28. August 2010

[Rezension] Celine Kiernan - Geisterpfade

Celine Kiernan
Geisterpfade, Morkawk-Trilogie, Teil2
Originaltitel: The Crowded Shadows
Verlag: Heyne
Seiten: 544
Ausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-453-26634-6
Preis: € 18,95

 
Seitdem Wynter den Hof König Jonathons unentdeckt verlassen konnte, um nach dem verstoßenen Kronprinz Alberon zu suchen, ist sie auf sich allein gestellt. Ohne Schutz reist sie durch die Wälder und begreift bald: Sie ist nicht die einzige, die sich auf die Suche nach Alberon gemacht hat. Alle, die sich in den letzten Jahren gegen König Jonathon gestellt haben, scheinen Abgesandte geschickt zu haben, die den rebellischen Königssohn finden sollen. Und so – mit unter Feinden – ist Wynter überglücklich, als sie auf ihre Freunde und Verbündeten Razi und Christopher stößt. Doch alten Freunde folgen alte Feinde und es dauert nicht lang, bis die drei den Loups-Garous, den berüchtigten Wölfen, gegenüberstehen. Die einzige Rettung versprechen sie sich von Christophers Volk, den Merronern, doch die scheinen andere, geheimnisvolle Pläne zu verfolgen.

Meine Rezension:

Der zweite Teil der „Moorehawk“-Trilogie vonCeline Kiernan knüpft direkt an den ersten Teil an und spielt wie er in einem Land, einem fiktiven südlichen Frankreich, in dem es sprechende Katzen und Geister gibt, die auf die Welt Einfluss nehmen. Doch bedrohlicher denn je sind in „Geisterpfade“ die Werwölfe. Obwohl sie die Schurken in diesem Buch sind, wird der Leser keine wilden Schlachten oder übernatürliche Szenen finden.
Vordergründig schildert die Autorin in der vorliegenden Geschichte nur die Suche der 3 Freunde Wynter, Razi und Christoph nach dem Rebellenprinzen Alberon. Obwohl die Frage interessant ist, warum der Prinz sich vom König abgewandt hat und damit zum Feind des Reichs wurde, wird dies nicht geklärt. Das Buch ist vielmehr eine einzige Wanderung durch die Ländereien des Reichs, die sehr langatmig sein kann und sich sehr zieht. Da ist die aufkeimende, zarte Liebe von Wynter und Christopher sehr schön zu lesen. Diese Liebesgeschichte ist nicht allzu kitschig, hat aber meiner Meinung nach zu wenig Raum erhalten. Sie ist einfach wunderbar zwischen dem ganzen hin- und herwandern der Protagonisten zu lesen und wurde wunderbar mit der Handlung verwoben.
Auch diesen Roman erlebt der Leser aus Wynters Sicht, die versucht hinter die Wahrheit der politischen Intrigen im Königreich Jonathons zu kommen. Allerdings bin ich von „Geisterpfade“ etwas enttäuscht: Es passiert einfach zu wenig. Die ganze Handlung zieht sich in die Länge und kommt einfach nicht vorwärts. Was vielleicht auch mit daran liegen könnte, dass die Autorin ihr Augenmerk auf die einzelnen Personen richtet und nicht auf die Handlung selber. Man muss als Leser schon aufpassen, dass man den roten Faden nicht verliert.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die deutsche Übersetzung. Entweder hat das Übersetzen nicht geklappt oder es war zu wenig Zeit dazu. Es haben sich Übersetzungsfehler eingeschlichen, die einen verwirren. So zum Beispiel ein Dialog auf Seite 240, der da heißt: „Das Feuer ist nicht klug, Razi“. Wie kann Feuer klug sein? Da fehlt etwas… Oder auch auf Seite 242, wo es heisst: „Christopher schauderte bestürzt zurück“. Wie geht das denn?
Dies sind nur kleine Aufzählungen von Verständnisproblemen. Ich hoffe sie werden im dritten und letzten Band nicht so oft vorkommen.
Neben einer faszinierenden und glaubwürdigen Welt präsentiert Celine Kiernan lebendige und tiefgründige Charaktere, die sehr wohl auch ihre Ecken und Kanten haben. Während der Leser im ersten Teil Wynter näher kennenlernen durfte, ist es in diesem Teil Christopher. Durch Begegnung mit den Sklavenjägern kehren schmerzende Erinnerungen zurück und zeigen einen bisher unbekannten Charakter. Aber auch im Lager der Merronern wird er zum Dreh und Angelpunkt der Geschichte, da er es ist, der ihre Sprache und Gebräuche kennt.
Das Buch ist wie sein Vorgänger gebunden und wunderschön gestaltet. Das Cover wurde in matt gehalten, während der Schriftzug des Titels in Glanz eingearbeitet wurde. Das Cover ziert eine Eule, wobei ich ehrlich gesagt nicht weiss, wo hier die Verbindung zu der Geschichte sein soll. Dem Buch liegt erneut eine Landkarte in Form eines losen Blatts bei und im hinteren Teil des Buchs findet man eine Übersetzung der Merronischen Sprache, die das moderne Irisch oder auch Gälisch wieder spiegelt.

