26. April 2012

[Rezension] Cornelia Haller - Seelenfeuer

Cornelia Haller
Seelenfeuer
Verlag: Hoffmann und Campe
Seiten: 480
Ausgabe: Gebunden mit Schutzumschlag
Erschienen am: 09.März 2012
ISBN: 978-3-455-40357-2
Preis: € 19,99
Leseprobe

Die 19-jährige Luzia Gassner führt ein beschauliches Leben als Hebamme in einem kleinen Ort am Bodensee. Doch als im Jahr 1483 ihre Mutter stirbt muss sie deren Nachfolge in der Stadt Ravensburg antreten.

Doch sehr zum Missfallen der Kirche verlässt sie sich bei den Geburten nicht nur allein auf die christlichen Gebete, sondern auch auf ihr fundiertes Wissen um die Kräfte der naturheilpflanzen sowie ihrem medizinischen Sachverstand. Doch gerade dies fördert den Hass des mächtigen Kaplans heraus.
Als schließlich auch noch ein schreckliches Unwetter und die Pest Ravensburg heimsuchen, holt der Kaplan den gefürchteten Großinquisitor Heinrich Kramer in die Stadt. Es beginnt eine Hexenverfolgung und Luzia muss erfahren, wie sich immer mehr Mitbürger und Mitbürgerinnen von ihr abwenden. Einzig ihr Onkel Basilius und ihr Verlobter Johannes von der Wehr halten zu ihr. Doch letztendlich wird Luzia der Hexerei angeklagt und in den Kerker geworfen.
Werden Basilius und Johannes einen Weg finden Luzia vor dem Scheiterhaufen zu bewahren?

Mit dem Roman „Seelenfeuer“ von Cornelia Haller taucht man Mitten in das ausgehende 15. Jahrhundert ein. Einmal angefangen zu lesen, zieht die Geschichte den Leser in seinen Bann. Zugegeben, das Thema um dieses Buch, eine Hebamme lehnt sich im Mittelalter auf und folgt ihren eigenen Weg, gab es schon zu Hauf – doch die vorliegende Geschichte rankt sich vielmehr um Luzia und die beginnende Hexenjagt in den 1480-er Jahren. Hier erkennt man auch die Liebe der Autorin zum Detail und dass sie die historischen Begebenheiten sehr gut recherchiert hat. So nimmt sie nicht nur auf die Hexenjagt an sich Bezug, sondern führt auch die historische Person des Inquisitors Heinrich Kramer ein, der das unheilvolle Buch „Der Hexenhammer“ geschrieben hat, welches die Autorin auch in ihrem Werk näher verdeutlicht. Heinrich Kramer ist übrigens tatsächlich dafür verantwortlich, dass in Ravensburg, Konstanz und anderen Orten ungefähr 50 Hexenprozesse abgehalten wurden und die Frauen auf dem Scheiterhaufen gelandet sind.

Sehr ausführlich beschreibt die Autorin die äußerst gewaltigen Folterungsszenen, die sehr grausam in die Länge gezogen sind. Diese detailreichen Schilderungen sind unverblümt und jagen jedem, nicht nur jenen, die schon mal in einem Foltermuseum waren, einen Schauer über den Rücken. Die Schmerzen sind beim Lesen körperlich fühlbar - deswegen ganz klar: Diese Szenen sind nichts für zart besaitete Menschen. 
 
Obwohl mich diese Szenen im positiven Sinne aufgeregt habe, bin ich sehr zum nachdenken über die damalige Gesellschaft gekommen. Glaube und Aberglaube bestimmten die Menschen und die Autorin versucht die Auswirkungen der Kirche auf die Menschen darzustellen. Wobei man sich eigentlich mit normalen Menschenverstand an den Kopf langen muss, denn die Leute damals glaubten tatsächlich dass Hexen durch Wetterzauber Stürme heraufbeschwören können, sich in Katzen und Raben verwandeln und den Männern das Geschlechtsorgan weg hexen können. Ah…ja…
Das Buch hat mich diesbezüglich wirklich sehr beeindruckt und mitgenommen. Was mir jedoch nicht so gefallen hat waren die vielen Fachsimpelei in Bezug auf die Pflanzenbestimmung. Hier ist die Autorin zu tief in die Materie gegangen, da man eigentlich kein Pflanzenkundebuch mit Art, Gattung und Verwendungszweck lesen will. Etwas weniger wäre hier perfekt gewesen und ich muss zugeben, dass ich jene Stellen nur quer gelesen habe.
Trotzdem schreibt Cornelia Funke sehr flüssig und mit wundervollen Worten erzählt sie ihre Geschichte über die Hebamme Luzia, die durch die höchsten Höhen und tiefsten Tiefen geht. Vielleicht macht sie diese Tatsachen auch so interessant…
Luzias Name ist vermutlich von Luzifer abgeleitet und bietet allein schon dessen eine gute Grundlage für diesen Roman. Sie hat rotes Haar und (wie jede Hexe) eine kleine schwarze Katze. Sie kennt sich mit Heilpflanzen und der medizinischen Fachkunde aus, die ihr der Stadtmedicus und Verlobter Johannes von der Wehr beibringt. Sie ist daher sehr intelligent und liebenswert, bleibt sich bis zu Letzt treu und genau das ist es, was ihr zum Verhängnis wird. Die Story wird mit jeder Seite des Hexenprozesses immer düsterer und es scheint als ob jegliche Hoffnung mit jeder gelesenen Seite verschwindet. Mir hat es fast das Herz zerrissen, als Luzia unter der Inquisition und dem schrecklichen Torwächter leiden musste. Es gibt in diesem Teil ihres Lebens auch wirklich keine Szenen, die Luzia Halt geben, außer den Gedanken an ihren Onkel und ihren Verlobten. Aber sie bleibt sich bis zu Letzt selbst treu und diese Tatsache macht sie zu einer wahren Heldin.

 
Mein Fazit:  
Seelenfeuer“ von Cornelia Haller ist auf jeden Fall informativ, gefühlvoll und spannend. Es hat mir viele Bilder beschert, mich innerlich aufgewühlt und zum nachdenken gebracht. Es ist eine emotionale Lektüre, die starken Eindruck bei mir hinterlassen hat. Trotz einiger Längen wüsste ich sehr gerne, wie es mit Luzia und Johannes weiter geht. Ich hoffe deshalb sehr, dass wir noch einiges von der Autorin lesen werden.

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