2. Dezember 2009

[Rezension] Licia Troisi - Die Schattenkämpferin. Das Erbe der Drachen

Licia Troisi
Das Erbe der Drachen, DIE SCHATTENKÄMPFERIN-Reihe, Teil 2  
Originaltitel: Le Guerre del Mondo Emerso – La Setta degli Assassini
Verlag:
Heyne
Seiten: 528
Ausgabe:
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-453-26563-9
Preis: € 19,95

Es ist 40 Jahre her, seitdem die Halbelfe Nihal zusammen mit dem Magier Sennar die Aufgetauchte Welt von dem Tyrannen Aster befreit haben. Doch nun scheint Yeshol, ein treuer Gefolgsmann Asters und Anführer einer blutrünstigen Assasinengilde, einen Weg gefunden zu haben den Tyrannen zurück ins Leben zu rufen.
Nachdem Dubhe im Alter von 8 Jahren bei einer Rauferei versehentlich einen Jungen tötet, wird sie aus der Dorfgemeinschaft verbannt und in der Ferne ausgesetzt. Dort trifft sie den geheimnisvollen Mann Sarnek, der einst selbst zu den Assasinen gehörte und sich aber nun auf der Flucht vor ihnen befindet. Er nimmt Dubhe in die Lehre und in den folgenden Jahren wird aus ihr eine Meisterdiebein und eine perfekte Kämpferin. Jedoch wird sie bei ihrem letzten Auftrag ungewollt von der Assasinengilde von einem bösen Fluch belegt und nur ihr Führer Yeshol und seine Giftmischerin haben das Gegenmittel für sie. So wird Dubhe gezwungen sich der Sekte und ihren grausamen Mödervereinigung anzuschließen…

Wie bei der Drachenkämpfer-Trilogie hat auch hier Paolo Barbieri die Coverillustration des Schutzumschlags gestaltet und es ist ihm wieder einmal gelungen ein richtiges Gemälde zu zaubern.
So ist in der Mitte des Bildes eine Frau zu sehen, die zwischen zwei Bäumen steht und sehr gut die Hauptprotagonistin Dubhe sein kann, während man ihm Hintergrund schemenhaft einen Drachen erkennt. Im allgemeinen ist das Bild farblich sehr gut abgestimmt und zeigt eine gewisse Düsternis auf, die sich in der Geschichte fortsetzt. Der Name der Autorin sowie der Buchname wurden in weißen Buchstaben gedruckt währen der Name des Zyklus „Die Schattenkämpferin“ in Gold gehalten wurde und deswegen mit ein Blickfang für sich ist.
Klappt man das Buch auf, findet man vorne und hinten jeweils eine Doppelseite mit einer Weltkarte der Aufgetauchten Welt, sowie im hinteren Teil Skizzen vom Tempel und dem Quartier der Gilde.
„Das Erbe der Drachen“ ist keine Kopie der Drachenkämpferin-Triologie sondern eine für sich eigenständige Geschichte, die 40 Jahre später spielt, nachdem Nihal und Sennar das Land von dem Tyrannen Aster befreit haben. Ich finde, dass die Geschichte um Dubhe vielseitiger aufgebaut ist. Das merkt man schon alleine um an der gut ausgearbeiteten Handlung, die dunkler und emotionaler als bei den Vorgängern ist. Denn der Tod ist durch die Assasinengilde mit ihren blutigen Opferritualen, ihren Intriegen und tödlichen Machenschaften allgegenwertig und hat nichts mehr mit Drachen zu tun. Dennoch wurden einige mystische Ereignisse in die Handlung eingebaut und auch die aufgetauchte Welt ist wie in den Vorgängern erneut Dreh- und Angelpunkt in der Geschichte in der die Reise von Dubhe in den einzelnen Ländereien, die so detailliert beschrieben wurden, dass sie fantastisch zur Geltung kommen.
Licia Troisi ist im Schreibstil im Vergleich zu ihren Vorgängerbüchern gereift und hat sich weiterentwickelt. Der Erzählstil ist locker und fesselnder geworden, dass, als ich angefangen habe zu lesen, das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Sie schreibt in einem erzählerischen Tempo, dass man beim Lesen außer Atem gerät und sich nicht mehr von dem Buch lösen kann. Durch den ständigen Perspektivenwechsel der Erzählform wird es nie langweilig, da die Autorin versteht die Charaktere mit ihren Gefühlen und Gedanken zum Leben zu erwecken.
Licia Troisi teilt die Geschichte in diesem Buch in zwei Handlungsstränge auf. Während man in dem einen an Dubhes Vergangenheit von den Kindheitsgeschichten bis zur Meisterdiebin herangeführt wird, wird in dem anderen die Hauptgeschichte mit seiner mitreisenden Handlung erzählt. Beide Handlungsstränge finden erst am Ende zusammen, an dem sich alles fügt. Die Idee mit den Zwischenkapiteln, welche von Dubhes Vergangenheit erzählen, waren meiner Meinung nach viel zu lange und an manchen Szenen unnötig. Man hätte diese ganze Geschichten schneller und vor allem in weniger Kapiteln abhandeln können, denn sie haben den Lesefluss der eigentlichen Geschichte ein wenig gestört.
Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet und wirken sehr real und bodenständig. Die Hauptprotagonistin in dieser Reihe ist keine strahlende Heldin so wie in anderen Büchern, sondern eine Diebin und angehende Assasinin. Sie kämpft nur für ihre eigene Sache und versucht den ihr aufgezwungenen Fluch und somit ihr Leben unter Kontrolle zu bekommen. Ihr zur Seite steht Lonerin, der sich als Spion der Zauberer in die Assasinengilde eingeschlichen hat um hinter ihr Geheimnis und ihre Machenschaften zu kommen. Sehr schön finde ich, dass in dieser Handlung ein „alter Bekannter“, Ido, von der Drachenkämpferin-Triologie mit dabei ist und der Geschichte mit seiner Weisheit einen zusätzlichen Tiefgang verleiht.

Mein Fazit:
„Die Schattenkämpferin – Das Erbe der Drachen“ hat mich trotz seiner anderen und eigenständigen Handlungsgeschichte zu „Die Drachenkämpferin“ völlig überzeugt. Ich kann das Buch jedem empfehlen der Wert auf eine gute und spannende Fantasygeschichte legt, bei der es nicht um Drachen sondern viel mehr um Macht, Spionage und Herrschaft geht. Da das Ende in diesem Buch ein offenes Ende hat und ich wissen will, wie es mit Dubhe und Lonerin weitergeht, bin ich schon sehr auf den zweiten Teil gespannt. Vor allem weil mich brennend interessiert ob Yeshol es schafft Aster zurück auf die Welt zu holen.

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