Mein Fazit:
Ich bin von „Geisterpfade“ nach dem interessanten und wunderbaren ersten Teil enttäuscht. Hier wird nur die Suche nach dem abtrünnigen Prinzen erzählt, wofür man nach meinem Geschmack keine 536 Seiten füllen muss. Auch ist das Buch für Einsteiger nicht geeignet. Man sollte schon den ersten Teil „Schattenpfade“ gelesen haben, da man sich ansonsten sehr abmüht. Der Roman weist einige Schwächen auf und ich hoffe sehr, dass dies im dritten und letzten Teil der Trilogie besser sein wird. Ich hoffe es zumindest, denn die Geschichte bietet an sich so einiges an Potential. Ich bin sehr gespannt, was die Autorin daraus macht.

[Rezension] Rainer Werkwerth - Damian. Die Stadt der gefallenen Engel


Rainer Werkwerth
Damian - Die Stadt der gefallenen Engel
Verlag: Arena
Seiten: 424
Ausgabe:
Klappenbroschur
ISBN: 978-3-401-06513-7
Preis: € 16,95



Die 17-jährige Lara aus dem kleinen Ort Rottenbach hat gerade eine schmerzende Trennung von ihrer 1. großen Liebe Ben hinter sich. Um sie auf andere Gedanken zu bringen, schickt ihre Mutter sie zu den Großeltern nach Berlin. Lara freut sich über dieses Wiedersehen und will auch gleich die Stadt erkunden, als sie eines Abends im Park von 2 Jungen angegriffen und fast vergewaltigt wird. Doch Dank der Hilfe von Damian kann sie entkommen. Lara ist dem fremden Jungen nicht nur für seine Hilfe sehr dankbar, sondern fühlt sich auch noch zu ihm hingezogen. In den folgenden Tagen trifft sie sich immer öfter mit ihm und ist endlich wieder glücklich. Doch schon bald bemerkt sie, dass Damian ein dunkles Geheimnis hütet und noch ahnt sie nicht, welche Rolle sie im Kampf von Gut gegen Böse einnimmt und welch bedeutende Rolle ihre Großeltern dabei spielen…

„Damian – Die Stadt der gefallenen Engel“ ist der erste Jugendroman von dem Autor Rainer Werkwerth und besitzt alle Voraussetzungen um junge und jung gebliebene Leser zu überzeugen. Die vorliegende Geschichte ist ein modernes Märchen, dass so wunderbar und erfrischend anders ist als die ganzen Vampir-, Werwölfe- und Hexenbücher ist, die im Moment den Markt überschwemmen.
Die Geschichte beginnt völlig normal und harmlos in Berlin. Doch hinter Deutschlands Hauptstadt verbirgt sich viel mehr: Dunkle Kreaturen. Engel, Dämonen und Satan tragen in der Welt der Menschen einen erbitterten Kampf aus. Darin eingebettet ist eine zarte Liebesgeschichte, die aber weder kitschig wirkt oder sich in den Vordergrund drängt.
Rainer Werkwerths Schreibstil ist locker und flüssig baut die Geschichte so wunderbar spannend mit vielen Facetten auf, dass sie den Leser einfach nur mitreist. Die Handlung berührt und fesselt. Zudem wurde jedes Kapitel mit einem kleinen Cliffhenger versehen, so dass man einfach nur wissen möchte wie es in der Handlung weitergeht. Man liest Seite um Seite, Kapitel um Kapitel und merkt gar nicht wie schnell die Zeit vergeht. Je näher das Finale rückt, desto mehr zieht das Lesetempo an, bis hin zum dramatischen Finale. Der Erzählstil ist modern, abwechslungsreich und unterhaltsam. Sehr gut fand ich, dass in ein paar Kapiteln auch aus Damians Sicht geschrieben wurde, was schnöde Eindimensionalität vermeidet.
Auch die Charaktere sind wunderbar gelungen. Egal ob Hauptchara, Dämon, Engel oder Mensch. Die Gefühlsregungen der Personen sind immer und zu jeder Zeit nachvollziehbar. Dies macht sie sehr real und damit auch interessant.
Lara ist ein ganz normales Mädchen, die keine Ahnung hat, welch düsteres Familiengeheimnis sie umgibt. Der Leser kann sich sehr gut in sie hineinversetzen, welch Veränderung in ihr vorgeht, als sie so nach und nach dahinter kommt. Ihre Wut auf ihre Familie, die ihr so einiges verheimlicht, ist sehr überzeugend. Aber auch ihre Liebe zu Damian wird auf eine harte Probe gestellt, den er ist ein gefallener Engel und ein Sklave von Satan. Er kämpft mit sich selber und seinen eigenen Gefühlen und ist dadurch etwas undurchsichtig. Aber genau das macht diesen Charakter aus. Mal kann man ihn leiden, mal nicht. Wunderschön ist vor allem dargestellt, wie er sich seinen Dienern gegenüber als Herr gibt und dann bei Lara wieder sanft ist.
Am allermeisten hat mir jedoch der Charakter von Satan gefallen. Der hat so gar nichts mit „Hörnern auf dem Kopf“ zu tun. Vielmehr kann er sich nach Lust und Laune in jede beliebige Gestalt verwandeln. Mal ein Kind, mal eine sexy Frau. Über ihn habe ich mich köstlich amüsiert.
Das Cover wurde in Blau- und Schwarztönen gehalten. Das Nachtblau verleiht der Silhouette von Berlin eine gewisse Düsternis, die zu der vorliegenden Geschichte passt. Der absolute Hingucker ist auf jeden Fall der Schriftzug „Damian“ sowie die Flügel, die in metallic-blau gedruckt sind. 

