15. Februar 2010

[Rezension] Brom - Der Kinderdieb

Brom
Der Kinderdieb
Originaltitel: The Child Thief
Verlag: PAN
Seiten: 664
Ausgabe:
Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 3-426-28329-8

Leise wie ein Schatten streift ein merkwürdiger Junge durch die Straßen von New York. Er nennt sich Peter und ist auf der Suche nach Kindern und Teenagern, die dringend Hilfe brauchen. Peter rettet sie – und bietet ihnen an, sie in sein magisches Reich zu führen, in dem niemand je erwachsen werden muss. Doch er verrät nicht, dass dieses Land im Sterben liegt und dort nicht nur magische Geschöpfe und das Abenteuer ihres Lebens auf sie warten, sondern auch größere Gefahr…

Meine Rezension:

Schon seit das Buch vom Verlag angekündigt wurde, habe ich mich sehr auf diesen Titel gefreut und wurde zum größten Teil nicht enttäuscht.

Der Buchumschlag ist, sowie das Buch an sich, wunderschön gestaltet worden. Der Umschlag wurde im metallic-look auf Hochglanzpapier gedruckt. Auf dem Cover ist ein Bild von Peter zu sehen, hinter dessen Bild sich über den ganzen Umschlag ein Band mit Tieren, Feen und untote Geister-Wesen erstreckt. Sehr schön bei der Covergestaltung fällt auf, dass die Rottöne der Coverillustration und des Verlagsnamens hervorgehoben wurden. Ebenfalls findet man auf dem Cover den Autorenname sowie den Buchtitel. Die schöne Gestaltung setzt sich durch das komplette Buch fort. So gibt es am Anfang eine kleine Karte mit den Ländereien von Avalon sowie vor jedem der 26 Kapitel eine schwarz-weiss Illustration, die sehr passend zu dem jeweiligen Kapitel gewählt wurde. Absolutes Highlight des Buchs sind die acht Seiten in der Mitte des Buchs, in denen bunte Charakterillustrationen der Avalon-Figuren (z.B.: Peter, Die Dame, Troll und der Kapitän) abgebildet sind. Des Weiteren gibt es am Ende des Buchs eine „Nachbemerkung des Autors oder: Ein Lobgesang auf Peter Pan“, bei dem der Autor beschreibt wie er auf die Idee gekommen ist „Der Kinderdieb“ zu schreiben. Hier gibt es auch ein kleines Glossar.

In seinem Roman „Der Kinderdieb“ erzählt der Autor BROM eine etwas andere Geschichte von Peter Pan und seiner niemals endenden Kindheit im Nimmerland. Nur dass BROMs Peter nicht der liebenswerte Pan ist, den man aus den Disneyfilmen kennt, sondern sich vielmehr an dem Originalroman von John M. Barrie orientiert und seinem Peter die dunklen Untertöne dieser Märchengestalt hervorhebt.
Dabei muss man sagen, dass BROM die Geschichte von Peter Pan keineswegs nacherzählt, sondern eine eigene Welt mit eigenen Wesen (wie z.B.: den Barghests) erschaffen hat. Auch heißt die berühmte Zauberinsel nicht Nimmerland sondern Avalon, wie aus der britischen Arthus-Mythologie. Ebenso spürt man beim lesen des Buchs genau, dass BROM sich mit den schottischen Märchen, Mythen und Legenden beschäftigt hat und diese Elemente in seine Geschichte hat einfließen lassen.

Der Hauptcharakter Peter nimmt nur Kinder und Jugendliche mit nach Avalon, die kein zu Hause mehr haben, misshandelt wurden und auch sonst nicht wissen, wie es in ihrem Leben weitergehen soll. Was er ihnen aber im Vorfeld nicht verrät: Er bildet sie in Avalon zu mutigen aber auch tödlichen Kriegern, den Teufeln, aus, da Avalon im Sterben liegt. Nur mit ihrem Kampfeinsatz kann es Peter oder besser gesagt der Dame Modron gelingen, die Erwachsenen, die einst auf der Insel gelandet waren, zu vertreiben.

Sehr schön, aber auch etwas eklig, finde ich wie der Autor den Übergang von New York nach Avalon beschrieben hat, wo Peter und dem jeweils ausgewählte Junge, durch den Neben wandert, den Avalon umgibt. So wandern sie über tote Menschen und Knochen. Doch es gibt noch andere Gefahren, die sich in dem Nebel verbergen: Die Sluagh.

