23. Januar 2011

[Interview] Interview mit Markus Heitz


Vielen Dank, dass Du Dir für das Interview Zeit nimmst und dann möchte ich Dich erst einmal beglückwünschen, dass es zwei Deiner Bücher in die Hauptrunde des Deutschen Phantastik Preises geschafft haben.

Markus Heitz: Ja, das ist schon der Wahnsinn. Die Fans sind sehr rührig und geben ihr Bestes, sozusagen. Dass ich mir damit Konkurrenz innerhalb der Kategorie gemacht hatte, das ist dann wohl ein "Luxusproblem". Aber es hat ja glücklicherweise geklappt. 

Yvonne Staller: Was reizt Deiner Meinung nach den Leser an Science-Fiction und Fantasy?

Markus Heitz: Dass alles möglich ist. Und doch darf es wiederum nicht zu unwahrscheinlich sein, denke ich. Der Reiz besteht darin, sich von einem Autor in fremde Welten entführen zu lassen.

Yvonne Staller: In Deiner letzten Reihe haben Vampire und Werwölfe eine Rolle gespielt. Nun bist Du mit „Collector“ in Richtung Spacefiction gegangen. Warum?

Markus Heitz: Wenn man so möchte, war das "zurück zu den Wurzeln". Die Idee selbst stammt aus dem Jahr 2003, nur hatte ich keine Gelegenheit, die Geschichte umzusetzen. Irgendwie hat es sich dann hinausgezögert. Wie man sieht, macht aber alles einen Sinn. So konnte ich Collector mit dem Justifiers-Universum verbinden.

Yvonne Staller: Wann ist Dir die Idee dazu gekommen?

Markus Heitz: Wie gesagt, die Idee ist etwas älter. Aber schuld, dass ich mit dem Weltraum was anfangen kann und mich mit ihm doch verbunden fühle, war Captain Future, der Held meiner Kindheit. Kam in den 70ern im TV, und ich fand es total faszinierend. Wenn man so möchte, war ich noch vor der Fantasy im Weltall unterwegs.

Yvonne Staller: Was erwartet den Leser in „Collector“? Worum geht es?

Markus Heitz: Wir schreiben das Jahr 3042. Die Menschheit ist ins Weltall aufgebrochen, doch nicht mit eigener Technik, sondern mit Hilfe von Objekten, die man bei Ausgrabungen auf der Erde gefunden hat: außerirdische Hinterlassenschaften, die zwar funktionieren, deren Funktionsweise die menschlichen Piloten jedoch nur in Ansätzen verstehen. So verläuft die Besiedelung anderer Planeten denkbar chaotisch. Doch dann treffen die Menschen auf eine außerirdische Spezies – die Collectors. Und die drehen den Spieß um, weil: Die Menschheit, so wird verkündet, steht vor dem Aussterben. Und das möchten die Collectors unter allen Umständen verhindern. Auch gegen den Willen der Menschen. Natürlich gehören in so eine SpaceOpera auch Liebe, Konzerne, Technik, Außerirdische und vieles mehr. Ach ja, Raumschlachten nicht zu vergessen. :o)

Yvonne Staller: Was fasziniert Dich an Spacefiction? 

Markus Heitz: Dass alles möglich ist. Hahaha, nein, nicht nur. Es gibt verschiedene Bereiche, die man aufgreifen kann, wie Gesellschaftskritik oder eine Fortführung der aktuellen Zukunftsvisionen in eine Welt, die 1000 Jahre später stattfindet. SF transportierte gerne die Strömungen der Zeit in die Zukunft. Anfänglich waren es Technikglaube und Möglichkeiten der Technik, die im Mittelpunkt standen, bald kamen philosophische Ansätze mit dazu; das Genre unterliegt starken Schwankungen, würde ich sagen. Ich möchte einfach nur unterhalten und habe immerhin einen kleinen philosophischen Ansatz eingebaut.

Yvonne Staller: Ich habe gehört, dass Du Dir die Rechte an „Justifiers“ gesichert hast. Ist damit vielleicht auch ein kleines Stück Kindheit wahr geworden? Was verbindest Du damit?

Markus Heitz: Weniger Kindheit, mehr Vergangenheit als Rollenspieler. Das Rollenspiel JUSTIFIERS verschwand vom Markt, Anfang der 90er, und ich hatte es damals im Rollenspielverein oft gezockt. Mir ging es nicht mehr aus dem Kopf, gerade der lustige Ansatz, einen Beta-Humanoiden zu spielen, also ein Mischwesen aus Mensch und Tier und die Eigenheiten des Tieres entsprechend auszugestalten. Deswegen ließ ich nicht locker, bis ich mir die Rechte sichern konnte. In erster Linie ging es mir darum, das Rollenspiel nach 20 Jahren wieder aus der Versenkung zu heben. Und dass es mir gelungen ist, finde ich super!

Yvonne Staller: Nun kann man „Collector“ ja als Auftakt zu der „Justifier“-Reihe sehen und ich habe gehört, dass noch weitere Romane u.a. von Christoph Hardebusch und Lena Falkenhagen geben wird. Was kann der Leser noch alles erwarten?

Markus Heitz: Da bin ich ehrlich: Keine Ahnung. Denn: Die Herrschaften haben vollkommen freie Hand, was die Thematik angeht. Ich sehe also mehr oder weniger das Endprodukt, wenn ich in die Redaktion des Romans gehe.

