10. April 2010

[Rezension] Licia Troisi - Die Feuerkämpferin. Im Bann der Wächter

Licia Troisi
Im Bann der Wächter, Die Feuerkämpferin, Teil 1
Originaltitel: Leggende del Mondo Emerso 1 – Il destino di Adhara
Verlag:
Heyne
Seiten: 512
Ausgabe:
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-453-26617-9
Preis: € 17,95

Lange Zeit herrschte Frieden in der aufgetauchten Welt. Doch beunruhigende Ereignisse deuten auf einen Wandel hin: Eine unerklärliche Krankheit breitet sich aus und bringt den Tod, Die Kranken sind von schwarzen Flecken gezeichnet, sie bluten aus Augen, Ohren und Mund. Nur Nymphen und Wesen mit Nymphenblut scheinen immun zu sein. In diesem Klima des steigenden Misstrauens und der Angst findet sich eines Tages ein junges Mädchen auf einer Wiese wieder. Sie hat ihr Gedächtnis verloren, weiss nicht, wer sie ist, wo sie ist, woher sie kommt. In eine schlichte Tunika gekleidet, trägt sie nur einen Dolch bei sich. Als zwei infizierte Männer das Mädchen angreifen, wird sie von dem Drachenritter Amhal gerettet. Er nimmt sich ihrer an und tauft sie auf den Namen Adhara. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg nach Laodamea, wo Amhal seine Begleiterin einem Magier vorstellt. Dieser erkennt sofort die besondere Kraft des Mädchens. Doch er ahnt nicht, dass Adhara das Schicksal der Aufgetauchten Welt in sich trägt.

