für Laudanum… Sehr gefallen hat mir, dass George Mann den Reporter George Purefoy in seine Geschichte eingebunden hat. Er ist sehr sympathisch und könnte als Newburrys Lehrling ihm tatkräftig zur Hand gehen und frischen Wind reinbringen. Leider kommt in der Geschichte dann doch alles ganz anders. Schade. Auch Amelia Hobbes, die Schwester von Veronica, ist wieder mit dabei. Sie wird in dem Roman in die Klinik von Dr. Lucius Fabian, dem Leibarzt der Königin, verlegt und trifft dort auf Personen, die sie aus ihren Visionen kennt. Ich bin davon überzeugt, dass sie noch eine wichtige Person in George Manns Welt wird, jedoch würde der Autor gut tun, nicht immer nur Andeutungen zu machen, sondern dem Leser auch mal ein paar handfeste Fakten geben würde.

Als Abschluss möchte ich euch ein Bild nicht vorenhalten, welches auf der Internetseite von George Mann zu sehen ist und die Protagonisten des Buchs zeigt.
Viel Spaß damit!

copyright: http://georgemann.wordpress.com/

Mein Fazit:
Der Steampunk-Reihe von George Mann spreche ich meine absolute Leseempfehlung aus. Der Autor vermischt gekonnt Steampunk mit einer spannenden Detektivgeschichte, die den Leser in ein magisches London voller dunkler Geheimnisse entführt. Ich freue mich auf weitere Erlebnisse der beiden Agenten Newburry und Hobbes und bin schon auf den dritten Band „Immortaly Engine“ gespannt, der am 10.09.2012 beim Piper Verlag erscheinen wird.

14. Juni 2012

[Rezension] Kage Baker - Die Frauen von Nell Gwynne's


Kage Baker
Die Frauen von Nell Gwynne's
Originaltitel: The Woman of Nell Gwynne's
Verlag: Feder und Schwert
Seiten: 160 Seiten
Ausgabe: Taschenbuch
Erschienen am: 01.05.2010
ISBN: 978-3-86762-074-1
Preis: € 9,95




Lady Beatrice ist eine Tochter aus guten Hause. Ihr Vater ist britischer Soldat, der mit seiner Familie im fernen Indien lebt. Als er schließlich nach Kabul beordert wird, ahnt Lady Beatrice noch nicht, dass dort ein schrecklicher Krieg tobt. Als ihr Vater, zusammen mit vielen anderen Soldaten ermordet wird, wird auch Lady Beatrice verschleppt, vergewaltigt und somit entehrt. Sie kann sich jedoch aus der Gefangenschaft ihrer Peiniger befreien und verkauft ihren Körper an einen Soldaten, um bei ihm Unterschlupf zu finden. In einem harten Überlebenskampf schafft sie es schließlich nach London zurück. Dort gilt sie auf Grund dieser Vorfälle als nicht mehr gesellschaftsfähig und kommt schließlich in das Etablissement von Mrs. Corvey, die sie in ihr Haus „Nell Gwynnes`s“, dem besten und exklusivsten Bordell in Whithall, aufnimmt. Doch dahinter verbirgt sich mehr als ein herkömmliches Bordell. Vielmehr arbeiten Mrs. Corvey und ihre Mädchen als eine Schwesternorganisation für die Spekulative Gesellschaft der Gentlemen. Neben all den Erfindungen, die sie ihr eigen nennen kann, sorgen sie auch für das Wohlbefinden der Mädchen. Als ein Gentlemen der Gesellschaft vermisst wird, kommt es schließlich zum Sondereinsatz der Schwesterschaft, in dem es nicht nur gilt den Vermissten zu finden, sondern auch London, bzw. das ganze Land zu retten…




Kage Bakers Roman „Die Frauen von Nell Gwynne’s“ spielt im London des 19. Jahrhunderts und ist vielmehr eine Kurzgeschichte, die gerade mal 160 Seiten umfasst. Es ist daher ein recht dünnes Buch mit relativ großer Schrift. Die Coverillustration wurde von Feder und Schwert richtig schön gehalten, da Photographie mit comicartiger Zeichnung verschmilzt. Lediglich beim Titel und beim Autorenname wurde zu viel geschnörkelt. Das Buch wurde übrigens 2010 mit dem Nebula Award als beste Novelle ausgezeichnet.