Yvonne Staller: Wie entwickelst Du Themen für dieses „Universum“,bzw. wie ist der Entstehungsprozess und wie kann man sich Deine Inspiration dafür vorstellen?

Markus Heitz: Inspiration kann mich überall treffen. In Sachen Justifiers: Wenn ich der Meinung bin, ein Aspekt passt gut hinein, wird er eingebaut. Dazu hat das alte Rollenspiel noch eine Menge an Altmaterial, das modernisiert und umgebaut wird. Immerhin ist es 20 Jahre alt. Du meine Güte... das waren noch Zeiten...

Yvonne Staller: Ein paar Elemente aus „Collector“ erinnern an „Shadowrun“. Kann das sein dass Du eine Rollenspiel-Vergangenheit hast?

Markus Heitz: 16 Jahre. Quer durch alle Genres. Wobei die Ähnlichkeiten aus der JUSTIFIERS-Vorlage kommen. Das Original stammt 1989... ich kann gar nicht genau sagen, wer zuerst auf dem Markt war.

Yvonne Staller: Kommen wir noch kurz auf Deine Vampir-Reihe zu sprechen. Im Dezember erscheint „Judastöchter“. Was dürfen die Leser erwarten?

Markus Heitz: Es ist der letzte Band der Judas-Serie, entsprechend wird großes Kino geboten. Die Vampirin Sia ist das letzte der Art der Judaskinder – und zu allem bereit, um zu verhindern, dass der Fluch an Emma und Elena, ihre einzigen Nachfahren, weitergegeben wird. Als die beiden entführt werden, beginnt für Sia daher ein mörderischer Wettlauf mit der Zeit: Denn gelingt es ihr nicht, die unschuldige Frau und ihr Kind zu retten, könnten sie zu Töchtern des Judas werden. Und dann muss Sia die beiden töten … Tatkräftig unterstützt wird sie dabei von Eric und Justine. Einige andere Rätsel aus den Vorgängerbänden werden ebenso aufgelöst.

Yvonne Staller: Wird es dann evtl. doch noch einen Fortsetzungsband geben, oder willst Du Dich dann lieber anderen „Aufgaben“ widmen?

Markus Heitz: Nein, keine Fortsetzung. Ich habe zwei Ideen für was "Neues", ohne Vampire und Werwölfe, aber es bleibt geheimnisvoll und tödlich. Und mystisch sowieso.

Yvonne Staller: Kein Autor bleibt von einer Schreibblockade verschont. Was machst Du, wenn Du mal absolut nicht weiter weisst?

Markus Heitz: Äh... das ist... wie sage ich das jetzt? Ich habe keine Schreibblockaden. Aktuell sitze ich am zweiten Band der Albae, bin im ersten Durchgang damit fertig und werde Januar und Februar mit der Überarbeitung verbringen. Das macht extrem viel Laune!

Yvonne Staller: Nun hast Du ja schon etliche Lesungen hinter Dir. Bist Du immer noch nervös wenn Du vors Publikum trittst und aus Deinen Büchern lesen musst?

Markus Heitz: Nein, nervös nicht. Aber es gibt immer eine gewisse Grundspannung, die da ist. Vermutlich wie bei Theaterprofis: Man kann den Text, man ist sicher, was das eigene Spielvermögen angeht, die Menschen sind einem prinzipiell wohlgesonnen, sonst wären sie nicht da - was soll also schief gehen? Aber dennoch ist diese Spannung da, weil jedes Publikum eben anders ist und an den gleichen Stellen durchaus verschieden reagieren kann. Das ist mitunter verwirrend, aufschlussreich, amüsant. Als Autor lernt man die Mentalitäten im Land kennen.

Yvonne Staller: Hast Du ein Lieblingsbuch oder ein Lieblingsautor?

Markus Heitz: Nein. Aber ich empfehle gerne Randall Garret "Lord Darcy: Die vollständigen Ermittlungen in Sachen Mord und Magie" - oder so ähnlich. Und HP Lovecraft. Und P.K. Dick

Yvonne Staller: Mich würde interessieren, wie viele ungelesene Romane bei Dir daheim rumliegen? Als Autor wird man ja nicht unbedingt dazukommen Bücher zu lesen...

Markus Heitz: Ich kaufe mir keine Romane, weil ich weiß, dass ich nicht zum Lesen komme. :o)

Yvonne Staller: Wo siehst Du Dich in 10 Jahren als Mensch und Autor?

Markus Heitz: Hoffentlich schreibend. Irgendwo. Thematik egal.

Yvonne Staller: Hast Du überhaupt Zeit für Hobbys? Wenn ja – welche?

Markus Heitz: Schreiben und Kreativität sind Teil meines Lebens, also kein Job in dem Sinn. 
Hobbies... mh... schwierig. Kochen und Backen. Neue Dinge austüfteln.

Yvonne Staller: Worüber kannst Du selbst lachen?

Markus Heitz: Über mich, wenn ich Mist gebaut habe; über gute Kabarettisten (Pispers, Schramm, Rether u.ä.)

Yvonne Staller: Vervollständige den Satz: Mein Leben ist...

Markus Heitz: ... aktuell sehr spannend.

Yvonne Staller: Vielen Dank, dass Du Dir für das Interview Zeit genommen hast :-)

Markus Heitz: Sehr gerne!


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