1. Juni 2010

[Interview] Interview mit Carina Bargmann

Auf der Leipziger Buchmesse 2010 hatte ich das Glück mit Carina Bargmann, der Autorin von “Sayuri”.

Yvonne Staller: Hallo Carina, schön, dass du dir für das Interview Zeit genommen hast. Du bist eine neue Autorin am deutschen Bücherhimmel. Möchtest du dich vielleicht erstmal für die Leser vorstellen?

Carina Bargmann: Ich heiße Carina Bargmann, bin 18 Jahre, habe noch 3 Geschwister und wohne bei meinen Eltern. Zurzeit gehe ich in die 12. Klasse und bin gerne auf Reisen oder als Teamerin auf Freizeiten. Nebenbei interessiere ich mich für die japanische Kultur und Sprache, aber auch für andere Kulturen. In meiner Freizeit schreibe ich Geschichten.

Yvonne Staller: Schon mit 15 Jahren hast du 2 Fantasy-Romane verfasst. Stand für dich schon seit deiner Kindheit fest Autorin zu werden?

Carina Bargmann: Ich habe erst mit 12 Jahren richtig angefangen zu schreiben und das Ziel Autorin zu werden hatte ich vielleicht mit 15. Damals war es mehr ein Traum, etwas zu veröffentlichen, als eine konkrete Berufsvorstellung. Erst mit 17 Jahren, als ich bereits einen Agenten hatte, konnte ich mir auch vorstellen, das Schreiben von Büchern zu meinem späteren Beruf zu machen.

Yvonne Staller: Wenn es als Autorin nicht geklappt hätte, was würdest du dann später machen?

Carina Bargmann: Ich bin jetzt zwar Autorin, aber ich kann nicht davon ausgehen, dass ich es bleiben werde und damit genug Geld verdienen kann, um gut zu leben. Deshalb und auch, weil ich einfach gerne mehr machen würde, habe ich vor, nach dem Abitur zu studieren. In welche Richtung es dabei gehen soll, kann ich noch nicht sagen. Mich interessieren sowohl die Naturwissenschaften als auch die Gesellschaftswissenschaften. Sicher ist nur, dass ich weiter schreiben werde.

Yvonne Staller: Wie bist du auf die Idee der Geschichte von Sayuri gekommen? Wie entstand sie?

Carina Bargmann: Die Geschichte entstand in Zusammenarbeit mit dem Verlag. Ich hatte eine Grundidee. Sayuri entstand als erster Charakter und mit dem Verlag zusammen habe ich dann die gesamte Geschichte so ausgearbeitet, wie sie jetzt geschrieben steht. Dabei hat mich der Verlag immer wieder in die eine oder andere Richtung angestoßen, mich also beim Schreiben angeleitet, und keine strengen Vorgaben gemacht. Das war für mich sehr spannend und hat Spaß gemacht. Ich hatte Vorgaben in gewisser Weise, konnte mich ansonsten aber sehr frei entfalten.

Yvonne Staller: Wie bist du beim Ausarbeiten der Charaktere vorgegangen? Auffallend ist, dass ihre Namen asiatisch angehaucht sind.

Carina Bargmann: Charaktere entstehen bei mir mehr aus der Welt heraus, die ich als Erstes entwickle. Wenn ich über die Geschichte nachdenke, schreibe ich häufig einzelne Szenen, in denen ich die Welt beschreibe und erkläre und die Charaktere für mich entwickle. Auch beim Schreiben verändern sie sich weiter und gewinnen an Tiefe. Manchmal muss ich dann feststellen, dass etwas nicht so funktioniert, wie ich es geplant hatte, weil es nicht zu einem Charakter passt und dann muss ich es ändern. Mir ist wichtig, dass die Charaktere möglichst realistisch sind.

Yvonne Staller: Was war dein persönliches Highlight beim Schreiben des Buchs?

Carina Bargmann: Ich glaube die Szenen zwischen Kiyoshi und Marje waren für mich am einfachsten, da sie am Anfang ein ganz faszinierendes Verhältnis zueinander hatten, das ich gerne beschrieben habe und das beim Schreiben in der Entwicklung spannend war. Ein bisschen schwieriger fand ich Sayuri, weil sie am Anfang sehr ruhig, zurückhaltend und geheimnisvoll sein sollte.

Yvonne Staller: Hattest du an einer bestimmten Stelle Schwierigkeiten beim Schreiben?