Die vorliegende Geschichte ist schnell erzählt. Zu Beginn erfährt der Leser etwas über das Haus, in dem eine blinde Dame mit ihren Töchtern und Nichten wohnt. Was kaum einer ahnt, hinter der Fassade steckt das exklusivste Etablissement für Gentlemen in London. Und nicht nur das. Während die „leichten“ Mädchen im Geheimen für die Spekulative Gesellschaft spionieren, kann die „blinde“ Chefin, Mrs. Corvey, dank deren Technik (künstliche Auge mit Teleskop-Funktion) wieder sehen. Sie erhält dann auch schon bald den Auftrag, mit ihren vier Mädchen Lord Basmond auszuspionieren, der eine geheimnisvolle Erfindung gemacht und diese ins Ausland verkaufen möchte. Kaum auf dem Anwesen angekommen, müssen sie nicht nur einen vermissten Geheimagenten suchen, sondern haben es auch mit zwei Leichen und einem geistig gestörten Adligen zu tun.




Die Story dieser kleinen Erzählung liest sich sehr schnell, so dass man es in einem Rutsch durchlesen kann. Kage Bakers Erzähl- und Sprachstil ist der damaligen Zeit angepasst und lassen den Leser ein wenig in Nostalgie schwelgen. Nur leider darf man für 160 Seiten nicht zu viel erwarten, da es hier kaum Platz für mehr Hintergrund und Tiefgang gibt. Schade, denn das Buch hätte gut und gerne noch 200 Seiten mehr vertragen. Zumal man das Gefühl hat, dass die Autorin 10 Seiten vor Schluss zum Ende kommen musste und sich eine schnelle Lösung ausgedacht hat, die den Leser jedoch unbefriedigt zurücklassen kann. Alles wird schnell und spannungsarm abgehandelt, dass es einerseits gar keinen Spaß mehr macht die Geschichte zu verfolgen und andererseits das Ende so verzwickt, oder auch unglücklich (auf)gelöst ist, dass ich es nach nun dreimaligem Lesen nicht verstanden habe. Es wird auch nicht geklärt, wo die Geheimwaffe hinverschwunden ist, oder wer letztendlich der Mörder war. Das ist leider ein großer Mangel, dem dieser Roman erliegt.

Ein weiterer kleiner Kritikpunkt ist der vom Verlag versprochene Steampunk in dem Roman. Vielmehr lässt er sich in den Genres Fantasy und Krimi zuordnen, da es keine Anzeichen von Dampfmaschinen oder dem viktorianischen Zeitalter gibt. Einzig und alleine die schrägen Erfindungen der Spekulativen Gesellschaft lassen einen Hauch Steampunk erahnen.




Wegen der Kürze des Romans blieb der Autorin kaum Zeit ihre Charaktere zu entwickeln. Lady Beatrice ist die Hauptperson der Geschichte, und sie ist es auch, deren Charakter eigentlich dem Leser auch am nächsten steht. Aufgrund ihrer erlebten Schicksalsschläge kann man mit ihr noch am besten mitfühlen. Kurz gefolgt von Mrs. Corvey, die auch ein paar Seiten in der Geschichte geschenkt bekommen hat und mit ihrer mütterlichen und zugleich resoluten Art irgendwie sympathisch wirkt. Die restliche Besetzung der „leichten“ Mädchen, sowie die Gesellschafter bei Lord Basmonds Empfang, bleiben eher dunkel und man kann sie sich nur schlecht vorstellen.




Fazit:
„Die Frauen von Nell Gwynne’s“ ist der erste Roman, der Anfang 2010 verstorbenen Autorin Kage Baker, der im deutschen erschienen ist. Die Grundidee ist sehr gut: Die Heldin ist eine Hure, die in einem Bordell arbeitet, das als Hauptquartier einer Geheimorganisation dient. Die Umsetzung ist aber leider nicht so gelungen. Ein paar Seiten mehr hätten dem Buch gut getan, um die Charaktere zu entfalten und den Schluss nicht irgendwie übereilt wirken zu lassen. Ein zwiespältiger Roman, den man nicht gelesen haben muss, aber trotz des kaum vorhandenen Steampunks an Liebhaber dieses Genres zu empfehlen ist.

