28. September 2010

[Interview] Interview mit Thomas Thiemeyer


Nachdem im Juni 2010 der 2. Teil von Thomas Thiemeyers Jugendbuchreihe “Chroniken der Weltensucher – Der Palast des Poseidon” erschienen ist und im Oktober 2010 die Veröffentlichung des Mystery-Thrillers “Korona” ansteht, konnte ich es mir nicht nehmen lassen den Autor um ein Interview zu bitten. Herausgekommen ist ein wunderschönes Interview, bei dem der Autor etwas über seine Arbeit; aber auch über sein Privatleben erzählt.

Yvonne: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für das Interview nimmst. Was war denn der Auslöser, dass Du mit dem Schreiben begonnen hast und unter die Schriftsteller gegangen bist?

Thomas Thiemeyer: Eigentlich komme ich ja aus der Illustratorenecke. Ich habe jahrelang für Ravensburger Jugendbücher und für Heyne Umschläge illustriert. Es hat mich jedoch immer schon gereizt zu schreiben. Als ich dann mit meiner Frau nach Stuttgart zog, machte ich die Bekanntschaft einiger Schriftsteller (unter ihnen Andreas Eschbach) und fasste den Mut, es auch einmal zu versuchen. Das Ergebnis war dann so zufriedenstellend, dass ich dabei geblieben bin.

Yvonne: Nach Mystery-Thrillern hast Du nun eine Jugendbuch-Reihe herausgebracht, die auch für Erwachsene wunderbar zu lesen ist. Wie ist die Idee um „Die Chroniken der Weltensucher“ entstanden?

Thomas Thiemeyer: Die Idee hatte ich schon lange. Ich fand immer, dass in unserer Buchlandschaft etwas fehlt: die schönen und spannenden Abenteuer in Stile eine Jules Verne oder Arthur Conan Doyle. Bücher, die Mädchen und Jungen, Männer und Frauen mit einem Hang zu Spannungsliteratur gleichermaßen anspricht. Als dann der Loewe Verlag an mich herantrat und fragte, ob ich Lust hätte Jugendromane zu schreiben, war ich natürlich sofort Feuer und Flamme.


Yvonne: Wie lange hat es von der ersten Idee bis zur Umsetzung der Jugendbuch-Reihe gedauert?

Thomas Thiemeyer: Der erste Roman entstand in einer Rekordzeit von nur vier Monaten. Ich hatte natürlich lange vorher über die Handlung nachgedacht und ein entsprechend detailliertes Konzept gemacht. Aber es war trotzdem etwas völlig Neues für mich. Fast so, als wolle der Roman, dass man ihn schreibt.

Yvonne: Wie bist Du dann gerade auf das Leben von Alexander von Humboldt gestoßen?

Thomas Thiemeyer: Humboldt ist für mich eine Art Symbol. Ein Symbol für eine Weltanschauung, in der man über seinen Tellerrand schaut und versucht die Welt als Gesamtheit zu verstehen. Alexander von Humboldt war eines der letzten wirklichen “Allround-Genies”, die unser Land hervorgebracht hat. Tatsächlich hat er in allen möglichen Zweigen geforscht (Geographie, Völkerkunde, Physik, Chemie, Botanik, usw.) und so ein übergreifendes Wissen von der Welt erworben. Ich glaube das fehlt in unserer heutigen Zeit. Wir sind zu einem Verbund von Spezialisten geworden, in dem jeder sich nur noch um seinen Kram kümmert und vergisst, dass es noch viel mehr gibt. Besonders in den Universitäten ist mir das aufgefallen. Da weiß ein Wissenschaftler kaum, woran sein Kollege drei Türen weiter arbeitet.

Yvonne: Mit welchem der Charaktere kannst Du Dich am meisten identifizieren?

Thomas Thiemeyer: Natürlich mit Charlotte und Oskar. Sie sind wie zwei Seiten derselben Münze. Die eine skeptisch, nachdenklich und manchmal auch ein bisschen rechthaberisch, der andere neugierig, leichtsinnig und vorwitzig. Ich glaube in mir steckt von beidem etwas.

Yvonne: Gab es in der bisherigen „Chroniken der Weltensucher“-Bücher auch mal eine schwierige Szene, bei der Du nicht gewusst hast, wie Du sie anpacken sollst?

Thomas Thiemeyer: Eigentlich nicht. Dass schöne am Jugendbuch ist ja, dass man praktisch alles machen kann, solange man auf ein Übermaß an Sex und Gewalt verzichtet. Da ich das aber auch in meinen Erwachsenenromanen nie praktiziert habe, gab es da keine Probleme. Meine Schwerpunkte liegen auf Spannung, Fantasie, Kreativität und Abenteuer. Mit Grausamkeiten und Tabubrüchen, wie sie heute in der Literatur immer mehr und immer heftiger zelebriert werden, kann ich als Autor nichts anfangen. Als Leser übrigens auch nicht.

Yvonne: Hast Du eine Lieblingsszene, die Dir besonders viel Spaß gemacht hat zu schreiben?

