26. April 2012

[Rezension] Cornelia Haller - Seelenfeuer

Cornelia Haller
Seelenfeuer
Verlag: Hoffmann und Campe
Seiten: 480
Ausgabe: Gebunden mit Schutzumschlag
Erschienen am: 09.März 2012
ISBN: 978-3-455-40357-2
Preis: € 19,99
Leseprobe

Die 19-jährige Luzia Gassner führt ein beschauliches Leben als Hebamme in einem kleinen Ort am Bodensee. Doch als im Jahr 1483 ihre Mutter stirbt muss sie deren Nachfolge in der Stadt Ravensburg antreten.

Doch sehr zum Missfallen der Kirche verlässt sie sich bei den Geburten nicht nur allein auf die christlichen Gebete, sondern auch auf ihr fundiertes Wissen um die Kräfte der naturheilpflanzen sowie ihrem medizinischen Sachverstand. Doch gerade dies fördert den Hass des mächtigen Kaplans heraus.
Als schließlich auch noch ein schreckliches Unwetter und die Pest Ravensburg heimsuchen, holt der Kaplan den gefürchteten Großinquisitor Heinrich Kramer in die Stadt. Es beginnt eine Hexenverfolgung und Luzia muss erfahren, wie sich immer mehr Mitbürger und Mitbürgerinnen von ihr abwenden. Einzig ihr Onkel Basilius und ihr Verlobter Johannes von der Wehr halten zu ihr. Doch letztendlich wird Luzia der Hexerei angeklagt und in den Kerker geworfen.
Werden Basilius und Johannes einen Weg finden Luzia vor dem Scheiterhaufen zu bewahren?

Mit dem Roman „Seelenfeuer“ von Cornelia Haller taucht man Mitten in das ausgehende 15. Jahrhundert ein. Einmal angefangen zu lesen, zieht die Geschichte den Leser in seinen Bann. Zugegeben, das Thema um dieses Buch, eine Hebamme lehnt sich im Mittelalter auf und folgt ihren eigenen Weg, gab es schon zu Hauf – doch die vorliegende Geschichte rankt sich vielmehr um Luzia und die beginnende Hexenjagt in den 1480-er Jahren. Hier erkennt man auch die Liebe der Autorin zum Detail und dass sie die historischen Begebenheiten sehr gut recherchiert hat. So nimmt sie nicht nur auf die Hexenjagt an sich Bezug, sondern führt auch die historische Person des Inquisitors Heinrich Kramer ein, der das unheilvolle Buch „Der Hexenhammer“ geschrieben hat, welches die Autorin auch in ihrem Werk näher verdeutlicht. Heinrich Kramer ist übrigens tatsächlich dafür verantwortlich, dass in Ravensburg, Konstanz und anderen Orten ungefähr 50 Hexenprozesse abgehalten wurden und die Frauen auf dem Scheiterhaufen gelandet sind.

Sehr ausführlich beschreibt die Autorin die äußerst gewaltigen Folterungsszenen, die sehr grausam in die Länge gezogen sind. Diese detailreichen Schilderungen sind unverblümt und jagen jedem, nicht nur jenen, die schon mal in einem Foltermuseum waren, einen Schauer über den Rücken. Die Schmerzen sind beim Lesen körperlich fühlbar - deswegen ganz klar: Diese Szenen sind nichts für zart besaitete Menschen. 
 
Obwohl mich diese Szenen im positiven Sinne aufgeregt habe, bin ich sehr zum nachdenken über die damalige Gesellschaft gekommen. Glaube und Aberglaube bestimmten die Menschen und die Autorin versucht die Auswirkungen der Kirche auf die Menschen darzustellen. Wobei man sich eigentlich mit normalen Menschenverstand an den Kopf langen muss, denn die Leute damals glaubten tatsächlich dass Hexen durch Wetterzauber Stürme heraufbeschwören können, sich in Katzen und Raben verwandeln und den Männern das Geschlechtsorgan weg hexen können. Ah…ja…
Das Buch hat mich diesbezüglich wirklich sehr beeindruckt und mitgenommen. Was mir jedoch nicht so gefallen hat waren die vielen Fachsimpelei in Bezug auf die Pflanzenbestimmung. Hier ist die Autorin zu tief in die Materie gegangen, da man eigentlich kein Pflanzenkundebuch mit Art, Gattung und Verwendungszweck lesen will. Etwas weniger wäre hier perfekt gewesen und ich muss zugeben, dass ich jene Stellen nur quer gelesen habe.
Trotzdem schreibt Cornelia Funke sehr flüssig und mit wundervollen Worten erzählt sie ihre Geschichte über die Hebamme Luzia, die durch die höchsten Höhen und tiefsten Tiefen geht. Vielleicht macht sie diese Tatsachen auch so interessant…
Luzias Name ist vermutlich von Luzifer abgeleitet und bietet allein schon dessen eine gute Grundlage für diesen Roman. Sie hat rotes Haar und (wie jede Hexe) eine kleine schwarze Katze. Sie kennt sich mit Heilpflanzen und der medizinischen Fachkunde aus, die ihr der Stadtmedicus und Verlobter Johannes von der Wehr beibringt. Sie ist daher sehr intelligent und liebenswert, bleibt sich bis zu Letzt treu und genau das ist es, was ihr zum Verhängnis wird. Die Story wird mit jeder Seite des Hexenprozesses immer düsterer und es scheint als ob jegliche Hoffnung mit jeder gelesenen Seite verschwindet. Mir hat es fast das Herz zerrissen, als Luzia unter der Inquisition und dem schrecklichen Torwächter leiden musste. Es gibt in diesem Teil ihres Lebens auch wirklich keine Szenen, die Luzia Halt geben, außer den Gedanken an ihren Onkel und ihren Verlobten. Aber sie bleibt sich bis zu Letzt selbst treu und diese Tatsache macht sie zu einer wahren Heldin.