11. Juni 2012

[Rezension] Markus Heitz - Oneiros - Tödlicher Fluch

Markus Heitz
Oneiros - Tödlicher Fluch
Verlag: Knaur TB
Seiten: 624 Seiten
Ausgabe: Klappbroschur
Erschienen am: 02.05.2012
ISBN: 978-3-426-50590-8
Preis: € 14,99
Leseprobe



Im Charles-de-Gaulle Flughafen in Paris landet ein A380 – und noch keiner ahnt, welche Katastrophe er mit sich bringt. Die Maschine rast unkontrolliert über das Rollfeld und in ein Terminal hinein. Es gibt hunderte von Toten. Doch war es ein Terroranschlag oder ein ganz normales Unglück? Der einzige Überlebende der Unglücksmaschine, ein Italiener, erzählt, dass er zum Zeitpunkt des Unglücks zwar auf der Toilette war, aber anschließend gesehen hat, dass die anderen Insassen der Maschine sowie das Flugpersonal weder erstochen noch vergiftet wurden, sondern lediglich friedlich eingeschlafen sind.

Der Leipziger Bestattungsunternehmer und weltbekannte Thanatologe Konstantin Korff wird von einem alten Freund vom englischen Geheimdienst gebeten, bei den Ermittlungen zu helfen. Schnell ahnt er, was hinter dem Unglück steckt: Ein Fluch, den er ebenfalls zu tragen hat. Konstantin ist ein Todesschläfer. Immer wenn er einschläft, sterben die Menschen in seiner Umgebung, da er für den Schnitter unsichtbar ist und er deshalb in seinem Umfeld wütet.

Aus Liebe zu einer Frau begibt er sich auf die Suche nach den sogenannten Schnittersteinenen. Sie sind für ihn die einzige Rettung, um mit Iva ein gemeinsames und glückliches Leben zu führen.
Doch all seinen Nachforschungen werden von einer skrupellosen Wissenschaftlerin beschattet, die grausame Experimente an Todesschläfern anstellt.


"Oneiros - Tödlicher Fluch" ist der neue Roman von dem bekannten Fantasyautoren Markus Heitz. Und eins ist sicher: Bei Markus Heitz' Romanen weiß man nie genau worauf man sich einlässt.

So befasst sich der Roman dieses Mal nicht mit Fantasywesen, wie Werwölfe und Vampire, sondern mit Märchen und Legenden rund um den Tod. Dabei beschönigt der Autor den Tod und die vorkommende Unsterblichkeit keinesfalls. Der Tod ist in seinem Buch allgegenwärtig. Es sterben sehr oft Menschen und es sind sehr viele Seiten, die durch den Tod getränkt sind. Auch beschreibt der Autor ausführlich und genüsslich die thanatologische Untersuchungen, die Konstantin an Leichen vornimmt. So kommt es, dass die Stimmung oft sehr düster und gedrückt ist.

Dies alles ist die Grundlage für Markus Heitz' sogenannte "Todesschläfer". Menschen, die zwar unsterblich sind, aber immer weiter altern. Sie können sich verletzten und krank werden – aber eben nicht sterben. Sie sind für den Schnitter somit unsichtbar. Was ihn wiederrum so verärgert, dass er, sobald der Todesschläfer einschläft, um ihn herum wütet und jedes Lebewesen in einem bestimmten Umkreis um ihn herum tötet.

Diese Todesschläfer werden in der vorliegenden Geschichte von einer skrupellosen Wissenschaftlerin verfolgt, die an ihnen neurochirurgische Experimente macht. Näher möchte ich auf dieses Thema nicht eingehen, da ich den Gruselfaktor nicht vorweg nehmen will. Allerdings nimmt Prof. Dr. Joachim Oertel, Direktor der Klinik für Neurochirurgie in Homburg, am Ende des Buchs zu diesem Thema Stellung, dass solche Experimente in der seriösen Forschung auf keinen Fall durchgeführt würden. Dennoch lotet Markus Heitz diese Möglichkeiten in seinem Buch aus und beschriebt Szenarien allá: Was wäre wenn.
Obwohl die Geschichte in sich abgeschlossen ist, hat es sich Markus Heitz trotzdem offen gelassen, irgendwann zu der Thematik zurückzukehren.

