20. August 2010

[Rezension] Ursula Poznanski - Erebos

 
 Ursula Poznanski
Erebos
Verlag: Loewe
Seiten: 488
Ausgabe:
Klappbroschur
ISBN: 978-3-7855-6957-3
Preis: € 14,90


An Nicks Schule wird eine geheimnisvolle DVD unter der Hand weitergereicht. Doch niemand redet über das, was sich auf dem Silberling befindet, noch dass er im Besitz dieser Scheibe ist. Und obwohl er vermutet, dass diese Geheimnistuerei etwas mit der Verhaltensänderung seines Freundes sowie seiner Mitschüler zu tun hat, nimmt er eines Tages die ihm angebotene DVD an. Als er daheim die DVD in seinen Rechner legt, ist zu seiner Enttäuschung nur ein Rollenspiel mit Namen „Erebos“ darauf. Bleibt also die Frage: Warum sind die anderen davon so fasziniert? So taucht er ab in diese geheimnisvolle Welt und wird schon nach kurzer Zeit süchtig danach. Er spielt Tag und Nacht und beachtet genauestens die äußerst strengen Regeln des Spiels, denn jeder hat nur eine Chance das Spiel zu spielen und wer die Spielregeln bricht, scheidet aus und kann nie wieder an dem Spiel teilnehmen. Sein Leben dreht sich fortan also nur noch um das Spiel und den geheimnisvollen Boten, der seinen Charakter vor dem Sterben retten kann. Jedoch verlangt dieser dafür kleine Gefälligkeiten. Die Nick nicht im Spiel sondern in der Realität ausführen muss. Diese sind zum Beispiel Pakete zu transportieren oder Leute zu beschatten. Doch dann verlangt das Spiel eines Tages, dass Nick jemanden umbringen soll…

„Eerebos“ ist der erste Roman der österreicherin Ursula Poznanski und führt den Leser in die Welt der Rollenspiele ein. Anfangs war ich ehrlich gesagt etwas skeptisch gegenüber diesem Computerthriller, da ich dachte, dass für Nicht-Rollenspieler die Passagen in der virtuellen Welt nicht interessant sein könnten. Aber ich wurde eines Besseren belehrt… Zwar befindet man sich in der ersten Hälfte des Buchs fast ausschließlich im Spiel, aber zeigt die Autorin auch die Realität auf, in der sich das Klima in Nicks Schule, seinem Umfeld, seinen Freunden und seiner Familie ändert und er zusehens von dem Computerspiel beeinflusst wird. Das Buch lässt den Leser, genauso wie das Rollenspiel den Hauptprotagonisten Nick, nicht mehr los. Es ist schwer das gelesene in Worte zu beschreiben – man muss das Buch einfach lesen und erleben!
Die Autorin schafft es nicht nur die Welt der Computerspiele unglaublich detailliert und fantastisch darzustellen, sondern auch die Auswirkungen einer Spielsucht nahe zu bringen. Sie beschreibt auf spannende Weise die Gefahren von Computerspielen oder Spielsucht – wie der Mensch manipulierbar ist und es nicht mehr schafft Realität und Fantasiewelt auseinander zu halten. In diesem Fall verbringt Nick sehr viel Zeit damit, seinen Charakter aufzuleveln und dabei stellt sich immer wieder die Frage: Wie weit reichen die Finger des Boten in die reale Welt? Gut und Böse liegen nämlich in dem Buch sehr nahe beieinander und das obwohl es eigentlich keinen richtigen Bösewicht in der Geschichte gibt. Dennoch gibt es einen hochspannender Showdown mit fulminalen Finale…
Der Erzähl- und Schreibstil wurde in kurzen und klaren Sätzen gehalten. Wirken sie auf der einen Seite abgehackt und gehetzt, sind sie auf der anderen Seite gut lesbar und steigert mit jeder Seite, die in der Realität spielt, die Spannung und lässt den Leser mit jedem neuen Ereignis und mit jeder neuen Info rätseln und spekulieren, welche Zusammenhänge und Hintergründe hinter der Geschichte stecken. Mit Fortschreiten der Geschichte. Genauso wie der Spieler von Erebos die Zeit um sich herum vergisst, passiert dem Leser das gleiche. Die Autorin schreibt so bildgewaltig, dass der Leser selbst zum Teil von Erebos wird und die guten 500 Seiten nur so dahin fliegen.
Die Charaktere sind angenehm realistisch und nicht übertrieben dargestellt. Alle weisen menschliche Stärken und Schwächen auf, die sie gegenüber dem Leser sehr sympathisch machen und auch nahe bringen. So wird hier zum Beispiel wunderbar geschildert, wie jemand langsam ohne es zu merken abrutschen kann und Dinge tut, die er eigentlich gar nicht tun will und diese für nicht richtig hält.

Mein Fazit:
Das Buch ist wie das Spiel geheimnisvoll, atemberaubend und auf seine eigene Art und Weise erschreckend real. Die Autorin verbindet phantastische Elemente mit einem atemberaubenden Thriller, der für alle Altersklassen empfehlenswert ist. Mir hat das Buch sehr schöne und spannende Lesestunden beschert und ich freue mich schon sehr auf weitere Bücher der Autorin. „Erebos“ ist ein absolutes Bücherhighlight des Jahres!

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