25. April 2012

[Rezension] Caragh O`Brien - Das Land der verlorenen Träume

Caragh O`Brien
Das Land der verlorenen Träume (Band 2)
Originaltitel: Prized
Verlag: Heyne
Seiten: 464
Ausgabe: Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-453-52800-0
Preis: 16,99
Erscheintermin: 20. Februar 2012

Am Ende des ersten Teils musste Gaia mit ihrer neugeborenen Schwester Maya fliehen, während Leon verhaftet wurde.

Mit Maya in ihren Armen macht sich Gaia auf den Weg durch die karge Wüste, auf der Suche nach jener Zivilisation, in die ihre Großmutter einst floh. Am Ende ihrer Kräfte wird sie im Ödland von einem Spähtrupp entdeckt und nach Slym gebracht. In diesem Ort ist es aber nicht so, wie sie es sich vorgestellt hat. Hier haben die Frauen das sagen und werden von Lady Olivia, der Matrarch, angeführt. Diese nimmt ihr sofort auch Maya weg, da sie nicht überlebt hätte, wäre sie nicht nach Slym gekommen. Anschließend wird Gaia vor die Wahl gestellt: Entweder bleibt sie in Slym und hält sich an die seltsamen Regeln und Gesetze der Matrarch, oder sie verlässt den Ort. Sie braucht gar nicht lange zu überlegen – möchte sie doch nur bei ihrer Schwester sein. Damit nimmt sie in Kauf  innerhalb von ein paar Tagen von einer seltsamen Krankheit befallen zu werden, die dann zwar wieder abklingt, aber auch dafür verantwortlich ist, dass sie das Dorf nie wieder lebend verlassen kann. Doch Gaia fällt es schwer, sich an die Regeln und Gesetze von Slym zu halten und wird mit ihrer aufständischen Art schnell zur Feindin der Matrarch. Doch Gaia ist eine Kämpferin und versucht ihren Kopf durchzusetzen. Und schon bald stößt sie auf ein schreckliches Geheimnis von Slym…
Gaia findet sich in „Das Land der verlorenen Träume“ in einer neuen Gesellschaft wieder, die zwar im totalen Kontrast zur Enklave lebt, ihr dennoch nicht mehr gleichen könnte. Ihre Geschichte, und ihre Regeln sind grenzwertig – aber bei genauerer Überlegung auch begründet. So ist es in Slym, dass es einen Frauen-Mangel gibt, da auf alle 10 Geburten ein Mädchen kommt. Kein Wunder, dass sie durch strenge Gesetze geschützt sind, und jeder kleinste Versuch einer Berührung von einem Mann zu einer Frau als versuchte Vergewaltigung gilt und schwer bestraft wird. Männer sind hier generell das schwache Geschlecht und müssen sich den Frauen unterordnen. Des Weiteren gibt es sehr viele Männer in dem Dorf, die einfach unfruchtbar sind. Ein Grund für Gaia, dem auf den Grund zu gehen. So führt sie eine Autopsie bei einem toten Mann durch und stellt fest, dass die unfruchtbaren Männer neben ihren äußerlichen männlichen Geschlechtsteilen, innen auch weibliche Geschlechtsorgane haben. Hier hat die Autorin Caragh O´Brian sehr gut und in vereinfachten Sätzen die genetischen Zusammenhänge sehr gut erklärt, dass sie jeder verstehen und nachvollziehen kann. Schade nur, dass sie nicht näher auf den Grund dieser Ursache eingegangen ist, denn irgendwie hätte ich gerne mehr darüber erfahren.
Natürlich gibt es auch wieder eine Liebesgeschichte, die im Gegensatz zum ersten Buch mehr Raum einnimmt. Eigentlich nicht schlecht, ABER mich hat daran etwas gestört, dass der neue Trend bei Jugend-Fantasy-Büchern eine Dreieckbeziehung ist. Hier war es mehr oder weniger sogar eine Vierecksbeziehung, da sich Gaia zwischen drei Jungs entscheiden muss. Zwar irgendwie nachvollziehbar, denn in Slym ein Männerüberschuss herrscht, aber meines Erachtens ist diese Idee zu weit hergeholt, unrealistisch und passt irgendwie nicht.