Während des eigentlichen Handlungsstrang macht der Leser auch oft einen Ausflug in Peters Vergangenheit, wie er aufgrund seines Feenhaften Aussehens von seiner Familie verjagt, von den Menschen verachtet und aufgrund seiner spitzen Ohren sowie dem roten Haar als Abscheulichkeit bezeichnet wurde. Ebenso erfährt der Leser wie Peter vor langer Zeit auf die Insel Avalon geriet und seiner Seele der Dame Modron vermacht hat und er somit fortan auf ewig ihr gehört.

Nach einem kleinen Prolog teilt der Autor das ca. 648 Seiten starke Buch in 26 Kapitel sowie 5 Teile auf. Beim 1 Teil „Peter“ stellt BROM die Eigenschaften und die Persönlichkeit seines Hauptcharakters dar. Im 2. Teil „Der Teufelsbaum“ taucht der Leser zusammen mit dem Jungen Nick in die magische Welt von Avalon ein, die aber nicht so wunderbar zu sein scheint, wie Peter sie darstellt. Im 3. Teil „Die Fleischfresser“ geht es darum, dass die Teufel gegen die Vernichtung von Avalon kämpfen. Im 4. Teil „Der Kapitän“ gibt es eine Kehrseite in der Geschichte: Was wäre wenn die Dame schuld am Leid der Menschen und dem Untergang von Avalon wäre? Über den 5. Teil „Ulfger“ möchte ich nichts schreiben, da jedes Wort zu viel über den Ausgang der Geschichte verraten würde.

Der Schreib- und Erzählstil ist einfach zu lesen und die Dialoge sind gut verständlich. Allerdings springt der Autor gerne beim Übergang der Kapitel so, dass man sich plötzlich in einer veränderten Situation der Handlung wiederfindet. Das hat mich des öfteren sehr verwirrt. Ich habe immer wieder zurückgeblättert, falls ich doch was überlesen oder falsch verstanden hätte… Dies hat mich etwas im Lesefluss gestört.

Die Geschichte wird in der Erzählform wiedergegeben, die sich gerne einmal ein bisschen im Detail verliert. Zudem wird sie in zwei Handlungssträngen erzählt. Neben der eigentlichen, tatsächlichen Geschichte gibt es immer wieder Rückblenden auf Peters Lebensgeschichte. Des Weiteren benutzt der Autor bei den Dialogen der Teufel sowie Kinder und Jugendlichen Kraftausdrücke wie: „Wichsfresse“ und „Fick dich“. Mir hat das persönlich nicht sehr gefallen, gehört aber zu der heutigen Jugendsprache, wenn man bedenkt aus welchen familiären Umständen die Jungen und Mädchen in der Geschichte kommen.

Sehr schade finde ich jedoch, dass die Spannungskurve erst ungefähr ab Seite 450 einsetzt und es in den letzten 30 Seiten wirklich spannend wird. Ansonsten wird nur eine Geschichte erzählt die vor sich hin fließt und bei der es nur ab und an kleinere Highlights gibt.

Die Charaktere sind allesamt sehr gut ausgearbeitet und gehen gerade bei den Hauptcharakteren sehr gut in die Tiefe, so dass man sich sehr gut in Peter sowie den Jungen Nick hineinversetzen und ihre Handeln jederzeit nachvollziehen kann. Der Charakter von Peter ist in sich ein einziger Wiederspruch in seiner Persönlichkeit. In dem einen Moment ist er ein kaltblütiger Mörder und im anderen Moment ein kleiner optimistische Junge mit entsprechendem Zauber. Der Junge Nick hat für mich die tragischste Rolle in der Geschichte erhalten. Anfänglich ist er glücklich Peter getroffen zu haben, der ihm ein schöneres Leben in Avalon bieten kann als er es je bei dem Freund seiner Mutter, einem gefährlichen Drogendealer, gefunden hätte. Doch schon bald muss Nick erkennen, dass Avalon nicht die zauberfeste ist, die Peter ihm versprochen hatte. So ist er ziemlich sauer auf Peter, der ihn einfach auf die Insel mitgenommen hat, ohne ihn auf die dortigen Gefahren aufmerksam zu machen. Schon bald merkt Nick Veränderungen an sich, indem sich eine Finsternis in ihm ausbreitet. Zudem bekommt er Schuldgefühle gegenüber seiner Mutter und seiner Oma, dass er sie mit dem Drogendealer alleine gelassen hat und die beiden in Schwierigkeiten stecken könnten. Durch sein schlechtes Gewissen möchte er zurück in die Menschenwelt, doch da merkt er, dass Peter ganz andere Pläne mit ihm hat. Kann er ihm noch trauen? Oder soll er seinem Todesmarsch gegen die Erwachsenen folgen?

