16. Dezember 2009

[Rezension] Bernd Perplies - Erbe der Kristalldrachen

Bernd Perplies
Erbe der Kristalldrachen, TAREAN-Reihe, Teil 2
Originaltitel: Tarean – Erbe der Kristalldrachen
Verlag: Egmont-Lyx
Seiten: 512
Ausgabe:
Broschiert, Trade Paperback
ISBN: 978-3-8025-8184-7
Preis: 12,95 €
Leseprobe (.pdf)

ouhpuoh

 6 Monate ist es bereits her, seitdem Tarean den Hexenmeister besiegt hat. Seitdem lebt er zurückgezogen bei den Taijirin, den Vogelmenschen, und hat keine Ahnung wie es weitergehen und was er mit seinem Leben anstellen soll. Da erhält er plötzlich durch das Irrlicht Moosbeere einen Hilferuf, den die beiden zurück zu den Ruinen von At Arthonac führt. Unter der einstigen Burg, in den großen Tiefen, trifft Tarean auf einen der längst verschwunden geglaubten Kristalldrachen mit Namen Kesrondeia, der dort gefangen gehalten wird. Der Kristalldrache bittet Tarean ihresgleichen mit ihrem Sternenkristall zu befreien. Dazu muss Tarean zu den Glutlanden gehen, wo tief in den Dunkelreichen verborgen sich ein Siegel befindet, hinter dem der Herr der Tiefe die anderen Kristalldrachen verbannt hat. Doch Tarean muss feststellen, dass er in jenen Tiefen unter der Burg nicht nur einen gefangenen Drachen vorfindet, sondern auch Calvas’ Geist, der dort sein Unwesen treibt. Er fährt völlig unerwartet in den Körper der Taijirin Raisil, um einerseits Tarean zu vernichten und andererseits sich auf den Weg zu seinem Meister, dem Herrn der Tiefe zu machen. Und erneut muss sich Tarean zusammen mit seinen Freunden auf eine gefährliche Reise machen um seiner Bestimmung zu folgen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt…

Das Cover zu dem Buch ist sehr schön anzusehen und ist wieder ein kleines Schmuckstück im Bücherregal. Die Illustration mit Tarean und einem Drachen ist gelungen und passt zu der vorliegenden Geschichte. Auf der Innenseite der vorderen und hinteren Klappbroschur findet man zwei Karten, welche die Ländereien von Tareans Welt zeigen und dem Leser die Möglichkeit bieten, den Weg der Gefährten zu verfolgen. Leider fehlt in dem Buch ein kleines Glossar oder ein Namensregister, was dem Leser sehr gut helfen würde einen Überblick über die vielen verschiedenen Namen zu erhalten.

Nach dem viel versprechenden Debut „Sohn des Fluchbringers“ ist „Erbe der Kristalldrachen“ eine ehrwürdige Fortsetzung der Tarean-Saga. Bernd Perplies hat in seiner eigenständigen Geschichte eine phantastische Welt mit fremden Völkern und phantastischen Wesen geschaffen in der es neben Kampfszenen auch um Magie in Form von Zauberern, Leuchtschwerter und machtvolle Amulette geht. Diese Elemente hat der Autor gekonnt mit den eigenständigen Figuren, die in der nicht zu epischen und nicht zu flachen Geschichte voll zur Geltung kommen, mit einer schönen und abwechslungsreiche Welt mit völlig neuen Völkern verwoben, die mit ihrer Vielfalt in ein atemberaubendes Fantasiereich entführen.

Eine allgemeine Zusammenfassung des ersten Buchs vor der vorliegenden Geschichte des zweiten Buchs gibt es leider nicht, dennoch werden die Ereignisse in den eigentlichen Plot als Rückblenden eingeflochten. So rufen sie dem Leser die Ereignisse und wichtigsten Details ins Gedächtnis zurück und man findet einen nahtlosen Übergang zwischen den beiden Teilen. Mit diesem zweiten Teil „Erbe der Kristalldrachen“ kehrt der Leser an die Seite des Hauptprotagonisten Tarean zurück, dem Bernd Perplies keine Atempause gönnt, sondern schon das nächste Abenteuer für ihn parat hält. So wird er nach einem halben Jahr, nachdem er Calvas den Hexenmeister besiegt hat, noch einmal mit der dunklen Macht konfrontiert und muss erneut in die Welt hinaus ziehen, um dem Ruf des Kristalldrachens zu folgen. Natürlich gibt es bei diesem Abenteuer auch wieder genügend Action- und Kampfszenen, die sehr gut aufeinander abgestimmt sind. Ebenso findet Tarean auf seiner Reise neue Freunde, muss sich verzwickte Situationen stellen und es spielen zwischenmenschliche Beziehungen eine Rolle, bei der auch eine Liebesgeschichte leicht angehaucht wird.