Der Schreib- und Erzählstil von Markus Heitz ist bei diesem Roman mehr oder weniger gut gelungen. Man merkt, dass er sehr gut zu dem Thema der Thanatologie recherchiert hat. Er verarbeitet diese Eindrücke in eine realitätsnahe Geschichte und spickt sie mit leichten fantastischen Elementen. Sehr schnell wird da die Verknüpfung von Wirklichkeit und Aberglaube zu einem Gedankenspiel, das zwar interessant ist, aber einen auch berühren muss. Denn obwohl der Roman flüssig erscheint, wirken die aufeinandertreffen der Protagonisten oft gestellt, bzw. die Verfolgungsjagt in Idar-Oberstein künstlich dargestellt. Markus Heitz benutzt zudem sehr viele Handlungsstränge, die im Perspektivenwechsel zwischen verschiedenen Ländern hin und her springen, und irgendwie den Roman nur oberflächlich wirken lassen, so dass es schwer fällt einen tieferen Zugang zu der Geschichte zu bekommen. Auch ist damit nicht jede Handlung der Protagonisten für den Leser auf den ersten Blick nachvollziehbar. Man rätselt, grübelt und entschließt sich dann, alles auf sich zukommen zu lassen, um evtl. enttäuscht zu werden.

Die Protagonisten werden in dem Roman nach und nach mit ihren Geheimnissen vorgestellt. So Konstantin Korff, welcher der Hauptprotagonist und die Schlüsselfigur in diesem Roman ist. Er ist, trotz seinem Beruf als Bestatter und Thanatologe ein bodenständiger und netter Kerl – wenn er nur nicht den Fluch eines Todesschläfers hätte. Die Angst, Menschen im Schlaf zu töten, ist ständig präsent und verlässt ihn nie.
Sehr gut gefallen hat mir, dass Markus Heitz auf Schwarz/Weiß Malerei bei dem Charakter der Wissenschaftlerin Kristin von Windau verzichtet hat. Sie ist nicht einfach nur der eiskalte Bösewicht in der Geschichte, sondern besitzt auch eine andere, sehr tragische und verletzliche Seite, die einen auch nicht unbedingt kalt lässt. So leidet sie unter Insomnie. Das heißt: Sie kann nicht schlafen. Und genau dieser Zustand droht sie über kurz oder lang umzubringen. Da diese Krankheit vererbbar ist, forscht sie an einem Heilmittel und geht, um die Liebe ihre Sohnes und Vaters willen, über Leichen.


Fazit:
Für mich ist "Oneiros - Tödlicher Fluch" sehr schwer zu beurteilen. Die grundlegende Thematik der Todesschläfer ist eine sehr gute Idee und besitzt sehr viel Potential. Dennoch habe ich nicht wirklich einen Zugang zu dem Buch gefunden. Ja, es war an einigen Stellen actionreich und spannend. Aber das Gesamtpaket bestand einfach aus zu komplexen und verschiedenen Handlungssträngen und ekligen thanatologischen Passagen. Man sollte sich dessen beim Lesen in jedem Fall bewusst sein, denn garantiert ist dies für den einen oder anderen Leser ein wenig zu viel Tod. Ein weiteres Manko waren die unzähligen Rechtschreibfehler, die eigentlich bei einem so guten und angesehenem Verlag nicht passieren sollten.

5. Juni 2012

[Rezension] Marc Elsberg - BLACKOUT. Morgen ist es zu spät

Marc Elsberg
BLACKOUT. Morgen ist es zu spät
Verlag: Blanvalet
Seiten: 800 Seiten
Ausgabe: Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
Erschienen am: 19.03.2012
ISBN: 978-3-7645-0445-8
Preis: € 19,99
Leseprobe


In Schweden und Spanien bricht plötzlich das komplette Stromnetz zusammen und verbreitet sich rasend schnell über das restliche Europa. Nachdem es nun in weiten Teilen des Kontinents keinen Strom mehr gibt, bricht die ganze Infrastruktur zusammen. Heizung, Wasser, öffentliche Verkehrsmittel sowie Krankenhilfe gibt es bald nicht mehr und als die Lebensmittel knapp werden versucht jeder sich und seiner Familie der nächste zu sein. Kurz: Das reinste Chaos bricht aus – und mittendrin ist der italienische Informatiker und Hacker Piero Manzano. Er will der Ursache dieses Kollapses auf den Grund gehen. Immer bei ihm ist eine Reporterin von CNN. Gemeinsam kommen sie bei ihrer Suche Terroristen auf die Spur, nur um daraufhin selbst ins Visier dieser Kriminellen zu gelangen. Als dann auch noch das Stromnetz in den USA zusammenbricht, steht der Welt ein wirtschaftlicher Kollaps bevor…