Meine Rezension:
Wie bei den beiden Trilogien davor hat auch hier Paolo Barbieri die Coverillustration des Schutzumschlags gestaltet und es ist ihm wieder einmal gelungen ein richtiges Gemälde zu zaubern. Im allgemeinen ist das Bild farblich sehr gut abgestimmt und zeigt die Hauptcharakterin Adhara. Der Name der Autorin sowie der Buchname wurden in weißen Buchstaben gedruckt währen der Name des Zyklus „Die Feuerkämpferin“ in gold gehalten wurde und deswegen mit ein Blickfang für sich ist. Klappt man das Buch auf, findet man vorne und hinten jeweils eine Doppelseite mit einer Weltkarte der Aufgetauchten Welt, sowie ein Register mit den wichtigsten Namen, Orten und Begriffen.
Da mich schon die vorherige Trilogien „Die Drachenkämpferin“ und „Die Schattenkämpferin“ fasziniert haben, habe ich mich sehr auf die neue Trilogie „Die Feuerkämpferin“ gefreut, mit der Licia Troisi ein weiterer gelungener Auftakt einer All-Age-Fantasy gelungen ist. Bei „Im Bann der Wächter“ kehrt der Leser ins Land der Aufgetauchten Welt zurück. Es ist 50 Jahre her, seit jenem Kampf, als Learco und Dubhe alle Herrschafts- und Zerstörungspläne der Gilde der Assassinen zunichte gemacht haben.
Jedoch sollte man bemerken, dass dieser erste Teil der neuen Trilogie nur eine Einleitung auf die nächsten beiden Teile ist. Hier bringt die Autorin erst die ganzen Ereignisse auf den Weg, die im nächsten Teil richtig ausgelebt werden. Dazu muss man die vorherigen Trilogien nicht unbedingt kennen. Zwar tauchen einige Charaktere aus der zweiten Trilogie wieder auf, aber man findet sich aufgrund der ausführlichen Beschreibung auch als Neueinsteiger zurecht. Lediglich zum besseren Verständnis der Geschichte der Aufgetauchten Welt, sollte man diese nicht auslassen.
Das Buch teilt sich in insgesamt 3 Kapiteln auf. Im ersten Kapitel „Das Mädchen auf der Wiese“ treffen Adhara und Amhal aufeinander und beide versuchen etwas über ihre Vergangenheit herauszufinden. Ihr Weg führt sie zum König und zur Königin, wo sie vom Thronerben Neor als Freundin für dessen Tochter angestellt wird. Im zweiten Kapitel „Die Gesellschafterin“ findet sich Adhara in ihrem neuen Leben am Hof ein. Doch da Amhal nun von dem mysteriösen Mann in schwarz unterrichtet wird, hat er immer weniger Zeit für sie und entfremdet sich immer weiter von ihr. Im dritten Kapitel „Adharas Schicksal“ kommt Adhara nun endlich hinter das Geheimnis ihres Gedächtnisverlusts. Doch nicht nur sie hat mit ihrer Vergangenheit und ihrer Bestimmung zu kämpfen: San formt Amhal so wie er ihn haben will und hat einen schlechten Einfluss auf ihn. Immer mehr verblasst der Jüngling, der Adhara einst gerettet hatte und wird immer mehr zu einer Tötungsmaschine, der Flüchtlinge tötet und seiner Wut freien Lauf lässt…
Licia Troisis ist Schreibstil im Vergleich zu den Vorgängerbüchern weiter gereift und hat sich weiterentwickelt. Obwohl sich die ersten 50 Seiten etwas gezogen haben, ist der Erzählstil gewohnt locker und fesselnd, so dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Sie schreibt in einem erzählerischen Tempo, dass das Buch sehr kurzweilig wirkt. Durch den ständigen Perspektivenwechsel der Erzählform wird es nie langweilig, da die Autorin versteht die Charaktere mit ihren Gefühlen und Gedanken zum Leben zu erwecken.
Die Charaktere sind wieder einmal sehr gut ausgearbeitet und wirken sehr real und bodenständig. Die Hauptprotagonistin in dieser Reihe ist eine toughe Heldin, die für Gerechtigkeit und ihrer Liebe zu Amhal kämpft. Dieser ist ein junger, angehender Drachenreiter, der Adhara vor bösen Männern beschützt hat. Er trägt eine unbändige Wut und Mordlust in sich und wird immer mehr von dieser überwältigt. Nur der seltsame und mysteriöse Mann in schwarz scheint die Antwort auf all seine Fragen zu kennen. Dabei handelt es sich bei diesem Mann um keinen anderen als San, den verloren geglaubte Enkelsohn von Nihal und Sennar. Dieser, nun doch ältere Mann, wirkt auf den Leser als eine sehr zweifelhafte Person, auf die ich nun aber nicht genauer eingehen will. Jeder Leser sollte selbst herausfinden, was es mit ihm auf sich hat…
Es gibt auch in diesem Teil ein Wiedersehen mit alten Bekannten wie zum Beispiel Dubhe und Learco, die inzwischen 70 Jahre alt sind und als König und Königin über das Land herrschen. Da Dubhe sich anfänglich am Hof fehl am Platz gefühlt hat, hat sie eine Art Geheimdienst mit eigenen Agenten und einem eigenen Netzwerk aufgebaut. Bis auf ihre Familie weiß niemand, dass sie selber auch noch an gefährlichen Missionen teil nimmt. Aber auch Theana hat ihren Platz in dieser Geschichte gefunden und ist nun Hohepriesterin in der Ordensgemeinschaft des Blitzes.
Mein Fazit:
„Die Feuerkämpferin – Im Bann der Wächter“ hat mich wieder einmal völlig überzeugt und mich in seinen Bann gezogen. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der Wert auf eine gute und spannende Fantasygeschichte, eine toughe Heldin sowie sympathische Charaktere legt. Da das Buch ein offenes Ende hat und ich wissen will, wie es mit Adhara und Amhal weitergeht, bin ich schon sehr auf den zweiten Teil gespannt. Ich hoffe der Verlag lässt uns nicht allzu lange auf diesen Teil warten, dessen Erscheinungstag ich leider noch nicht in Erfahrung bringen konnte.

5. April 2010

[Lesung] Bernd Perplies - Tarean. Ritter des Ersten Lichts

Bernd Perplies hat einen kleinen Auszug aus dem 6. Kapitel von „Tarean – Ritter des Ersten Lichts“ eingelesen. Diese Stelle war eigentlich für die Lesung auf der Fantasyinsel der Leipziger Buchmesse 2010 geplant gewesen, wurde aber Opfer einiger Spoiler und der Länge. Ihr habt nun die Möglichkeit diesen Auszug HIER anzuhören. Ich wünsche allen Zuhörern viel Spaß!