Carina Bargmann: Zum Ende der Geschichte hin, wurde Sayuri manchmal ein bisschen schwierig, wenn ich mir nicht sicher war, wie lebendig ich sie gestalten sollte und wie weit sie in ihrer vorherigen Rolle bleiben musste. Sie wird im Lauf der Geschichte immer weiter in den Vordergrund gerückt, sollte aber dabei ihren eigenen Charakter nicht verlieren und auch Marje und Kiyoshi nicht verdrängen.

Yvonne Staller: Gibt es Momente, in denen du dich nicht entscheiden konntest, in welche Richtung deine Geschichte geht?

Wo erhältst du Unterstützung?

Carina Bargmann: Es gibt immer Situationen, in denen man sich nicht sicher ist, wie sich die Geschichte weiterentwickeln sollte. Wenn der Plot allerdings steht, funktioniert das Schreiben meistens auch. Wenn ich aber am Planen bin, diskutiere ich manchmal mit Freunden, die in die Planung eingeweiht sind, die Probleme und Situationen und höre mir die verschiedenen Meinungen an. Bei manchen Problemen wende ich mich aber auch an meine Familie, den Verlag oder meinen Agenten und frage diese um Rat.

Yvonne Staller: Wie lange hast du an dem Buch „Sayuri“ geschrieben? Immerhin hat es gute 500 Seiten. Es ist doch bestimmt schwer neben der Schule zu schreiben und eine völlig neue Welt entstehen zu lassen?

Carina Bargmann: Geplant hatte ich einen Zeitraum vom Sommer bis Dezember und geschrieben habe ich dann etwa bis März. Mitte April hab ich dann abgegeben. Für die nächste Geschichte werde ich mir aber etwas mehr Zeit nehmen.

Yvonne Staller: Woran arbeitest du gerade und was können wir als Nächstes von dir erwarten?

Carina Bargmann: Der Plan steht einigermaßen und jetzt muss ich sehen, ob die Geschichte so funktioniert, wie ich es mir gedacht habe. Das wird spannend. Aber verraten möchte ich nichts, bevor nicht wenigstens der Prolog geschrieben ist.

Yvonne Staller: Also gibt es auf jeden Fall noch mehr Werke von dir zu lesen?

Carina Bargmann: Auf jeden Fall. Eins kommt bestimmt noch. Ich kann sowieso nicht mit dem Schreiben aufhören.

Yvonne Staller: Was hast du für Hobbies? Hat man neben dem Scheiben noch Zeit bzw. wie stark beeinflusst das Schreiben dein Leben?

Carina Bargmann: Ich unternehme gerne viel mit Freunden. Zusätzlich bin ich noch in der evangelischen Jugend als Teamerin aktiv und arbeite auch in verschiedenen Gremien mit. Wenn ich Zeit habe, lese ich noch das ein oder andere Buch oder fahre bei gutem Wetter gerne Fahrrad. Das Schreiben beeinflusst mein Leben, genauso wie alles andere. Aber ich könnte meine anderen Hobbys nicht aufgeben, um mehr zu schreiben, weil ich nur schreiben kann, wenn ich auch etwas erlebe. Wenn ich nur in meinem Zimmer säße und mir meine Geschichten da alleine ausdenken würde, dann würden die Geschichten irgendwann unrealistisch werden.

Yvonne Staller: Welche Bücher liest du denn gerne?

Carina Bargmann: Fantasy, aber auch Krimis und gute historische Romane.

Yvonne Staller: Hast du dann auch irgendwelche Lieblingsautoren?

Carina Bargmann: Ich lese viele Autoren gerne: Cassandra Clare, die Autorin der „Chroniken der Unterwelt“, Markus Heitz mag ich gerne, Bernhard Hennen hab ich gerne gelesen, Die Werke von Christoph Marzi. Ich lese auch Bücher von Ulrike Schweikert sehr gerne und noch vieles mehr.

Yvonne Staller: Was ist die wichtigste Sache in deinem Leben?

Carina Bargmann: Das Leben selbst.

Yvonne Staller: Worüber kannst du selber lachen?

Carina Bargmann: Ich lache gerne über lustige Sachen – immer wenn es sich anbietet.

Yvonne Staller: Vervollständige den Satz: Mein Leben ist: …

Carina Bargmann: Abenteuerlich.

Vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast. Ich wünsche dir für die Zukunft alles Gute.