Von der ersten bis zur letzten Seite des Buchs bedient sich der Autor einer kräftigen, ausdrucksstarken und bildgewaltigen Sprache. Er weiss mit seinem sicherer Schreibstil und seinem sehr gut ausgereiftem Handlungsstrang zu verzaubern. Er regt das Kopfkino so an, dass der Plot vor dem inneren Auge zum Leben erwacht und dem Leser keine Atempause gönnt. Trotz der sehr bildgenauen Beschreibung verliert er sich jedoch nicht im Detail und es wird auch nie langweilig, da Bernd Perplies den Spannungsbogen kontinuierlich strafft und auch während der Geschichte so einiges an Überraschungen parat hält. So lässt der Autor den Leser nicht unbedingt bis zum Ende des Buchs auf das große Finale warten, sondern lässt den Prota- und Antagonist immer wieder im Verlauf der Geschichte aufeinander treffen um Kämpfe auszufechten. Somit hat Bernd Perplies einen Gegner geschaffen, der sich bis zum Finale im Hintergrund aufhält sondern die ganze Geschichte hindurch greifbar und präsent ist. Insgesamt liest sich die Geschichte flüssig während man den Schreibstil mit einer Mischung aus Jugend- als auch einer anspruchsvollen Fantasyliteratur vergleichen kann. Die Geschichte ist in der Erzählform geschrieben, wobei der Leser hauptsächlich den Hauptprotagonist Tarean auf seinem Weg begleitet. Dabei werden auch die Gedanken und Beweggründe der Figuren nicht vernachlässigt, so dass der Leser diese nachvollziehen kann.

Bernd Perplies Charaktere wachsen einem richtig ans Herz. Sie sind sympathisch beschrieben und sind mit ihrem Handeln, ihren Gedanken und auch ihren Stärken und Schwächen sehr realistisch, dass sie beim lesen richtig real werden und der Leser mit ihnen mitfühlen, mit eifern, mitleiden und mitkämpfen kann. Jeder, egal ob sympathischer oder unsympathischer Charakter hat seinen ganz speziellen Platz und somit auch seine Berechtigung in der Geschichte. So gibt es in dem Plot zum Beispiel sehr viele Monologe, in dem jeder der betreffenden Figuren mit seinem eigenen inneren Dämon zu kämpfen hat. Neben Tarean trifft man auch andere alte Bekannte aus der ungewöhnlichen Truppe wieder. Unter ihnen der Taijirinprinz Iegi, der Werbär Bromm, die Albin Auril oder das freche Irrlicht Moosbeere. Aber es gibt auch neue Charaktere in der Geschichte. So zum Beispiel die Grawl oder besser gesagt Wolflingsfrau Haffta, die sich der Truppe anschließt und eigene persönliche Motive hat den Zauberer Calvas endgültig zu vernichten.

Mein Fazit:
Ein neuer, spannender High-Fantasy-Roman, der mit wunderbaren und bildgewaltigen Worten geschrieben wurde. Die Handlung war erneut von der ersten bis zur letzten Seite spannend und ich habe mich in der abenteuerlichen Fantasygeschichte als Leser sehr wohl gefühlt. Deswegen kann ich die Tarean-Trilogie jedem Fantasyfan nur wärmstens empfehlen und jeder, der bereits den ersten Teil dieser Saga gelesen hat, wird auch um diese Fortsetzung nicht herum kommen. Es lohnt sich auf jeden Fall! Obwohl das aktuelle Abenteuer hier in diesem Buch abgeschlossen ist, bleibt die weitere Handlung offen und hält im dritten Teil um Tarean eine mehr als interessante Geschichte parat. Ich freue mich schon sehr auf den diesen Teil, der den Titel: „Ritter des ersten Lichts“ trägt.

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