3. April 2010

[Rezension] Oliver Plaschka - Die Magier von Montparnasse

Oliver Plaschka
Die Magier von Montparnasse
Verlag: Klett-Cotta
ISBN:
978-3-608-93874-6
Seiten:
428
Ausgabe:
Gebunden mit Schutzumschlag
Preis: € 21,90

Paris, 1926, in einem Varieté am Montparnasse. Der Bühnenzauberer Ravi und seine reizende Assistentin Blanche wollen nur ein harmloses Zauberkunststück auf der Bühne aufführen bei dem die beiden in einen Sarg gesperrt werden, der sich langsam mit Sand füllt. Eigentlich kann Ravi die Rückseite des Sargs öffnen – nur an diesem Tag nicht. Um Blanche und sich selber vor dem Erstickungstod zu bewahren muss er für jeden Zuschauer ersichtlich echte Magie auf der Bühne anwenden. Damit bricht er die Gebote der Société Silenciuses. Diese Organisation wacht über alle Magie und entsendet auch sofort Vertreter um den abtrünnigen Zauberer sowie seine Gehilfin zu bestrafen. Es folgt ein Kampf zwischen Traum und Wirklichkeit: Um ein altes Versprechen einzulösen fällt Blanche durch eine verbotene Frucht in einen tiefen Schlaf um am nächsten Morgen gewandelt zu erwachen. Jedoch bricht dieser Tag nie an und Ravi durchlebt sieben Mal jenen Sonntag…

Oliver Plaschka entführt uns in seinem Roman „Die Magier von Montparnasse“ in das geheimnisvolle Paris der 20er Jahre. Er lässt den Leser in eine Welt voller Magie, Geheimnisse und Liebe eintauchen, in welcher die Protagonisten gezwungen sind jenen verhängnisvollen Sonntag immer und immer wieder aufs neue zu erleben, ohne dabei Erinnerungen an die bereits durchlebten Sonntage zu haben.
Zugegeben, das Buch ist schwere Kost, denn der Autor schreibt aus der 1. Person und wechselt dabei immer wieder die Perspektive zwischen den Zauberern und den vier normalen Menschen.
Zudem ist der Handlungsstrang nicht immer klar ersichtlich, da der Autor die inneren Zusammenhänge nicht explizit erwähnt und den Leser somit selber kombinieren lässt. Was schnell zu Verwirrungen führen kann, denn sehr schnell gelangt der Leser zu falschen Annahmen und findet dadurch nicht den roten Faden in der Geschichte. Es bleibt sehr viel offen stehen und leider verliert sich Oliver Plaschka von einer Szene zur nächsten, welche für sich betrachtet auch nichts mit dem Fortlauf der Geschichte zu tun hat. Das Buch ist eben nicht sehr flüssig zu lesen, was vielleicht auch daran liegen könnte, dass das Buch sprachlich sehr anspruchsvoll und zum Teil auch philosophisch geschrieben wurde. Man muss schon sehr aufmerksam lesen um nichts zu verpassen.
Dennoch muss man sagen, dass der Autor die Zeit und den Ort der Handlung in eine wunderschöne Atmosphäre verpackt hat, die der Zeit 1926 in Paris vollstens angemessen ist und dem Leser sofort das Gefühl gibt sich in jener Zeit und an jenem Ort zu befinden.
Die Charaktere wurden ebenfalls sehr detailgetreu mit all ihren Fehlern ausgearbeitet und jeder besitzt seine eigene unverkennbare Persönlichkeit. Durch den Erzählstil aus der Ich-Perspektive der vorhandenen Protagonisten erhält der Leser zusätzlich einen tiefen Einblick in deren sozialen Hintergründe, Meinungen und Gedanken.
Ein großes Lob muss ich nun auch noch an den Verlag für die Covergestaltung von „Die Magier von Montparnasse“ aussprechen. Es wurde sehr künstlerisch gehalten und passt mit den Charakteren Ravi und Blanche auf dem Cover perfekt zum Inhalt des Buchs.

Mein Fazit:
Nachdem ich das Buch gelesen habe bin ich hin und her gerissen. Das Buch ist wunderschön aufgemacht, dennoch ist die Geschichte für mich mehr rätselhaft als geheimnisvoll, da bei mir während des Lesens mehr Fragen aufkamen, als in der Handlung ge- und erklärt wurden. Obwohl ich den roten Faden durch das Buch hinweg nicht gefunden habe, finde ich es nicht schlecht. Dennoch würde ich es nur jenen Lesern empfehlen, die nicht davor zurückscheuen auch mal „schwere Kost“ zu lesen. Für ein einfaches „drüber lesen“ ist der philosophische Schreibstil zu anspruchsvoll und zu verwirrend.