27. Oktober 2011

[Rezension] Sebastian Fitzek - Der Augenjäger

 
Sebastian Fitzek
Der Augenjäger

Verlag: Droemer-Knaur
Seiten:
432
Ausgabe:
Gebunden mit Schutzumschlag
ISBN:
978-3-426-19881-0
Preis: € 16,95
 
Zum Inhalt:
Nach „Der Augensammler“ befindet sich Alexander Zorbach noch immer in Mitten des Grauens. Sein Kollege Frank Lahrmann hat seine Frau ermordet und Zorbach ist immer noch auf der Suche nach seinem Sohn Julian, dessen Leben vom Augensammler an einem seidenen Faden hängt. Um seinen Sohn zu retten, will Alexander Zorbach sich das Leben nehmen – was allerdings misslingt und er schließlich körperlich und psychisch am Ende in einer speziellen Klinik wieder zu sich kommt. Was er jedoch zu dem Zeitpunkt noch nicht weiß: Ein neuer Serienkiller treibt sein Unwesen. Der Augenjäger entführt Frauen, entfernt ihnen die Augenlieder, vergewaltigt sie dann mehrfach und lässt sie anschließend gehen. Bisher hat jedoch keines seiner Opfer überlebt, da sie meist so traumatisiert sind, dass sie Selbstmord begehen – alle bis auf eine. Und die hält sich in der gleichen Klinik auf wie Zorbach.
Zeitgleich trifft Alina Gregoriev auf den in U-Haft sitzenden Augenjäger, Dr. med. Zarin Suker, einer der besten Augenchirurgen der Welt. Da er jedoch bald entlassen werden soll, bittet die Polizei sie ihre hellseherischen Fähigkeiten bei ihm einzusetzen, um durch eine Berührung eine Vision von seinem nächsten Opfer zu bekommen.
Somit wird Alina Teil eines grausamen Spiels, und niemand vermag ihr zu helfen, da auch Zorbach in seinem eigenen Wahnsinn gefangen ist…
Meine Rezension: Sebastian Fitzeks „Der Augenjäger“ ist die Fortsetzung von „Der Augensammler“. Obwohl „Der Augenjäger“ eine in sich abgeschlossene Handlung hat, sollte man seinen Vorgänger vorher gelesen haben, da die Charaktere, aber auch der vorangegangene Buchhöhepunkt eine wichtige Rolle für den zweiten Teil spielen.
Wie schon der 1. Band ist auch dieses Buch sehr gut recherchiert worden. Nur ein Beispiel wäre da, wie die  blinde Physiotherapeutin Alina ihren Alltag meistert. Da sie nicht sehen kann beschreibt der Autor sehr gekonnt wie sie ihre Umwelt wahrnimmt und vor allem auch, welche Auswirkungen es mit sich zieht, wenn sie um weitere Sinne beraubt wird. Dies macht sie als Charakter sehr glaubhaft und schockiert auf der anderen Seite aber auch den Leser, da er wie die blinde Frau die Umgebung und die vorhandenen Personen mit erforscht und so dem psychopathischen Täter schutzlos ausgeliefert ist.
Dies und ein weiterer Punkt machen meines Erachtens Sebastian Fitzek zu Deutschlands bestem Thriller-Autor, der auch seine amerikanischen Kollegen sehr schnell in den Schatten stellt: Er schafft es wie kein anderer mit seiner Handlung und vor allem mit seinen Lesern zu spielen. Rasant jagt er durch seine brutal-fesselnde Story  und macht immer alles zu nichte, was einem so an Mutmaßungen und Verdächtigungen im Kopf rumschwirrt.
Und auch am Ende hält er nochmal eine kleine Überraschung parat. Was Zorbach am Ende aufdeckt, hat mich fassungslos zurück gelassen. Natürlich nur im positiven Sinn, denn wie im richtigen Leben gibt es in den Büchern von Herrn Fitzek neben der grausamen Realität kein Happy End, das man erst mal verdauen muss und nichts für schwache Nerven ist.
Auch dieses Mal enthält das Buch ein kleines Extra, dass ich in dieser Form noch in keinem anderen Buch gesehen habe. Ich will aber nicht zu viel verraten, da sonst der Effekt weg wäre.
In dem Buch gibt es zwei Handlungsstränge, die abwechselnd erzählt werden. Zum einen ist es Alexander Zorbach, der auf der Suche nach seinem Sohn Julian und dem Augensammler ist, zum anderen die blinde Alina, die dem psychopathischen Augenarzt sehr nahe kommt. Die Kapitel beginnen, wie schon im Vorgänger, mit dem Namen der Person, aus deren Sicht gerade erzählt wird. Ebenso gibt es zum Ende eines jeden Kapitels einen gemeinen Cliffhenger, der einen immer und immer weiter lesen lassen will und das Buch somit zu einem echten Pageturner werden lässt.
Da die Charaktere bereits aus „Der Augensammler“ bekannt sind, gibt es zu den Hauptprotagonisten nicht sehr viel zu erzählen. Nur, dass sich hier jeder Charaktere für sich noch weiter entwickelt. Durch Zorbachs Wahnsinns-Tat, mit dem der Autor den Leser am Anfang der Geschichte schockt schockt, ist dessen Hass auf den Augensammler nur noch mehr zu verstehen. Alina selber ist mir durch ihre Gefangenschaft noch greifbarer geworden, da alles so spannend und realistisch erzählt wird und man mit ihr gemeinsam im „Dunkeln tappt“. Davon abgesehen fand ich den Charakter des Psychopathen Dr. Suker sehr interessant. Seine Hintergründe und seine Verhaltensmuster waren sehr stimmig und er vermittelt eine wunderbare Glaubwürdigkeit, die grauenhafter nicht sein könnte. Einzig und alleine mit einer Frau namens Iris konnte ich nicht wirklich viel anfangen. Sie nahm eine zu große Nebenrolle ein, als dass als plötzlicher Höhepunkt für mich greifbar gewesen wäre.
Mein Fazit: Sebastian Fitzek hat mit diesem Buch einen gelungenen Fortsetzungsband geschrieben, der nichts für schwache Nerven ist. Das Buch ist düster und schockierend und stellt so manches Werk eines US-Autors in den Schatten. Herr Fitzek ist somit ein richtiges Meisterwerk gelungen, das von der ersten bis zur letzten Seite spannend ist und man sich wirklich fragt, wie viel mehr Wahnsinn denn noch möglich ist.

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