Thomas Thiemeyer: Eine? Dutzende! Worauf ich allerdings besonders stolz bin, ist eine Szene im “Palast des Poseidon”, die ich komplett aus der Sicht des Kiwis Wilma geschrieben habe. Sich in einen Vogel hineinzuversetzen, das war schon eine besondere Herausforderung.

Yvonne: Die sind auch wirklich sehr interessant dargestellt. Ist das nächste Buch dieser Reihe schon in der Arbeit? Wie wird es weitergehen?

Thomas Thiemeyer: Das nächste Buch ist sogar schon fertig. Es wird allerdings erst im Sommer/Herbst 2011 erscheinen. Humboldt und seine Truppe reisen dabei ins westafrikanische Mali zu dem legendenumwitterten Volk der Dogon. Die Dogon besitzen ein unerklärliches Wissen über Sterne und Astronomie und hüten auf einem ihrer Tafelberge einen Schatz in Form eines Meteoriten. Nun ist es aber kein gewöhnlicher Meteorit, sondern eine fremde Lebensform, die die Eigenschaft besitzt, Menschen und Tiere zu imitieren. Man denke dabei an “Die Körperfresser” und “Das Ding aus einer anderen Welt”. Es wird also recht unheimlich zugehen, zumal Oskar von dem Ding infiziert und umgewandelt wird.

Yvonne: Wie viele Bücher sind für diese Reihe geplant?

Thomas Thiemeyer: Momentan fünf.

Yvonne: Du arbeitest auch noch als erfolgreicher, freier Illustrator. Wie kam es dazu, dass Du die Coverillustrationen zu der „Chroniken der Weltensucher“-Reihe selber gestaltet hast?

Thomas Thiemeyer: Der Umschlag ist als Teamwork zwischen Dirk Steinhöfel, Christian Keller und mir entstanden. Ich habe nur das Innenmotiv gemalt. Aber dafür so richtig schön in Öl und auf Leinwand. Ich glaube, dieser “altmodische” Stil passt ganz gut zu der modernen Rahmengestaltung und Typographie.

Yvonne: Ist es ein Unterschied für Jugendliche oder für Erwachsene zu schreiben?

Thomas Thiemeyer: Kaum. Im Jugendbuch muss ich ein bisschen schneller “zum Punkt” kommen. D.h. ich darf mich nicht zu lange mit den Innenansichten der Figuren aufhalten, sondern muss handlungsorientierter schreiben. Die Darsteller definieren sich eher über ihre Taten als über ihre Gedanken. Ansonsten ist es ziemlich ähnlich.

Yvonne: Wie viel Zeit verbringst Du mit Recherchen für Deine Romane? Gerade für die Mystery-Thriller „Medusa“, „Reptilia“, „Magma“ und „Nebra“ braucht man für die Thematiken ein sehr gutes Fachwissen. Arbeitest Du mit Fachleuten zusammen?

Thomas Thiemeyer: Mit Fachleuten, mit anderen Autoren, mit Wissenschaftlern, Museumsangestellten und Einheimischen. Ich nehme jeden, den ich kriegen kann. Eines darf man als Autor nicht sein: schüchtern. Man muss auf die Leute zugehen und ihnen ein Loch in den Bauch fragen. Und das Überraschende: die Leute sind begeistert, wenn man sich für sie und ihre Arbeit interessiert. Ich habe noch nie erlebt, dass einer gesagt hätte: “Darüber möchte ich nichts erzählen.”

Yvonne: Dein neuer Mystery-Wissenschafts-Thriller „Korona“ wird im Oktober im Handel erscheinen. Möchtest Du vielleicht etwas über das Buch erzählen?

Thomas Thiemeyer: Es geht um eine Expedition in den Ruwenzori, Zentralafrikas geheimnisvolles Hochgebirge. Die Gorillaforscherin Amanda Walker und ihr Team stößt dabei auf Ruinen des versunkenen Königreiches Kitara. Doch dann spielt das Wetter verrückt und es kommt zu einem unerwarteten Wintereinbruch. Als sie versuchen heimzukehren, müssen sie feststellen, dass ihnen das nicht gelingt. Die Gegend hat sich auf merkwürdige Weise verändert und wird obendrein von furchterregenden Kreaturen beherrscht. Für Rückkehr ist es längst zu spät.

Yvonne: Was können die Leser von Deiner Lesung am 14.10.1980 im Stuttgarter Planetarium erwarten? Es ist ja ein aussergewöhnlicher und zugleich auch passender Ort um „Korona“ vorzustellen.

Thomas Thiemeyer: Zum einen bin ich sehr froh und glücklich, dass ich von Dietmar Wunder (Synchronsprecher von Daniel Craig – “James Bond”) unterstützt werde, zu anderen natürlich, dass mir im Planetarium technische Möglichkeiten zur Verfügung stehen, die ich sonst nicht habe. Es geht in dem Roman ja um die Sonne und ihre Auswirkungen auf unsere Erde. Außerdem kann ich ein paar Fotos und einen kleinen Film von meiner Expedition zu den letzten Berggorillas zeigen. Es wird also sicher ein recht abwechslungsreicher Abend.