Mein Fazit:
„Damian – Die Stadt der gefallenen Engel“ von Rainer Werkwerth ist eine düster angehauchte Fantasygeschichte die alles was eine gute Geschichte ausmacht, vereint: Spannung, Liebe und Hass. Es ist erfrischend anders als die anderen Bücher dieses Genres. Dieses Buch begeistert und ist ein atemberaubendes All-Age-Leseereignis.

20. August 2010

[Rezension] Ursula Poznanski - Erebos

 
 Ursula Poznanski
Erebos
Verlag: Loewe
Seiten: 488
Ausgabe:
Klappbroschur
ISBN: 978-3-7855-6957-3
Preis: € 14,90


An Nicks Schule wird eine geheimnisvolle DVD unter der Hand weitergereicht. Doch niemand redet über das, was sich auf dem Silberling befindet, noch dass er im Besitz dieser Scheibe ist. Und obwohl er vermutet, dass diese Geheimnistuerei etwas mit der Verhaltensänderung seines Freundes sowie seiner Mitschüler zu tun hat, nimmt er eines Tages die ihm angebotene DVD an. Als er daheim die DVD in seinen Rechner legt, ist zu seiner Enttäuschung nur ein Rollenspiel mit Namen „Erebos“ darauf. Bleibt also die Frage: Warum sind die anderen davon so fasziniert? So taucht er ab in diese geheimnisvolle Welt und wird schon nach kurzer Zeit süchtig danach. Er spielt Tag und Nacht und beachtet genauestens die äußerst strengen Regeln des Spiels, denn jeder hat nur eine Chance das Spiel zu spielen und wer die Spielregeln bricht, scheidet aus und kann nie wieder an dem Spiel teilnehmen. Sein Leben dreht sich fortan also nur noch um das Spiel und den geheimnisvollen Boten, der seinen Charakter vor dem Sterben retten kann. Jedoch verlangt dieser dafür kleine Gefälligkeiten. Die Nick nicht im Spiel sondern in der Realität ausführen muss. Diese sind zum Beispiel Pakete zu transportieren oder Leute zu beschatten. Doch dann verlangt das Spiel eines Tages, dass Nick jemanden umbringen soll…