 
Mein Fazit:  
Seelenfeuer“ von Cornelia Haller ist auf jeden Fall informativ, gefühlvoll und spannend. Es hat mir viele Bilder beschert, mich innerlich aufgewühlt und zum nachdenken gebracht. Es ist eine emotionale Lektüre, die starken Eindruck bei mir hinterlassen hat. Trotz einiger Längen wüsste ich sehr gerne, wie es mit Luzia und Johannes weiter geht. Ich hoffe deshalb sehr, dass wir noch einiges von der Autorin lesen werden.

25. April 2012

[Rezension] Caragh O`Brien - Das Land der verlorenen Träume

Caragh O`Brien
Das Land der verlorenen Träume (Band 2)
Originaltitel: Prized
Verlag: Heyne
Seiten: 464
Ausgabe: Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-453-52800-0
Preis: 16,99
Erscheintermin: 20. Februar 2012

Am Ende des ersten Teils musste Gaia mit ihrer neugeborenen Schwester Maya fliehen, während Leon verhaftet wurde.

Mit Maya in ihren Armen macht sich Gaia auf den Weg durch die karge Wüste, auf der Suche nach jener Zivilisation, in die ihre Großmutter einst floh. Am Ende ihrer Kräfte wird sie im Ödland von einem Spähtrupp entdeckt und nach Slym gebracht. In diesem Ort ist es aber nicht so, wie sie es sich vorgestellt hat. Hier haben die Frauen das sagen und werden von Lady Olivia, der Matrarch, angeführt. Diese nimmt ihr sofort auch Maya weg, da sie nicht überlebt hätte, wäre sie nicht nach Slym gekommen. Anschließend wird Gaia vor die Wahl gestellt: Entweder bleibt sie in Slym und hält sich an die seltsamen Regeln und Gesetze der Matrarch, oder sie verlässt den Ort. Sie braucht gar nicht lange zu überlegen – möchte sie doch nur bei ihrer Schwester sein. Damit nimmt sie in Kauf  innerhalb von ein paar Tagen von einer seltsamen Krankheit befallen zu werden, die dann zwar wieder abklingt, aber auch dafür verantwortlich ist, dass sie das Dorf nie wieder lebend verlassen kann. Doch Gaia fällt es schwer, sich an die Regeln und Gesetze von Slym zu halten und wird mit ihrer aufständischen Art schnell zur Feindin der Matrarch. Doch Gaia ist eine Kämpferin und versucht ihren Kopf durchzusetzen. Und schon bald stößt sie auf ein schreckliches Geheimnis von Slym…
Gaia findet sich in „Das Land der verlorenen Träume“ in einer neuen Gesellschaft wieder, die zwar im totalen Kontrast zur Enklave lebt, ihr dennoch nicht mehr gleichen könnte. Ihre Geschichte, und ihre Regeln sind grenzwertig – aber bei genauerer Überlegung auch begründet. So ist es in Slym, dass es einen Frauen-Mangel gibt, da auf alle 10 Geburten ein Mädchen kommt. Kein Wunder, dass sie durch strenge Gesetze geschützt sind, und jeder kleinste Versuch einer Berührung von einem Mann zu einer Frau als versuchte Vergewaltigung gilt und schwer bestraft wird. Männer sind hier generell das schwache Geschlecht und müssen sich den Frauen unterordnen. Des Weiteren gibt es sehr viele Männer in dem Dorf, die einfach unfruchtbar sind. Ein Grund für Gaia, dem auf den Grund zu gehen. So führt sie eine Autopsie bei einem toten Mann durch und stellt fest, dass die unfruchtbaren Männer neben ihren äußerlichen männlichen Geschlechtsteilen, innen auch weibliche Geschlechtsorgane haben. Hier hat die Autorin Caragh O´Brian sehr gut und in vereinfachten Sätzen die genetischen Zusammenhänge sehr gut erklärt, dass sie jeder verstehen und nachvollziehen kann. Schade nur, dass sie nicht näher auf den Grund dieser Ursache eingegangen ist, denn irgendwie hätte ich gerne mehr darüber erfahren.
Natürlich gibt es auch wieder eine Liebesgeschichte, die im Gegensatz zum ersten Buch mehr Raum einnimmt. Eigentlich nicht schlecht, ABER mich hat daran etwas gestört, dass der neue Trend bei Jugend-Fantasy-Büchern eine Dreieckbeziehung ist. Hier war es mehr oder weniger sogar eine Vierecksbeziehung, da sich Gaia zwischen drei Jungs entscheiden muss. Zwar irgendwie nachvollziehbar, denn in Slym ein Männerüberschuss herrscht, aber meines Erachtens ist diese Idee zu weit hergeholt, unrealistisch und passt irgendwie nicht.
Persönlich finde ich diesen Teil der Reihe durchweg klasse, wenn nicht sogar auch besser als den ersten Teil „Die Stadt der verschwundenen Kinder“. Denn oft ist es so, dass man sich in einen Folgeband erst wieder einlesen muss. Das war hier nicht so, da man Gaias Erlebnisse in „Das Land der verlorenen Träume“ als eigenständige Geschichte sehen kann. Das Ende ist wieder in sich geschlossen und bietet dennoch einen sehr guten Übergang auf den nächsten und letzten Band dieser Reihe, wo sich bereits jetzt ein großartiges Finale andeutet.
Caragh O`Brian erzählt die Geschichte aus der Perspektive der 16-jährigen Gaia und sie lässt sich flüssig und leicht lesen. Die Geschichte ist dadurch sehr fesselnd und das Kopfkino so großartig, dass man das Buch am liebsten nicht mehr aus der Hand legen will.
Des Weiteren muss ich hier noch an dieser Stelle ein Lob an den Übersetzer Oliver Plaschka aussprechen, der eine Botschaft bzw. einen verschlüsselten Code von Gaias Großmutter sehr gut übersetzt hat. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er ein paar Stunden darüber gesessen hat, bis sie ins Buch gepasst hat.
Gaia hat mich als Hauptcharakterin wieder überzeugt, denn sie ist eine starke Persönlichkeit und nicht so ein naives Dummchen, wie es in anderen Fantasy-Jugendbüchern oft der Fall ist. Gaia befindet sich in „Das Land der verlorenen Träume“ emotional in einer Zwickmühle. Einerseits gefallen ihr die Regeln und Machenschaften der Schwesternschaft überhaupt nicht und sie möchte der Matrarch auch nicht nachgeben- andererseits muss sie sich mit ihr gut stellen, um ihre Schwester zu sehen. Sie kämpft mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Ungerechtigkeit, die ihr widerfährt und selbst als sie am Pranger steht, gibt sie nicht klein bei, sondern wird eher zu einer Art Befreierin der Einwohner von Slym.
Aber auch die Nebencharaktere überzeugen. So ist auch Leon aus dem ersten Teil wieder mit von der Partie, auch wenn er erst deutlich später im Buch erscheint. Jedoch ist er ein anderer Leon als aus dem ersten Teil. Nach allem was ihm bei der Enklave und im Gefängnis von Slym widerfahren ist, ist er kühl, distanziert und geheimnisvoll. Was man ihm nicht verübeln kann…
Dann gibt es noch die Brüder Peter und Will, die beide auf ihre Art und Weise sehr nett sind und die beide ebenfalls um Gaias Gunst buhlen. Dabei steht schon von vornherein fest, wen Gaia überhaupt will.
Der Charakter der Lady Olivia ist vielleicht der schwierigste in der ganzen Geschichte. Im größten Teil des Buchs erscheint sie als die mächtige und alles entschiedene Matrarch, die nicht immer für unsere Begriffe Human und „nett“ handelt. Sie hat ihre eigenen Ansichten den Frauen und Männern gegenüber, die jedoch bei genauerer Betrachtung gar nicht so verkehrt sind, denn immerhin hat sie es dadurch geschafft, Kriminalität in Form von Vergewaltigungen vorzubeugen und somit nach Recht und Ordnung geschaut.

