12. Dezember 2009

[Rezension] Licia Troisi - Die Schattenkämpferin. Der Fluch der Assassinen

Licia Troisi
Der Fluch der Assassinen, DIE SCHATTENKÄMPFERIN-Reihe, Teil 3
Originaltitel: Le Guerre del Mondo Emerso – Un Nuovo Regno
Verlag:
Heyne
Seiten: 528
Ausgabe:
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-453-26565-3
Preis:
€ 16,95

Da Dubhe ihren Fluch, der sie in eine alles tötende Bestie verwandelt, nur aufhalten kann indem sie Dohor, den König vom Land der Sonne, tötet, macht sie sich zusammen mit der Zauberin Theana als Bauernfrauen verkleidet auf den Weg in die Stadt Makrat. Auf dem Weg dorthin werden die beiden jedoch angegriffen und auf einen Sklavenmarkt in Dubhes Heimatstadt verschleppt. Dort werden sie allerdings von keinem anderen als von dem jungen Prinzen Learco, der Sohn des grausamen Königs Dohor, freigekauft. Zwischen ihm und Dubhe entwickelt sich ein zartes Band der Liebe, doch wird sie es schaffen seinen Vater zu töten?
Währenddessen sind die Zauberer Sennar und Lonerin auf dem Weg zu Tariks Wohnung um einen magischen Gegenstand zu suchen, der einst Nihal im Kampf gegen den Tyrannen geholfen hatte und nun gegen Asters endgültige Vernichtung eingesetzt werden soll…
Parallel dazu bring der Gnom Ido Sennars Enkel San in die untergetauchte Welt in Sicherheit. Doch es kommt alles anders und trotz Idos Bemühungen fällt San schließlich der Gilde in die Hände, mit dessen Hilfe sie nun endlich Aster zurück auf die Erde holen können.

Wie bei der Drachenkämpfer-Saga hat auch hier bei der Schattenkämpferin-Saga Paolo Barbieri die Coverillustration des Schutzumschlags gestaltet und es ist ihm wieder einmal gelungen ein richtiges Gemälde zu zaubern.
So ist in der Mitte des Bildes Dubhe zu sehen, die vermutlich auf König Dohors Thron in Makrat sitzt und ihren Dolch gezückt hat. Im allgemeinen ist das Bild wieder farblich sehr gut abgestimmt und zeigt eine gewisse Düsternis auf, die sich in der Geschichte fortsetzt. Der Name der Autorin sowie der Buchname wurden in weißen Buchstaben gedruckt währen der Name des Zyklus „Die Schattenkämpferin“ in Gold gehalten wurde und deswegen mit ein Blickfang für sich ist.
Klappt man das Buch auf, findet man vorne und hinten jeweils eine Doppelseite mit einer Weltkarte der Aufgetauchten Welt. Sonstige Skizzen oder Lesezeichen gibt es dieses Mal nicht, dafür aber am Ende des Buchs ein Glossar, indem die wichtigsten Begriffe, Orte und Charaktere erläutert werden.
„Die Schattenkämpferin“-Trilogie ist keine Kopie der Drachenkämpferin-Trilogie sondern eine für sich eigenständige Geschichte, die 40 Jahre später spielt, nachdem Nihal und Sennar das Land vor dem Tyrannen Aster befreit haben. Ich finde, dass die Geschichte um Dubhe vielseitiger aufgebaut ist. Das merkt man schon alleine an der gut ausgearbeiteten Handlung, die dunkler und emotionaler als bei den Vorgängern ist.