„Eerebos“ ist der erste Roman der österreicherin Ursula Poznanski und führt den Leser in die Welt der Rollenspiele ein. Anfangs war ich ehrlich gesagt etwas skeptisch gegenüber diesem Computerthriller, da ich dachte, dass für Nicht-Rollenspieler die Passagen in der virtuellen Welt nicht interessant sein könnten. Aber ich wurde eines Besseren belehrt… Zwar befindet man sich in der ersten Hälfte des Buchs fast ausschließlich im Spiel, aber zeigt die Autorin auch die Realität auf, in der sich das Klima in Nicks Schule, seinem Umfeld, seinen Freunden und seiner Familie ändert und er zusehens von dem Computerspiel beeinflusst wird. Das Buch lässt den Leser, genauso wie das Rollenspiel den Hauptprotagonisten Nick, nicht mehr los. Es ist schwer das gelesene in Worte zu beschreiben – man muss das Buch einfach lesen und erleben!
Die Autorin schafft es nicht nur die Welt der Computerspiele unglaublich detailliert und fantastisch darzustellen, sondern auch die Auswirkungen einer Spielsucht nahe zu bringen. Sie beschreibt auf spannende Weise die Gefahren von Computerspielen oder Spielsucht – wie der Mensch manipulierbar ist und es nicht mehr schafft Realität und Fantasiewelt auseinander zu halten. In diesem Fall verbringt Nick sehr viel Zeit damit, seinen Charakter aufzuleveln und dabei stellt sich immer wieder die Frage: Wie weit reichen die Finger des Boten in die reale Welt? Gut und Böse liegen nämlich in dem Buch sehr nahe beieinander und das obwohl es eigentlich keinen richtigen Bösewicht in der Geschichte gibt. Dennoch gibt es einen hochspannender Showdown mit fulminalen Finale…
Der Erzähl- und Schreibstil wurde in kurzen und klaren Sätzen gehalten. Wirken sie auf der einen Seite abgehackt und gehetzt, sind sie auf der anderen Seite gut lesbar und steigert mit jeder Seite, die in der Realität spielt, die Spannung und lässt den Leser mit jedem neuen Ereignis und mit jeder neuen Info rätseln und spekulieren, welche Zusammenhänge und Hintergründe hinter der Geschichte stecken. Mit Fortschreiten der Geschichte. Genauso wie der Spieler von Erebos die Zeit um sich herum vergisst, passiert dem Leser das gleiche. Die Autorin schreibt so bildgewaltig, dass der Leser selbst zum Teil von Erebos wird und die guten 500 Seiten nur so dahin fliegen.
Die Charaktere sind angenehm realistisch und nicht übertrieben dargestellt. Alle weisen menschliche Stärken und Schwächen auf, die sie gegenüber dem Leser sehr sympathisch machen und auch nahe bringen. So wird hier zum Beispiel wunderbar geschildert, wie jemand langsam ohne es zu merken abrutschen kann und Dinge tut, die er eigentlich gar nicht tun will und diese für nicht richtig hält.

Mein Fazit:
Das Buch ist wie das Spiel geheimnisvoll, atemberaubend und auf seine eigene Art und Weise erschreckend real. Die Autorin verbindet phantastische Elemente mit einem atemberaubenden Thriller, der für alle Altersklassen empfehlenswert ist. Mir hat das Buch sehr schöne und spannende Lesestunden beschert und ich freue mich schon sehr auf weitere Bücher der Autorin. „Erebos“ ist ein absolutes Bücherhighlight des Jahres!

18. August 2010

[Rezension] Thomas Thiemeyer -Chroniken der Weltensucher. Der Palast des Poseidon

Thomas Thiemeyer
Der Palast des Poseidon, Chroniken der Weltensucher, Band 2
Verlag: Loewe
Seiten: 480
Ausgabe:
Hardcover
ISBN: 978-3-7855-6576-6


Wenige Wochen nach seiner Rückkehr aus der Stadt der Regenfresser nimmt Carl Friedrich von Humboldt seinen ersten Auftrag von einem griechischen Reederer an, der vor der Inselgruppe Santorin eines seiner Frachtschiffe verloren hat. Der einzige Überlebende dieser Tragödie ist der Kapitän. Dieser erzählt, dass wechselnde Leuchtfeuer ihn in die Irre geführt haben, bevor sich riesige Fangarme mit eisernen Klauen erhoben haben und das Schiff zum Kentern brachten. Kurz darauf ist das Schiff, wie auch viele andere, an dieser Stelle spurlos verschwunden. Von Humboldt, Oskar, Charlotte, Eliza und die Kiwi-Dame Wilma brechen schließlich sofort auf um diesem mysteriösen Rätsel auf den Grund zu gehen. Dabei können sie Hippolyte Rimbault und seine Tochter Océanne für ihr Vorhaben gewinnen. Diese besitzen eines der aufregendsten Erfindungen dieser Zeit: Die Nautilus. Eine Art Tauchkugel mit weltweit erster Bathysphere, die es ihnen ermöglicht mehrere Stunden unter Wasser zu bleiben. Dort, mehr als 300 Meter unter dem Meeresspiegel machen die Forscher eine unglaubliche Entdeckung…

