3. April 2010

[Rezension] Oliver Plaschka - Die Magier von Montparnasse

Oliver Plaschka
Die Magier von Montparnasse
Verlag: Klett-Cotta
ISBN:
978-3-608-93874-6
Seiten:
428
Ausgabe:
Gebunden mit Schutzumschlag
Preis: € 21,90

Paris, 1926, in einem Varieté am Montparnasse. Der Bühnenzauberer Ravi und seine reizende Assistentin Blanche wollen nur ein harmloses Zauberkunststück auf der Bühne aufführen bei dem die beiden in einen Sarg gesperrt werden, der sich langsam mit Sand füllt. Eigentlich kann Ravi die Rückseite des Sargs öffnen – nur an diesem Tag nicht. Um Blanche und sich selber vor dem Erstickungstod zu bewahren muss er für jeden Zuschauer ersichtlich echte Magie auf der Bühne anwenden. Damit bricht er die Gebote der Société Silenciuses. Diese Organisation wacht über alle Magie und entsendet auch sofort Vertreter um den abtrünnigen Zauberer sowie seine Gehilfin zu bestrafen. Es folgt ein Kampf zwischen Traum und Wirklichkeit: Um ein altes Versprechen einzulösen fällt Blanche durch eine verbotene Frucht in einen tiefen Schlaf um am nächsten Morgen gewandelt zu erwachen. Jedoch bricht dieser Tag nie an und Ravi durchlebt sieben Mal jenen Sonntag…

Oliver Plaschka entführt uns in seinem Roman „Die Magier von Montparnasse“ in das geheimnisvolle Paris der 20er Jahre. Er lässt den Leser in eine Welt voller Magie, Geheimnisse und Liebe eintauchen, in welcher die Protagonisten gezwungen sind jenen verhängnisvollen Sonntag immer und immer wieder aufs neue zu erleben, ohne dabei Erinnerungen an die bereits durchlebten Sonntage zu haben.
Zugegeben, das Buch ist schwere Kost, denn der Autor schreibt aus der 1. Person und wechselt dabei immer wieder die Perspektive zwischen den Zauberern und den vier normalen Menschen.
Zudem ist der Handlungsstrang nicht immer klar ersichtlich, da der Autor die inneren Zusammenhänge nicht explizit erwähnt und den Leser somit selber kombinieren lässt. Was schnell zu Verwirrungen führen kann, denn sehr schnell gelangt der Leser zu falschen Annahmen und findet dadurch nicht den roten Faden in der Geschichte. Es bleibt sehr viel offen stehen und leider verliert sich Oliver Plaschka von einer Szene zur nächsten, welche für sich betrachtet auch nichts mit dem Fortlauf der Geschichte zu tun hat. Das Buch ist eben nicht sehr flüssig zu lesen, was vielleicht auch daran liegen könnte, dass das Buch sprachlich sehr anspruchsvoll und zum Teil auch philosophisch geschrieben wurde. Man muss schon sehr aufmerksam lesen um nichts zu verpassen.
Dennoch muss man sagen, dass der Autor die Zeit und den Ort der Handlung in eine wunderschöne Atmosphäre verpackt hat, die der Zeit 1926 in Paris vollstens angemessen ist und dem Leser sofort das Gefühl gibt sich in jener Zeit und an jenem Ort zu befinden.
Die Charaktere wurden ebenfalls sehr detailgetreu mit all ihren Fehlern ausgearbeitet und jeder besitzt seine eigene unverkennbare Persönlichkeit. Durch den Erzählstil aus der Ich-Perspektive der vorhandenen Protagonisten erhält der Leser zusätzlich einen tiefen Einblick in deren sozialen Hintergründe, Meinungen und Gedanken.
Ein großes Lob muss ich nun auch noch an den Verlag für die Covergestaltung von „Die Magier von Montparnasse“ aussprechen. Es wurde sehr künstlerisch gehalten und passt mit den Charakteren Ravi und Blanche auf dem Cover perfekt zum Inhalt des Buchs.

Mein Fazit:
Nachdem ich das Buch gelesen habe bin ich hin und her gerissen. Das Buch ist wunderschön aufgemacht, dennoch ist die Geschichte für mich mehr rätselhaft als geheimnisvoll, da bei mir während des Lesens mehr Fragen aufkamen, als in der Handlung ge- und erklärt wurden. Obwohl ich den roten Faden durch das Buch hinweg nicht gefunden habe, finde ich es nicht schlecht. Dennoch würde ich es nur jenen Lesern empfehlen, die nicht davor zurückscheuen auch mal „schwere Kost“ zu lesen. Für ein einfaches „drüber lesen“ ist der philosophische Schreibstil zu anspruchsvoll und zu verwirrend.

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