6. November 2011

[Rezension] Ursula Poznanski - Saeculum

 
Ursula Poznanski
Saeculum
Verlag: Loewe
Seiten: 496
Ausgabe: Klappenbroschur
ISBN: 978-3-7855-7028-9
Leseprobe

Inhalt:
Der 20-jährige Medizinstudent Bastian möchte mehr Zeit mit Sandra verbringen, die er eben erst kennengelernt hat. Zusammen mit ihr will er sich der Live-Rollenspielgruppe „Saeculum“ anschließen, die eine Woche lang in einem abgelegenen Wald, fernab jeder Zivilisation, ohne Handy, Taschenlampe und Arzneimittel, Schwertkämpfe führen  und sich dementsprechend verkleiden. Doch noch bevor es richtig losgeht erhält er einen anonymen Anruf, der ihn warnt am Rollenspiel teilzunehmen.
Auch so steht das Live-Rollenspiel für Bastian unter keinem guten Omen. So benimmt sich Sandra ihm gegenüber völlig abweisend und außerdem gibt es noch eine Sage über das Waldstück, auf dem das Rollenspiel stattfindet. Auf ihm soll ein Fluch liegen und tatsächlich geschehen schon am ersten Abend mysteriöse Dinge und bald darauf verschwindet auch schon der erste Teilnehmer spurlos. Handelt es sich hierbei um einen Unfall? Oder stecken doch die bösen Mächte der alten Sage dahinter? Als schließlich ein weiterer Teilnehmer verschwindet bricht schließlich Panik in der Gruppe aus…

Meine Rezension:
Ursula Poznanski hat vor kurzem den deutschen Literaturpreis gewonnen und legt mit ihrem aktuellen Buch „Saeculum“ den zweiten Roman vor. In ihm geht es ums Live-Rollenspiel bzw. um die Rollenspielgruppe „Saeculum“, was so viel wie Jahrhundert heißt. Die Thematik entführt den Leser in die Welt der Rollenspieler und des Mittelalters, die aber dank Holzschwerter eigentlich nicht gefährlich ist, und in dem es um Freundschaft und Anerkennung geht.

Jedoch fällt es mir schwer das Buch zu bewerten, da ich von ihm hin- und hergerissen bin. Ich selber bin keine Live-Rollenspielerin und fand den Anfang des Buchs sehr gelungen, in dem man von der Autorin langsam an das Thema herangeführt wird. Als die Handlung sich jedoch in den Wald verlagert hat und die ersten mysteriösen Dinge geschehen, kam ich mir als bodenständige Leserin wie ein Fremdkörper vor. Irgendwie scheinen Bastian und ich die einzigen gewesen zu sein, die erkannten, dass die seltsamen Vorkommnisse inszeniert sein müssen. Denn das alles ist ja immerhin nur ein Spiel. Umso erschrockener war ich, als das Denken bei bodenständigen Charakteren und erfahrene Mitspielern einfach ausgesetzt hat  und sie nur noch panisch reagiert haben. Für mich ist nicht nachvollziehbar, wie man sich in eine Sage so hineinsteigern kann.
Das Ende bzw. die Auflösung war auch etwas enttäuschend. In sich war die Geschichte ja bis auf kleine Details schlüssig, aber die Auflösung geht in meinen Augen gar nicht. Soll eine traurige Kindheit jegliches Unrecht und jede Kriminalität entschuldigen? Ich selber hatte, bevor ich das Buch nur angefangen habe zu lesen, etwas ganz anderem unter dem Plot vorgestellt. Meines Erachtens wäre eine eingebaute Fantasygeschichte in Form von Geistern oder einer Zeitreise interessanter gewesen als die Auflösung der Geschichte hergibt.
Auch die Handlungen der einzelnen Charaktere am Ende haben sich mir nicht ganz eröffnet.
Vielleicht lag das aber daran, dass die Teilnehmer über die Geschichte eher blass bleiben und nur Bastian überzeugen konnte. Er ist ein sehr bodenständiger Typ, über den der Leser viel erfährt und auch deswegen charaktertief erscheint. Iris, die Lautenspielerin nimmt im Fortlauf der Geschichte auch immer mehr Kontur an und wird einem irgendwie sympathisch.
Ursula Poznanskis Schreibstil hingegen ist schon in „Erebos“ sehr gut gelungen und lässt dem Leser ein genaues Bild im Kopf von der Umgebung und der Charaktere erscheinen.

Mein Fazit:
Nachdem „Erebos“ so mitreißend, spannend und überraschend war, bin ich bei „Saeculum“ zwiegespalten und auch enttäuscht. Es gibt so viele Dinge, die ich mir anders vorgestellt habe und auch was die Charaktere betrifft, so bin ich nicht wirklich mit ihnen warm geworden. Positiv hingegen sind der wahnsinnig tolle Schreibstil der Autorin sowie das auffällige Buchcover und der schwarze Buchschnitt. Beide sind ein echter eyecatcher und ein Schmuckstück für das Buchregal.

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