Mein Fazit:
„Das Land der verlorenen Träume“ ist eine dunkel gefärbte Jugend-Fantasy-Distopie-Reihe, die sehr viele gute Ideen beinhaltet und dem Leser mit überraschenden Wendungen ein schönes Lesevergnügen bereitet. Die fantastische Geschichte weiß, wie es den Leser zu fesseln und in den Bann zu ziehen. Ein super Buch und absolut empfehlenswert. Leider müssen wir noch etwas auf den 3. Teil warten, da dieser erst im Oktober 2012 in Englisch escheinen wird.

20. April 2012

[Rezension] Stephen King - Der Anschlag

Stephen King
Der Anschlag
Originaltitel: 11/22/63
Verlag: Heyne
Seiten: 1.056
Ausgabe: Gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-453-26754-1
Preis: € 26,99
Leseprobe

 

Der 35-jährige Englischlehrer Jake Epping macht eine erstaunliche Entdeckung: Sein totkranker Freund Al zeigt ihm im Vorratsraum seines Restaurants ein Zeitportal. Durch eine unsichtbare Treppe kann er in die Vergangenheit reisen und landet jedes Mal am 09. September 1958 um 11:58 in Lisbon Falls, Maine. Egal wie lange der Aufenthalt in der Vergangenheit dauert, man kommt immer exakt 2 Minuten in die Gegenwart zurück. Jedoch werden alle Ereignisse beim nächsten Besuch in der Vergangenheit wieder gelöscht.
Der im sterben liegende Al hat durch die Zeitreise versucht, das Attentat auf John F. Kennedy zu verhindern. Da es ihm nun aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich ist, bittet er Jake um diesen Gefallen. Nach anfänglichem Zögern willigt er schließlich ein und will versuchen den mutmaßlichen Attentäter Lee Harvey Oswald kurz vor dem Anschlag in Dallas im November 1963 zu stoppen. Doch welche Auswirkungen hat es die Zeit zu verändern? Um die 5 Jahre in der Vergangenheit zu bewältigen benötigt es einiges an Vorbereitungen. Aus diesem Grund entschließt sich Jake dazu, eine Art „Probelauf“ in der Vergangenheit zu unternehmen. Doch schon bald merkt er, dass die Sache komplizierter ist als gedacht, denn gegen einen solchen Eingriff wehrt sich die Vergangenheit unerbittlich und außerdem wirken sie die Eingriffe in der Vergangenheit nicht immer positiv auf die Gegenwart aus… 


Mit „Der Anschlag“ hat Stephen King kein gruseliges Buch geschrieben, sondern vielmehr kombiniert er Historien- und Liebesroman mit einem spannenden Thriller. Und hierbei geht es um das Attentat auf John F. Kennedy sowie Kings Überlegungen: Was wäre wenn wir den Anschlag verhindern hätten können? Wie sähe die Welt heute aus? Ganz ehrlich: In der Geschichte steckt ein klein wenig auch eine Märchenidee. 

