24. Januar 2011

[Rezension] Christoph Marzi - Grimm

Christoph Marzi
Grimm
Verlag: Heyne fliegt
Seiten: 560
Ausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-453-26661-2
Preis: € 17,95


Inhalt:
Seit der Scheidung ihrer Eltern, einem erfolgreichen Regisseur und einer weltweit erfolgreichen Pianistin, lebt die 17-Jährige Vesper Gold in einer kleinen Wohnung in Hamburg.
Doch für Vesper fängt der Tag nicht gut an: In der neuen Schule sitzt sie im Sekretariat und wartet auf das Donnerwetter ihrer Mutter, da sie sehr viele eigene Krankmeldungen gefälscht hat. Nachdem das geklärt ist, rauscht Vespers Mutter sofort wieder zu ihrer nächsten Tournee und lässt sie alleine stehen. Doch dann geschehen plötzlich seltsame Dinge, die Vespers Welt völlig aus den Fugen geraten lässt: Sie fühlt sich immer öfter von einer Gestalt verfolgt und schemenhafte Wölfe machen jagt auf sie. Da fällt ihr plötzlich ein Satz ein, den ihr Vater ihr immer wieder gesagt hat: „Hüte dich vor den Wölfen“. Das ist jedoch nicht das einzige Rätsel, dass Vesper lösen muss. So sind auch ihr Vater und ihre Mutter plötzlich tot - und was hat es mit dem Schlüssel und dem Ring auf sich, den ihr Vater ihr vererbt hat? Als dann auch noch die Kinder einschlafen und die Eltern immer den gleichen Traum haben, verwebt sich die Realität mit den Märchengeschichten ihrer Kindheit. Zusammen mit Leander macht sie sich auf die Suche nach Antworten und ahnt nur langsam, dass an den Märchen der Gebrüder Grimm vielleicht doch etwas wahres daran sein könnte.

Meine Meinung:
Ich muss zugeben, dass „Grimm“ das erstes Buch von Christoph Marzi ist, das ich gelesen habe. Aber ich wollte dem Buch um die Gebrüder Grimm und ihren Märchen eine Chance geben und bin froh, dass ich es getan habe. 

Christoph Marzi entführt mit seinem Roman in die Welt der Märchen und lässt diese, wie zum Beispiel „Hänsel und Gretel“ und „Rotkäppchen“, wieder lebendig werden. Es gibt aber noch viele andere Anspielungen auf weitere Märchen der beiden Brüder Grimm, die wie bezaubernde Geschichten in den Plot eingewoben sind. Gekonnt kreiert der Autor so eine neue Geschichte und es macht sehr viel Spaß Vesper auf der spannenden Suche nach des Rätsels Lösung zu begleiten. Dazu finde ich es sehr schön gewählt, dass der Schauplatz der Geschichte in Deutschland, genauer gesagt in Hamburg und im Harz, spielt.
Aber auch die Charaktere in dem Roman sind sehr gut dargestellt. Während einige Figuren wie die Sekretärin oder die Schulleiterin im typischen Klischee dargestellt sind, sind andere auf ihre eigene Art und Weise so schräg und irgendwie kurios, dass sie schon wieder liebenswürdig sind. So allen voran die Hauptprotagonistin Vesper. Sie kommt trotz ihrer ruppigen, provokanten aber auch sehr offenen Art sympathisch rüber.
Auf 560 Buchseiten erfährt man neue Wahrheiten über die Märchen der Gebrüder Grimm, aber auch passende und harmonisierende Songtexte sorgen für einen atmosphärischen Stil. Der Spannungsbogen wird gekonnt aufgebaut und der Showdown ist ziemlich rasant. Schade ist nur, dass sich die Ereignisse am Schluss so überschlagen, dass man das Gefühl hat, der Autor habe nur eine gewisse Seitenanzahl vor bekommen zum schreiben und müsse diese einhalten. Das Ende hätte gerne etwas ausführlicher sein können.
Obwohl der Schreib- und Erzählstil sehr einfach zu verstehen und schön zu verfolgen ist, habe ich dennoch einen kleinen Kritikpunkt daran auszusetzen. Und zwar hat es mich sehr gestört, dass sich einige Sätze über 2 Seiten immer und immer wieder wiederholt und dadurch meinen Lesefluss gedämpft und gestört haben. Dennoch ist das Buch mit Sicherheit lesenswert. Und nicht nur das – es ist mit dem sehr schön gestalteten Cover eine echte Zierde im Buchregal.

Mein Fazit:
„Grimm“ von Christoph Marzi ist trotz einiger kleinen Kritikpunkte ein grandioses Buch und hat mich mit der reizvollen Verflechtung von märchenhaften Elementen in die Reale Welt überzeugt. Ich habe mich sehr gerne in das märchenhafte Buch entführen lassen und kann es allen Fantasy- und Märchenfans von ganzem Herzen empfehlen. Doch vergesst beim lesen zwei Dinge nicht: „Nehmt euch vor den Wölfen in Acht“, und: „Weicht vom Wege nicht.“

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