1. Juni 2010

[Interview] Interview mit Kerstin Gier

Kerstin Giers Bücher stürmen regelmäßig die Bestsellerlisten und einige sind sogar schon verfilmt worden. Bei meinem Interview auf der Leipziger Buchmesse 2010 konnte ich mich davon überzeugen, dass sie trotz ihres Erfolgs bodenständig geblieben und eine sympathische Frohnatur geblieben ist, die mit ihrem Humor die Leser zum Lachen bringt.


Yvonne: Was haben Sie vor Ihrer Zeit als Autorin gemacht? Wollten Sie schon immer Schriftstellerin werden?

Kerstin Gier: Ja, das wollte ich schon immer werden, aber ich hab trotzdem ziemlich viel studiert. Ich hab ein Diplom in Erziehungswissenschaften, Kommunikationspsychologie und ein Zusatzzertifikat in Medienpädagogik. Und dann hab ich noch alles mögliche gejobbt, aber seit ich 28 bin arbeite ich nun hauptberuflich als freie Autorin.

Yvonne: Auf wann datiert ihre allererste Geschichte?

Kerstin Gier: Ich würde sagen auf das 2. Schuljahr.

Yvonne: Sie haben so früh schon angefangen?

Kerstin Gier: Ja. (grinst)

Yvonne: Wenn Sie jetzt nicht Autorin geworden wären, was wären Sie dann von Beruf?

Kerstin Gier: Diplompädagogin.

Yvonne: Was war Ihr Lieblingsbuch als Kind?

Kerstin Gier: Die Bücher von Astrid Lindgren. Aber ich denke das allerschönste und am meisten gelesenste waren die Brüder Löwenherz. Die Geschichte ist so traurig und trotzdem so schön.

Yvonne: Sie gehören zu den erfolgreichsten deutschen Autoren und die Leser können gar nicht genug von Ihren Büchern bekommen. Woher nehmen Sie Ihre Ideen um immer wieder neue Geschichten zu schreiben? Musik? Filme? 

Kerstin Gier: Ich glaube die kommen am ehesten aus dem Alltag. Wenn ich mal keine Ideen mehr haben sollte, dann mach ich hauptberuflich was anderes.

Yvonne: Wie schaffen Sie es in so kurzer Zeit so viele Bücher zu schreiben? Hinter jedem Buch steckt ja eine Menge Arbeit.

Kerstin Gier: Das Ich versuche ein Buch im Jahr zu schreiben, und das sieht nur bei den Veröffentlichungen nach viel aus, aber ein Buch im Jahr ist gar nicht so wahnsinnig viel. Da machen andere Autoren mehr.

Yvonne: Wie sieht denn bei Ihnen der übliche Schreiberalltag aus? Haben Sie irgendwelche Rituale die Sie zum schreiben benötigen wie Musik hören, Schokolade essen oder sonstiges?

Kerstin Gier: Nee, weder Schokolade noch Musik. Morgens, wenn mein Sohn in die Schule gegangen ist, schreibe ich am liebsten. Das ist die ruhigste Zeit und meine Katze liegt dann ganz süß neben mir. (Mittlerweile ist sie gestorben – und sie fehlt mir sehr.)

Yvonne: Wie sehr hat Ihr Erfolg Ihr Leben verändert?

Kerstin Gier: Bis jetzt überhaupt nicht. Es ist nur ein wenig hektischer und stressiger geworden.

Yvonne: Machen Sie dann im Gegensatz zum Schreiben auch noch irgendwelchen Ausgleichssport?

Kerstin Gier: Ich hab ein Laufband zu Hause, und da quäle ich mich jeden Tag drauf. Im Winter fahre ich gern Ski.

Yvonne: In einem Interview haben Sie erzählt, dass, wenn Sie peinliche Situationen erleben, diese in Ihren Büchern niederschreiben und selber nochmal darüber lachen. Haben Sie mir ein witziges Fettnäpfchen gerade bereit?

Kerstin Gier: Na, als ich schwanger war zum Beispiel, war mir beim Einkaufen im Supermarkt kotzschlecht, und weil es so plötzlich kam habe ich mich in der Obst- und Gemüseabteilung in diese Plastiktüten übergeben und die dann verknotet und in die Manteltasche gesteckt. Superpeinlich – aber ging in dem Moment gar nicht anders.

Yvonne: Bei Ihren Romanen stehen Liebesgeschichten im Vordergrund. Wie wichtig ist Ihnen Liebe?

Kerstin Gier: Doch schon sehr. Romane mit einer Liebesgeschichte lese ich persönlich auch am liebsten.

