6. Mai 2012

[Rezension] Sarah Winman - Als Gott ein Kaninchen war

Sarah Winman
Als Gott ein Kaninchen war
Verlag: Limes
Seiten: 384
Ausgabe: Gebunden mit Schutzumschlag
Erschienen am: 26. März 2012
ISBN: 978-3-8090-2612-9
Preis: € 18,99


Elly erzählt ihre Geschichte in „Als Gott ein Kaninchen war“ in zwei Teilen.

Der Erste handelt von ihrer Kindheit in einer englischen Kleinstadt. Sie erzählt von ihrer besten Freundin Jenny Penny, die immer irgendwie nach Pommes gerochen hat und wildes, unbändiges Haar hatte. Von ihrem Bruder, der eine Beschützerrolle ihr gegenüber eingenommen hat und der immer irgendwie anders war als die anderen Jungs. Und natürlich, wie sie ein Kaninchen geschenkt bekommen hat und es damals in ihrer kindlichen Art einfach Gott getauft hatte, da es für sie der einzige Freund war, der sie voll und ganz verstanden hat. Eines Tages haben Elly Eltern im Lotto gewonnen. Nach langem hin und her haben sie beschlossen einen Schritt für einen Neuanfang zu wagen und entschlossen, eine kleine Frühstückspension zu eröffnen. Das heißt für Jenny und Elly Abschied nehmen – beide schwören sich aber in Kontakt zu bleiben. Doch es kommt natürlich alles anders: Jenny hat mit der Zeit den Kontakt zu Elly abgebrochen und ist mir ihrer durchgedrehten Mutter auf Nimmerwiedersehen verschwunden.
Im zweiten Teil des Romans haben wir es mit einer erwachsenen Elly zu tun. Zwischenzeitlich lebt sie in London und schreibt wöchentliche Kolumnen für eine Zeitung. Ihr Bruder lebt derweil in New York, wo er seine Jugendliebe wieder gefunden hat. Und dann kommt aus heiterem Himmel urplötzlich ein Brief von Ellys alter Freundin Jenny, die sie unter unglücklichen Umständen vor 10 Jahren hinter Gittern gebracht haben. Beide sind bereit ihrer Freundschaft eine zweite Chance zu geben. Doch dann passiert etwas, was Ellys Leben komplett aus der Bahn wirft und jegliche Träume zu zerstören droht…

Es fällt mir ziemlich schwer dieses Buch zu bewerten. Ich hatte mich sehr auf das Buch gefreut, dessen einzigartiger Titel mich doch sehr neugierig gemacht hat. Auch die hübsche Aufmachung und der Klappentext ließen auf eine spannende Geschwister-Geschichte hoffen. Vor allem wollte ich aber wissen, welchen Vergleich der Titel mit dem Kaninchen hatte. Aber irgendwie wurden meine Erwartungen nur im Ansatz erfüllt.
Das Buch ist sehr mühsam zu lesen und ich empfand die Lektüre oft als sehr anstrengend.
Im ersten Teil lässt die Autorin die Kinderaugen von Elly sprechen. Das ist auch sehr interessant, denn kindliche Naivität lassen sie Dinge ganz anders sehen, als Erwachsene.
Im zweiten Teil wird es ruhiger und die Geschichte sackt ab. Man merkt der Autorin richtig an, wie sie verzweifelt versucht die die Seiten zu füllen. Vielleicht liegt es auch daran, dass mich die erwachsene Elly nicht erreicht hat – was also nicht unbedingt an der Autorin liegen muss. 
 
Die Geschichte an sich fließt im Allgemeinen vor sich hin – hat aber auch spannende und dramatische Momente. Die Sprache ist manchmal undeutlich zu verstehen, da Elly als Kind erzählt, oder auch Dinge passieren, die sich erst im Nachhinein klären. Oft bleibt die Autorin aber auch nur bei einer Anspielung oder Andeutung, lässt die Erklärung aber aus, so dass ich der Leser alles weitere selber denken muss. Dies ist in manchen Passagen echt mühsam, da man die Anspielungen nicht immer versteht und erst viel später dann doch der Groschen fällt. Das kann auf Dauer anstrengend sein. Im Nachhinein bin ich auch etwas von dem Klappentext enttäuscht, da nur am Anfang des Buchs und gegen Ende es um Elly und ihren Bruder Joe geht. Dazwischen tauchen immer wieder mal Leute und Handlungsstränge auf, die den Leser oft den roten Faden nicht erkennen lassen. 
 
Dabei kam mir die Hauptprotagonistin Elly in dem ganzen Buch nur bedingt nahe. Zum einen muss sie schnell lernen auf eigenen Füßen zu stehen, da sich die Eltern nie viel um ihre Kinder gesorgt und gekümmert haben. Auf der anderen Seite konnte ich den Sprung von über 20 Jahren ins Erwachsenenalter nicht ganz nachvollziehen. Erzähltechnisch bleibt die langatmige Schreib- und Erzählweise bestehen, ohne dass sie in meinen Augen erwachsen geworden ist.

 
Mein Fazit: 
Als Gott ein Kaninchen war“ ist ein Roman, der, wenn man ihr durchhält, melancholisch, lustig und traurig zugleich sein kann. Man muss sich dafür wirklich Zeit nehmen und es vielleicht sogar ein zweites Mal lesen. Ich persönlich hatte mir davon mehr erhofft. Da ich den Zugang zu der Geschichte nur bedingt gefunden habe, lässt mich das Buch eher etwas enttäuscht zurück.

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