8. März 2012

[Rezension] Andrea Maria Schenkel - Finsterau

  Andrea Maria Schenkel
Finsterau
Verlag: Hoffmann und Campe
Seiten: 125
Ausgabe: Fester Einband mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-455-40381-7


Zum Inhalt:
Finsterau ist ein kleines Dorf in Bayern. Im Jahr 1944 kehrt Afra, die Tochter des Ehepaars Zauner, nach Hause zurück, nachdem sie sich von einem Franzosen eingelassen hat und deswegen von ihrem Arbeitgeber, einem Wirt, rausgeschmissen wurde.

Nach ein paar Monaten kommt der Bub Albert zur Welt und die Dorfbewohner zerreißen sich die Mäuler über die „leichte“ Afra und ihr uneheliches Balg. Da die Armut es ihnen zusätzlich nicht leicht macht, wird der Vater immer öfter einfach so wütend und streitet sich sehr gerne mit seiner Tochter. Er vergisst immer öfter Dinge und sieht in seinem Wahn eine Verschwörung zwischen seiner Frau und seiner Tochter, die ihm absichtlich einreden wollen, er wäre senil.

Eines Morgens fährt die Mutter ins nächste Dorf, um Besorgungen zu machen, während der Vater auf die Weide geht um Gras für das Tier zu mähen. Afra aber bleibt mit dem kleinen Albert zu Hause und kümmert sich um die Wäsche und um den Haushalt.

Doch dann ist Afra plötzlich tot. Erschlagen liegt sie auf dem Sofa und der kleine Albert schwer verletzt auf dem Boden. Daneben: Der Vater, der absolut apathisch und teilnahmslos wirkt. Für die Dörfler und die Staatsanwaltschaft Indiz genug, ihn des Mordes zu verdächtigen…

Meine Rezension:
Der neueste Roman „Finsterau“ von Andrea Maria Schenkel beruht auf einem wahren Mordfallaus den 1940ern. Dazu entführt uns die Autorin in eine Provinz in Bayern, unmittelbar nach der Nachkriegszeit. Wunderbar vermittelt Frau Schenkel welch schwere Last eine Frau mit einem Bankert (unehelichem Kind) zu jener Zeit zu tragen hatte. Obwohl man mit Afra Mitleid hat, wird auch durch die sprachliche Ausdrucksweise des Romans eine kleine Sehnsucht nach dieser Zeit geweckt. Da das Buch sehr dünn ist und mit seinen 125 Seiten sehr kleine Kapitel aufweist ist das Buch in guten 2 Stunden viel zu schnell gelesen. Dennoch schafft es die Autorin wichtige Hintergründe, Erklärungen und Einblicke zu vermitteln.

Das faszinierende an diesem Kriminalroman ist, dass es keinen ermittelnden Kommissar oder Detektiv gibt, sondern die Geschichte viel mehr aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird, die mit jedem Kapitel wechseln. Mal liest man von der Staatsanwaltschaft, dem Gastwirt, einem Polizist, vom Oberpfälzer Tagesblatt, von Afra oder ihrem Vater. Durch diese vielen Gesichtspunkte erfährt man Stück für Stück immer mehr von dem Mordfall. Somit hat die Autorin eine perfekte, bösartige aber auch einmalige Stimmung geschaffen. Der Bayrische Dialekt spielt hierin auch eine Rolle, wurde aber so dezent gehalten, dass auch hochdeutsche verstehen, was gemeint ist. Einzig und allein die Sprünge zwischen den Kapiteln und der unterschiedlichen Zeit in der sie spielen, sind nicht so glatt gelungen.

Aufgrund der Dünne des Buchs kann man leider nicht sehr viel zu den Charakteren sagen, da sie ja auch mit jedem Kapitel wechseln. Doch wer tut einem in der ganzen Geschichte mehr leid: Afra, da sie nicht von der Gesellschaft und ihrem Vater akzeptiert wird, oder der Vater selber, der durch lebenslange Arbeit und den Machenschaften der Nazis gezeichnet ist und noch mit seinen 60 Jahren immer nicht zur Ruhe kommt, da man ihn wegen seiner Demenz für den Mörder hält.


Mein Fazit: 
„Finsterau“ beschreibt einen tragischen Mord in einem kleinen Dorf in Bayern. Die Geschichte ist gut und fesselnd geschrieben, nur mit seinen 125 Seiten viel zu dünn. Ich würde mich sehr freuen, wenn die Autorin sich das nächste Mal an eine etwas längere Geschichte wagen würde.




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