20. Mai 2012

[Rezension] Wulf Dorn - Dunkler Wahn

Wulf Dorn
Dunkler Wahn
Verlag: Heyne
Seiten: 432 Seiten
Ausgabe: Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
Erschienen am: 5. September 2011
ISBN: 978-3-453-26705-3
Preis: € 17,99
Leseprobe


Nachdem Jan Forstner den Klinikskandal in der Fahlenberger Klinik aufgedeckt hat, ist er durchaus berühmt geworden. Seine Freundin Carla verarbeitete das Erlebte in einem Buch und ist damit recht erfolgreich. Jan ist über die Veröffentlichung der Geschichte seines Bruders nicht sonderlich begeistert, weswegen, und durch ein paar andere Differenzen, die beiden nicht wissen wie es mit ihrer Beziehung weitergehen soll. Sie nehmen Carlas Lesereise als Auszeit um sich über ihre Beziehung klar zu werden.
Momentan ist Dr. Jan Forstner damit beschäftigt eine neue Abteilung für Kinder- und Jugendpsychatrie zu eröffnen, als der befreundeter Journalist, Volker Nowak, anruft und ihn um ein dringendes Treffen bittet. Doch der taucht am besagten Treffpunkt leider nicht auf. Kurz darauf erfährt Jan, dass Volker Nowak brutal ermordet wurde. Zuvor muss er sich angeblich lautstark mit einer Frau gestritten haben.
Zeitgleich erhält Jan anonyme Rosen in sein Klinikbüro, seltsame anonyme Anrufe und Umschläge mit kindlichen Zeichnungen. Die Bilder sind nach der Analyse seines Kollegen Franco von einer weiblichen, schon älteren Person gemalt worden. Die unbekannte Frau scheint ein äußerst perfides und krankes Spiel mit Jan zu treiben und er gerät immer mehr ins Visier der Stalkerin.
Auch rund um die Fahlenberger Kirche geschehen seltsame Dinge. Die Halle der Kapelle wurde von einer unbekannten Person mit Opferkerzen bedeckt und der junge Pfarrer Felix Thanner bekommt Besuch von einer Frau, die ihm in der Beichte zwei Morde gesteht, die sie wegen unerwiderter Liebe begangen hat, und dass sie einen weiteren Geliebten gefunden hat. Der Pfarrer kommt in einen Gewissenskonflikt. Das Beichtgeheimnis verbietet ihm mit der Polizei darüber zu sprechen. Aber er kann auch nicht abwarten, bis der nächste Mord passiert.
Wie hängen die Vorfälle zusammen?

Bereits im ersten Roman „Kalte Stille“ lernten wir den Psychiater Dr. Jan Forster kennen, wo er sich seinen Erlebnissen in der Kindheit sowie seinem psychischen Träume gestellt hat. In „Dunkler Wahn“ führt Wulf Dorn seine Geschichte fort und zeigt wie schon im Vorgängerbuch welch hervorragender Geschichtenerzähler er ist.
Und es dauert auch nicht lange bis etwas passiert. Der anonyme Strauß Rosen sowie der Mord an dem Journalisten fesseln den Leser gleich ans Buch. Man weiß instinktiv, dass beide Dinge zusammengehören und man will herausfinden, wer diese mysteriöse und geheimnisvolle Frau ist. Sicherlich wirkt ein Strauß Rosen im ersten Moment recht harmlos, doch der Leser muss schnell feststellen, dass die Steigerung hiervon schnell voran schreitet und die Stalkerin ein abgrundtiefes Geheimnis mit sich trägt und selbst vor einem Mord nicht zurückschreckt.   

Wer jetzt denkt, „nicht schon wieder ein Stalking-Thriller“, dem soll versichert sein, dass es sich bei diesem Roman um einen ganz besonderen Thriller handelt. Wulf Dorn hat selber einmal in einer psychiatrischen Klinik gearbeitet und hat sehr viel Erfahrungen mit diesen Menschen gesammelt. Diesem Wissensschatz ist es zu verdanken, dass er in seinen Roman tiefe Einblicke in die Psyche von schwer geschädigten Persönlichkeiten geben kann. Er transformiert dieses in seine Romane, was die Spannung enorm steigert. Man kann sich seiner Erzählweise auch nur schwer entziehen, denn sein Thriller ist gut ausgearbeitet, in seiner Handlung abwechslungsreich und sehr fesselnd erzählt.
Dazu trägt sicher bei, dass er nicht nur auf den Handlungsstrang von Jan Forstner zurückgreift, sondern auch aus der Sicht der Stalkerin schreibt. Der Leser erlebt hautnah mit, wie sie auf der einen Seite auf der Suche nach Liebe ist und auf der anderen Seite sehr gewalttätig wirkt.
Wulf Dorn schickt den Leser oft auf Irrwege, wenn es darum geht die psychisch kranke Frau zu enttarnen. Und ich muss wirklich sagen, dass ich bis zur Auflösung nicht gewusst habe, wer die Schurkin ist. Ich musste mir die bestimmte Passage bestimmt vier Mal durchlesen, da die Auflösung so abwegig aber auch so genial ist, dass ich nie, wirklich niemals, darauf gekommen wäre. Deswegen ein großes Lob an den Autor, denn solch ein Kunststück gelingt nicht jedem Thriller-Autoren!

Wulf Dorns Hauptcharakter ist ein sympathisch wirkender, umgänglicher und netter Mann, der zwar normal wirkt, aber auch von den Schatten seiner Vergangenheit geprägt ist. Mir ist Jan Forstner schon im Vorgängerbuch ans Herz gewachsen, doch in „Dunkler Wahn“ hat er mich mitgerissen wie fast kein anderer.
Ein weiterer, sehr gelungener Protagonist ist der junge Pfarrer Thanner, dessen Gewissenskonflikte nach der beichte der Stalkerin, bzw. der Mörderin, sehr nachvollziehbar sind. Ich möchte ehrlich gesagt aber auch gar nicht näher auf ihn eingehen, da ich dem Leser nicht vorgreifen will. Auf jeden Fall aber hat der Autor mit ihm einen sehr beeindruckenden Protagonisten erschaffen, wie es keinen zweiten gibt.

Fazit:
Wulf Dorn hat mit „Dunkler Wahn“ erneut einen grandiosen Psychothriller abgeliefert. Die Geschichte fesselt von Anfang bis Ende und zeigt die Auswirkungen eines Liebeswahns in Verbindung mit einer scher geschädigten Persönlichkeit auf. Diesen Roman sollte man wirklich nicht verpassen. Die Geschichte ist beeindruckend und fesselnd und es gibt bis zum Ende spannende und erschütternde Überraschungen. Somit ist „Dunkler Wahn“ ein Psychothriller auf höchstem Niveau und ich bin gespannt, welchen Schachzug der Autor in seinem nächsten Roman präsentiert.

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