19. Mai 2012

[Rezension] Wulf Dorn - Kalte Stille

Wulf Dorn
Kalte Stille
Verlag: Heyne
Seiten: 448 Seiten
Ausgabe: Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
Erschienen am: 23. August 2010
ISBN: 978-3-453-26686-5
Preis: € 16,99
Leseprobe


Einige traumatische Ereignisse Verfolgen den 35-Jährigen Jan Forstner bis in die Gegenwart. Als er im Alter von 12 Jahren seinen Hund Gassi führte, musste er mit ansehen, wie die psychisch kranke Tochter seines Nachbarn in einen gefrorenen See einbrach und ertrank. Doch wieso oder besser wovor hatte sie zuvor so panische Angst gehabt? Und warum ist sie von der Waldklinik weggelaufen?
Da er ein Buch über paranormale Dinge gelesen hat, nimmt er sich heimlich das Diktiergerät seines Vaters und macht sich des Nachts auf zum See um ihre Stimme auf Band aufzunehmen. Er ahnte jedoch nicht, dass sein kleiner Bruder Sven ihm gefolgt war und kurz darauf verschwunden war. Selbst bei der umfangreichen Suche fehlte, bis auf ein Wäschestück, von Sven jede Spur. Doch nicht nur das: Im Laufe des Abends verliert er auch seinen Vater, der nach einem mysteriösen Anruf einen Autounfall hatte und starb. Jan leidet sehr unter den traumatischen Ereignissen und gibt sich selbst für alles die Schuld. Aber auch seine Mutter kann dies alles nicht verwinden und schneidet sich in einem Anfall von tiefen Depressionen die Pulsadern auf.
Nach all dem beschließt Jan einige Jahre später in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und schließt sein Studium zum Psychiater erfolgreich ab. Doch nachdem er einen pädophilen Patienten krankenhausreif schlägt, scheint seine Karriere erstmals vorbei zu sein, doch dann gibt ihm der Klinikleiter Dr. Fleischer eine zweite Chance für einen beruflichen Neuanfang. Er darf in der Waldklinik arbeiten, wenn er einer Therapie bei Professor Rauh zustimmt und somit sein eigenes Trauma aufarbeitet.
Doch der Alptraum ist nicht zu Ende: Auf dem Weg zur Arbeit wird Jan eines Tages mit einem mysteriösen Selbstmord konfrontiert. Bei der Toten handelt es sich um eine gewissen Nathalie Köppler, die vor einigen Wochen aus der Waldklinik entlassen wurde. Jan fällt sofort die Ähnlichkeit zwischen ihr und seiner einstigen Nachbarin auf, die beide Patienten in der Waldklinik waren.
Zusammen mit Nathalies bester Freundin, der Journalistin Carla Weller, versucht Jan die Hintergründe herauszufinden…

Schon im ersten Kapitel legt sich Wulf Dorns Buch „Kalte Stille“ mächtig ins Zeug und beginnt mit einer Rückblende, als Jans Vater bei einem Autounfall ums Leben kommt. Dabei taucht eine mysteriöse Person auf, die Jans Vater keine erste Hilfe leisten, sondern ihn sterben sehen will. Es gibt keinerlei Hinweise wer die geheimnisvolle Person ist und gerade das macht diese Szenen so spannend für den Leser um das Buch weiterzulesen. Im anschließenden Kapitel geht es in der Gegenwart weiter, wo Jan bei Herrn Dr. Fleischer in der Waldklinik vorstellig wird und die ganze Geschichte schließlich seinen Lauf nimmt. In einer Spirale aus Vermutungen, Wirrungen aus Alpträumen, Erinnerungen, Fiktion und Klaren Fakten sucht Jan seinen Weg die Schatten seiner Vergangenheit loszuwerden. Als Leser fiebert man da automatisch mit, will wissen wie es weitergeht und überlegt, wie wohl die Auflösung aussehen könnte. Nach und nach fügen sich dann auch immer mehr Puzzleteiule zusammen und man merkt dem Roman an, dass Wulf Dorn als langjähriger Mitarbeiter einer psychiatrischen Klinik die besten Voraussetzungen mitbringt um eben diese Thematik in einem Thriller niederzuschreiben. Er schreibt in einer lebendigen Atmosphäre und der Spannungsaufbau sitzt immer genau an der richtigen Stelle eines neuen Ereignisses. Gerade sie lassen den Leser immer wieder in anschaulichen Szenen und einem hohen Tempo weiterlesen.

Die unterschiedlichen Charaktere sind Wulf Dorn sehr gut gelungen und bilden eine große Stärke des Romans. Er zeigt dem Leser an ihnen die Abgründe der menschlichen Psyche, so dass keine Person - ob gut oder böse- plump oder stereotyp wirkt. Hinter jeder Handlung stecken immer irgendwelche Beweggründe, die sich entweder sofort oder erst später im Roman dem Leser offenbaren. So zum Beispiel der Hauptcharakter Jan Forstner. Obwohl er selber Psychiater ist, wird sehr glaubhaft dargestellt wie er auf einer nahezu krankhaften Suche nach Erklärungen ist, die seine Kindheit betreffen.

Fazit:
Kalte Stille ist ein packender Thriller voller mysteriöser Geheimnisse und verborgenen Verkettungen. Die fesselnde Geschichte wird zu keiner Zeit langweilig, auch wenn ich ziemlich schnell dahinter gestiegen bin, wer der Schurke in der Geschichte ist. Das Buch liest sich sehr flüssig und bietet am Ende eines jeden Kapitels einen Cliffhenger, der das Lesen geradewegs vorantreibt. Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Thriller von Wulf Dorn und bin gespannt, mit was er sich darin hat einfallen lassen.

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