Mein Fazit:

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, auch wenn es im Schreib- und Erzählstil einige Schwächen hat. Aber ich habe mit dem Jungen Nick mitgefiebert und mitgelitten, weshalb ich sagen kann, dass mir das Buch sehr schöne Lesestunden beschert hat. Erwähnenswert ist ebenfalls nochmal die tolle Aufmachung von dem Buch mit seinen zahlreichen Illustrationen, die ich so in noch keinem anderen Roman gefunden habe.

5. Februar 2010

[Rezension] Carina Bargmann - Sayuri


Carina Bargmann
Sayuri
Verlag: Arena
Seiten: 520
Ausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-401-06446-8
Preis: € 18,95
Leseprobe

Das Cover zu „Sayuri“ wurde wundervoll im Stil der Handlung gestaltet, wofür ich dem Arena-Verlag ein sehr großes Lob aussprechen möchte. Im Vordergrund erkennt man drei schemenhafte Figuren, die sehr gut Sayuri, Marje und Kiyoshi aus der Geschichte sein können. Der Hintergrund des Covers ziert ein fremdartiger, magischer Baum, sowie Regen, der als blaue glitzernde Tropfen auf die Oberfläche gedruckt wurden. Wenn man mit den Fingern darüber fährt, spürt man die Erhebungen und das Bild fühlt sich dadurch lebendig an. Natürlich darf der Autorenname und der Buchtitel, sowie der Schriftzug des Verlags nicht fehlen. Insgesamt ein sehr gelungener Umschlag für das Hordcover Buch, dass auch ein sehr schöner Blickfang im Bücherregal ist.

In der Kaiserstadt herrscht Wasserknappheit und trifft die Taller, die am äußersten Ring der Stadt wohnen am härtesten. Unter ihnen lebt die junge Marje, die sich nicht mit der Ausbeutung des Kaisers gegenüber ihrem Volk zufrieden gibt und sich einem Rebellenclan angeschlossen hat. Nicht, dass es die Taller schon schwer genug haben, nun triff das arme Volk auch noch eine angebliche Prophezeiung: Die Kinder, die vor 16 Jahren geboren worden sind, sind an den Fluss der Kaiserstadt gebunden und mit ihrem Heranwachsen würde das Wasser stand des Flusses stetig sinken. Um die Stadt vor dem Austrocknen zu bewahren, müssen alle Kinder, die vor 16 Jahren geboren sind, die Stadt verlassen. Um Sayuri vor dieser Verbannung zu und vor den Soldaten zu beschützen, beschließt Marje zusammen mit ihr zu fliehen. Auf ihrer Flucht treffen die beiden auf den Prinzen Kiyoshi, der sich aus irgend einem inneren Drang heraus den beiden anschließen will. Doch schon sehr schnell werden die drei voneinander getrennt und jeder muss für sich großen Gefahren oder großen Herausforderungen gegenüber stehen. So erfährt Sayuri von dem jungen Sujeen, dass sie selbst magische Kräfte besitzt, die sie nur richtig lernen muss anzuwenden. Kiyoshi hingegen wird in der Wüste von einem Söldnertrupp gefangen genommen und in eine Mine verschleppt. Hier trifft er auf einen bekannten Taller-Jungen, der sich einen großen Namen als Rebell gemacht hat. Sowohl aus Schuld- aber auch Pflichtgefühl setzt er sich für den jungen Rebell ein, während er selber nicht mehr weiss was in seinem Leben richtig und was falsch ist. Zu lange hat er in dem goldenen Käfig des Palasts gelebt und war eine Marionette für die Zwecke des Kaiserbruders. Doch noch etwas anderes beschäftigt ihn: Woher kennt seine eigene Mutter Sayuri ein Geheimnis, dass sie mit sich herum zu tragen scheint?