Jake soll in der Handlung das Kennedy-Attentat vereiteln, was eine riesige Veränderung wäre. Da der Großteil des Buchs in den Jahren zwischen 1958-1963 spielt, versucht der Autor das Amerika der 60er Jahre dem Leser nahe zu bringen. So wird beschrieben, dass Fabriken ihre Schadstoffe unbedenklich in die Atmosphäre blasen und Menschen in Kneipen und Bussen rauchen. Die Atmosphäre der damaligen Zeit wird vom Autor authentisch erzählt und liefert großes Kopfkino. Jedoch nur für Leute die einen Bezug zum amerikanischen Patriotismus und die 50-er und 60-er Jahre miterlebt haben. Für die anderen dürfte sich zwei Viertel des Romans langatmig anfühlen, da sie das Ereignis nicht (be-) greifen können. Somit sind die ersten 450 der 1000 Seiten die stärksten des Buchs. Man erlebt mit wie der Hauptprotagonist Jake in einer verhängnisvollen Nacht das Zeitportal ins Jahr 1958 entdeckt und fortan das Kennedy-Attentat vereiteln will. Als Test versucht Jake ein Familienmaßacker im Jahr 1958 zu verhindern, wo er hier auch zum ersten Mal die Widerborstigkeit der Vergangenheit erlebt. Nach einem anschließenden kurzen Zwischenstopp in der Gegenwart geht es anschließend wieder zurück ins Jahr 1958 um das Attentat zu verhindern. Ab hier beginnt nun das Buch sich in die Länge zu ziehen, da von der Ankunft im Jahr 1958 bis zum Attentat 1963 fünf Jahre in der Vergangenheit vergehen müssen. Obwohl es auch hier Höhepunkte gibt, wie z.B. als der Attentäter Oswald seine junge Frau Marina misshandelt, oder dass Jake sich in Sadie verliebt, deren Ex-Mann sie zu einem psychischen Krüppel gemacht hat, konnte der Teil nicht wirklich fesseln.  

Interessant war hingegen die von Stephen King dargestellte „Was-wäre-wenn-Theorie“, die sich durch das ganze Buch zieht. Je näher die Momente rücken, in denen Jake etwas verändern will – mögen sie auch noch so klein und unbedeutend erscheinen, umso mehr wehrt sich die Vergangenheit gegen die Korrektur. Doch wie weit kann ein Raum-Zeit-Kontinuum beschädigt werden? Und welches Chaos könnte daraus resultieren? 

Der Schreibstil von Stephen King ist unterhaltsam, stellenweise auch sehr detailverliebt. So verliert er oft (zumindest im 2/3 des Buchs) den eigentlichen Grund der Zeitreise aus den Augen, was durchaus langatmig erscheinen mag. Dennoch merkt man sehr schnell, dass der Autor sehr viel recherchiert hat, was das Attentat auf J.F.K. und den vermeintlichen Attentäter betrifft. Er beschäftigt sich auch durchaus mit den Thesen, ob Oswald alleine war, einen Komplizen hatte oder gar nur der Sündenbock war. Immerhin wird Oswald in dem Roman als unsympathischer Zeitgenosse beschrieben, der seine Frau verprügelt und tyrannisiert, aber sich immer nur um seine eigene, kleine Welt schert. War so ein Mensch tatsächlich in der Lage ein solches Attentat mit dieser Tragweite zu verantworten?  

Im Original heißt das vorliegende Buch „11/22/63“, also das Datum der Ermordung Kennedys. Dies hat in den USA bereits für große Diskussionen gesorgt, da es mit dem World Trade-Anschlag „11/09/01“ in Verbindung gebracht wurde. 


Mein Fazit:
„Der Anschlag“ ist eine unglaublich spannende „Was-wäre-wenn“-Geschichte, die allerdings auch etwas langatmig sein kann und deswegen gute 400 Seiten hätte kürzer sein können. Stephen King lässt die damalige Zeit wieder aufleben und betont jene Zeit, in der es in Amerika mit J.F.K. noch so viel besser war. Das Buch vermittelt somit ein Stück Zeitgeschichte, und bietet gute Unterhaltung ohne großen Gruselfaktor.

