13. März 2010

[Rezension] Gesa Schwartz - Grim

 
Gesa Schwartz
Grim - Das Siegel des Feuers
 Verlag: Egmont-LYX
Seiten: 688
Ausgabe:
Gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-8025-8303-2
Preis: € 19,95
Leseprobe

Der Gargoyle Grim wahrt das steinerne Gesetz, nach dem niemals ein Mensch von der Existenz seines Volkes erfahren darf. Doch dann wird dieses Gesetz aufgrund eines rätselhaften Pergaments gebrochen. Gemeinsam mit der jungen Sterblichen Mia, einer Seherin des Möglichen, will Grim das Geheimnis des Pergaments ergründen. Sie ahnen nicht, dass sie einem Rätsel auf der Spur sind, welches das Schicksal der ganzen Welt bedroht …

Meine Rezension:
Die wunderschöne Illustration wurde im Stil der Handlung gehalten und ist, aufgrund der Farben, ein echter Blickfang. So sieht man Grim auf einer Brüstung vor dem Panorama von Paris sitzen, während im sich der Himmel im Hintergrund golden färbt.Das gesamte Coverbild wird umrahmt von Verzierungen, so dass der Betrachter meinen könnte, Grim aus einem Aussichtspunkt einer Kirche zu betrachten. Natürlich darf auf dem Cover der Name der Autorin sowie der Buchtitel nicht fehlen.
Gesa Schwartz entführt den Leser in ihrem Debütroman „Grim – Das Siegel des Feuers“ in eine Welt voller Magie und Mysterien. So spielt die Handlung zwar in der französischen Hauptstadt Paris, jedoch hat die Autorin eine weitere Welt erschaffen, die parallel zu unserer existiert. Hier leben Werwölfe, Kobolde, Vampire und andere magische Geschöpfe verborgen vor den Augen der Menschen. Unter ihnen sind auch die Gargoyles, die jeder, der einmal Paris besucht hat, als Wächter alter Kirchen kennt. In „Das Siegel des Feuers“ haucht Gesa Schwartz ihnen Leben ein, dass sie zu magischen und den Menschen gar nicht so unähnlichen Wesen werden. Sie leben unbemerkt zusammen mit anderen neuen Fantasywesen, z.B. Hybriden (Mischwesen – halb Mensch, halb Gargoyle), unter Menschen und in der unterirdischen Anderwelt von Paris.
In dem Roman geht es darum, dass der Hauptcharakter Grim sich mit dem Menschenmädchen Mia zusammenschließt um hinter das Geheimnis des „Siegels des Feuers“ zu kommen, welches einen mächtigen und uralten Zauber beherbergen soll. Es ist ein Zeichen des Wandels seit der alten Zeit, in der in Ghrogonia, der Stadt des Zwielichts, noch echte Drachen lebten. Es schützt Geheimnisse, welche die Welt verändern könnten…
Gesa Schwartz’ Schreib- und Erzählstil ist flüssig und spannend zu lesen, dabei aber an keiner Stelle oberflächlich. Wer also denkt einfach nur eine Lektüre vor sich zu haben um sie zu „überfliegen“, irrt sich gewaltig. Man muss die Geschichte sehr genau lesen und sich für die Welt der Gargoyles Zeit nehmen. Das Buch geht sehr in die Tiefe, wobei man auch selber mitdenken und kombinieren muss. Auch aufgrund der philosophischen und mythologischen Ansätze regt die Geschichte zum Nachdenken an und hebt sich so von vielen anderen Erzählungen des Genres wohltuend ab. Eine sehr besondere und anspruchsvolle Lektüre, die den Leser aber schon nach kurzer Zeit nicht mehr loslässt. Obwohl die Autorin stets in die Tiefe geht (auch, was den Hintergrund ihrer Welt betrifft und deren gesellschaftliche Strukturen) und sich nie in Oberflächlichkeiten verliert, wird es nie langweilig. Ein Höhepunkt folgt dem nächsten, die Konflikte spitzen sich immer weiter zu und viele Stellen werden von einer mitreißenden Dramatik getragen. Die Lektüre war ein sehr intensives Erlebnis, zahlreiche Stellen sind sehr eindringlich geschildert und ich konnte alles, was die Figuren erlebten, hautnah mitfühlen. Dabei schreckt die Autorin auch nicht davor zurück, ihre Charaktere immer wieder in Extremsituationen zu bringen und so auch in dem Leser heftige Gefühle auszulösen. Außerdem hat die Autorin die Kapitel angenehm kurz gehalten und die Geschichte wird an vielen Stellen von einem feinen Humor und subtiler Ironie durchzogen.