Das Buch wird nach einem Prolog in 3 Teile mit anschließendem Epilog aufgeteilt. Im ersten Teil erfährt der Leser über die angebliche Prophezeiung sowie der Suche nach einem 16-jährigen Kind, welches der Untergang für die Stadt sein soll. Im 2. Teil geht es darum, dass die Gefährten immer wieder voneinander getrennt werden und jeder für sich in ein ganz spezielles Abenteuer verwickelt wird. Im dritten und letzten Teil mit anschließendem Epilog wird endlich das Geheimnis um Sayuri und Kiyoshi gelüftet, von dem ich mich hüten werde zu erzählen. Es hält so viele Überraschungen parat, dass ich dem Leser nicht vorgreifen will, da sonst der Effekt, die Spannung und auch der Lesegenuss nicht mehr vorhanden sind. Carina Bargmann hat eine wunderbare, neue Welt erschaffen, in die es sich lohnt einzutauchen. So erhielten die Gestirne am Firmament ihren eigenen Namen, ebenso wie neue Fantasywesen, die sich die Autorin ausgedacht hat. Unter ihnen die Essjir, riesige Echsenwesen sowie Katzenwesen, genannt: Wiljar. Des Weiteren gibt es auch ein Wiedersehen mit bekannten Fantasywesen wie Irrlichter, Greife und Zentauren.

Die Geschichte ist der flüssig zu lesen, ebenso wie die Dialoge, die immer gut verständlich sind. Die Handlung ist stets nachvollziehbar. Die junge Autorin schreibt so bildgewaltig und mit einfacher Sprache, dass die Bilder der Handlung den Leser jederzeit im Kopf erscheinen und die Zeit bedingt durch das Kopfkino nur so dahinfliegen lässt. Ebenso hat die Autorin es geschafft die Spannungskurve kontinuierlich durch die Handlung ansteigen zu lassen, so dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte und wollte. Es hat mich einfach gefesselt und da jedes Kapitel sehr spannend endet und dem Leser neue Fragen aufwirft animiert es zusätzlich zum weiterlesen.

Die Haupt- als auch die Nebencharaktere wurden allesamt sehr gut ausgearbeitet, dass sie sofort sehr real wirken und der Leser sofort ein klares Bild von ihnen im Kopf hat. Kiyoshi ist der Neffe des Kaisers, als auch der Prinz der Kaiserstadt. Jedoch merkt er, dass er sich viel zu lange in dem Palast verkrochen hat und das eigentliche Leben in der Stadt nicht kennt. Sein Leben ändert sich, als er eines Tages Marje über den Weg läuft. Er erhält durch sie immer mehr das Gefühl nicht zu dem Leben im Palast dazu zu gehören. Sein Glaube und sein Leben stürzen im Lauf der Handlung immer mehr ein und er hat so viele Fragen, auf die er verzweifelt eine Antwort sucht. Marje ist eine junge Tallerin und die treibende Kraft in der Geschichte. Sie sucht nach Gerechtigkeit für ihr Volk, dass unter Wasserknappheit leidet. Sie hält auch nicht viel von der angeblichen Prophezeiung und hat nur ein Ziel: Sayuri zu beschützen. Doch während diesem Unterfangens verliebt sie sich auch gleichzeitig in den Prinzen Kiyoshi…. Sayuri ist ein blasses, hellhäutiges Mädchen mit weißem Haar. Keiner weiss genau wo das Mädchen das nie spricht herkam. Sie war einfach immer da. Sie betreibt in der Kaiserstadt einen Laden mit Kräutern, Heiltränken und Giften bevor sie aufgrund der Prophezeiung aus der Stadt fliehen muss. Was sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiss: Sie ist eine echte Magierin, die von einer Vorsehung zu etwas sehr viel größerem Vorgesehen ist…

Mein Fazit:
Ein wahnsinns Buch, dass mich von Anfang bis Ende gefesselt und überzeugt hat! Leider bin ich viel zu schnell auf der letzten Seite des Buchs angekommen, das mir zusätzlich noch einen Schauer über den Rücken gejagt hat.
Ich finde das Buch „Sayuri“ ist eine beachtliche Leistung wenn man bedenkt, dass die Autorin dieses Debüt im Alter von 17 Jahren geschrieben hat. In meinen Augen ist es ein voller Erfolg und ich hoffe in der Zukunft noch weitere Bücher von Carina Bargmann zu lesen. Volle Punktzahl für ein überragendes Meisterwerk!
Ich freue mich schon sehr die Autorin auf der Leipziger Buchmesse zu treffen und ein Interview mit ihr führen zu dürfen. Auch hierfür dem Arena-Verlag vielen herzlichen Dank für diese Gelegenheit.