13. April 2012

[Rezension] Anne Hertz - Sahnehäubchen

  Anne Hertz
Sahnehäubchen
Verlag: Droemer-Knaur
Seiten: 368
Ausgabe: Taschenbuch
ISBN: 978-3-426-63871-2

 
Zum Inhalt:
Nina ist eine 32-jährige bodenständige Single-Frau, die in einer PR-Agentur arbeitet. Sie ist mit ihrem Leben eigentlich recht zufrieden und die Arbeit macht ihr Spaß. Ihre Chefin Susanne hat durch viel Glück für die Agentur einen neuen, lukrativen Auftrag erhalten – und Nina als Projektleiterin ernannt. Im ersten Moment ist sie Feuer und Flamme, da sie ein Buch des Weidner Verlags promoten soll. Beim zweiten Blick ist sie jedoch nicht mehr so begeistert, denn sie bekommt den unerfahrenen Sohn des Weidner-Chefs als Volontär zur Seite gestellt und auch der Buchtitel „Ich kann sie alle haben“ findet sie wenig ansprechend und bereitet ihr regelrechte Bauchschmerzen. In diesem Macho-Ratgeber hat der Texaner Dwaine F. Bosworth plumpe Anmachsprüche zusammengetragen, so dass jeder Mann jede Frau ins Bett kriegen kann. Bei der anstehenden Lesetour bringt nicht nur der unfähige Volontär Tom Nina auf die Palme, auch Dwaine nervt sie mit seinen billigen Anmachsprüchen. Aber dann überschlagen sich die Ereignisse und es kommt zu großen Überraschungen…

Meine Rezension:
Mit „Sahnehäubchen“ hat das Autorenduo Wiebke Lorenz und Frauke Scheunemann einen wirklich tollen Roman geschrieben, bei dem man während des lesen sehr viel Spaß hat. Zwar wirken die drei Hauptprotagonisten oft Klischeehaft, dennoch merkt man ihnen an, dass sie auf liebevolle Art und Weise und mit einem Augenzwinkern konzipiert wurden und genau dadurch perfekt in die vorliegende Geschichte passen. So ist Nina zwar seit 3 Jahren Single, aber deswegen noch lange nicht verzweifelt. Nur beruflich hat sie es gerade nicht leicht, da sie für ein frauenverachtendes Buch, welches sie total lächerlich findet, die Werbemaßnahmen entwerfen soll. Und sie muss professionell sein, zumal sie in Tom einen ungeeigneten Volontär an ihre Seite gestellt bekommt. Dabei ist Tom eigentlich ein netter Kerl und überaus Charmant, wenn er nicht ein wenig zu vorwitzig wäre und mit seinen (immerhin) 30 Jahren unreif bzw. unsicher erscheinen würde. Doch nach anfänglichen Katastrophen entwickelt er sich zu einem wahren Talent des Online-Marketings und weiß zu überraschen. Der texanische Autor Dwaine ist das komplette Gegenteil von Tom. Seine Selbstdarstellung und seine Lebensaufgabe, allen Männern der Welt zu helfen, dass sie jede Frau ins Bett bekommen, macht ihn ziemlich unsympathisch. Aber auch sein äußeres ist ebenfalls die reinste Geschmacksverirrung und womit er am allerwenigsten rechnet: Seine Annäherungsversuche prallen  komplett an Nina ab.

Der Schreibstil von Anne Hertz ist wie immer locker, leicht und sehr flüssig zu lesen, so dass die 360 Seiten in einem Rutsch gelesen werden können. Dabei ist sehr schön, dass die Liebesgeschichte nicht im Vordergrund steht, sondern eine humorvolle und Schwungvolle Story. Erzählt wird sie aus Ninas Perspektive, mit einer guten Portion Ironie und Heiterkeit. Dabei erlebt der Leser hautnah mit, wie nicht nur ein Fettnäpfchen auf sie wartet und meistert dies gemeinsam mit ihr. Als Leser fühlt man sich in der Geschichte sehr wohl und kann sich über viele unterhaltsame Momente mit den Protagonisten erfreuen. Ein weiterer Pluspunkt der Geschichte ist, dass sie nicht einfach nur, wie es in diesem Genre oft der Fall ist, vor sich hin plätschert, sondern es immer wieder überraschende und nachvollziehbare Wendungen gibt, die das Buch aus dieser „normalen“ Faruenunterhaltung hervorhebt. Denn gerade diese unvorhersehbaren Wendungen und unerwarteten Irrungen erhöhen den Lesepaß ungemein.
 

Mein Fazit:
„Sahnehäubchen“ ist ein typischer Anne Hertz-Roman, der mit einer humorvollen Geschichte und unerwarteten Wendungen überzeugen kann. Er bietet spritzige und amüsante Unterhaltung mit einem Schuss Romantik und überzeugt durch seine sehr passenden Charaktere. Somit ist er der perfekte Roman für einen gemütlichen und entspannten Tag auf dem Sofa.

4. April 2012

[Rezension] Licia Troisi - Im Land der Elfen

 Licia Troisi
Im Land der Elfen, Die Feuerkämpferin, Teil 3
Originaltitel: Leggende del Mondo Emerso - Gli Ultimi Eroi
Verlag: Heyne
Seiten: 512
Ausgabe: Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-453-26621-6
Preis: € 17,99

Inhalt:
Durch ein geheimnisvolles Portal gelangt die junge Feuerkämpferin Adhara in das unbekannte Land der Elfen.

Zusammen mit der Elfenkämpferin Shyra macht sich Adhara auf die Suche nach Lyhr, die Kryss vor langer Zeit entführen ließ. Am Ziel, dem Phenor-Tempel, angekommen, erfährt Adhara von Lyhr die grausame Geschichte des Elfenführers Kryss. Um die Aufgetauchte Welt zu erobern hat er Lyhr benutzt, indem er sie zwang, einen Zauber aufrecht zu erhalten, durch den die Seuche in die Aufgetauchte Welt gelangt ist. Er hat die tödliche Epidemie in die Welt gebracht und stellt zudem in allen eroberten Städten und Dörfern seltsame Artefakte auf, die als Katalysatoren magische Energie aufnehmen und umwandeln können.