Die Charaktere sind wunderbar herausgearbeitet und liebevoll gestaltet. Jeder einzelne wurde von der Autorin mit seiner eigenen, detaillierten Vergangenheit ausgestattet und in seinem Handeln und seinen Entwicklungsschritten so dargestellt, dass er wie alle anderen überzeugend und glaubhaft wirkt.
So zum Beispiel der Hauptcharakter Grim. Wie jeder weiß hassen Gargoyles Tauben – dies ist eine Charaktereigenschaft, an die ich selber gar nicht mehr gedacht habe, ein Detail, dass aber von der Autorin wundervoll beschrieben wird. Grim ist ein sogenannter Schattenflügler und stammt zudem aus der Reihe der Vulkangeborenen, der stärksten Gargoyles, ab. Das ist einer der Gründe warum er besondere Kräfte hat, sich aber auch sonst von den anderen unterscheidet, da er sich nach der Menschenwelt, einer Welt voller Gefühle, Hoffnungen und Träume, sehnt. Ausserdem ist Grim ein Mitglied der OGP, der Obersten Gargoyle Polizei, und wurde aufgrund eines Regelverstoßes für einige Zeit in eine niedrigere Rangstufe versetzt. Mit zunehmender Handlung werden die weiteren facettenreichen Hintergründe seines Innenlebens und sein innerer Konflikt deutlich. Aber auch Mia hat einen (positiven) Einfluss auf ihn, was er natürlich nie und nimmer zugeben würde…
Mir persönlich war Grim sehr angenehm und erfrischend anders. Vor allem hat mir sehr gut gefallen, dass dieser grimmige Kerl doch so schön lustig und dabei auch sarkastisch sein kann.
Mia ist 17 Jahre und hat eine ganz besondere Begabung. Sie spürt, dass in der Welt mehr sein muss, als das menschliche Auge sehen kann. Sie besitzt eine große, magische Kraft, die sie erst noch erlernen und kontrollieren muss. Ihr Leben nimmt eine dramatische Wendung, als ihr Bruder Jakob ihr eine fantastische neue Welt offenbart. Hier findet sie neue Freunde, unter denen auch Grim, ein mürrischer und unhöflicher Gargoyle ist…
Beide Hauptcharaktere durchlaufen in der Geschichte eine vielschichtige und tiefgründige Entwicklung, die die Autorin durchgehend nachvollziehbar in die Handlung integriert hat. Viele kleine und große Hinweise auf die inneren Konflikte durchziehen die Geschichte wie Puzzlestücke. Am Ende ergeben sie ein bis ins Detail herausgearbeitetes glaubwürdiges Bild, so dass die Wandlungen der Charaktere sehr gut nachzuvollziehen und vor allem mitzuempfinden sind.
Doch nicht nur die Hauptcharaktere sind wunderbar herausgearbeitet, auch die Nebencharaktere wie Mourier, der Polizeipräsident oder Remis, der Kobold, sind überzeugend. Vor allem Remis, dieser liebe, kecke und rotzfreche Kerl hat es mir angetan.

Mein Fazit:
Gesa Schwartz’ Debüt „Grim – Das Siegel des Feuers“ ist eine ganz eigene, wunderbar ausgearbeitete Geschichte, die sich den derzeit üblichen Genreeinteilungen und -klischees vollkommen entzieht. Ich würde sie als anspruchsvolle Fantastik mit tiefgründigen Charakteren und reichlich Spannung bezeichnen, die sich für männliche Leser ebenso eignet wie für weibliche.
Es ist ein Buch, das man wirklich gelesen haben sollte, denn obwohl der Roman für mich auch aufgrund der Gargoyles eine wundervolle Abwechslung zu den üblichen Fantasybüchern war, hebt er sich bei Weitem nicht nur durch diese außergewöhnlichen Charaktere von den meisten anderen Büchern des Genres ab. Kurz: Ich finde absolut keinen Kritikpunkt an dieser Geschichte. Ich hoffe sehr, dass die Autorin in Zukunft noch weitere Werke veröffentlichen wird und freue mich schon sehr darauf Gesa Schwartz auf der Leipziger Buchmesse zu interviewen. Deswegen auch ein herzliches Dankeschön an den Egmont-LYX Verlag für die Vermittlung der Kontaktadresse.

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