[Interview] Interview mit Kerstin Gier

Kerstin Giers Bücher stürmen regelmäßig die Bestsellerlisten und einige sind sogar schon verfilmt worden. Bei meinem Interview auf der Leipziger Buchmesse 2010 konnte ich mich davon überzeugen, dass sie trotz ihres Erfolgs bodenständig geblieben und eine sympathische Frohnatur geblieben ist, die mit ihrem Humor die Leser zum Lachen bringt.


Yvonne: Was haben Sie vor Ihrer Zeit als Autorin gemacht? Wollten Sie schon immer Schriftstellerin werden?

Kerstin Gier: Ja, das wollte ich schon immer werden, aber ich hab trotzdem ziemlich viel studiert. Ich hab ein Diplom in Erziehungswissenschaften, Kommunikationspsychologie und ein Zusatzzertifikat in Medienpädagogik. Und dann hab ich noch alles mögliche gejobbt, aber seit ich 28 bin arbeite ich nun hauptberuflich als freie Autorin.

Yvonne: Auf wann datiert ihre allererste Geschichte?

Kerstin Gier: Ich würde sagen auf das 2. Schuljahr.

Yvonne: Sie haben so früh schon angefangen?

Kerstin Gier: Ja. (grinst)

Yvonne: Wenn Sie jetzt nicht Autorin geworden wären, was wären Sie dann von Beruf?

Kerstin Gier: Diplompädagogin.

Yvonne: Was war Ihr Lieblingsbuch als Kind?

Kerstin Gier: Die Bücher von Astrid Lindgren. Aber ich denke das allerschönste und am meisten gelesenste waren die Brüder Löwenherz. Die Geschichte ist so traurig und trotzdem so schön.

Yvonne: Sie gehören zu den erfolgreichsten deutschen Autoren und die Leser können gar nicht genug von Ihren Büchern bekommen. Woher nehmen Sie Ihre Ideen um immer wieder neue Geschichten zu schreiben? Musik? Filme? 

Kerstin Gier: Ich glaube die kommen am ehesten aus dem Alltag. Wenn ich mal keine Ideen mehr haben sollte, dann mach ich hauptberuflich was anderes.

Yvonne: Wie schaffen Sie es in so kurzer Zeit so viele Bücher zu schreiben? Hinter jedem Buch steckt ja eine Menge Arbeit.

Kerstin Gier: Das Ich versuche ein Buch im Jahr zu schreiben, und das sieht nur bei den Veröffentlichungen nach viel aus, aber ein Buch im Jahr ist gar nicht so wahnsinnig viel. Da machen andere Autoren mehr.

Yvonne: Wie sieht denn bei Ihnen der übliche Schreiberalltag aus? Haben Sie irgendwelche Rituale die Sie zum schreiben benötigen wie Musik hören, Schokolade essen oder sonstiges?

Kerstin Gier: Nee, weder Schokolade noch Musik. Morgens, wenn mein Sohn in die Schule gegangen ist, schreibe ich am liebsten. Das ist die ruhigste Zeit und meine Katze liegt dann ganz süß neben mir. (Mittlerweile ist sie gestorben – und sie fehlt mir sehr.)

Yvonne: Wie sehr hat Ihr Erfolg Ihr Leben verändert?

Kerstin Gier: Bis jetzt überhaupt nicht. Es ist nur ein wenig hektischer und stressiger geworden.

Yvonne: Machen Sie dann im Gegensatz zum Schreiben auch noch irgendwelchen Ausgleichssport?

Kerstin Gier: Ich hab ein Laufband zu Hause, und da quäle ich mich jeden Tag drauf. Im Winter fahre ich gern Ski.

Yvonne: In einem Interview haben Sie erzählt, dass, wenn Sie peinliche Situationen erleben, diese in Ihren Büchern niederschreiben und selber nochmal darüber lachen. Haben Sie mir ein witziges Fettnäpfchen gerade bereit?

Kerstin Gier: Na, als ich schwanger war zum Beispiel, war mir beim Einkaufen im Supermarkt kotzschlecht, und weil es so plötzlich kam habe ich mich in der Obst- und Gemüseabteilung in diese Plastiktüten übergeben und die dann verknotet und in die Manteltasche gesteckt. Superpeinlich – aber ging in dem Moment gar nicht anders.

Yvonne: Bei Ihren Romanen stehen Liebesgeschichten im Vordergrund. Wie wichtig ist Ihnen Liebe?

Kerstin Gier: Doch schon sehr. Romane mit einer Liebesgeschichte lese ich persönlich auch am liebsten.

Yvonne: Bisher haben Sie immer realistische Geschichten geschrieben. Wie sind die auf das Genre Fantasy gekommen? Lesen Sie gerne Bücher über dieses Thema?