Adharas nächster Weg führt sie zu dem Eremiten Meriph, der ihr offenbart, wie sie Amahl retten und Kryss besiegen kann…

Meine Rezension:
Mit „Im Land der Elfen“ ist die Trilogie um die „Die Feuerkämpferin“ vollbracht. Der letzte Teil ist ein packender und faszinierender Abschluss der Saga, bzw. der Reihe, von der Autorin Licia Troisi.

Die Coverillustration hat erneut Paolo Barbieri beigesteuert und das der gesamte Schutzumschlag des Buchs passt perfekt zu den anderen Büchern der Reihe, die somit ein richtiger Blickfang im Buchregal sind. Ebenfalls gibt es, wie in den Reihen und Bänden davor, am Anfang und Ende des Buchs eine Karte der Aufgetauchten Welt sowie im hinteren Teil des Buchs ein Glossar, wo der Leser die wichtigsten Orte und Charaktere nachschlagen kann. Das einzige, was ich hier zu bemängeln habe ist, dass auf der Landkarte das Land der Elfen, welches in dem Buch auch eine wichtige Rolle spielt, fehlt.

Im Schreib- und Erzählstil ist die Autorin den anderen Bänden gegenüber treu geblieben und erzeugt mit ihrer leichten und flüssigen Art zu erzählen, eine wunderbar lebendige Welt, in die der Leser zu gerne eintaucht. Mit dem abschließenden band ist die Spannung noch weiter gestiegen, da nun endlich viele Rätsel und Hintergründe näher beschrieben werden. So zum Beispiel erfährt der Leser wie San in den Bann von Kryss kam, welche Abmachung beide haben und was Kryss antreibt die Aufgetauchte Welt zu erobern. Dabei kommt keine Langeweile auf, denn der Plot ist durchgehend spannend geschrieben. Allerdings kommen einige handlungsstränge aus den Vor-Trilogien bekannt vor. So muss sich Adhara, wie eins Nihal, auf die Suche nach einem Artefakt machen, mit dem sie den Marvesh trotz ihrer Liebe zu ihm besiegen und den Widersacher, in dem Fall Kryss, besiegen kann.

Das Ende der Trilogie, bzw. der Reihe, hat Licia Troisi sehr gut gewählt. So gibt es kein typisches happy-End, sondern einen überraschenden und magischen Abschluss, der dem Leser noch lange  in Erinnerung bleiben wird.

Die Charaktere sind, trotz der langen Reihe, wie immer sehr gut ausgearbeitet und sehr tiefgründig dargestellt. Sie sind glaubhaft und gut ausgearbeitet. So reift Adhara in der Geschichte noch weiter voran, denn sie will unbedingt Amahl von Kryss` magisch elfischen Artefakts befreien. Durch ihn hat Amahl seine Seelenqualen in seinem vorherigen Leben vergessen können und lebt nun ohne Gefühl und Schmerz. Doch Adhara hat während eines Kusses gemerkt, dass der Amahl, den sie einst kannte noch unter der gefühlslosen Schale steckt. Neben Adhara, die nun endlich ihr Schicksal in Angriff nimmt und gegen den Elfenkönig Kryss zieht, wird dieser auch näher beleuchtet. Ich möchte allerdings ungern auf einzelne Details eingehen, da ich nichts vorweg nehmen will – außer: Das Verhältnis zwischen Kryss und San ist sehr interessant. Und dann spielt da auch Dubhe, die Schattenkämpferin, noch eine wichtige Rolle…

Mein Fazit:
Da ich die Reihe vom ersten Erscheintermin der Drachenkämpferin-Trilogie begleitet habe, finde ich es schade, dass die Reihe nun ihr vorläufiges Ende erreicht hat. Mir haben alle Bücher gefallen und habe mit den Charakteren mitgelitten und mich mit ihnen gefreut. Aber wer weiß… Vielleicht findet Licia Troisi ja irgendwann wieder einen Weg zurück in die Aufgetauchte Welt…

2. April 2012

[Rezension] Stephan R. Bellem - Welt aus Staub

Stephan R. Bellem
Welt aus Staub
Verlag: Ueberreuter
Seiten: 397
Ausgabe: Klappbroschur
ISBN: 978-3-8000-9553-7
Leseprobe

 

Zum Inhalt:
Im Jahr 2177 hat eine Pilzerkrankung jedes pflanzliche Leben ausgelöscht und die Welt ist in Staub versunken. Während sich die Menschen in sogenannte Megacities zurückgezogen haben, sucht das Leben und das Ökosystem seinen Weg. So ist Elaine eine Pflanzenschmugglerin. Sie lebt in einem Ghetto des unteren Komplexes der Megacity und versucht sich durch den Schmuggler von neu entstandenen Pflanzen finanziell abzusichern. Dabei schwebt sie immer in Lebensgefahr, denn es ist verboten außerhalb der Konzerne lebendige Pflanzen zu besitzen, geschweige denn gefährlich in der Außenwelt nach Keimlingen zu suchen.