Die Gestaltung des Buchs, sowohl in Optik als auch in der Verarbeitung, ist wieder einmal wunderbar gelungen und lässt jedes Leserherz höher schlagen. Das Buch liegt in gebundener Form mit einem Lesebändchen vor. Während der blaue Kartoneinband mit silberner Prägung versehen wurde, ist die Coverillustration der vorliegenden Geschichte angepasst worden. Das Kreisrunde Innenmotiv wird in Spotlackoptik hervorgehoben und wurde von Herrn Thiemeier selbst gestaltet. Das Bild ist sehr detailliert gemalt und zeigt eine Szene der Geschichte auf. Das Motiv wird von vielen Zahnrädern in den unterschiedlichsten Größen umrahmt und weist somit einen hohen Wiedererkennungswert zum ersten Teil auf.
Nach dem mehr als gelungenen Auftaktband „Die Stadt der Regenfresser“ entführt der Autor nun mit dem zweiten Teil von „Die Chroniken der Weltensucher“ in ein spannendes Unterwasserabenteuer. Genauer gesagt, in die versunkene Stadt Atlantis. Der Autor vermischt gekonnt historische Tatsachen mit phantastischen Elementen, bei denen auch ein klein wenig sein eigener Forschungsdrang hindurch dringt, denn das Abenteuer basiert auf fundierter Recherche der historischen Fakten sowie seiner eigenen künstlerischen Freiheit.
Wie beim Vorgänger ist auch diese Geschichte in sich abgeschlossen. Jedoch sollten gerade jüngere Leser beim Schlussteil des Buchs gruselfest sein, da es ziemliche schaurige Szenen gibt. Die Vorstellung an eine Symbiose von Mensch und Maschine, die man aus dem Genre Science-Fiction kennt, ist nicht unbedingt was für zart besaitete Abenteurer-Gemüter.
Der Schreib- und Erzählstil ist wunderbar flüssig für jede Szene gewählt. Obwohl die Sprache sehr einfach gehalten wurde, regt der Autor aber auch an einigen Stellen zum nachdenken an, da einige Dialoge in französisch abgefasst sind.
Der Autor versteht eindrucksvolle Bilder zu zeichnen ohne sich im kleinsten Detail zu verlieren. Die Geschichte wird farbenfroh und lebendig erzählt und fesselt von Anfang bis Ende. Der Spannunsgbogen wird durch Verfolgungsjagten, einer Portion Grusel in Form von Science Fiction und einigen Überraschungsmomenten kontinuierlich aufgebaut.
Thomas Thiemeyer hat mit seinen Charakteren wunderbare Helden erschaffen, die so greifbar erscheinen und ein fesselnder Bestandteil des Romans sind. Hauptprotagonist und Drehschreibe dieser Geschichte ist Carl Friedrich von Humboldt, der eigentlich Carl Friedrich Dunhauser heißt, und sich als Nachfahre des berühmten Forschers Alexander vonHumboldt sieht. Neben dem ehemaligen Straßenjungen Oskar, von Humboldts Nichte Charlotte und Eliza spielt auch die kleine liebenswerte Kiwi-Dame Wilma bei der Reise am Meeresgrund eine ganz besondere Rolle. Aber auch der diesmalige Widersacher, ein skrupelloser Assasine, genannt „der Norweger“, der seine Arbeit sehr ernst nimmt und jeden seiner Aufträge mit äußerster Präzision ausführt, sorgt für genügend Spannung und Nervenkitzel.

Mein Fazit:
Der Autor überzeugt wieder einmal mit spannenden Abenteuer, die das Kopfkino nur so anregen. Das Buch ist unglaublich toll geschrieben und überaus fesselnd. Jeder der sich dann auch noch ein klein wenig für Naturwissenschaften, Erfinder und Erfindungen aus des 19. Jahrhunderts interessiert, ist hier genau richtig. Historische Details werden hier nämlich mit phantastischen Elementen verknüpft und machen “Der Palast des Poseidon” zu einem höchst unterhaltsamen und fesselnden Roman, der für jung und alt absolut empfehlenswert und ein richtiges Lesehighlight ist. Mir persönlich hat es sehr gut gefallen, dass der Autor sowohl die Verantwortungen, als auch die Auswirkungen der Wissenschaft gegenüber ihren Schöpfungen anspricht und den Leser zum Nachdenken anregt. Ich freue mich deshalb schon sehr auf den nächsten Teil der “Chroniken der Weltensucher” und hoffe sehr, dass uns der Autor und der Verlag nicht allzu lange darauf warten lassen.