3. März 2012

[Rezension] Iny Lorentz - Die Wanderhure

  Iny Lorentz
Die Wanderhure
Verlag: Droemer-Knaur
Seiten: 624
Ausgabe: Taschenbuch
ISBN: 3-426-62934-8

 
Zum Inhalt:
Konstanz im Jahr 1410: Als der Magister Ruppertus um die Hand der schönen Bürgertochter Marie anhält ist ihr Vater überglücklich. Zwar ist Ruppertus der Bastardsohn eines Grafen, wird aber durch die Hochzeit von seinem Vater gesetzlich und rechtmäßig anerkannt und würde somit der Bürgerfamilie die Tore in die Adlige Welt öffnen. Was Maries Vater jedoch nicht ahnt: Dem „adligen“ Bewerber geht es nur um das Vermögen seiner zukünftigen Frau. Marie jedoch ist skeptisch und wird schon bald Opfer einer gemeinen und teuflischen Intrige. Während ihr Vater dabei das Leben verliert wird Marie mit Schimpf und Schande aus ihrer Heimatstadt Konstanz gejagt und halbtot von der Wanderhure Hiltrud gefunden. Um zu überleben schließt sich Marie der Hübschlerin an um gegen Geld ihren Körper zu verkaufen – dabei sind ihre Gedanken mit Racheplänen erfüllt...

Meine Rezension:
Nachdem ich den Film „Die Wanderhure“ gesehen habe war ich so angetan, dass ich nicht mehr drum herum kam das gleichnamige Buch zu lesen. Und dieses schlägt den Film wahrlich in den Schatten! Obwohl ich bereits den roten Faden den Buchs kannte, habe ich sehr viel Wissenswertes noch zusätzlich erfahren, dass es wiederum eine ganz neue Geschichte für mich war. Ich war durch den flüssigen Schreibstil wirklich von der ersten bis zur letzten Seite in dem Buch gefangen.
 
Einzig zartbesaitete Leser/innen sollten vorgewarnt sein, denn oft sind die Handlungen, wie zum Beispiel eine Vergewaltigung oder eine Misshandlung, so schockierend und unverblümt beschrieben, dass sie richtig grausam wirken. Sie sind sehr drastisch und beschönigen nicht, wie in der damaligen Zeit mit Frauen umgegangen wurde. Lange hat mich eine Geschichte nicht so gepackt wie diese. Sie hat meine Emotionen als Leser vollkommen angesprochen.
 
Durch ihre flüssige und leicht zu lesende Sprache liest sich das Buch wie von alleine und man merkt dem Autorenpaar an, dass sie die damalige Zeit sehr gut recherchiert haben. Der überaus sympathische Hauptchara rundet das Gesamtbild ab. Zwar ist Marie anfangs noch eine brave und auch naive Bürgertochter, aber nachdem ihr großes Unrecht angetan wurde und sie um ihr Überleben kämpfen muss, wird sie zu einer sehr starken Frau. Sie lernt durch die Hübschlerin Hiltrud das Leben als Wanderhure zu meistern und das obwohl sie immer wieder mit ihrem Schicksal hadert und sich für die ihr widerfahrene Ungerechtigkeit rächen möchte. Erst nach 5 Jahren findet sie schließlich einen Weg zurück nach Konstanz...
 
Marie ist die Hauptprotagonistin einer bestehenden Romanreihe aus 3 Bänden:

•Die Wanderhure
•Die Kastelanin
•Das Vermächtnis der Wanderhure

Liest man den 1. Band und daran den anscheinenden Folgeband „Das Vermächtnis der Wanderhure“ ist es schwierig der Handlung zu folgen, da viele Geschehnisse auf den 2. Band „Die Kastelanin“ verweist. Meines Erachtens ist daher der Titel des 2. Teils unglücklich gewählt.

Mein Fazit:
„Die Wanderhure“ von dem Autorenpaar Iny Lorenz ist nicht nur durch den Film ein Highlight des Jahres, bei dem man sich seiner Tränchen nicht schämen braucht. Das Buch ist ein tolles Leseereignis, dass einen packt, mitreist aber auch nachdenklich macht.

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