Sam hingegen arbeitet im oberen Komplex der Megacity als Ingenieur. Er ist für die Luftfilteranlagen zuständig, mit deren Hilfe Pflanzen so lange in dem Konzern Food Corp am Leben erhalten bleiben, bis sie geerntet werden können. Mit diesem Job haben er und seine Freunde und Arbeitskollegen Daniel und Paul es geschafft, ein sicheres zu Hause zu haben, ausreichend zugewiesene Rationen zu erhalten und sich keine Sorgen mehr ums Geld machen zu müssen. Und zum Glück wird Sam auch noch befördert.

Als aber Daniel ums Leben kommt, ändert sich für Sam weit mehr als nur eine Beförderung. Nach und nach zweifelt er immer mehr am System der Regierung und an seinem Arbeitgeber Food Corp. Außerdem beginnt er am Tod seines Freundes zu zweifeln und stellt selber Nachforschungen an…

Auch Elaine macht eine seltsame Entdeckung. Als sie von ihrer letzten Tour nach Hause kommt, findet sie die Prostituierte Tessa, die in jener Nacht bei Dany war, als er ermordet wurde, kauernd und verstört vor ihrer Wohnung…

Meine Rezension:
Stephan R. Bellem entführt den Leser in seinem neuen Werk „Welt aus Staub“ in eine sehr dunkle Welt, deren Stimmung nicht nur dunkel, sondern auch beklemmend ist. So beschreibt der Autor sehr detailreich die Erde nach einer Katastrophe. Sie ist fast unbewohnbar, die Vegetation ist tot und die Menschen leben in großen Megacities. Die Gesellschaft ist in ein zwei-klassen-System aufgeteilt. Dem sogenannten „unteren“  Komplex, in dem Ghetto-ähnliche Zustände herrschen, und dem „oberen“  Komplex, wo die reicheren Leute Leben. Während so zum Beispiel Elaine und Tessa in einer gefährlichen Welt leben, und sie in ständiger Angst ums Überleben kämpfen müssen, hat Sam im oberen Komplex ein luxuriöses Leben.


Die düstere Zukunftsbeschreibung dieses Romans ist sehr glaubhaft dargestellt. Ebenso die Tatsache, dass in der Zeit eines zerstörten Ökosystems Pflanzen unheimlich viel Wert sind und korrupte Menschen alles daran setzen, sich an den noch wachsenden Pflanzen zu bereichern und sich die Taschen noch weiter füllen wollen, dass sie hierbei über Leichen gehen würden. Da deswegen auch Gewalt in Form von Morden und sexuellen Übergriffen ein Thema des Romans ist, und diese Szenen auch unverblümt niedergeschrieben sind, ist „Welt aus Staub“ auch nicht unbedingt ein Jugendbuch.

Die Sprache, die der Autor in seinem Roman benutzt, ist klar, der Stil der Geschichte gradlinig und strukturiert. Die Umgebung wird sehr bildhaft beschrieben und die Actionszenen  setzen der spannenden Handlung ein Sahnehäubchen auf. Obwohl man sich am Anfang des Buchs noch keinen Zusammenhang zwischen den einzelnen Erzählsträngen vorstellen kann, wurden sie sehr bewusst in die Geschichte eingebaut. Immer wieder wird man während des Lesens in die Ereignisse von Elaine, Sam und Tessa verwickelt und versucht die einzelnen Teile zusammenzusetzen. Und immer wieder stellt man die größten Theorien auf und fragt sich, wer ist der Drahtzieher, der Wiedersacher, der Geschichte ist.

Stephan R. Bellem setzt all seine Handlungsstränge im Verlauf der Handlung wunderbar zusammen und beantwortet alle vom Leser aufgestellten Theorien. Allerdings habe ich auch einen kleinen Punkt zu bemängeln: Woher kam der Pilz und wie ist er entstanden? Eine Antwort auf diese Frage habe ich leider nicht gefunden.

Die Protagonisten bleiben in der Entwicklung der Geschichte sich selber treu und sind sehr glaubwürdig. Alle sind je nach Charakter  mehr oder weniger sympathisch, haben eigenständige Persönlichkeiten und wirken sehr authentisch. Obwohl ich es normalerweise nicht so mit vielen Charakteren in einem Buch habe, war es nicht schwer den Überblick über die Geschichte zu behalten.

Mein Fazit:
Mit „Welt aus Staub“ hat es Stephan R. Bellem geschafft, seine Dystopie von der Masse abzuheben. Die Geschichte wartet mit einem überaus interessanten Setting, einer spannenden Handlung, überraschenden Wendungen und vielschichtigen Charakteren auf. Der Roman beschreibt eine düstere Zukunftsvision, die man gelesen haben muss. Ich freue mich wirklich schon sehr auf weitere Bücher dieses hervorragenden Schriftstellers, von dem ich sagen kann, dass er meinen Geschmack mit diesem Buch perfekt getroffen hat.


