2. April 2012

[Rezension] Stephan R. Bellem - Welt aus Staub

Stephan R. Bellem
Welt aus Staub
Verlag: Ueberreuter
Seiten: 397
Ausgabe: Klappbroschur
ISBN: 978-3-8000-9553-7
Leseprobe

 

Zum Inhalt:
Im Jahr 2177 hat eine Pilzerkrankung jedes pflanzliche Leben ausgelöscht und die Welt ist in Staub versunken. Während sich die Menschen in sogenannte Megacities zurückgezogen haben, sucht das Leben und das Ökosystem seinen Weg. So ist Elaine eine Pflanzenschmugglerin. Sie lebt in einem Ghetto des unteren Komplexes der Megacity und versucht sich durch den Schmuggler von neu entstandenen Pflanzen finanziell abzusichern. Dabei schwebt sie immer in Lebensgefahr, denn es ist verboten außerhalb der Konzerne lebendige Pflanzen zu besitzen, geschweige denn gefährlich in der Außenwelt nach Keimlingen zu suchen.


Sam hingegen arbeitet im oberen Komplex der Megacity als Ingenieur. Er ist für die Luftfilteranlagen zuständig, mit deren Hilfe Pflanzen so lange in dem Konzern Food Corp am Leben erhalten bleiben, bis sie geerntet werden können. Mit diesem Job haben er und seine Freunde und Arbeitskollegen Daniel und Paul es geschafft, ein sicheres zu Hause zu haben, ausreichend zugewiesene Rationen zu erhalten und sich keine Sorgen mehr ums Geld machen zu müssen. Und zum Glück wird Sam auch noch befördert.

Als aber Daniel ums Leben kommt, ändert sich für Sam weit mehr als nur eine Beförderung. Nach und nach zweifelt er immer mehr am System der Regierung und an seinem Arbeitgeber Food Corp. Außerdem beginnt er am Tod seines Freundes zu zweifeln und stellt selber Nachforschungen an…

Auch Elaine macht eine seltsame Entdeckung. Als sie von ihrer letzten Tour nach Hause kommt, findet sie die Prostituierte Tessa, die in jener Nacht bei Dany war, als er ermordet wurde, kauernd und verstört vor ihrer Wohnung…

Meine Rezension:
Stephan R. Bellem entführt den Leser in seinem neuen Werk „Welt aus Staub“ in eine sehr dunkle Welt, deren Stimmung nicht nur dunkel, sondern auch beklemmend ist. So beschreibt der Autor sehr detailreich die Erde nach einer Katastrophe. Sie ist fast unbewohnbar, die Vegetation ist tot und die Menschen leben in großen Megacities. Die Gesellschaft ist in ein zwei-klassen-System aufgeteilt. Dem sogenannten „unteren“  Komplex, in dem Ghetto-ähnliche Zustände herrschen, und dem „oberen“  Komplex, wo die reicheren Leute Leben. Während so zum Beispiel Elaine und Tessa in einer gefährlichen Welt leben, und sie in ständiger Angst ums Überleben kämpfen müssen, hat Sam im oberen Komplex ein luxuriöses Leben.


Die düstere Zukunftsbeschreibung dieses Romans ist sehr glaubhaft dargestellt. Ebenso die Tatsache, dass in der Zeit eines zerstörten Ökosystems Pflanzen unheimlich viel Wert sind und korrupte Menschen alles daran setzen, sich an den noch wachsenden Pflanzen zu bereichern und sich die Taschen noch weiter füllen wollen, dass sie hierbei über Leichen gehen würden. Da deswegen auch Gewalt in Form von Morden und sexuellen Übergriffen ein Thema des Romans ist, und diese Szenen auch unverblümt niedergeschrieben sind, ist „Welt aus Staub“ auch nicht unbedingt ein Jugendbuch.

Die Sprache, die der Autor in seinem Roman benutzt, ist klar, der Stil der Geschichte gradlinig und strukturiert. Die Umgebung wird sehr bildhaft beschrieben und die Actionszenen  setzen der spannenden Handlung ein Sahnehäubchen auf. Obwohl man sich am Anfang des Buchs noch keinen Zusammenhang zwischen den einzelnen Erzählsträngen vorstellen kann, wurden sie sehr bewusst in die Geschichte eingebaut. Immer wieder wird man während des Lesens in die Ereignisse von Elaine, Sam und Tessa verwickelt und versucht die einzelnen Teile zusammenzusetzen. Und immer wieder stellt man die größten Theorien auf und fragt sich, wer ist der Drahtzieher, der Wiedersacher, der Geschichte ist.

Stephan R. Bellem setzt all seine Handlungsstränge im Verlauf der Handlung wunderbar zusammen und beantwortet alle vom Leser aufgestellten Theorien. Allerdings habe ich auch einen kleinen Punkt zu bemängeln: Woher kam der Pilz und wie ist er entstanden? Eine Antwort auf diese Frage habe ich leider nicht gefunden.

Die Protagonisten bleiben in der Entwicklung der Geschichte sich selber treu und sind sehr glaubwürdig. Alle sind je nach Charakter  mehr oder weniger sympathisch, haben eigenständige Persönlichkeiten und wirken sehr authentisch. Obwohl ich es normalerweise nicht so mit vielen Charakteren in einem Buch habe, war es nicht schwer den Überblick über die Geschichte zu behalten.

Mein Fazit:
Mit „Welt aus Staub“ hat es Stephan R. Bellem geschafft, seine Dystopie von der Masse abzuheben. Die Geschichte wartet mit einem überaus interessanten Setting, einer spannenden Handlung, überraschenden Wendungen und vielschichtigen Charakteren auf. Der Roman beschreibt eine düstere Zukunftsvision, die man gelesen haben muss. Ich freue mich wirklich schon sehr auf weitere Bücher dieses hervorragenden Schriftstellers, von dem ich sagen kann, dass er meinen Geschmack mit diesem Buch perfekt getroffen hat.


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