Persönlich finde ich diesen Teil der Reihe durchweg klasse, wenn nicht sogar auch besser als den ersten Teil „Die Stadt der verschwundenen Kinder“. Denn oft ist es so, dass man sich in einen Folgeband erst wieder einlesen muss. Das war hier nicht so, da man Gaias Erlebnisse in „Das Land der verlorenen Träume“ als eigenständige Geschichte sehen kann. Das Ende ist wieder in sich geschlossen und bietet dennoch einen sehr guten Übergang auf den nächsten und letzten Band dieser Reihe, wo sich bereits jetzt ein großartiges Finale andeutet.
Caragh O`Brian erzählt die Geschichte aus der Perspektive der 16-jährigen Gaia und sie lässt sich flüssig und leicht lesen. Die Geschichte ist dadurch sehr fesselnd und das Kopfkino so großartig, dass man das Buch am liebsten nicht mehr aus der Hand legen will.
Des Weiteren muss ich hier noch an dieser Stelle ein Lob an den Übersetzer Oliver Plaschka aussprechen, der eine Botschaft bzw. einen verschlüsselten Code von Gaias Großmutter sehr gut übersetzt hat. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er ein paar Stunden darüber gesessen hat, bis sie ins Buch gepasst hat.
Gaia hat mich als Hauptcharakterin wieder überzeugt, denn sie ist eine starke Persönlichkeit und nicht so ein naives Dummchen, wie es in anderen Fantasy-Jugendbüchern oft der Fall ist. Gaia befindet sich in „Das Land der verlorenen Träume“ emotional in einer Zwickmühle. Einerseits gefallen ihr die Regeln und Machenschaften der Schwesternschaft überhaupt nicht und sie möchte der Matrarch auch nicht nachgeben- andererseits muss sie sich mit ihr gut stellen, um ihre Schwester zu sehen. Sie kämpft mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Ungerechtigkeit, die ihr widerfährt und selbst als sie am Pranger steht, gibt sie nicht klein bei, sondern wird eher zu einer Art Befreierin der Einwohner von Slym.
Aber auch die Nebencharaktere überzeugen. So ist auch Leon aus dem ersten Teil wieder mit von der Partie, auch wenn er erst deutlich später im Buch erscheint. Jedoch ist er ein anderer Leon als aus dem ersten Teil. Nach allem was ihm bei der Enklave und im Gefängnis von Slym widerfahren ist, ist er kühl, distanziert und geheimnisvoll. Was man ihm nicht verübeln kann…
Dann gibt es noch die Brüder Peter und Will, die beide auf ihre Art und Weise sehr nett sind und die beide ebenfalls um Gaias Gunst buhlen. Dabei steht schon von vornherein fest, wen Gaia überhaupt will.
Der Charakter der Lady Olivia ist vielleicht der schwierigste in der ganzen Geschichte. Im größten Teil des Buchs erscheint sie als die mächtige und alles entschiedene Matrarch, die nicht immer für unsere Begriffe Human und „nett“ handelt. Sie hat ihre eigenen Ansichten den Frauen und Männern gegenüber, die jedoch bei genauerer Betrachtung gar nicht so verkehrt sind, denn immerhin hat sie es dadurch geschafft, Kriminalität in Form von Vergewaltigungen vorzubeugen und somit nach Recht und Ordnung geschaut.

Mein Fazit:
„Das Land der verlorenen Träume“ ist eine dunkel gefärbte Jugend-Fantasy-Distopie-Reihe, die sehr viele gute Ideen beinhaltet und dem Leser mit überraschenden Wendungen ein schönes Lesevergnügen bereitet. Die fantastische Geschichte weiß, wie es den Leser zu fesseln und in den Bann zu ziehen. Ein super Buch und absolut empfehlenswert. Leider müssen wir noch etwas auf den 3. Teil warten, da dieser erst im Oktober 2012 in Englisch escheinen wird.

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