Kerstin Gier: Ich lese selber auch gerne Fantasy. Nicht unbedingt High-Fantasy sondern Bücher mit fantastischen Elementen.

Yvonne: Ist es nicht schwer einen neuen Stil in Richtung Fantasy zu entwickeln?

Kerstin Gier: Nein, fand ich jetzt nicht. Ich fand eher den Perspektivenwechsel zum jungen Mädchen schwer. Ich musste also auch mehr an die Zielgruppe denken. Beim ersten Buch ist mir das etwas schwerer gefallen, aber beim Zweiten ging das schon viel besser.

Yvonne: An welchem Ort sind die Gedanken um die Zeitreise-Trilogie, Gwendolyn und Gideon, entstanden?

Kerstin Gier: Ich glaube, die ist beim Zugfahren entstanden. Irgendwo unterwegs in Deutschland.
Yvonne: Was war Ihr persönliches Highlight oder Schwierigkeit beim Schreiben des Buchs? Gab es auch eine Lieblingsstelle, die Sie supergerne geschrieben haben?

Kerstin Gier: Ja klar gibt es ein paar Lieblingszenen in den Büchern. In „Saphirblau“ ist es diese Szene, in der Gwendolyn sich im 18. Jahrhundert betrinkt.

Yvonne: Um auf Zeitreise zu sprechen zu kommen… Würden Sie selber auch gerne einmal Zeitreisen und wenn ja welches Jahr und warum?

Kerstin Gier: Ich muss ja zugeben: Ich bin superängstlich. Aber wenn ich das machen würde, dann vielleicht in die 50er Jahre um meine Eltern mal zu erleben als sie ganz jung waren. Das fände ich glaube ich ganz interessant. Aber ich weiß nicht, ob ich mich weiter zurück trauen würde. Ich bin so ein Angsthase.

Yvonne: Nun soll „Rubinrot“ verfilmt werden. Wie kam es dazu?

Kerstin Gier: Mem-Film und Schlicht & ergreifend gefiel der Stoff, und meiner Agentin und mir gefiel Mem Film und schlicht & ergreifend, also haben sie den Stoff optioniert.

Yvonne: Steht schon irgendein Termin fest?

Kerstin Gier: Im Moment sind wir noch bei Drehbuchschreiben aber ich denke dass 2012 gedreht wird.

Yvonne: Haben Sie schonmal darüber nachgedacht selber in einer kleinen Nebenrolle im Film aufzutreten?

Kerstin Gier: (lacht) Nein ganz bestimmt nicht. Auf keinen Fall.

Yvonne: Überall gibt es Neider und Besserwisser. Wie gehen Sie mit negativen Kritiken um?

Kerstin Gier: Das gehört leider mit dazu. Aber eigentlich geh ich gar nicht damit um. Es ist eben so.

Yvonne: Haben Sie noch irgendwelche Träume, Pläne oder Wünsche, die noch nicht erfüllt wurden?

Kerstin Gier: Haufenweise. Wenn ich es jemals erleben sollte: Mal Urlaub machen, mal ein ganzes Jahr gar nichts machen… Ansonsten hab ich immer viele Pläne, aber jetzt erstmal eins nach dem anderen.

Yvonne: Was können die Leser noch von Ihnen erwarten? Haben Sie weitere Romane in Vorbereitung?

Kerstin Gier: Also wenn ich „Smaragdgrün“ fertig habe, schreibe ich wieder einen Roman für Erwachsene, und da möchte ich dann auch so ein kleines magisches Element einbauen. Es soll zwar kein Fantasyroman werden, aber so eine Art Experiment mit einem magischen Element. Mal schauen. Danach wollte ich eigentlich wieder ein Jugendbuch schreiben.

Yvonne: Worüber können Sie selber lachen?

Kerstin Gier: Oft erst sehr viel später, aber dann über alles. Nicht so wirklich kann ich zum Beispiel über Mario Barth lachen und auch nicht über Oli Pocher, aber Harpe Kerkeling zum Beispiel finde ich komisch, oder den Humor von Loriot.

Yvonne: Was ist die wichtigste Sache in Ihrem Leben?

Kerstin Gier: Meine Familie. Mein Kind, mein Mann.

Yvonne: Vervollständigen Sie den Satz: Mein Leben ist: …

Kerstin Gier: …Im Moment ziemlich stressig – ansonsten ist mein Leben toll.

Vielen Dank dass Sie sich für das Interview Zeit genommen hast. Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute.