27. Mai 2012

[Rezension] George Mann - Affinity Bridge

George Mann
Affinity Bridge
Originaltitel: The Affinity Bridge
Verlag: Piper
Seiten: 448 Seiten
Ausgabe: Klappbroschur
Erschienen am: September 2011
ISBN: 978-3-492-70238-6
Preis: € 16,99
Leseprobe


Im London des Jahres 1901 regiert Königin Victoria, die durch eine Maschine am Leben erhalten wird. Riesige Luftschiffe schweben über den mit Rauch verhangenem Himmel und die Stadt liegt unter dichtem Smog und Nebel.
Doch etwas Unheilvolles kündigt sich an. Ein Überlebender eines Zombieangriffs, der selbst gebissen wurde, hat aus Indien eine Zombieseuche eingeschleppt, deren Infektion sich rasend in London und England ausbreitet. Doch nicht nur hier gibt es Opfer, sondern auch ein geisterhafter blauer Polizist mordet in der Stadt und tötet scheinbar wahllos Menschen.
Sir Maurice Newbury ist ein treuer Ermittler von Königin Victoria und betraut vorwiegend mysteriöse und okkulte Fälle. Da ist es selbstverständlich, dass er zusammen mit seiner Assistentin Miss Veronica Hobbes zum Absturz des Luftschiffes „Lady Armitage" gerufen werden. Der Absturz bietet jedoch viel Raum für Spekulationen und gemeinsam mit Inspektor Bainbridge von Scotland Yard versuchen sie nicht nur die Geheimnisse des blauen Polizist, sondern auch den vermutlich gescheiterten Anschlag auf die Königin aufzuklären. Schon bald scheinen Sie einer Spur von Verschwörern auf die Schliche gekommen zu sein, und Newburys Ermittlungen führt sie zu dem Luftschiffunternehmen Chapman & Villiers. Hier finden sie heraus, dass ihre Luftschiffe von vollautomatischen Maschinenmenschen gesteuert werden. Diese scheinen wiederrum perfekt zu funktionieren und der Erfinder schließt eine Fehlfunktion, welches die „Lady Armitage" hat abstürzen lassen, definitiv aus.
Doch bald stoßen Maurice Newbery und Veronica Hobbes auf ein Geflecht aus Intrigen und Geheimnissen, welches sie und zu grausigen Enthüllungen führt...

„Affinity Bridge“ ist der erste Steampunk-Roman einer Reihe von George Mann, und präsentiert mit dem Ermittlerduo Sir Maurice Newbury und Miss Veronica Hobbes eine wunderbare Detektivgeschichte im viktorianischen London. Dieser Schauplatz wurde im Roman wunderbar eingefangen. Die Dampfmaschinenrevolution ist zu dieser Zeit im vollen Gange und so ist es kein Wunder, dass Newbury auf die neuen und stinkenden Automobile steht, die seit neuestem in Londons Straßen verkehren. Aber auch die Zeppeline haben den Himmel für sich revolutioniert und transportieren Passagiere auf ihren Reisen. Gesteuert werden sie hierbei seit neuestem von Maschinenmenschen, die aber auch in anderen Berufssparten als Arbeitskraft eingesetzt werden und so z.B. als Bedienstete im Haushalt helfen. Bei all der Technik im Jahr 1901 scheinen sie mit ihrer Lochkartenprogrammierung irgendwie aus der Rolle zu fallen. Mit all diesen Eindrücken schafft es George Mann spektakuläre Bilder im Kopf zu zaubern, die auch zum Träumen einladen.

In dieser Phase des Wandels von Pferdekutschen zu Automobilen und anderen technischen Geräten wird London von einer Seuche, von Morden und einem Luftschiffabsturz erschüttert, die den Ermittler der Königin Sir Maurice Newbury und seine Assistentin Miss Veronica Hobbes auf den Plan rufen.

Das Verbrechen, welches die beiden aufklären müssen scheint verzwickt zu sein. Nicht nur, dass sie wegen den glühenden Polizisten der in Whitechapel sein Unwesen treibt alleine bereits im dunkeln tappen, nun kommt auch noch ein unerklärlicher Absturz eines Luftschiffes hinzu, dessen verbrannte Passagiere mit eisernen Fesseln an die Sitzplätze gebunden wurden. Vom Piloten jedoch fehlt jede Spur. Die Auflösung des Rätsels hat mir sehr gefallen, wobei ich auch etwas schockiert war, da der Buchtitel nicht das mit der Geschichte zu tun hatte, als was ich es erwartet hätte. Dennoch sind alle Fäden der Geschichte sinnvoll verknüpft und bilden ein schlüssiges Ende, welches in sich abgeschlossen ist. Der Epilog hat es dann noch einmal in sich, da er die Charaktere plötzlich und für kurze Zeit in einem ganz anderen Licht beleuchtet und ich kann es kaum erwarten im nächsten Teil mehr darüber zu erfahren.
Alles in allem ist „Affinity Bridge“ eine sehr gut durchdachte und komplexe Geschichte, die an Sherlock Holmes anlehnt. Auf den ersten Seiten mag zwar die Kombination von Steampunk und Zombies etwas befremdlich wirken, jedoch sind auch Fantasy-Elemente vorhanden und lässt somit dem Leser sehr viel Interpretationsfreiraum. Jedoch braucht die Handlung erst einmal Zeit um sich voll zu entfalten, legt dann aber an Tempo zu und ist sehr Actionreich .Dazu trägt auch die schaurig-gruselige Atmosphäre in London bei, in denen der Zombie-Horror herrscht. Durch den spannenden und flüssigen Schreibstil, sowie den lebendigen Worten George Manns erweist sich der Roman als absolut gelungener Pageturner.

Auch mit seinen Charakteren kann der Autor überzeugen. Sie sind sympathische und einprägsame Figuren, und jeder hat so seine kleinen und dunklen Geheimnisse. Jeder hat unverkennbare Charaktereigenschaften, Stärken und Schwächen, die sie auszeichnet. So ist Sir Maurice Newbury abhängig von Laudanum, welches ihm ermöglicht zu schlafen. Wenn er mal nicht von den Drogen umnebelt ist, ist sein Verstand hell und erinnert irgendwie an Sherlock Holmes. Er sammelt Kunstgegenstände, lebt in einer Wohnung unter der Obhut einer mütterlichen Haushälterin und ist ein aufmerksamer Beobachter, weshalb er auch als Sonderermittler in den Diensten von Königin Victoria steht. Seine Kollegin Veronica Hobbes könnte eigentlich der weibliche Dr. Watson sein, da sie sich als eine scheue und zurückhaltende Frau der damaligen Zeit gibt, allerdings kann sie auch anders und wird in den Ermittlungen zu einer selbstbewussteren und entschlossenen Frau, die sich sehr gerne durchsetzt. Sie birgt viele Rätsel in sich und ich bin gespannt welche Rolle ihr George Mann in der Geschichte zugetan hat.

Fazit:
„Affinity Bridge“ von George Mann ist einer der besten Steampunk-Romane auf dem derzeitigen Markt. Er beinhaltet ein fantastisches Kriminalabenteuer, gespickt mit einer schaurig-morbiden Note und natürlich den nicht fehlen dürfenden Steampunk-Elementen. Die Charaktere sind einzigartig und passen mit ihren Stärken und Schwächen genau in die spannende Geschichte. Abschließend kann ich nur eines sagen: Lest dieses Buch. Es lohnt sich!

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