23. Februar 2011

[Rezension] Caragh O`Brien - Die Stadt der verschwundenen Kinder

Caragh O`Brien
Die Stadt der verschwundenen Kinder
Verlag:
Heyne
Seiten:
464
Ausgabe:
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-453-52800-0
Leseprobe  

 Inhalt:
Die 16-Jährige Hebamme Gaia Stone lebt in einer harten und unbarmherzigen Welt. Alles ist rationiert: Nahrung, Kleidung und jeder Bewohner der ärmlichen Außenbezirke träumt von einem besseren Leben in der Enklave, einer Stadt, die von hohen und unüberwindbaren Mauern von der Außenwelt abgeschirmt ist und in der die Bewohner in Luxus leben. Die Außenbezirke sind von den Vorräten der Stadt abhängig und so muss im Gegenzug jede Hebamme jeden Monat ihre ersten drei Neugeborenen innerhalb von 90 Minuten nach der Geburt an der Mauer abgeben. Nachdem Gaia ihren ersten Säugling entbunden und ihn der Enklave übergeben hat, erfährt sie zu Hause, dass ihre Eltern aufgrund von irgendwelchen Aufzeichnungen über vorgebrachten Kinder von der Stadtwache verhaftet wurden.
Gaia ist ratlos. Was für Aufzeichnungen sollen das gewesen sein und zu welchem Zweck dienen sie? Welche Information darüber könnte der Enklave nützlich sein? Plötzlich stellt sie das gesamte System in Zweifel und sieht nur einen Weg um herauszufinden was mit ihren Eltern passiert ist: Sie muss sich in die Enklave schleichen. Noch ahnt sie dabei nicht, welch entscheidende Entdeckung das Geheimnis der verschwundenen Kinder birgt.

Meine Rezension:
„Die Stadt der verschwundenen Kinder“ ist das erste Jugendbuch der amerikanischen Schriftstellerin Caragh O`Brien. Jedoch ist der deutsche Titel etwas irreführend, da die Kinder ja nicht tatsächlich verschwinden, sondern in der Enklave unter einem neuen Namen weiterleben.
Schnell wird dem Leser klar, dass es sich bei der beschriebenen Welt der Autorin im Jahr 2390 um unsere eigene handeln muss, die sich durch Klimawandel und Ressourcenausbeutung dramatisch verändert hat.
Gaias Dorf, der dritte westliche Sektor, wirkt sehr mittelalterlich während die Enklave den Wohlstand verkörpert. Während des Lesens ist mir aufgefallen, dass es laut der Erzählung dort sehr viele Bewohner geben muss und die Stadt daher dementsprechend groß sein wird. Als dann aber Gaia und Leon auf der Flucht waren, kamen sie sehr schnell von einem Ende zum anderen. Dieses seltsame Größenverhältnis hat mich doch etwas irritiert, zumal man die wichtigsten Schauplätze der Handlung an einer Karte verfolgen kann.

Trotzdem hat mich der Roman sofort in seinen Bann gezogen und ich fand es sehr spannend und emotional wie Gaia für ihre Eltern kämpft. Die Autorin bedient sich dazu knapper und kurzer Sätzen, die sehr viel Atmosphäre erzeugen. Auch wenn die eine oder andere Szene etwas langwieriger war, ist die Handlung spannend und mitreißend geschrieben und regt durch die etwas düstere Thematik auch zum Nachdenken an. Hier möchte ich auch noch ein Lob an den deutschen Autor Oliver Plaschka loswerden, der den Roman sehr gut übersetzt hat und die gewaltige Atmosphäre dieser Endzeitgeschichte eingefangen und wiedergegeben hat.

Die Figuren in diesem Roman sind nicht sonderlich tiefgründig kreiert worden, was jedoch für ein Jugendbuch auch vollkommen in Ordnung ist. Mittelpunkt und Hauptcharakterin ist die 16-Jährige Gaia, die am Anfang des Romans als eher schüchternes Mädchen dargestellt wird, dann aber durch verschiedene Schicksalsschläge über sich hinauswächst und an dem System der Enklave zu zweifeln beginnt. Meiner Meinung geht diese Entwicklung, vom schüchternen Mädchen zur toughen Heldin viel zu schnell und es scheint so, dass die Autorin ihren Hauptcharakter zu überstrapaziert hat.

Ich bin gespannt, wie Caragh O`Brien die Folgebände dieser Trilogie bestreitet, denn für mich hat sie die Grundthematik bereits ausgereizt. Aber dennoch freue ich mich auf die Fortsetzung, dessen Handlung wohl in der Enklave und im toten Wald spielen wird. Und wer weiss, vielleicht überrascht die Autorin mit neuen Reizen...

Meine Meinung:
„Die Stadt der verschwundenen Kinder“ ist der Auftakt einer Trilogie, die eine Endzeitgeschichte erzählt, die den Leser durch einen Cliffhenger sowie vielen offenen und ungeklärten Fragen zurücklässt und auf eine spannende Fortsetzung warten lässt.

1 Kommentar:

  1. Heyho :)
    Ich sammel momentan auf meinem Blog Fragen für mein Interview mit Caragh O'Brien. Da ich gesehen habe, dass du das Buch auch gut fandest, dachte ich, dass ich dir einen Eintrag hinterlasse. Vielleicht hast du ja auch ein paar Fragen? ^^
    Liebe Grüße, Lurchi (http://www.leselurch.de)

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