Mit „BLACKOUT. Morgen ist es zu spät“ hat Marc Elsberg ein Horrorszenario mit erschreckender Präsenz geliefert. Ein europaweiter – sogar weltweiter Stromausfall ist kaum vorstellbar. Aber genau mit dieser möglichen Situation spielt der Autor, denn Strom ist wie Wasser und Lebensmittel ein unverzichtbarer Bestandteil des Lebens geworden. So könnten zum Beispiel Lebensmittel nicht mehr richtig gekühlt werden, die Toilettenspülung funktioniert nicht, Krankenhäuser könnten Patienten nicht versorgen und Autos nicht mehr ohne Benzin fahren und wie lange würde ein Dieselvorrat reichen um die Notkühlysyteme von Atomkraftwerken zu versorgen? Auch die Sicherheitsfrage ist erschreckend: von Plünderungen, Raub und Überfall wäre die Rede. Und wie sieht es mit den betroffenen Ländern aus? Wären Sie auf so ein Szenario, einen derartigen Blackout, vorbereitet?

Marc Elsberg hat den Nerv dieses Themas komplett getroffen und wirft den Leser zu Anfang seines Buches ins Geschehen, wo plötzlich nach und nach der Strom ausgeht und Europa, einem Endzeitszenario gleich, dunkel wird. Leider ist es aber so, dass es auf den ersten 150 Seiten sehr schwer ist in das Buch reinzukommen, da der Autor sehr ausführlich auf die Technik-Beschreibungen der europäischen Stromnetze zurück kommt. Allerdings muss man auch sagen, dass er dabei sehr gut recherchiert hat. Denn nur mit dem Fachwissen, wie komplex Stromnetze wirklich aufgebaut sind, konnte er überzeugende Szenarien schreiben. Dabei sind die Passagen für den „Laien“ sehr verständlich und anschaulich beschrieben und für mein Empfinden gibt es auch keine Passagen, die irgendwie unglaubwürdig erscheinen. Zudem werden dem Leser hierbei interessante Informationen und Hintergundwissen zum Thema vermittelt.

Die Spannung des Romans liegt durchgängig im oberen Bereich. Am Anfang ist das Buch in Tage aufgeteilt, die kurz nach dem Beginn des Blackouts beginnen. Innerhalb dieser Tage ist das Geschehen in verschiedene Schauplätze bzw. Städte aufgeteilt, die als Überschrift für die nachfolgende Passage dient. Da Marc Elsberg die Auswirkungen der Geschehnisse rasant erzählt, wechseln diese Blickwinkel von den verschiedenen Städten ebenso rasant alle 1 bis 2 Seiten. Diese „Filmschnitte“ steigern das Tempo und machen das Drama der Geschehnisse greifbar. Die Katastrophe ist ein wirklicher Pageturner, und auch wenn man mal die Namen der Protagonisten durcheinander wirft, hat man keine Probleme der Handlung und dem roten Faden zu folgen.

Wie angedeutet, platziert Marc Elsberg viele Charaktere in seinem Roman, deren Namen und Funktionen vor allem zu Beginn des Lesens sehr verwirrend sind. Aber gerade sie ermöglichen es dem Leser das unvorstellbare Chaos aus verschiedenen Perspektiven mitzuerleben. Sie, und vor allem Piero Manzano, begleiten den Leser durch das Buch und bringen es dem Leser nahe. Auch wenn ich ab und zu bei ihm und seiner begleitenden Reporterin das Gefühl hatte, ein Buch von Dan Brown zu lesen, da alle Protagonisten sich ein unverwüstliches Wettrennen leisten, indem sie gut kombinieren, Fachwissen austauschen und knifflige Aufgaben lösen.

Fazit:
„BLACKOUT. Morgen ist es zu spät“ ist ein sehr gut recherchierter und erschreckend realistischer Roman, der den Leser nachdenklich mit einem Endzeit-Feeling zurück lässt. Die beschriebenen Hintergründe sind überzeugend, viele Blickwinkel machen das Drama spannend und schaffen ein glaubhaftes Gesamtbild. Einzig und allein der etwas schwierige Einstieg hat das Lesen etwas erschwert, aber wenn die Geschichte läuft kann man sich kaum von dem Buch trennen