Yvonne: Bisher haben Sie immer realistische Geschichten geschrieben. Wie sind die auf das Genre Fantasy gekommen? Lesen Sie gerne Bücher über dieses Thema?

Kerstin Gier: Ich lese selber auch gerne Fantasy. Nicht unbedingt High-Fantasy sondern Bücher mit fantastischen Elementen.

Yvonne: Ist es nicht schwer einen neuen Stil in Richtung Fantasy zu entwickeln?

Kerstin Gier: Nein, fand ich jetzt nicht. Ich fand eher den Perspektivenwechsel zum jungen Mädchen schwer. Ich musste also auch mehr an die Zielgruppe denken. Beim ersten Buch ist mir das etwas schwerer gefallen, aber beim Zweiten ging das schon viel besser.

Yvonne: An welchem Ort sind die Gedanken um die Zeitreise-Trilogie, Gwendolyn und Gideon, entstanden?

Kerstin Gier: Ich glaube, die ist beim Zugfahren entstanden. Irgendwo unterwegs in Deutschland.
Yvonne: Was war Ihr persönliches Highlight oder Schwierigkeit beim Schreiben des Buchs? Gab es auch eine Lieblingsstelle, die Sie supergerne geschrieben haben?

Kerstin Gier: Ja klar gibt es ein paar Lieblingszenen in den Büchern. In „Saphirblau“ ist es diese Szene, in der Gwendolyn sich im 18. Jahrhundert betrinkt.

Yvonne: Um auf Zeitreise zu sprechen zu kommen… Würden Sie selber auch gerne einmal Zeitreisen und wenn ja welches Jahr und warum?

Kerstin Gier: Ich muss ja zugeben: Ich bin superängstlich. Aber wenn ich das machen würde, dann vielleicht in die 50er Jahre um meine Eltern mal zu erleben als sie ganz jung waren. Das fände ich glaube ich ganz interessant. Aber ich weiß nicht, ob ich mich weiter zurück trauen würde. Ich bin so ein Angsthase.

Yvonne: Nun soll „Rubinrot“ verfilmt werden. Wie kam es dazu?

Kerstin Gier: Mem-Film und Schlicht & ergreifend gefiel der Stoff, und meiner Agentin und mir gefiel Mem Film und schlicht & ergreifend, also haben sie den Stoff optioniert.

Yvonne: Steht schon irgendein Termin fest?

Kerstin Gier: Im Moment sind wir noch bei Drehbuchschreiben aber ich denke dass 2012 gedreht wird.

Yvonne: Haben Sie schonmal darüber nachgedacht selber in einer kleinen Nebenrolle im Film aufzutreten?

Kerstin Gier: (lacht) Nein ganz bestimmt nicht. Auf keinen Fall.

Yvonne: Überall gibt es Neider und Besserwisser. Wie gehen Sie mit negativen Kritiken um?

Kerstin Gier: Das gehört leider mit dazu. Aber eigentlich geh ich gar nicht damit um. Es ist eben so.

Yvonne: Haben Sie noch irgendwelche Träume, Pläne oder Wünsche, die noch nicht erfüllt wurden?

Kerstin Gier: Haufenweise. Wenn ich es jemals erleben sollte: Mal Urlaub machen, mal ein ganzes Jahr gar nichts machen… Ansonsten hab ich immer viele Pläne, aber jetzt erstmal eins nach dem anderen.

Yvonne: Was können die Leser noch von Ihnen erwarten? Haben Sie weitere Romane in Vorbereitung?

Kerstin Gier: Also wenn ich „Smaragdgrün“ fertig habe, schreibe ich wieder einen Roman für Erwachsene, und da möchte ich dann auch so ein kleines magisches Element einbauen. Es soll zwar kein Fantasyroman werden, aber so eine Art Experiment mit einem magischen Element. Mal schauen. Danach wollte ich eigentlich wieder ein Jugendbuch schreiben.

Yvonne: Worüber können Sie selber lachen?

Kerstin Gier: Oft erst sehr viel später, aber dann über alles. Nicht so wirklich kann ich zum Beispiel über Mario Barth lachen und auch nicht über Oli Pocher, aber Harpe Kerkeling zum Beispiel finde ich komisch, oder den Humor von Loriot.

Yvonne: Was ist die wichtigste Sache in Ihrem Leben?

Kerstin Gier: Meine Familie. Mein Kind, mein Mann.

Yvonne: Vervollständigen Sie den Satz: Mein Leben ist: …

Kerstin Gier: …Im Moment ziemlich stressig – ansonsten ist mein Leben toll.

Vielen Dank dass Sie sich für das Interview Zeit genommen hast. Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute.

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