Am Anfang von „Der Fluch der Assassinen“ gibt es wieder einen Prolog, der mir persönlich sehr gut gefallen hat. Er ist dieses Mal aus der Sicht der Magierin Theana geschrieben. Dieser Prolog gibt nicht nur einen kleinen Rückblick auf die beiden vorausgehende Geschichten sondern auch einen ersten Einblick in Theanas Gefühle, die dem Leser bisher zum größten Teil verwehrt blieben. Die nachfolgenden Kapitel schließlich schließlich nahtlos an die Vorgängerband an und es geht dann mit der eigentlichen Geschichte los.
Licia Troisi hat mit der vorliegenden Handlung erneut ein mitreißendes Fantasyabenteuer geschaffen, in dem Fantasy, Assassinen, Magie, Freundschaft als auch ein Hauch von Liebe eine Rolle spielt. Es ist eine spannende Fortsetzung der ersten beiden Sagen um die Schattenkämpferin und hat mir auf Grund des überaus spannenden Endes eine Gänsehaut beschert. Dabei finde ich sehr schön, dass das Ende nicht so schnell wie im dritten Teil der Drachenkämpferin-Saga abgehandelt wurde sondern sich die nötige Zeit lässt um es ausreichend zu genießen.
Sehr schön und lobenswert muss auch erwähnt werden, wie es Licia Troisi erneut geschafft hat drei verschiedenen Handlungsstränge wieder gekonnt zu verweben, um sie gegen Ende des Buches zu einem grandiosen Höhepunkt zusammenzuführen. Aber mehr kann ich nicht verraten, da es sonst den Lesegenuss schmälern würde. Nur noch eins: Es ist sehr schön, dass es ein Wiedersehen mit Ondine gibt und Nihal durch Sennars Gedanken und Erinnerungen wieder präsent wird.
Obwohl ich gerne wissen würde, wie es mit San weitergeht (was wir sicher in dem nächsten Teil der Saga erfahren werden), kann ich „Der Fluch der Assassinen“ guten Gewissens als besten Roman von Licia Troisi bezeichnen.
Licia Troisis Erzählstil ist wie immer gewohnt locker und fesselnd. Erneut konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen, bis ich die letzte Seite der Geschichte gelesen habe. Die Autorin schreibt in einem erzählerischen Tempo, dass man beim Lesen außer Atem gerät und das Buch dadurch sehr kurzweilig ist. Durch den ständigen Perspektivenwechsel der Erzählform wird es nie langweilig, da die Autorin versteht die Charaktere mit ihren Gefühlen und Gedanken zum Leben zu erwecken und sie wirken schließlich so real, dass der Leser die ganze Zeit das Gefühl hat direkt neben dem Geschehen zu stehen.
Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet und wirken sehr real und bodenständig. Die Hauptprotagonistin erhält in diesem Roman noch mehr Tiefgang und ich war sehr gefesselt von der inneren Zerrissenheit dieses Charakters. So teilt sie mit Learco viele gemeinsame Gefühle, welche sie als Schwäche ihrerseits erkennt und leidet sehr darunter, denn gerade aufgrund ihrer aufkommende Gefühle für den Sohn ihres Todfeindes weiss sie auch, dass sie nie mehr ohne ihn sein kann.
Doch das Buch enthält noch mehr Hintergrundinformationen, die vor allem Theana und Learco beschreiben und somit diese Nebenfiguren besser verständlich machen.
So schließt sich Theana am Anfang des Buches ihrer Konkurrentin Dubhe nur an, damit sie nicht alleine beim Rat zurückbleibt während Lonerin erneut in die Welt zieht. Sie will eine neue Frau werden, die ihr Leben in ihre eigenen Hände nimmt und nun einer „Feindin“ helfen muss, einen Menschen zu töten…
Learco hingegen steht schon sein ganzes Leben im Schatten seines längst verstorbenen Bruders und kann es seinem Vater, dem König Dohor, einfach nie recht machen. Doch nachdem er Dubhe kennen und lieben gelernt hat, will er nicht länger seine Tränen und sein Blut für seinen Vater opfern und dafür nichts als Verachtung erhalten.
Mein Fazit:
„Die Schattenkämpferin – Der Fluch der Assassinen“ hat mich mit seiner fantastischen Geschichte wieder voll überzeugt und in seinen Bann gezogen. Alle bisherigen Geschichten um die Drachen- und Schattenkämpferin habe ich verschlungen und kann sie wirklich nur jedem Fantasyfan ans Herz legen, egal welches Alter er hat. Wenn man diese Saga nicht liest, hat man wirklich eine phantastische High-Fantasy-Sage verpasst. Jedoch sollten Neueinsteiger mit dem ersten Teil der Geschichte beginnen. Zwar Erleichtert der vorhandene Prolog den Einstieg, dennoch kann es schon sein, dass man im Lauf der Geschichte etwas durcheinander kommt. Den wirklichen Lesegenuss erhält man daher erst, wenn man ganz von vorne beginnt. Licia Troisi hat wieder ein phänomenales Meisterwerk geschaffen, dessen Fortsetzung (obwohl man den vorliegende Teil als abgeschlossen betrachten kann) im ersten Teil der Feuerkämpferin-Saga „Im Bann der Wächter“ weitergeht.

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