30. März 2012

[Rezension] Hélène Grémillon - Das geheime Prinzip der Liebe

  Hélène Grémillon
Das geheime Prinzip der Liebe
Verlag: Hoffmann und Campe
Seiten:255
Ausgabe: Gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-455-40096-0
 
Zum Inhalt:
Paris im Jahr 1975. Camille hat vor kurzem ihre Mutter bei einem Autounfall verloren. Da sie selber im Moment schwanger ist und selber ein gutes Verhältnis zu ihrer Mutter hatte, ist sie sehr traurig. Zwischen all den Kondolenzbriefen erhält Camille einen Brief ohne Absender, der aber an sie selber adressiert ist. Es ist ein langer Brief ohne Anrede und unterschrieben von einem gewissen Louis. Jedoch kennt Camille diesen Mann überhaupt nicht und sie fragt sich, ob ihr jemand einen Streich spielt und ihr als Verlegerin auf diese Art und Weise ein Manuskript unterjubeln will. Er erzählt ihr von seiner Lebensgeschichte, wie er in seiner Kindheit in dem Ort N. Ein kleines Mädchen namens Annie kennengelernt hat.
 

Jede Woche erhält Camille einen neuen Brief von Louis indem er seine Lebens- und Liebesgeschichte weitererzählt. So erfährt Camille, dass Annie sich mit Elisabeth, auch Madam M. genannt, anfreundet und sie auch schon bald ihre Gönnerin wird. Elisabeth stellt ihr als Malerin einen Raum zu Verfügung und unterstützt sie in allen Belangen. Elisabeth ist aber auch eine traurige Frau, da sie wegen Unfruchtbarkeit keine Kinder bekommen kann. So entscheidet sich Annie als Dankbarkeit für sie ein Kind zu empfangen und für sie auszutragen.
 

Elisabeth freut sich sehr auf das Kind. Jedoch: Je näher der Geburtstermin rückt, umso mehr wird sie von Eifersucht geplagt und was als Freundschaftsdienst entstand entwickelt sich bald zu einer zerstörerischen Kraft...
 
Meine Rezension:

„Das geheime Prinzip der Liebe“ von Hélène Grémillon erzählt die Geschichte unterschiedlichster Menschen, deren Leben durch Liebe, Hass, Lüge, Rivalität und Manipulation verknüpft ist. Es ist ein beeindruckender aber auch bedrückender Roman, der in Frankreich bereits ein Bestseller ist und in 20 Sprachen übersetzt wurde.
 

Der Roman beginnt zart und die spannende aber auch gefühlvolle Handlung geht unter die Haut. Die Autorin schafft es gekonnt den Leser in den düsteren Bann dieses Dramas zu ziehen und nicht mehr loszulassen, so dass es schon passieren kann, dass man das Buch in einem Rutsch durchliest. Aber das Buch ist nicht nur ein Drama. Die ganze Spannung, die die Autorin aufbaut gleicht gegen Mitte/Ende hin vielmehr einem Psychosthriller, bei dem sich Gänsehaut-Feeling einstellt.
 

Von der ersten Seite an bindet die Autorin den Leser mit feiner, leicht poetischer Sprache an das Buch und manipuliert mit literarischer Sprache die Sichtweise des Lesers, denn die Geschichte endet ganz anders, als man anfänglich erwartet hat.
 

Die Geschichte wird in einzelnen Briefen erzählt, die in die Haupthandlung eingebettet sind. Durch Zeitsprünge zwischen Camille im Jahr 1975 und der Handlung während des 2. Weltkriegs wird die Handlung aus verschiedenen Blickwinkeln durchleuchtet. So erlebt man 2 Facetten der Protagonisten Annie und Elisabeth, denn beide treffen eine Entscheidung gegen alle Vernunft und zerstören dabei nicht nur ihre eigene Leben, sondern auch das der anderen. Beide Protagonisten sind überzeugend gezeichnet und die Autorin kann ihre Gefühle sehr gut in Worte fassen. So ist es schwer ein eigenes Urteil zu fällen, denn während der erste Teil des Buchs aus Briefen von Louis besteht, wird im letzten drittel die Geschichte von Elisabeth erzählt und ganz schnell erkennt der Leser, dass es 2 Seiten einer Medaille gibt. Denn Elisabeths hinterlistiges und böses Verhalten wird hier erst verständlich und sehr gut umgesetzt.

Mein Fazit:
„Das geheime Prinzip der Liebe“ ist ein grandioser Roman und ein fabelhaftes Debüt von Hélène Grémillon. Er beinhaltet eine spannende und gefühlvolle Handlung, die unter die Haut geht und bietet Literatur auf hohem Niveau. Ich habe nichts zu bemängeln, vielmehr bin ich begeistert und werde die Autorin auf jeden Fall im Auge behalten. Ein absolutes Buch-Highlight für 2012!!!

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