1. April 2012

[Rezension] Alina Bronsky - Spiegelkind



Alina Bronsky
Spiegelkind
Verlag: Arena
Seiten: 304
Ausgabe: Gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-401-06798-8  
Leseprobe

Zum Inhalt:
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Die 15-jährige Juli ist ein normales Mädchen, das in einer geregelten Gesellschaft aufwächst und glücklich ist. Bis zu jenem Tag, als sie nach Hause kommt, die Wohnung verwüstet vorfindet und die Mutter verschwunden ist. Seltsamerweise nimmt die Polizei allerdings keine Ermittlungen auf und stuft die Sache als harmlos herab. Auch Julis Vater scheint das Verschwinden der Mutter nicht zu interessieren, aber Juli selber kann das nicht so hinnehmen. Sie versucht ihre Mutter auf eigene Faust zu finden und stellt Nachforschungen an. Dabei erfährt sie, dass ihre Mutter eine Phee ist – laut Gesellschaft jedoch ein schlimmes Wesen und ein genauso schlimmes Schimpfwort. Aber warum sollen Pheen denn schrecklich sein, wenn ihre Mutter immer so herzensgut zu ihr war? Und warum verachten die normalen Menschen die Pheen, während andere, die sogenannten Freaks, sie verehren? Gehört Juli nun auch zu den Pheen und ist somit eine Ausgestoßene? Indem sie sich mit ihrer Freundin Ksü und ihren Bruder Iwan auf die Suche nach Antworten begibt, ahnt sie nicht, dass sie damit gegen die Gesellschaft rebelliert und in eine verbotene Welt eintaucht...


Meine Rezension: 
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„Spiegelkind“ ist der erste Teil einer neuen Jugendbuchtrilogie von der Autorin Alina Bronsky. Wobei „Jugendbuch“ nicht wirklich ganz zutrifft, denn die Geschichte ähnelt ein wenig der von „Momo“, was ihr einen überaus interessanten Charme verleiht und auch von Erwachsenen ohne Bedenken gelesen werden kann.



Der Leser wird sehr schnell in den Bann der fantastischen Geschichte gezogen, dessen Handlung eine Mischung aus modernem Märchen und Dystopie ist.



In dem Buch ist die Gesellschaft in 2 Schichten aufgeteilt. Da gibt es zum einen die „Normalen“. Menschen, die sich der Gesellschaft angepasst haben und in gepflegten und reinen Wohngegenden ihrem geregelten Leben nachkommen. Dann gibt es noch die „Freaks“. Menschen, die die sich an keine Regeln halten und als Abweichler von der Gesellschaft ausgeschlossen sind. Deswegen sind sie unter den normalen als so was wie „Asoziale“ verpönt. Neben diesen beiden Schichten gibt es noch die Wesen der Pheen. Sie haben zwar übersinnliche Kräfte, haben aber nichts mit den Feen aus den Märchen gemeinsam. Deshalb werden sie auch in „Spiegelkind“ mit „Ph...“ geschrieben. Zu ihnen gehört auch Julis Mutter, die, so wie Juli erfährt, eine berühmte Malerin ist, die wunderbare aber auch seltsam aussehende Bilder malt, in die Juli und ihre Freundin Ksü hineinschlüpfen können und sich in einer ganz anderen Welt wiederfinden. Doch was genau ist eine Phee? Warum sind sie in der Gesellschaft so gehasst? Leider gibt es auf diese Fragen in diesem Teil dieser Trilogie noch keine Antworten. Aber ich hoffe, dass die Autorin im zweiten teil näher darauf eingehen wird.



Der Schreib- und Erzählstil ist in dem Jugendbuch eher einfach gehalten, was auch für die eigentliche Zielgruppe angemessen ist. Das Buch ist flüssig zu lesen und man kann ganz einfach in eine andere zauberhafte Welt eintauchen. Obwohl die Handlung eher ruhig ist, nimmt sie doch kontinuierlich bis zum Ende an Spannung auf und macht Lust auf den Fortsetzungsband.



Alina Bronsky hat wunderbar lebendige Figuren ausgearbeitet, ohne die die Geschichte nicht die Gleiche wäre. Juli ist die 15-jährige Hauptprotagonisten der Geschichte. Sie geht aufs Lyzeum, eine Eliteschule, ist eine Einserkandidatin und erhofft sich einen guten Abschluss. Regeln über Regeln bestimmen jedoch ihren Alltag und so verbringt sie den Rest des Tages nach dem Unterricht zu Hause mit ihren zwei Geschwistern und ihren geschiedenen Eltern. Alles scheint perfekt geregelt zu sein – doch das Verschwinden ihrer Mutter stellt Julis komplettes Leben auf den Kopf und sie macht im Verlauf der Geschichte eine sehr große Verwandlung durch.


Ksü hingegen ist eine Außenseiterin der Gesellschaft. Ein Freak, mit dem kein Normaler etwas zu tun haben will. Das spiegelt sich auch in ihrem Aussehen wieder, weshalb Julis Vater auch den Umgang der beiden Mädchen verbieten möchte. Doch Ksü ist es egal, was andere über sie denken und hat in Juli eine Freundin gefunden.

Mein Fazit:
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„Spiegelkind“ ist ein lesenswertes und gut geschriebenes Dystopien-Märchenbuch, dass nicht nur Jugendliche sondern auch Erwachsene spannend finden werden. Das Buch bietet alles, was für ein unterhaltsames und kurzweiliges Lesevergnügen sorgt: Sympathische und interessant gestaltete Charaktere, eine klare Sprache und eine spannende Handlung. Neue Ideen geformt zu liebevollen Details machen es so, dass es sich von der breiten Masse der anderen Bücher abhebt. Besonders gut hat mir gefallen, dass einmal nicht die Liebe zweier Personen im Vordergrund steht, sondern vielmehr die Liebe der Menschen untereinander. Ein Top-Buch und absolut zu empfehlen!