Yvonne: Jetzt hab ich aber auch noch ein paar persönliche Fragen an Dich: Wie kam es denn dazu, dass es Dich vom Rheinland ins Schwabenland nach Stuttgart verschlagen hat?

Thomas Thiemeyer: Aus dem einfachsten und schönsten Grund, den man sich vorstellen kann: der Liebe wegen.

Yvonne: Mich würde interessieren, wie viele ungelesene Romane bei Dir daheim rumliegen? Als Autor wird man ja nicht unbedingt dazukommen Bücher zu lesen…

Thomas Thiemeyer: Das ist leider der Fluch meines Jobs. Mein SUB (Stapel ungelesener Bücher) beläuft sich zur Zeit auf etwa zwanzig Romane. Ich hoffe darum immer auf den nächsten Urlaub, damit ich der mal kleiner wird. Allerdings kommen ja immer neue Romane dazu …

Yvonne: Hast Du Lieblingsautoren?

Thomas Thiemeyer: Weniger Lieblingsautoren als Lieblingsbücher. Aber es gibt ein paar Leute, von denen ich fast alles lesen kann: King, Rowling, Crichton, Preston/Child, Strugatzki, Steinfest, Simmons.

Yvonne: Bleibt neben dem Schreiben und der Familie auch noch Zeit für Hobbys?

Thomas Thiemeyer: Schreiben und Familie sind doch Hobby genug ;-)
Nein, im Ernst, es gibt noch ein paar Sachen. Malen natürlich (ist durch meine Autorentätigkeit tatsächlich leider zu einem Hobby reduziert worden), Schlagzeug spielen, Filme und Musik.

Yvonne: Worüber kannst Du selbst lachen?

Thomas Thiemeyer: Die Absurditäten des Alltags.

Yvonne: Vervollständige bitte den Satz: Mein Leben ist…

Thomas Thiemeyer: … ein langer, ruhiger Fluss. Mit ein paar Stromschnellen zwischendurch.

Yvonne: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast und ich wünsche Dir für die Zukunft alles Gute.

Thomas Thiemeyer: Ich bedanke mich für das Interview.


13. September 2010

[Lesung] Fantasygala: Rheinlesen mit Bernd Perplies


Am Samstag, 04.09.2010, fand am Kölner Rheinhafen zum 2. Mal im Rahmen des Rheinlesens die Fantasygala statt. Durch die 1 ½ Stündige Veranstaltung moderierte Verena Wolf, die zugleich die Redakteurin der Phantastik Couch ist. Sie gab eine sachkundige Einführung in die Welt der Phantastik, ehe die Autoren Oliver Buslau, Miriam Broicher und Bernd Perplies ihre Bücher vorstellten. Oliver Buslau, der eigentlich Krimi-Autor ist, stellte sein Buch „Der Vampir von Melaten vor“, dessen Schauplatz passend zur Veranstaltung in Köln spielt und um einen geheimnisvollen und legendären Pianisten handelt, der nicht so ganz menschlich ist. Miriam Broicher, die trotz ihres jungen Alters bereits 3 Bücher geschrieben hat, las den Prolog aus ihrem Buch „Tor zum Schattenland“ vor, in dem es um ein Kölner-Mädchen geht, das an einen fernen und magischen Ort gelangt, in dem es Feen und Elfen, Drachen und Einhörner gibt.
Mein persönliches Highlight war jedoch die Lesung von Bernd Perplies, der seinen Auftaktband zu seiner neuen Trilogie „Magierdämmerung“ vorstellte und auch berichtete, wieso es ihn nach seiner erfolgreichen High-Fantasy-Trilogie „Tarean“ direkt und geradewegs ins viktorianischen London verschlug und wie die Recherchearbeit dazu betrieben hat. Nach dieser kleinen Einführung verzauberte Bernd Perplies mit einer tollen Lesung das Publikum. In „Magierdämmerung – Für die Krone“ geht es um zwei Magierfraktionen, die sich um eine unglaublich starke, aus dem Meer aufgetauchte Quelle der Magie streiten. In diesen Kampf wird der junge Reporter Jonathan Kentham hineingezogen, als er eines Abends einen alten, sterbenden Mann findet. Dieser gibt ihm einen Ring, woraufhin sich Jonathans Leben ganz stark ändert. Er entwickelt Kräfte, die er nicht haben sollte und stellt fest, dass es Menschen mit Magie und eine Parallelwelt zum Alltag gibt…
Was es aber mit dem Ring und der Welt der Magie auf sich hat kann jeder in “Magierdämmerung – Für die Krone” nachlesen. 
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Mein Dank geht an die Veranstalter dieser Gala, Christina Knorr vom LYX-Verlag sowie den Autoren, die dafür gesorgt haben, dass die Veranstaltung ein wundervoller Abend wurde.