31. März 2012

[Rezension] Jonas Jonasson - Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

  Jonas Jonasson
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
Verlag: Carl´s book
Seiten: 416
Ausgabe: Klappenbroschur
ISBN: 978-3-570-58501-6
Leseprobe

 

Zum Inhalt:
Allan Karlson hat das stolze Alter von 100 Jahren erreicht und ist geistig noch so fit, dass er keine Lust hat, im Altenheim mit all den anderen Greisen, der lästigen Schwester Alice und dem Bürgermeister seinen Geburtstag zu feiern. Deswegen klettert er kurzerhand aus dem Fenster. Mit Pantoffeln und etwas Geld geht er zum Bahnhof, wo er kurzerhand einem jungen Mann seinen Koffer stiehlt und Richtung Bushalte verschwindet. Was Allen noch nicht ahnt: In dem Koffer befinden sich unendlich viele Geldscheine. Die anstehende Busfahrt ist schließlich nur der Beginn einer abenteuerlichen Roadtrips, in dem Allan neue Freunde findet, viele Zeitungsschlagzeilen liefert, 2 Todesopfer fordert und ihm eine Freundschaft mit einem Elefanten einbringt. Doch das alles beeindruckt den 100-jährigen Allan nicht wirklich, hat er schon mit General Franco, Präsident Truman und Stalin getrunken und am Bau der Atombombe seine Finger im Spiel gehabt. Dies sind aber nur ein paar kleine Auszüge aus seinem Leben...

 
Meine Rezension:
„Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ ist ein Buch, bei dem schon der sperrige Titel des Romans zeigt, dass den Leser hier keine leichte Story erwartet. Die eigentliche Handlung gleicht viel mehr einem Roadmovie, denn Allan löst nach seiner Flucht aus dem Altenheim eine Kette unglaublicher Ereignisse aus. Was zufällig damit begann, dass der den Koffer eines Drogendealers mit sage und schreibe 50 Millionen Kronen stiehlt. Ab diesem Moment, mit seinem unerwarteten Reichtum, jagen ihn nicht nur die Polizisten, sondern auch eine Maffia-Truppe und die Journalisten.

In einem parallel laufenden Handlungsstrang erzählt Jonas Jonasson die Lebensgeschichte seiner Hauptfigur. Sie ist jedoch eine einzige Abfolge von abstrusen Zufällen und Zusammentreffen, in denen Allan einfach so in scheinbar alle Krisenherde dieser Welt purzelt und naiv-unpolitisch gegenüber hohen Regierungsleuten seine Meinung äußert. So trinkt er im spanischen Bürgerkrieg General Franco unter den Tisch, verhindert das Attentat auf Churchill, gibt Oppenheimer entscheidende Hinweise zum Bau der Atombombe, bringt Stalin so richtig in Rage, spioniert für die CIA die Sowjets aus und jagt halb Moskau in die Luft. Das ist alles so verrückt und übertrieben, dass man schon einen trockenen Humor braucht um das alles, ohne Rücksicht auf die historischen Tatsachen, mit einem Lächeln lesen zu können.

Sprachlich wurde das Buch so gehalten, dass es anspruchsvoll ist und sich nicht unbedingt leicht lesen lässt. Jonas Jonasson erzählt die Geschichte seines Hauptprotagonisten in der Gegenwart sowie in der Vergangenheit und wirft alle wichtigen Ereignisse der gesamten Weltgeschichte auf. Dabei will der Autor auch nichts verbergen, sondern setzt Allan dem Leser in einer ironisch und grotesken Story vor, dessen Handlungen von schwarzem Humor und Situationskomik durchzogen sind.

Den Charakter Allan kann man lieben oder man kann nichts mit ihm anfangen. Für ein nettes Gespräch, leckeres Essen sowie Alkohol würde er fast alles tun. Dabei kommt ihm sehr zu Gute, dass er sehr trinkfest ist – und getrunken wird wahrlich viel in diesem Roman. Doch leider gerät er durch seine Fertigkeiten als Sprengstoffexperte immer wieder in neue politische Verwicklungen und dass obwohl er sich nicht die Bohne für Politik interessiert.

Mein Fazit:
Der Roman fängt gut an: Ein 100-Jähriger entwischt aus dem Altenheim, gelangt an einen Koffer mit viel Geld und geht auf die Reise. Dann plätschert jedoch alles vor sich hin und die Rückblenden in Allans Leben fand ich überzogen und zu weit hergeholt. Leider habe ich Jonas Jonasson schrägen Humor nicht nachempfinden können. Beim Lesen kam ich mir irgendwie wie in dem Film „Forrest Gump“ vor – nur dass das Original mehr Charme und keine grenzenlose Naivität besitzt. Für mich war die Geschichte an manchen Stellen langatmig, da ich die Verkettung der Umstände mehr als Absurd empfand. Wer also eine realitätsnahe Handlung sucht, sollte um den Roman einen großen Bogen machen. Wer sich gut unterhalten will und die historischen Tatsachen bei Seite legen und alles mit einem Augenzwinkern betrachten kann, der ist hier genau richtig.


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